...bei Ute Freudenberg & Band (von Ulrike Weidemüller)

003 20120930 1909911545Die Scheinwerfer blenden mich. Die In-Ears fiepen und rauschen. Ich steh hinter dem Mikrofon und warte darauf, dass ich mit dem Soundcheck an der Reihe bin. Ute kommt auf die Bühne...

Ich bin Ulrike, 25 Jahre alt, aus Berlin, seit etwas über einem Jahr Backgroundsängerin bei Ute Freudenberg. Bei jedem Auftritt steht Anna neben mir. Selbes Alter, selbe Stadt, selber Job. Wir kennen uns schon seit wir Babies waren, und unsere Eltern noch länger, die haben nämlich früher in der selben Band gespielt.
Ich und Anna singen schon seit ein paar Jahren zusammen Background, wir waren mit Veronika Fischer unterwegs und haben im März 2010 bei der Gedenkfeier für Franz Bartzsch gesungen. An dem Abend war auch Ute da. Einige Wochen später waren wir in ihrer Band. Und so läuft ein ganz normaler Arbeitstag ab.

Ankunft am Veranstaltungsort. Jeder wird einmal umarmt. Dann werf ich meine Klamotten in die Garderobe (ich gebe zu, ich bin sehr unordentlich) und renn erstmal zum Catering. Reisen macht ja hungrig, und hungrig singen ist eigentlich genau so schlimm, wie zu singen wenn man kurz vorm Platzen steht. Meistens geht es dann auch schon los mit dem Soundcheck. Die genaue Reihenfolge weiß ich nicht (ich bin ja immerzu beim Catering), aber wenn das Schlagzeug dran ist, müssen ich und Anna so langsam Richtung Bühne.

Ute checkt ihr Mikro und ihre In-Ears. (Bei den Muggen ganz am Anfang haben wir ein paar mal um 11 Uhr morgens004 20120930 1957523074 gespielt, das bedeutete Soundcheck um halb 9. Zu der Uhrzeit klinge ich noch wie ein Kerl, der morgens um sechs nach zwei Schachteln Zigaretten und einer halben Flasche Whisky aus einer Kneipe getorkelt kommt, während Ute da locker die höchsten Töne schmettert. Sehr cool, oder?) Jetzt sind wir dran. Anna und ich versuchen, bei jedem Soundcheck etwas anderes zu erzählen und zu singen. Wir denken uns örtliche Spezialitäten und Besonderheiten aus und hoffen, dass uns geglaubt wird. Dann singen wir kurz etwas an, von Michael Jackson oder Disney zum Beispiel, danach zusammen mit Ute noch kurz a capella den Song "Proud Mary" und dann spielt die ganze Band ein paar Songs an.

Der Soundcheck ist zu Ende und jetzt heißt es warten. Wie vertreibt man sich diese Zeit am besten? Richtig, mit Essen! Also zurück zum Catering und weiter plündern. Dann wird geplaudert und irgendwann fällt mir ein: HUCH! Ich muss mich ja noch schminken! Also ab in die Garderobe, in der Ute schon sitzt und sich fleißig anmalt. Wenn Ute jemals mit dem Singen aufhören sollte, dann kann sie definitiv eine Karriere als Visagistin machen. Ich versuch immer, mir Tricks bei ihr abzugucken. Außerdem hat sie einen Koffer voller toller Kosmetikprodukte, die sie gerne mit ihren Backgroundmädels teilt. Sich zu schminken wenn Ute dabei ist, ist nicht immer leicht, weil man manchmal zu viel lacht. Klingt das jetzt, als würde ich schleimen? Soll es nicht, entspricht nämlich der Wahrheit! Außerdem wuselt auch noch ständig die süße Nicole, genannt Nic und obendrein Chefin des offiziellen Fanclubs "Jugendliebe", durch die Garderobe, und die ist mindestens genau so lustig. Wenn dann zwischendurch noch Susi, unser Technik-Genie, reinkommt, ist es meistens ganz aus.

001 20120930 1729313636Irgendwann haben wir dann aber doch geschafft, uns zu schminken und umzuziehen. Gleich geht das Konzert los. Schnell noch mal zum Catering rennen, es soll ja nichts verkommen!
Die Band geht als erstes auf die Bühne. Dann setzt das Schlagzeug ein. Ich und Anna müssen auf die Bühne. Wir gehen auf unser Podest, und wenn die Gitarre einsetzt, kommt Ute. Der erste Song ist immer "Leben, hart am Limit", danach folgt meistens ein Medley und dann variiert die Setlist von Auftritt zu Auftritt. Der ultimative Song "Jugendliebe" kommt natürlich immer fast am Ende des Konzerts. Spätestens da springt dann auch immer der letzte Zuschauer auf und singt lauthals mit, das absolute Konzerthighlight. Mein persönliches Highlight ist allerdings ein anderes Lied, und zwar "Graue Wolken zieh'n vorüber". Das Lied ist einfach nur schön und es macht vor allem einen Riesenspaß, dabei die Backings zu machen.

Nach einer Zugabe ist der Spaß vorbei und ich renne von der Bühne, um mir die Schuhe auszuziehen. Es wird langsam etwas besser, aber zwei Stunden in Killer-Absatzschuhen rumzustehen ist immer noch schmerzhaft. Ute muss entweder schmerzresistent oder sehr geübt sein, sie hat nämlich IMMER absolute Killer-High-Heels an und beschwert sich nie. Aber das lern ich auch noch. Ansonsten bleibt mir immer noch das gute, alte Holzbein. Hose drüber und 12 cm hohe Schuhe dazu. Merkt kein Mensch!
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Die Schuhe liegen in der Ecke (wie gesagt, ich bin unordentlich) und der erste Gang führt mal wieder Richtung Catering. Jetzt aber, um erstmal einen halben Liter Wasser zu trinken. Auf der Bühne ist es nämlich durch die Scheinwerfer so heiß, dass man froh sein kann, wenn einem die Schminke nicht auf's Dekolleté tropft. Als nächstes werden die Auftrittsklamotten zu den Schuhen in die Ecke geworfen, die Haare zu einem unordentlichen Zopf gebunden und dann schlüpft man in etwas möglichst Bequemes. So bequem, dass meine Oma sich schrecklich aufregen würde: "Kind, wie siehst du denn schon wieder aus???"

Ute macht das übrigens nicht. Sie sitzt schon wieder vor dem Spiegel und macht sich frisch. Ute gibt nämlich nach fast jedem Konzert eine Autogrammstunde, und zwar bis auch der letzte Fan eine Unterschrift oder ein Bild von ihr hat. Respekt, oder?
Jetzt springen wir ins Auto: Ab ins Hotel! Die Klamotten werden nach oben gebracht, es wird in den Spiegel geschaut, Schadensbegrenzung betrieben und dann treffen wir uns alle auf einen Schlummertrunk in der Bar. Je nach Dauer dieser Aktion hat man dann noch einige wenige Stunden Schlaf, bevor es heißt: Frühstücken (von allem ein bisschen!) und ab nach Hause!
Bis zur nächsten Mugge