Gedenk-Konzert für Igor Flach
am 10.04.2008 im Kesselhaus Berlin

 

Bericht: Andreas Hähle
Fotos: André Serfas

igor 20121125 1148361619

Igor Flach zählte zu den wohl weltweit besten All-Category-Harp-Spielern. Er produzierte zwischen 1994 und 2004 sechs Solo-Alben, war Gastmusiker bei zahlreichen Bands und Solo-Künstlern, u.a. bei Louisiana Reed, der Uwe-Ochsenknecht-Band, Stefan Diestelmann, den Yardbirds, Abi Wallenstein, Rock Howard... Am 8. März 2008 verstarb Igor Flach unerwartet im Alter von 41 Jahren in Berlin.
Knapp einen Monat nach diesem tragischen Ereignis organisierten Freunde und Kollegen unter dem Motto "Gone Forever - Away Never" ein Gedenk-Konzert für ihn am 10. April 2008 im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei. Konzerte dieser Art zu organisieren ist besonders schwierig. Wegen der Kurzfristigkeit und bereits bestehender terminlicher Verpflichtungen der Künstler, auch wegen des traurigen Anlasses und der damit verbundenen Betroffenheit. Insofern war es sicherlich ein unheimlicher organisatorischer und logistischer Aufwand, den die Organisatoren und deren Helfer betrieben, und umso überraschender die Fülle der zu diesem Gedenk-Konzert angereisten Musiker und Gäste. Die Kulturbrauerei wirkte in den über sechs Stunden dieses Konzertes teilweise gar überfüllt.
Groß war die Anzahl der konzertanten Konsulanten bei diesem Gedenk-Konzert für Igor Flach, das von Sören Birke moderiert wurde. Da waren unter anderem: Bluesrudy, die Harmonika-Ringelpitz-Band, die im Januar 2007 von Igor selbst initiiert wurde; die Spree-Boys, die älteren "Jungs", die schon seit Jahrzehnten ein Mundharmonika-Trio sind, gegründet in einer Zeit, als andere Instrumente zu teuer waren und Mundharmonikas einigermaßen erschwinglich und deshalb wohl auch Mundharmonika-Trios wie Pilze aus dem Boden schossen - diese Zeit und alle kommenden "überstanden" habend, sind die "Spree-Boys" vermutlich das einzige verbliebene Trio dieser Art in Berlin; Gerhard Plesch aus Klingenthal, der in der dortigen Musikinstrumentenwerkstatt einst der Rein-stimmer für alle da hergestellten Mundharmonikas war; die Herren von "Speiche´s Monokel Blues Band", teilweise begleitet von Hans die Geige, der an diesem Abend in seiner ganz besonderen Art so manchen Auftritt anderer Künstler mit dem Klang seiner Geige und seiner eigenen Spielweise unterstützte; Detlef Grobba und seine Band mit einem instrumentalem Feuerwerk um sein feuriges Mundharmonikaspiel; Tino Standhaft, der u.a. einen Neil-Young-Song spielte, gesungen von Igor Flachs 8jähriger Tochter Nastassja; Abi Wallenstein mit den Dresdner Musikern Sven (Mundharmonika) und Rainer (Piano), mit dem Igor Flach viele gemeinsame Konzerte gab; Georgi Gogow und Band, die zwei neue Songs für diesen Abend schrieben und spielten - in der Band auch Torsten Adrian, der anschließend ein Solo auf der Maultrommel zelebrierte (Adrian: "Maultrommel = Mundharmonika + Schlagzeug"); Chris Ramberg mit seiner Band, zu der überraschend Steve Baker stieß und zu einem weiteren Auftritt auch Abi Wallenstein; Michael Falkenstein, der zu diesem Konzert sich eigens eine Band zusammentelefonierte, die quasi in der letzten Minute durch die Sängerin Mara Kimm komplettiert wurde; Thomas Putensen, Andi Wieczorek, Anett Kölpin & Band, die eigentlich an diesem Abend einen Auftritt gemeinsam mit Günther Fischer und ihrem aktuellen "Manfred-Krug"-Programm im Freiberger Tivoli gehabt hätten und diesen verlegten (dieses Konzert wird am 10. Januar 2009 nachgeholt); The Alleycats, die ebenfalls sehr viel gemeinsame musikalische Erlebnisse mit Igor Flach hatten wie die meisten der auftretenden Künstler, so auch die nachfolgende Band um Kat Baloun (Gesang und Mundharmonika) mit Nina T. Davis (Piano) und Tom Blacksmith (Bass); mit einem a-capella-Gesang Ricky Khan; eigene Songs und einen Song von Igor Flach spielend Strahli mit Andy Stormfinger an der Gitarre; der legendäre Lausitzblues Bulldog, der mal Bodybuilder war, einen schweren Motorradunfall hatte und danach durch den Blues wieder ins Leben zurückfand; ST, der gemeinsam mit Bernd Kleinow und Big "Joe" Stolle auftrat; die "Engerling-Blues-Band", die mit "Mama Wilson" ihren Song für einen anderen verstorbenen Mundharmonikaspieler (Alan Wilson) an diesem Abend Igor Flach widmeten; Heiko Schrader, der das letzte Konzert von Igor Flach mit ihm gemeinsam in Cottbus gab; Dirk Michaelis, der Interpret des Lieblingssongs von Igor Flach (Als ich fortging), von einem eigenen Auftritt noch zu diesem Gedenk-Konzert gekommen; Tommy Thompson, ebenfalls ein langjähriger Mitstreiter von Igor Flach.
Zur Unterstützung der hinterbliebenen Lebensgefährtin und seiner beiden Töchter Nastassja (8) und Finnja (5), deren musikalische Ausbildung Igor Flach sehr am Herzen lag, wurden neben den Spenden durch das Publikum zwei Versteigerungen während des Abends durchgeführt. Versteigert wurde eine von Peter Wahl restaurierte Gitarre, die für 1.000 € an einen Klingenthaler übergeben werden konnte, welcher dazu sagte, dass man Igor Flach nicht genug danken könne für das, was er gerade in, um und für Klingenthal bewegt hat, für das, was er anderen Menschen durch seine Kraft und seine Initativen schenkte. Ein ipod mit den eigenen Songs und den Lieblings-Songs von Igor Flach wurde für 100 € ersteigert. 200 € wurden erzielt durch Verkäufe einer DVD, dem Mitschnitt eines Konzertes von Igor Flach in der Oberlausitz, welches ein Fan eigentlich ursprünglich nur für sich aufnahm und die nun zur Unterstützung der Hinterbliebenen von Igor Flach beitragen konnte.

Für diese wurde ein Spendenkonto eingerichtet:
Nastassja Wiede
Kto.: 23 94 22 99
Sparda Bank Berlin
BLZ: 120 965 97
Verwendungszweck: Spende.

Natürlich hatten alle Musikerinnen und Musiker eine Menge gemeinsamer Erlebnisse mit Igor Flach, die sich nicht nur aufs gemeinsame Musizieren bezogen. Manche haben ihre Geschichten auch erzählt und so ihr ganz persönliches Bild von Igor Flach wiedergegeben. Und immer wieder konnte man diesem kleinen Abriß gemeinsamen Erlebens und Arbeitens entnehmen, dass Igor Flach nicht nur ein außergewöhnlicher Musiker war, sondern auch ein ganz besonderer Mensch. Alles in allem ging es bei diesem Gedenk-Konzert mit Sicherheit wohl auch darum, der Lebensart, ja der zutiefst humanen Lebenskunst Igor Flachs zu gedenken, die untrennbar ist von seiner Art, Musik zu machen und Musik zu leben. Deutlich wurde auch, dass es ihm immer wieder gelang, die unterschiedlichsten Menschen zusammenzuführen, die unterschiedlichsten Projekte ins Leben zu rufen, so viele unvergessene Zeichen auch selbstlosen Handelns zu setzen und damit so viele Menschen geprägt zu haben.
Wiedergegeben sei nur eine von ganz vielen Episoden, die an diesem langen Abend berichtet wurden: Igor Flach verschlug es einst nach Klingenthal, jener Stadt in der ehemaligen DDR, die für ihre hochqualitative Instrumentenproduktion berühmt war, u.a. natürlich auch von Mundharmonikas. Erschrocken war er über die Tristheit in dieser Stadt, die graue Ödnis. Und entwickelte noch am ersten Abend seines Aufenthalts die Idee für ein Ereignis, welches wieder etwas Leben in diese kleine Stadt bringen sollte. So entstand das Klingenthaler Mundharmonikafestival. Gestaltet wie ein Kneipenfestival, bei dem in verschiedenen Lokalen und Einrichtungen Bands und musikalische Einzelkämpfer mit Mundharmonikas auftreten. Dieses Kneipenfestival wird dieses Jahr zum 8. Mal stattfinden, wie in den vorherigen und in den nächsten Jahren immer am 3. Septemberwochenende. Für Fans dieses Instrumentes ist dieses Festival mittlerweile zu einem wichtigen Ereignis geworden.


 

Foto Impressionen:

 

 


   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2020)

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.