"60 Jahre AMIGA": Ein besonderer Talk-Abend am 15.04.2008 in Dresden
(mit Jörg Stempel, Jäcki Reznicek und Thomas Putensen)

 

Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann

Im vergangenen Jahr feierte das älteste deutsche Plattenlabel, AMIGA, seinen 60. Geburtstag. Das wurde mit vielfältigen Veröffentlichungen und Aktionen gefeiert. Einen großen Anteil an der jüngeren AMIGA-Geschichte hat Jörg Stempel. Von 1980 bis 1988 war er Redakteur bei AMIGA / VEB Deutsche Schallplatten und später, von ca.1990 bis 1993, Vertriebsleiter Ost der BMG Ariola. Ab 1994 war er Labelmanager AMIGA bei BMG Berlin. Mittlerweile ist Jörg Stempel für Sony BMG tätig. Dieser Mann hat viel zu erzählen und das tut er auch ausgiebig auf Tour in verschiedenen Städten bei Talk-Abenden mit Gästen.
Am 15.04.2008 fand eine dieser Veranstaltungen in der sächsischen Landeshauptstadt statt. Bei trüben, regnerischen Wetter machten wir uns auf den Weg ins Societaets-Theater Dresden. Die grobe Richtung war uns ja klar, aber es dauerte dann doch eine Weile das versteckt gelegene Theater zu finden. Als wir dort eintrafen, waren nur wenige Gäste gekommen. Darunter waren aber dankenswerterweise einige liebe Bekannte. Am Ende mögen es etwa 40 zahlende Besucher gewesen sein, die die Veranstaltung besuchten. Ob es am miesen Wetter lag oder daran, dass es an einem Wochentag war? Ich habe keine Ahnung, aber wer nicht dort war, hat echt etwas verpaßt.
Der Abend begann mit einem Einspiel von der Konserve. Als Einstimmung erklangen die legendären Sputniks. Dann nahm Mister AMIGA , also Jörg Stempel, auf der Bühne Platz und begann locker über AMIGA und seinen damit verbundenen Lebensweg zu plaudern. So erfuhr man zum Beispiel für welchen Preis AMIGA damals an BMG verkauft wurde, und dass der Kaufpreis sich unheimlich schnell bezahlt gemacht hat. Ebenso interessant war es zu hören, was es mit der Auflage der bei AMIGA erschienen Lizenzausgabe der BAP-LP "Vun drinne noh drusse" auf sich hatte. Auch plauderte Jörg Stempel über die Nachwende-Zusammenarbeit mit Manfred Krug, aus der 3 CD's hervorgingen.
Das ganze wurde musikalisch von Thomas Putensen am Klavier begleitet. Es war schnell zu merken, dass das Publikum bereit und willens war, sich auf die Zeitreise entführen zu lassen. Spätestens als Putensen bekannte Kinderlieder wie "Uns're Heimat" und das "Matrjoschka-Lied" ("Wie ein Brot so dick und rund, wie die Blumen lustig bunt..".) interpretierte, war das Eis auch beim letzten Gast gebrochen. Textsicher wurden diese Lieder mitgesungen. Dabei hatte sicher jeder seine eigenen Erinnerungen.
Putensen ist der geborene Entertainer, pfiffig und schlagfertig lieferte er sich mit Stempel den einen oder anderen humorvollen Schlagabtausch. Musikalisch breit gefächert spielte er an diesem Abend auf dem Klavier unter anderem Stücke von Silly, Pankow, Manfred Krug und auf Zuruf aus dem Publikum zum Beispiel die Titelmelodie des DEFA-Filmes "Solo Sunny", welches im Original damals von Regine Doberschütz gesungen wurde. Mit seiner humorvollen Art, seiner markanten rauchigen Stimme und seinem explosiven Klavierspiel begeisterte er nicht nur mich.
Als Talk-Gast hatte sich Jörg Stempel an diesem Abend keinen geringeren als den gebürtigen Dresdner Jäcki Reznicek eingeladen. In lockerer Atmosphäre plauderte man über den Lebensweg von Jäcki und über die AMIGA-Geschichte. Reznicek ließ sich auf das humorvolle Wortgeplänkel mit Jörg Stempel ein und fast nebenbei erfuhr man sehr viel aus dem Leben eines erfolgreichen Musikers, der übrigens auf vielen, vielen AMIGA-Alben den Bass einspielte. So erfuhren wir, dass Jäcki seine ersten Schritte in Lockwitzer Schülerbands unternahm. Außerdem wurden die vielen weiteren Karriere-Stationen Rezniceks etwas näher beleuchtet, angefangen von der Klaus-Lenz-Bigband, über die Vroni Fischer Band und die daraus entstandene Band 4 PS, bis hin zu seinen bekanntesten Stationen, die da PANKOW und SILLY heißen. Völlig an mir vorbei gegangen ist beispielsweise damals, dass Jäcki Reznicek einige Jahre Bassist bei King Køng, der Alternativ-Band um Farin Urlaub (ja, genau der von "Die Ärzte") war. Reznicek braucht und liebt die Abwechslung, deshalb spielt er gerne mit anderen Künstlern wie zum Beispiel Barbara Thalheim oder Joachim Witt zusammen. Außerdem ist er Professor an der Hochschule für Musik "Carl-Maria von Weber" in Dresden und hat schon einige Basslehrbücher geschrieben und veröffentlicht.
Jäcki erzählte auch über seine jahrelange Zusammenarbeit mit der Firma Warwick, die bisher darin gipfelte, dass Jäcki Reznicek einen eigenen Bass entwerfen durfte, der exklusiv und numeriert bei der Firma für schlappe 5000 bis 7000 Euro (je nach Ausstattung) bestellt werden kann. Jäcki besitzt den Bass mit der Nummer 1, die Nummer 0 steht bei Warwick. Dieses Instrument kann bei der Firma bestellt werden und wird dann sofort für den jeweiligen Auftraggeber gebaut.
Stempel kitzelte gekonnt die Informationen aus Jäcki heraus und hatte auch sichtlich Spaß daran. Außerdem band er das Publikum ständig in die Talk-Runde ein und reagierte sofort auf die Fragen aus dem Publikum heraus. Ein weiteres Highlight war das Liederraten das Putensen mit Reznicek veranstaltete. Er schlug eine Taste auf dem Klavier an und Jäcki sollte raten um welchen Beatles-Klassiker es sich dabei handelt. Außerdem hat "Pute" es sogar geschafft, Jäcki an der einen oder anderen Stelle zum Mitsingen zu bewegen.
Nach rund zwei Stunden war die unterhaltsame Geschichtsstunde leider schon vorbei. Doch alle drei Protagonisten des Abends standen den Gästen dann noch für ein nettes Gespräch und/oder Autogramm zur Verfügung. Es lohnt sich auf jeden Fall, so eine Veranstaltung mit Jörg Stempel und Gästen zu besuchen.


 

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