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Bericht:
Hanni Möller

Fotos:
Hanni Möller (Livebilder)
Pressefoto (Bild Überschrift)


 

Da kam er also nun bald auf die Bühne, und in mir war ein Gemisch aus Erwartung, Vorstellung, Ahnung auf den beginnenden Abend: was wird werden? Schauspieler, Pianist, Entertainer? Sie (die Bühne) war bereits gefüllt mit einem großen Flügel am linken Rand, mittig ein mit rotem Samt bezogener Tisch, Stuhl dazu, ein Glas Wasser; etwas rechts gehalten und nach hinten gerückt ein weiterer Stuhl, Notenständer, eine Klarinette. Überhaupt fühlte sich der gesamte Saal schon vor Beginn sehr intim an, das rote Licht, die schweren Theatervorhänge hinter dem Bühnenbild, plüschige Stuhlreihen, Holzumrahmungen. Meine Hand hielt ein Stück gefaltetes Papier: „Texte und Töne mit Jan Gregor Kremp“ war darauf zu lesen, ein Bild des Meisters darüber und dahinter dann Vita, eine Einführung und Titelangaben aus dem Programm. Hüsch & Keith Jarrett, Sathyan Ramesh & Enrico Morricone standen da u.a. als Autoren. Ich war also gespannt.

Begleitet von seinem Musiker Olaf Weiden betraten beide Künstler parallel die Bühne pünktlich um 20 Uhr und verbeugten sich vor dem Publikum. Es applaudierte herzlich. Der Saal war leider nur in den vorderen Reihen besetzt, eine bunte Mischung darunter aus älteren Damen und Pärchen mittleren Alters, die den Rahmen eines echten Theaters zu schätzen wußten.

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Das Klavier erklang zunächst pur in den Raum: Kremp setzte sich an die Tasten, dann begann die Klarinette seines Begleiters, beide sangen daraufhin als Duo und ergänzten sich hervorragend in ihren unterschiedlichen Stimmen: Kremp rauh und kraftvoll, Weiden klar und choral. Hier spürte man sofort, daß Kremps Begleiter ein perfekter musikalischer Allrounder ist, der sowohl als Sänger wie Saxophonist in verschiedenen Ensembles agiert.

Das zweite, kürzere Stück folgte direkt im Anschluß, bevor Kremp sich erhob, den Tisch erreichte und ein "N'abend" ins Publikum schwang. Das Licht variierte und setzte den Schauspieler nun in den Vordergrund: seine erste Text-Lesung begann umgehend. Er hatte das Publikum sofort auf seiner Seite, und der vergnügliche Inhalt um Urlaub contra Ferien in seiner familiären Vergangenheit überzeugte vor allem auch durch die stimmliche Leistung Kremps. Ganz Schauspieler sparte er nicht an pointierten Sätzen mit all seiner Kraft und all seinem Gefühl. Auf den Punkt genau stimmten Worte, Blickwinkel und Mimik, fielen Tonlagen rauf und wieder runter. Eine Ohren- und Augenweide ihm dabei zu folgen. Und auch seine französische Aussprache, in denen er die Eltern im Urlaubsland nachahmte, waren herzerfrischend. Aber auch den feinen Unterton, der sich inhaltlich ergab, verlor er nie aus den Augen.

Routiniert führte Kremp auf diese Weise sehr kurzweilig durch den langen Abend. Es folgten im steten Wechsel musikalische wie gesprochene Beiträge, die in ihrer Einzigartigkeit und in mühevoller Vorarbeit besonders ausgereift und arrangiert worden waren. Es ging nicht einfach nur wechselweise ans Klavier und wieder an den Tisch; nein! Da war ein Programm auf der Bühne, das inhaltlich einem Bogen folgte und äußerlich durch Licht, Instrumentenwahl, Musikstil, Bühnenstandorte und Vieles mehr variierte. Auch Kremps Schauspielkünste wurden durch besondere Einlagen um die Texte demonstriert, ohne dabei aufdringlich oder überdreht daher zu kommen. Im inhaltlichen Mittelpunkt stand dabei seine eigene Schauspieler-Entstehung und die Folgen und das, was drumherunm passiert. Die Texte dazu eine wunderbare Mischung aus Umsetzungen seiner "Lebensbeichten" (wie es in der Ankündigung hieß) durch Sathyan Ramesh wie auch Altbewährtem von Hans-Dieter Hüsch, Heinz Erhardt oder Peter Rühmkopf. Auch verfasste Kremp selbst einige Texte ("Reclam" und wie er als Schüler zur Literatur kam), und steuerte dazu unterschiedlichste Musik aus Klassik, Pop, Jazz hinzu. Sein Gesang dabei ergreifend, stark, genau ("Piano Man" von Billy Joel dringt mir auch tags drauf noch hingebungsvoll ins Ohr!! Toll!). Dazu braucht es Mut, Kraft, Gefühl, Können. Und all das hat Jan-Gregor Kremp - nicht nur an diesem Abend.

Im Programm ergaben sich noch weitere Feinheiten, wie die verschiedenen musikalischen Versionen von "Bruder Jakob": mal das Saxophon, dann die Blockflöte, mal in Begeleitung des Klaviers oder auch die Stimme Kremps. Und überhaupt die Blockflöte: nie klang sie so rein und tief und sanft wie hier im Spiel von Olaf Weiden. Dieses kleine Instrument und dann diese Wirkung! Und die Wirkung auf's Publikum ließ auch in den Texten nie nach, ging es doch auch um so vergnügliche Themen wie "Wo sind die Männer?" (das er einführte über eine Annäherung an Horst Frank und sein "Wo sind die Mädchen"). Die Stimmung dazu wurde zuvor unterstrichen, indem das Licht ausging, die Blockflöte aus der Tiefe des Raums ertönte, dann Kremp sichtbar wurde, schnaufend auf der Bühne wanderte um dann seinen Männer-Text zu lesen. Und der musikalischen Titelsong "Ist mir so passiert" kam mit herzerfrischendem Inhalt beschwingt daher gesungen.

Dann: seine Einführung in den Schauspieler-Beruf ("Was waren Sie vorher?" - "Ich war Schauspieler." - "Waren Sie nichts richtig?") las Kremp mit einer Überzeugung, daß man nicht anders konnte als wirklich dabei zu sein. Und es fielen darin so wundervoll allgemein gültige Sätze wie: "Man kann nicht alles werden." "...lässig in die Ewigkeit verschwinden..." und vor allem "Am Anfang war das Wort, am Ende kein Applaus sondern Stille." Und das Publikum war ganz Ohr, verharrte aufrichtig in der Stille, um dann nach einer innehaltenden Weile leise zustimmend zu applaudieren. Und auch Gott, der Quasi-Allmächtige, kam nicht einfach so bei Kremp davon, während man im Hinterrund erneut die Flöte hörte und Kremp dazu erzählte, es sei jetzt 21.45 Uhr und wenn man genau hinhöre, würde man Gott um diese Zeit hören. „Naja, nicht immer...“ (als die Flöte mal aussetzte), und auch Gott hätte einen 16-Stunden-Tag mit Tarifregelung etc. Allein durch die sinnliche Atmosphäre von Stimme und Instrument und Licht fühlte man sich dabei auf einer Wolke und vielleicht irgendwo ganz nah im Universum. Im Text über Dicke übertraf Kremp sich dann fast schon selbst: "Ich war heute draußen...bin ich ja nicht immer... ist anstrengend: Schuhe an, Jack an, Treppe runter - und wieder rauf..." begann es darin, um dann in einer witzigen Überspitzung beim durch Gruppensex überrollten plattgemachten Kölner Dom zu enden.

Der Abend endete nach über 2 Stunden (abzüglich einer kurzen Pause) mit begeistertem Applaus, der die Künstler drei Mal auf die Bühne zur Verbeugung zog, um dann noch eine Zugabe in Text und Musik zu geben. Daß Kremp so gut ist, hätte ich zu Beginn nicht gedacht. Eine Empfehlung für jeden, der die intensiven aber auch leisen Töne mag, der Humorvolles neben Tiefgründigem liebt und ein feines Gehör für die Musik besitzt.

Nächster Termin:
Fr., 25.11.11 KREMP - IST MIR SO PASSIERT... Kulturzentrum Pumpwerk, Wilhelmshaven

Bitte beachtet auch:
- off. Homepage von Jan-Gregor Kremp (incl. Video zum Programm): www.jan-gregor-kremp.de
- Homepage des Savoy in Düsseldorf: www.savoy-theater.de

 


 

Live-Impressionen:
 
 

   
   
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