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Ein Beitrag von Bernd Henning (30.01.2016)




001 20160131 2072787784Ich hatte mir kurz nach der Wende mit einer Gitarre der Marke "Valley Arts Luke", die ich damals für sehr viel Geld kaufte, einen großen Traum erfüllt. Leider war das Instrument nicht gut eingestellt und ich fühlte mich nicht in der Lage, diese Aufgabe selber zu bewältigen. Durch einen Tipp eines Gitarristen-Kollegen kam ich zu Mario Schütz. Schütz war schon zu DDR-Zeiten als Instrumentenbauer und Tonmeister aktiv und bekannt, u.a. baute er für JESSICAs André Drechsler eine Gitarre. Aus dem größten Musikgeschäft Ostberlins in der Alex-Passage war inzwischen "just music" geworden, und die Werkstatt wurde von Mario Schütz geleitet. Mario nahm das nicht klingen wollende Instrument in die Hand und macht einen Juwel daraus. Er machte es möglich, dass ich meine Gitarre einfach in die Hand nehmen, mich wohlfühlen und losspielen konnte! Das war grandios! Von diesem Tag an war ich sehr häufig bei ihm.


Durch harte Arbeit konnte ich mir Jahr für Jahr meine Jugendträume verwirklichen und die Gitarren anschaffen, von denen ich immer geträumt hatte. Der erste Wechsel kam unfreiwillig zustande. Mein Tourbus wurde nach einer Mugge aufgebrochen und meine "Valley Arts Luke" und eine "Fender Bullet" wurden gestohlen. Was für ein Verlust! Ich holte mir daraufhin eine "Music Man Luke" und eine modifizierte "Fender Stratocaster". Die beiden Gitarren gekauft, und sofort ging's ab zu Mario. Nach meinem Besuch hatte ich wieder das gleiche Gefühl, wie bei meinem ersten Besuch in Marios Werkstatt: Die Gitarre in die Hand nehmen, wohlfühlen und losspielen. Mario, der Meister seines Fachs!

So nach und nach erweiterte ich das Spektrum, immer verbunden mit einem Besuch bei Mario in seinem Laden mit angeschlossener Werkstatt, denn er hatte sich längst selbstständig gemacht. Er betreute meine Babys auf eine einzigartige Art und Weise.003 20160131 2021478831 Wir redeten selbstverständlich über Musik, Kollegen und die musikalische Entwicklung. Sehr offen und kritisch. Mario betreute, hegte und pflegte auch die Instrumente vieler anderer Kollegen (z.B. Lexa Schäfer, Alex Prokop u.a.) zu unser aller großen Zufriedenheit!

Das Geschäft wurde mit der Zeit aber immer schwieriger. Bei unserem letzten Treffen teilte er mir mit, dass er seinen Laden nicht mehr halten kann. Aufwand und Nutzen standen in keiner Relation mehr, und er hatte ein gutes Jobangebot bekommen, das er unmöglich ablehnen konnte. Er sagte mir aber zu, dass ich mich bei Bedarf jederzeit bei ihm melden könne.

Das war leider mein letztes Zusammentreffen mit einem großartigen Menschen und Gesprächspartner. Am 28. Januar 2016 bekam ich einen Brief von Marios Frau in dem sie mir mitteilte, dass ihr Mann am 23. Januar 2016 im Alter von gerade einmal 54 Jahren verstorben ist. Ich möchte mit diesen Zeilen an einen der Männer erinnern, ohne die wir Musiker einfach nicht so spielen könnten, wie wir uns das vorstellen und wünschen. Mario war einer der stillen Helden der Szene, von denen der Fan vor der Bühne selten oder gar nichts wusste, der für das Gelingen eines guten Vortrags aber immens wichtig war. Mario, Du bist gerade erst gegangen, fehlst aber jetzt schon als Mensch, Freund und Handwerker mit goldenen Händen.





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