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Bericht: Petra Herz, Mirko Dietz
Fotos: Petra Herz

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Bericht: Petra Heinzel
Heutzutage gibt es viele Coverbands. Nicht bei allen ist es nötig sie zu entdecken. Es gibt aber Bands, bei denen es sich lohnt reinzuhören. So auch bei der Randgruppencombo. Der Liedermacher Gerhard Gundermann ist leider viel zu früh verstorben. Er hat aber ein riesengroßes Repertoire an Liedern hinterlassen, die - so finde ich - nicht nur in einer Schublade verschwinden sollten oder dem privaten Hörgenuss vorbehalten bleiben sollten. So freut es mich und auch viele andere, dass die Randgruppencombo diese schönen Lieder mit aussagekräftigen Texten weiter tragen. Sie tragen sie in die Öffentlichkeit, und das nun schon seit einigen Jahren... genau seit Juli 2000.

Wie gewohnt spielte die Rundgruppencombo auch im Jahr 2009 in Berlin auf. Die Tübinger sind inzwischen bekannt für ihre gekonnte Live-Umsetzung. Deshalb spielten sie an zwei Tagen vor ausverkauftem Haus. Deutsche Mugge war herzlich eingeladen, und ließ es sich natürlich nicht entgehen den Tübingern live "über die Schulter zu schauen". Am 29. Dezember waren wir live vor Ort als die Randgruppencombo im Postbahnhof aufspielte.
Rechtzeitig sicherten wir uns einen guten Platz, denn im Postbahnhof gibt es (zum Glück) nur Stehplätze. Im selben Moment begrüßte ich direkt neben uns liebe Freunde aus Braunschweig. Wie sich später heraus stellte hatten andere Konzertbesucher einen noch viel weiteren Anreiseweg. Ein Vater aus Norwegen war mit seinem Sohn Frieder aus Schweden angereist. Er wollte seinem Sohn unbedingt die Lieder live präsentieren, die er ihm als Kind vorgespielt hat.

Um 20:10 Uhr kam dann vom Band der Einspieler "Immer wieder wächst das Gras", bei dem Heiner Kondschak und Eberhard Hahn (ganz neu in der Kapelle) auf die Bühne kamen. Ein kurzes "Hallo" vom Bandchef Heiner Kondschak sorgte bereits für's erste Brechen des Eises. Es machte ihn irgendwie auf Anhieb wieder einmal sympathisch. Mit einem neu ins Programm genommenen Titel eröffneten die beiden Herren den Konzertabend. Heiner stand mit gleich zwei Instrumenten bestückt am Mikrofon, nämlich der Mundharmonika und der Akustikgitarre. Eberhard mit Querflöte (später auch mit Klarinette). Nach "Drachentöters Vater" begrüßten sie an ihrer Seite den Rest ihrer großen Band:

Uschi Berberich - Keyboard, Akkordeon
Ester Daniel - Saxophon (Alt, Sopran), Whistles
Rupert Hausner - Saxophon, Bouzouki, Gesang, Whistle
Tilmann Pröllochs - Trompete, Keyboard, Triangel
Gerd Ritter - Bass
Christian Dähn - Schlagzeug
Tini Stiefelmayer - Geige

Sie lernten sich beim Landestheater Tübingen kennen, hatten dort ganz unterschiedliche Funktionen: vom künstlerischen Leiter, Verwaltungsdirektor, Schauspieler, Regieassistent bis hin zur Sekretärin.
Nachdem die Combo im "Hungerherz" mit einem hervorragenden Satzgesang aufwarten konnte, richtete Ester einige Worte an das Publikum: "Vielen vielen Dank und herzlich Willkommen zu `Immer wieder wächst das Gras`. Unglaublich wie viele gekommen sind. Danke für den warmen Empfang! Im Juni 1998 starb er, Gerhard Gundermann. Wir haben erst zwei bis drei Jahre später die Lieder kennen gelernt". Heiner ergänzte: "Wir kommen vom Landestheater Tübingen, nahe Stuttgart. Wir haben vor neuneinhalb Jahren angefangen diese Lieder zu spielen. Haben nicht wirklich damit gerechnet, dass wir heute hier sein werden. Wir sind in den neuen Bundesländern `Hallo Ossis`, schön dass wir bei euch sein dürfen". Passend ging es mit dem Ossi-Lied "Hier bin ich geboren" weiter im Programm. Heiner, ein viel beschäftigter Mann, erzählte, dass Heiligabend sein einziger freier Tag im Dezember war. Und genau deshalb drehte er "Mein Herz hat heute Ruhetag" richtig laut. Laut aber nur im eigentlichen Sinn, denn sogar direkt vor der Bühne erklangen die Lieder im absolut perfekten Sound. Heiner entledigte sich zwischendurch seines langärmeligen Shirts und begrüßte Conny: "Wir haben sie heute noch nicht getroffen. Aber wir wissen dass sie da ist. Hallo Conny, schön dass du da bist". Für Conny spielten sie ihr "Hochzeitslied". In dem Moment rutschten meine Gefühle eine Etage tiefer, ich war sehr berührt. Das sei aber nur kurz am Rande erwähnt, denn an diesem Abend sollten Gundis Lieder gefeiert und geliebt werden.

Mit einigen meiner Lieblingstitel ging es weiter. Obwohl es sehr schwierig ist Lieblingstitel auszuwählen. Gundis Lieder sind sehr unterschiedlich, und die Texte alle sehr sehr wichtig. Beim Titel "Linda", den Gundi seiner Tochter gewidmet hat, kamen zwei Geigen (Tini und der Schlagzeuger Christian) zum Einsatz, und das Publikum zeigte sich absolut textsicher. Daraufhin hatte Heiner die fixe Idee, ein Konzert auf die Beine zu stellen bei dem die Randgruppencombo die Instrumente spielt, und das Publikum Heiners Gesang übernimmt. Die Combo zeigte sich sehr vielseitig. Sie wechselten zwischen ihren vielen Instrumenten, und beim "Vögelchen" gab es am vorderen Bühnenrand einen hervorragenden 7-köpfigen a cappella Gesang. Aber auch die Fans sangen am gesamten Abend fleißig mit. Sogar einen Musikerwitz hatte Heiner parat: "Kommt ein Musiker zum Arzt: Sie haben noch drei Monate zum Leben. Der Musiker darauf: Ja, von was denn?" Die Randgruppencombo spielte daraufhin das unveröffentlichte Lied "Unser Auto ham se abgeschleppt", in dem es heißt: "...für dich nur, Menschenmädchen, zeig mir dein offenes Gesicht, ach dich nur, Menschenmädchen, eine andere Gage will ich nicht". Sie beendeten es mit einem "cha cha cha". Mit "Gras" und Geige, Klarinette, Triangel und vielen anderen Instrumenten schunkelten wir gegen 21:30 Uhr in die Pause.

Eine halbe Stunde später freute sich Heiner: "Schön, dass ihr uns wieder erkannt habt. Die Kollegen haben getrunken. Ich habe geduscht, da die erste Reihe hier so nah ist". Ganz neu in ihrem Programm präsentierten die neun Musiker "Es kommt der Tag". Der Titel war anders arrangiert als ich ihn kannte. Drei Bläser (zwei Mal Saxophon und eine Trompete) sorgten für ein großartiges Ende. Bei "Ich mache meinen Frieden" heizte der Schlagzeuger Christian dem Publikum ordentlich ein. Heiner und Tini feuerten ihn kräftig mit Gitarre und Geige an, und das Publikum sang "na na na na na". Als dem Basser Gerd dann eine Saite gerissen war, hatte Heiner keine Schwierigkeiten die Zeit geschickt zu überbrücken. Er sagte: "Ja, und ansonsten" und pustete nach einer gewollten Pause. Nebenbei erklärte er die Randgruppencombo als demokratische Band: "Unser Grundprinzip: Wir sind eine volldemokratische Band. Überlegen alle und... ich entscheide dann. Ob wir den nächsten Titel spielen wurde 8:1 fürs Spielen entschieden. Wer dagegen war wird nicht verraten. Gegen seinen Willen muss Gerd ans Schlagzeug". Eines der ersten Gundi-Lieder "Männer und Frauen", von seiner ersten Platte, erklang mit zwei Geigen, Klarinette und u.a. im Satzgesang.

Heiner zeigte sein Können an vielen Instrumenten: Gitarre, Flöte, Saxophon, Mundharmonika,... für "Europa" setzte er sich ans Keyboard, das auf der Bühne hinten links seinen Platz hatte. Kurz darauf herrschte Volksfeststimmung im Postbahnhof. Mit "Wenn ich wär" wurde ausgelassen getanzt und gesungen. Rupert nahm einen Schellenkranz zur Hand und Tilmann ließ zwei Becken aneinander schlagen. Neun Musiker, die hervorragend miteinander agierten, ihre Positionen und Instrumente mit einer Leichtigkeit wechselten und viel Liebe ins Detail packten, bekamen noch Verstärkung. Für mein "Herzblatt" holte Heiner Andreas Rogge "Mr. Pipes" mit seinem Dudelsack hinzu. "Mr. Pipes" verschönerte u.a. auch die Titel "Keine Zeit mehr", das in einem Pfeiffkonzert der Instrumente endete, und "So wird es Tag". Die Randgruppencombo erntete sehr viel Beifall, Beifall ohne Ende. Heiner sagte: "Es ist total toll bei euch zu spielen!". "Einmal" spielte er auf der Querflöte und Ester übernahm für ihn die zweite Strophe. Die Einleitung und auch das ausklingende Ende zum Titel lieferte Rupert mit einem Gerät ganz besonderer Art. Mit einem Drumstick klopfte er in gleich bleibenden monotonen Schlägen auf das Gerät, ein Teil vom Elektroschlagzeug.

Emotional sehr berührend dann die Textzeilen aus "Kommen und gehen", die Heiner nur in Begleitung seiner Gitarre vortrug. Die Textzeilen werde ich am Ende des Konzertberichtes zitieren. Um 23:10 Uhr verneigte sich die komplette Band vor einem sehr dankbaren Publikum. Heiner dankte allen Verantwortlichen und verkündete dass Tilmann noch im Jahr 2009 die Randgruppencombo verlassen wird, da er nach Oldenburg zum Staatstheater geht. Natürlich gab es, wie man es von der Randgruppencombo gewohnt ist, reichlich Zugaben. Im Postbahnhof wurde noch mit "Alle oder keiner", mit Gundis letztem aber auch Lieblingslied "Fliegender Fisch" und "Gras" gefeiert. Im Saal wurde deutlich, dass das noch nicht alles gewesen sein konnte. Sehr heftig wurde nach weiteren Zugaben verlangt. Heiner kam zurück: "Also einen noch". Für diesen einen die "Revolution Nr.10" hatte er seine schwarze Drehleier mitgebracht, und kurbelte was das Zeug hielt. Mit "Leine los" und anschließend "Weisstunoch" und dem abschließenden "yeah yeah yeah yeah" beendeten sie gegen 23:45 Uhr einen langen Konzertabend.

Anschließend waren die Musiker noch im Saal zu finden, offen für Gespräche. All meine Fragen wurden mit viel Geduld beantwortet. Schließlich erweiterte ich noch meine Vinyl-Sammlung am Buschfunk-Stand. Wer wiederum die Konzerte der Randgruppencombo verpasst hat kann sich über den Buschfunk mit deren Musik vertraut machen:
Doppel-CD "Immer wieder wächst das Gras" Die Randgruppencombo spielt Gundermann (2001)
CD "Live in Ost-Berlin" Die Randgruppencombo spielt Gundermann (2004)

"Alle die gehen wollen sollen gehen können. Alle die bleiben wollen sollen bleiben können. Alle die kommen wollen sollen kommen können. Alle die gehen wollen sollen gehen können."

 


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Bericht: Mirko Dietz
Wie jedes Jahr um die gleiche Zeit spielte auch am 29.12.2009 wieder die Randgruppencombo im "Postbahnhof" am Ostbahnhof in Berlin. Dieses Ereignis lassen sich viele Leute nicht nehmen, und so war der Besuch der Musiker am nachweislich letzten Dienstag des alten Jahrzehnts wieder sehr gut besucht.
Die Randgruppencombo ist keine normale Band. Allein schon die Idee, die dahinter steckt, ist kurios. Der Musiker, Autor und Gründer der Randgruppencombo Heiner Kondschak hörte vor einigen Jahren den Musiker Gerhard Gundermann im Autoradio. Bis jetzt ist das noch nichts Besonderes. Bemerkenswert wird es dann wenn man erfährt, dass Kondschak aus dem Westen, genauer gesagt aus Tübingen im Schwabenland kommt. Nach diesem Erlebnis im Auto beschaffte er sich diverse CDs und Bücher über und von "Gundi" und fasste den Plan, den musikalischen Nachlass des leider schon verstorbenen Musikers Gerhard Gundermann am Leben zu erhalten. Kurzentschlossen stellte er sich eine Band aus befreundeten und interessierten Kollegen vom Theater zusammen. Das war die Geburtsstunde der Randgruppencombo.
Nach der Premiere im Oktober 2000 folgten zahlreiche Konzerte in Ost und West, und selbst eingefleischte Gundermann-Fans fühlen sich von Randgruppencombo und ihrem Vortrag von Gundis Klassikern magisch angezogen, was bei der Qualität der Randgruppencombo-Interpretationen nicht weiter verwunderlich ist.

Am 29.12.2009 war die Tübinger Band mal wieder in Berlin und schon Wochen vor dem Konzert freute ich mich auf diesen Abend. Ich wurde auch nicht enttäuscht! Ich machte mich auf den Weg zum Postbahnhof um kurz vor Jahresende noch einmal den Texten und der Musik von Gundermann zu lauschen. Von vorherigen Konzerten der Gruppe wußte ich, dass die Musiker auf der Bühne wirklich alles geben und die Stimmung im Zuschauerraum immer hervorragend ist. Das Spektakel auf der Bühne, bei dem bei jedem der Auftritte über 30 verschiedene Instrumente zum Einsatz kommen, läßt sich in wenigen Worten nicht beschreiben. Die ganze Bühne steht voller Instrumente und jeder der Musiker beherrscht gleich mehrere davon. Die Randgruppencombo hat über die Jahre ihres Bestehens das Bühnenprogramm ständig ergänzt, erweitert, verbessert und angepasst. Inzwischen gibt es eine Vielzahl Gundermann-Songs, die die Gruppe live spielt, darunter auch einige nicht so bekannte Titel. Was in keiner Sekunde des Konzertes auffiel war, dass auf der Bühne eigentlich keine Musiker standen, sondern dass die Herrschaften, die dort die Instrumente perfekt bedienten, hauptberuflich Schauspieler und andere Theaterleute sind.

Jetzt könnte der Eindruck entstehen, die Randgruppencombo würde Gundermann kopieren und mit dem Werk des "singenden Baggerfahrers" auf einer "fremden" Welle schwimmen. Weit gefehlt! Die Musiker spielen die Gundermann-Songs in ihrer eigenen Weise und das mit absoluter Hingabe. Da wird nicht kopiert! Es wird gefeiert und geehrt, liebevoll arrangiert und mit eigenen Ideen angereichert. Hier ein Solo-Vortrag, da ein Chorgesang, an anderer Stelle wird das Saxophon ausgepackt oder es werden Geräusche mit dem Mund gemacht. Dem Einfallsreichtum der einzelnen Musiker ist in ihrem eigenen Programm keine Grenze gesetzt. Dies eben beschriebene Spektakel, dazu die hohe Qualität der Interpretationen und die ständige Bewegung auf der Bühne machen das Programm der Tübinger Band zu einer Pflichtveranstaltung. Die Randgruppencombo ist eine Band zum Anfassen, die auch während ihres Auftritts den Kontakt zum Publikum sucht (und findet). Über die gesamte Länge des Konzerts war eine ausgesprochen gute Stimmung im Saal. Ich habe schon Konzerte von anderen, "größeren" Musikern besucht, wo nichtmal ansatzweise eine solche Stimmung geherrscht hat, wie an diesem Dezemberabend im Jahre 2009 in Berlin.

Wer die Randgruppencombo noch nicht gesehen hat, sollte dies schleunigst nachholen. Es könnte gut sein, dass dies der Beginn einer lange währenden Freundschaft wird, und man immer und immer wieder zu ihnen hingehen wird. Die Band reißt mit, begeistert und setzt mit ihrem Spiel eine ganze Menge Glückshormone frei. So ging es mir und wohl auch dem restlichen Publikum im Berliner "Postbahnhof", denn es wurden mehrere Zugaben erklatscht, die wir auch bekommen haben.
Konzertbewertung: Ein Erlebnis der Extraklasse. Muss man gesehen und gehört haben!!!

 


 

Foto Impressionen:
 
 

   
   
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