a 20131011 1649908749RAMMSTEIN live

 

Bericht: Petra Herz
Fotos: Petra Herz

 


Sehnsucht! Es war endlich wieder so weit: Rammstein auf Europa-Tour. Seit einigen Jahren verfolge ich die sechs Herren bei jeder ihrer Tour. Mit "Sehnsucht" zog es mich im August 1998 in die Berliner Wuhlheide. "Sehnsucht" hatte ich auch nach weiteren Rammstein-Konzerten. Es folgten im Mai 2001 die "Mutter"-Tour, im Dezember 2004 "Reise Reise" und im Juni 2005 "Reise Reise Open Air" in der Kindl-Bühne Wuhlheide. Was jedem sofort auffällt: die Abstände zwischen den Gastspielen der "Rammsteine" werden immer größer. Also hatte ich wieder "Sehnsucht" (u.a. eines meiner Lieblingswörter/-lieder), wollte mir nach so langer Zeit auch diese Tour nicht entgehen lassen. Im Oktober dieses Jahres erschien das neue Album "Liebe ist für alle da".

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Ich kaufte mir das Album in Form einer Doppel-Schallplatte und freute mich auf die anstehende Tour. Der Kartenverkauf verlief - wie gewohnt - sehr zügig. Innerhalb von nur wenigen Stunden waren beide Berliner Konzerte ausverkauft, so dass es nicht lange dauerte und zwei Zusatzkonzerte eingeschoben wurden. Ich war am Freitag beim ersten Berlinkonzert im Velodrom dabei.
Ab 19:00 Uhr befand ich mich auf dem Gelände des Velodroms, wo inzwischen schon Tausende dem Einlass frierend entgegen sahen. Es war lausig kalt in Berlin und die Menschenmassen schoben sich langsam Richtung Eingang. Für ganze zwei Euro konnte ich meine Jacke an der Garderobe loswerden und suchte mir danach mitten im Innenraum einen Platz am Zaun, direkt vor der Technik.
Zehn Minuten vor Beginn fühlte ich mich doch nicht mehr wohl an meinem Platz, denn ab genau diesem Zeitpunkt standen zwei Riesen vor mir, mindestens einen Kopf größer als ich. Ich war "etwas" frustriert, auch unterstützende Worte meiner Nachbarn nützten leider nichts. Einen anderen Ausweg gab es für mich aber leider nicht, schließlich waren alle anderen 11.999 Plätze (davon circa 5.000 im Innenraum, und fast 6.000 Sitzplätze im Außenring) bereits belegt.
Punkt 20:00 Uhr ging das Licht aus und die Vorband war am Zug. COMBICHRIST war für's Vorheizen zuständig. Der Frontmann fragte kurz: "Ready? Let`s go!" Sechs Titel präsentierten die vier Musiker mit einer unglaublichen Lichtshow. Beim Titel "Electrohead" schlugen beide Schlagzeuger im blauen Licht auf ihre Trommeln, und der Keyboarder, der sich mitten auf der Bühne zwischen zwei Keyboards entscheiden musste, benutzte gelegentlich beide. Nach einer guten halben Stunde verabschiedeten sie sich: "Vielen Dank Berlin!" Es folgte die Ansage des Hauses: Fluchtwege und Rauchverbot beachten.
Kurz nach 21:00 Uhr ging erneut das Licht aus. Rammstein-Rufe und anhaltendes Klatschen hallten durch's Velodrom. Die ersten Töne vom Intro erklangen, und vor lauter Aufregung spürte ich ein Kribbeln in meinem Bauch. Links und rechts strahlte auf der Bühne gebündeltes weißes Licht, und in der Bühnenmitte konnte ich bei rotem Licht eine ovale Schweißnaht beobachten, aus der dann Till mit einem Fußtritt hervortrat.
Till Lindemann, in knallroter Schürze und rotem Federkranz am Hals, eröffnete den Abend: "Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit. Nun das Warten hat ein Ende, leiht euer Ohr einer Legende, Rammstein, Rammstein". Später heißt es im Text vom "Rammlied": "Wir sind zurück, schalte ein". Treffender hätte man dieses Konzert nicht beginnen können. Was mich sehr freute, ich hörte es wieder, dieses rollende "R" des Herrn Lindemann, und das sogar aus einem rot leuchtendem Mund. Ich glaube genau das war es was mich damals an Rammstein u.a. fasziniert hat, das "R". Mit drei Titeln vom aktuellen Album, bei denen ich Schwierigkeiten hatte den Text zu verstehen, begannen die Rammsteiner ihre Show. Vor'm vernarbten Bühnenhintergrund spuckten Feuersalven und rotes Licht, in Form von glühender Asche. "Keine Lust" war dann der Titel bei dem ich mitgröhlen konnte, und alle anderen Fans natürlich auch. Hier erinnerte ich mich speziell an das Video mit den "dicken Rammsteinern". "Weißes Fleisch" vom 95er Album "Herzeleid" donnerte mit einem Schlagzeugsolo durch die Halle, und bei "Feuer Frei" (vom "Mutter"-Album) knallte es wie gewohnt auch am Ende "Bang, bang". Kurz darauf erschien Till sitzend in einem Sessel, von Tischchen und Lämpchen umgeben, im "Wiener Blut" hieß es dann: "Die Tür fällt zu, das Licht geht aus" (das Licht in der Halle ging wirklich aus, wenige grüne Laserstrahlen erleuchteten) "Seid ihr bereit, seid ihr so weit? Willkommen in der Dunkelheit". Als es wieder hell wurde explodierten in einem Feuerwerk die auf der Bühne hängenden Puppen.
Eigentlich heißt die Textzeile in "Rein raus": "Ich bin der Reiter, du bist das Ross". Da aber Till als Ross fungierte und Flake als Reiter, wurde der Text kurzerhand abgeändert in "Du bist der Reiter, ich bin das Ross". Nach dem Ausritt fuhr Till mit einer Milchkanne auf einer Säule hoch hinaus und inszenierte in gewohnter Pyromanie von dort aus einen sprühenden funkelnden Wasserfall, der die Badewanne auf dem Bühnenboden erreichte. Kurz darauf tauchte Flake in einem Paillettenanzug auf, und begab sich auf's drehbare Laufband an sein Keyboard. Dort absolvierte er in der nächsten Zeit im Gehen so einige Kilometer.
Im rot-weißen Licht zelebrierten die Rammsteiner ihren neuen Albumtitel "Liebe ist für alle da". Im Anschluss wurde eine Zapfsäule auf die Bühne geschoben, und als es hieß "Willst du dich von etwas trennen, musst du es verbrennen" entzündete Till mittels seiner Zapfpistole einen Menschen, der anschließend hilflos auf der Bühne hin und her rannte. Natürlich alles nur Show, unter strengsten Sicherheitsbestimmungen.
Nachdem wir mit "Links" marschierten und dachten, es könne keine Steigerung mehr geben, waren die ersten Töne von "Du hast" zu hören. Alle sangen lauthals mit, ich auch. Till nahm seine Armbrust zur Hand und schickte seinen Feuerpfeil durch das Velodrom, bis zur Technik. Und das Feuer blieb am Lodern als auch noch "Pussy" (der Titel steht inzwischen auf dem Index) hinterher "gefeuert" wurde. Nachdem eine Schaumkanone bereits die Fans im vorderen Bühnenbereich befeuchtet hatte, sorgten am Ende Konfettikanonen für einen schwarz/rot/gelben Konfettiregen, Till rief: "Berlin, danke schön", und die gesamte Band verließ die Bühne. Rammstein waren in der Besetzung Till Lindemann (voc), Flake (key), Richard Z. Kruspe (git), Oliver Riedel (bass), Paul Landers (git) und Christoph Schneider (drum) an-, und nach eben erwähntem Konfettiregen abgetreten....
Das sollte es aber noch lange nicht gewesen sein. Die sechs Rammsteiner kamen zurück und setzten noch einen oben drauf: ihre "Sonne" strahlte im Velodrom. Bis dann wieder ein Titel des aktuellen Albums zu erleben war... "Wir halten zusammen, wir halten miteinander aus. Wir halten zueinander, niemand hält uns auf. Wir halten euch die Treue, wir halten daran fest. Und halten uns an Regeln, wenn man uns regeln lässt". Flake mimte den "Haifisch" und ließ sich in einem Schlauchboot von den Massen mit einer Leichtigkeit durch die Halle tragen. Anschließend stellte Till seine üblichen Fragen: "Könnt ihr mich hören? Könnt ihr mich fühlen? Könnt ihr mich sehen?" Mit dem Sehen hatte ich so meine Probleme, aber alle anderen Fragen konnte ich positiv beantworten. Mir fehlte in diesem Augenblick noch ein Lied, aber ich hatte Glück... die Rammsteiner kamen erneut auf die Bühne zurück, Till in verändertem Outfit: Er hatte Flügel auf seinem Rücken und auch einen singenden "Engel" (eine junge Dame) dabei. Den Mund bekam ich nicht mehr zu als er seine Flügel ausbreitete, eine unheimliche Spannweite kam zum Vorschein. Und was wäre Rammstein ohne Feuer? Natürlich entwickelten sich die Flügel zu Flammenwerfern. Als alle Feuer erloschen waren verabschiedete sich Till Lindemann gegen 22:45 Uhr von seinen Fans: "Vielen Dank, danke schön", und Flake ließ mit seinen letzten Keyboardtönen den "Engel" verstummen.
Ich verabschiedete mich von meinen Konzertnachbarn zur Linken, Susanne und Faron, das Pärchen war aus Dänemark angereist, bewunderte den konfettireichen Fußboden und wurde bereits 10 Minuten nach Konzertende von der Securitymannschaft aus dem Innenbereich entfernt. Nun heißt es wieder warten, warten auf die nächste Rammstein-Tour. Hoffentlich verkürzen sich die Tourabstände wieder, damit die "Sehnsucht" bald wieder gestillt werden kann.



 

Foto Impressionen:
 
 
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