Ute Freudenberg:  Ein Album,
das mir sehr am Herzen liegt!

 

Sie steht nun schon seit über 34 Jahren auf der Bühne. Eine verdammt lange Zeit, die man der Weimarerin nicht ansieht. Ist sie deshalb müde? Nein! Zahlreiche LPs und Singles hat sie schon veröffentlicht, und weitere sind geplant. Mit 15 Jahren entdeckt und gefördert, als Frontfrau der Rockband "Elefant" erfolgreich und seit Anfang der 90er als Solokünstlerin ebenfalls. Ihre Platten haben stets gute Verkaufszahlen und eine große Fangemeinde sorgt dafür, dass ihre Konzerte regelmäßig gut gefüllt sind. Eine Bilderbuchkarriere mit Höhen und Tiefen. Am 15. Oktober 2006 hatte Christian, damals noch für Music-Pleasuredome, dieGelegenheit, mit Ute Freudenberg über ihre Karriere und das, was noch kommen soll, zu sprechen.


 
Hallo Ute! Fangen wir mit den Neuigkeiten an: Es gibt ein neues Album von Dir: "Puppenspieler". Erzähl uns bitte etwas über diese CD...
"Puppenspieler" ist ein Album, das mir sehr am Herzen liegt. Nicht nur, weil ich es mit meinem "Dreamteam", Franz Bartzsch und Bodo Kommnick, produziert habe, sondern weil wir uns bei diesem Album auch eine riesengroße Mühe gegeben haben. Wir haben 17 Monate daran gearbeitet. Vor allem auch mit den Textautoren, die alle auf meine Wünsche eingegangen sind. Es hat jeder gekämpft, und sich mit seinen Ideen eingebracht. Ich finde, dass uns die Lieder wirklich sehr gut gelungen sind. Deswegen bin ich auch so stolz auf dieses Ergebnis.

 

In welche musikalische Kategorie könnte man Dich einsortieren?
Ich möchte mich selbst in keine Kategorie einsortieren, weil ich meiner Meinung nach eigentlich nicht einzusortieren bin. Damals im Studium hatte ich mir erste Chanson-Preise ersungen, mit meiner Band haben wir Rockmusik gemacht und dann kamen noch weitere Genres dazu, wie z.B. Musicals, Flamenco, Soul und Blues. Wenn ich heute mit meiner Band live unterwegs bin, dann ist das wesentlich rockiger, als z.B. bei einen Halbplayback-Auftritt. Und wenn ich im November meine Chanson-Tournee starte, dann präsentiere ich ein vollkommen anderes Repertoire, mit sehr wertvollen Chansons von mir und anderen Künstlern aus aller Welt. Und am Ende des Jahres gibt es dann noch eine Weihnachts-Tour mit wunderschönen neuen Weihnachtsliedern von meinem Album "Im Namen der Liebe" und weihnachtlichen Traditionals. Wie Du siehst, liebe und lebe ich meine Vielseitigkeit.

 

Wie bist Du zur Musik gekommen?
Ich bin richtig entdeckt worden! Wie im Märchen. Das war 1971 in einem Ferienlager, als mich Heiner Kusch entdeckt hat, der inzwischen mein bester Freund ist. Ohne ihn wäre das alles gar nicht so ins Laufen gekommen. Er hat mich in seine Folkloregruppe in Erfurt aufgenommen. Eines Tages war das Fernsehen der DDR im Haus. Heiner bat mich, vorzusingen. Dort wurde ich ein zweites Mal entdeckt. Mit der dann folgenden Livesendung im Fernsehen der DDR war das Märchen nicht mehr zu stoppen. Diese Fernsehsendung hatten Dozenten der Musikhochschule in Weimar gesehen. Daraufhin kam Manfred Schmitz aus der Abteilung "Tanz- und Unterhaltungsmusik" zu mir, und fragte mich: "Mensch Mädel, willst Du nicht Musik studieren?". Ich habe sofort "Ja!" gesagt, denn das war mein größter Traum. Und jetzt wurde er wahr.

 

War das schon immer Dein Ziel, Musik zu machen, oder waren die Eltern erschrocken, als Du keinen "bürgerlichen" Beruf gewählt hast?
Ich hatte zum Glück Eltern, die mich in dem Vorhaben, Sängerin zu werden, immer unterstützten. Schon mit drei Jahren habe ich den Menschen geantwortet, die mich gefragt haben, was ich denn mal werden will, dass ich Sängerin werde. Ich bin meinen Eltern für diese Möglichkeit, meinen Traum zu leben, unendlich dankbar.

 

Nach Deinem Studium wurde die Gruppe "elefant" gegründet, bei der Du als Frontfrau tätig warst. Wie kam es dazu?
Eigentlich ging das schon während meines Studiums 1976 los. Wir haben uns alle gekannt, haben uns regelmäßig getroffen, wochenlang Ideen gesponnen, und da wir uns immer im Hotel "Elephant" getroffen haben, haben wir uns "Elefant" genannt. Ich war Gründungsmitglied dieser Band. Wir sind von Tanzboden zu Tanzboden gezogen und feierten kleine, feine Erfolge. Wir waren anfangs "Drei Mädchen und eine Band", so hieß auch unsere erste Single, die in den Medien sehr erfolgreich lief. Ein Jahr später war ich alleinige Solistin von "elefant". Es folgten weitere eigene deutschsprachige Songs, wie die "Jugendliebe", "Wieder wird ein Mensch geboren" und "Wie weit ist es bis ans Ende dieser Welt". Wir haben bei Konzerten das Publikum gefragt, welches Lied ihnen am besten gefällt, und da war schon abzusehen, dass die "Jugendliebe" der Renner wird.

 

Rückblickend auf diese Zeit mit der Band: Was waren die schönsten und was die weniger schönen Erlebnisse?
Die schönen Erlebnisse waren einfach die, dass man aneinander gewachsen ist und dass man in dieser Zeit viel gelernt hat. Diese ersten Erfolgserlebnisse waren ganz wunderbar. Die Zeit am Ende war dann nicht so schön, aber darüber möchte ich gar nicht reden. Ich habe heute noch zu einigen Kollegen von damals Kontakt, aber eben nur zu einigen. Es gab leider auch Kollegen, die mir nicht besonders gut getan haben. Dafür habe ich heute eine Band, die mit mir durchs Feuer geht und die musikalisch und menschlich ganz großartig ist, und mir viel Freude in mein Leben bringt. Wenn wir live spielen, spürt man diese Verbundenheit, und musikalisch geht einfach mal die Post ab. Das macht mich sehr stolz!

 

Nach einem Fernsehauftritt im Westen bist Du nicht mehr in die DDR zurückgekehrt. Das, obwohl du dort ein gefeierter Star gewesen bist. Was waren die Gründe für diesen Schritt?
Die Gründe, lieber Christian, sind so vielschichtig und schmerzlich, dass ich darüber nicht mehr reden möchte. Ich habe von 1990 bis 2003 in jedem Interview diese Frage beantwortet, und mir fehlen inzwischen einfach die Worte. Ich bin ein Mensch, der im Jetzt lebt und nur dann zurücksieht, um zu lernen. Ich kann Dir nur sagen, dass ich meine Heimat und die vielen Tausend Fans niemals verlassen hätte, wenn man mir nicht soviel Unrecht angetan hätte. Ich durfte jahrelang trotz Konzertanfragen aus dem Westen, nicht reisen, und vier Wochen nach meiner Hochzeit mit Peter durfte ich plötzlich nach Hamburg zur "Aktuellen Schaubude" fahren. Das fühlte sich für mich wie ein Rausschmiss an. Und obwohl es mir mit Sicherheit niemand zugetraut hat, bin ich diesen schweren Weg gegangen.

 

Und wie ging es dann im Westen weiter?
Ich habe eine Wohnung in Düsseldorf gefunden, weil mich meine Brieffreundin Birgit dort aufgenommen hat. Nach allen Behördengängen konnte ich mich wieder um die erfreulichen Dinge, nämlich die Musik, kümmern. Ich habe z.B. mit der Düsseldorfer Band "Flaming Bess" zusammengearbeitet. Schon damals bemerkte ich, wie anders meine Branche im Westen funktionierte. Ich lernte sehr schnell, für mich zu kämpfen. Ich habe an mich geglaubt, und habe versucht die Menschen zu überzeugen. Ich habe auf Kreuzfahrt-Schiffen als Solistin gearbeitet, habe die ganze Welt gesehen und habe mich im Gala-Geschäft gut durchgeschlagen, aber bei den Medien keinen Fuss in die Tür bekommen. Mir hat man z.B. bei den Rundfunksendern gesagt: "Das ist ja großartig, was Sie machen. Aber das ist zu gut, das können wir nicht spielen". Das war eine Aussage, die ich bis dato in meinem Leben noch nie gehört hatte, weil ich immer gut sein mußte, um überhaupt auftreten zu dürfen. Das war eine vollkommen neue Welt. Daran mußte ich mich erstmal gewöhnen, wenn man sich daran überhaupt gewöhnen kann. Ich hatte aber einen Vorteil: Mein unbändiger Glaube an mich selbst, an meine Kräfte und das, was ich tue. Es gab schon Zeiten, die waren sehr sehr schwierig, und die haben sich auch nicht besonders gut angefühlt. Aber ich habe gekämft, und konnte gut von meinem Job leben. Dann kam das Glück mit dem Mauerfall.

 

Du hast diese Schwierigkeiten mit den Medien angesprochen: Unter dem Pseudonym "Heather Jones" ist dann Ende der 80er die Titelmelodie für eine Tatort-Folge erschienen. Waren das marktstrategische Gründe, warum Du Dich plötzlich "Heather Jones" genannt hast?
Nein, das gehört in die Rubrik der "Unmöglichkeiten", was im Westen alles so passiert ist. Ich habe diesen Titel damals mit Franz Bartzsch produziert - das war im Übrigen die erste Zusammenarbeit mit ihm - und der Song erschien damals bei der Teldec. Die Teldec hat dieses Lied dann als "Tatort Titelmelodie" für die Folge "Pleitegeier" verkauft. Die Plattenfirma hatte nur meine Stimme gehört und gefragt: "Wer singt denn das?". Als die Antwort "Ute Freudenberg" kam, haben die nur gesagt: "Wer? Ute Freudenberg? Die kennt kein Mensch, der geben wir jetzt einfach einen internationalen Namen: Heather Jones". Das Ganze geschah ohne mein Einverständnis und ich fand es unmöglich, weil mich jeder in Englisch ansprach und ich habe dann natürlich mit meinem Thüringer Dialekt geantwortet (lacht). Das ging für meine Begriffe überhaupt nicht. Ich hatte dann mehrere Fernsehauftritte als Heather Jones, über die ich mich natürlich gefreut habe (z.B. ZDF Hitparade). Aber nachdem die Single gar nicht erschien, weil die Teldec von einer anderen großen Plattenfirma geschluckt wurde, hatte sich das Thema von selbst erledigt und ich konnte wieder ich sein.

 

Es gibt bei uns viele Anfragen nach Platten oder CDs, die Du als Heather Jones gemacht hast. Gab es welche und wenn ja, wieviele?
Lange nachdem der "Tatort" gelaufen war, wurde der Song "This Was The Last Time" doch veröffentlicht. Es gab eine kleine Vinyl-Single und eine Maxi-Single mit der Extended-, Single- und Instrumental-Version.

 

Zwischen 1988 und 1994 gab es mit "Ein Tag wie heut" und "Zwei alte Freunde" zwei Singles, aber kein Album. War das auch für Dich eine Zeit, in der man es als deutscher Musiker schwer hatte?
Da hatte man es sehr schwer! Generell war das für alle hier ein gigantisches Loch. Ich habe zwar gut von meinen Auftritten gelebt, aber die Medien waren noch nicht so offen, um sich um mich zu reißen. Aber ich erinnere mich gerne, dass ich 1992 mit dem Lied "Zwei alte Freunde" bei "MDR 1 - Radio Sachsen-Anhalt" eine internationale Hitparade noch vor Tina Turner und anderen Weltstars gewonnen habe. Das war für mich damals ein traumhafter Erfolg. Dieses Lied wird heute noch gespielt und von den Leuten gern gehört. Ich brauchte dann aber trotzdem einiges an Überredungskunst bei meinem damaligen Vertragspartner, der Firma Gerig Musik aus Bergisch-Gladbach, mit mir eine CD zu produzieren. 1994 entstand dann das Album "Und da fragst Du noch". Ich war darüber sehr glücklich, und obwohl wir uns kurz danach getrennt haben, bin ich dieser Firma dafür ewig dankbar. Es ist eines meiner schönsten Alben.

 

Im Jahre 1996 bist Du in Deine alte Heimat, Weimar, zurückgekehrt. Kann man sagen, dass Deine Karriere dadurch einen besonderen Schub bekommen hat?
Ja, dieser Umzug hat natürlich sehr viel bewirkt. Die Menschen in Weimar und im Osten haben sich merklich gefreut, dass ich wieder da war, und zeigten es mir mit wunderbaren Gesten. Das Medieninteresse in Bezug auf meine Rückkehr war ebenfalls sehr groß. Ein Interview jagte das andere und parallel dazu die Nachfrage nach Live-Auftritten. Man kann schon sagen, dass die Rückkehr meiner Karriere sehr gut getan hat. Der Höhepunkt war die Auszeichnung mit der "Goldenen Henne", dem begehrtesten Medien-Preis des Ostens, im Jahre 1998.

 

Wir sprachen eingangs schon darüber, dass Du ein Texterteam hast, das Dir die Songs auf den Leib schneidert. Bringst Du eigene Ideen in Deine Songtexte ein?
Ich arbeite sehr sehr eng mit dem Team zusammen, wir können Tag und Nacht miteinander reden. Ich habe auf die Texte auch einen großen Einfluss, denn ich bin die Frau, die vorne auf der Bühne steht und diese Inhalte glaubhaft verkaufen muss. Ich interpretiere diese Worte und sie müssen so gut sein, dass ich meine Emotionen hineinlegen kann.

 

Dazu kommt dann noch Franz Bartzsch als Komponist, der schon für viele Musiker (u.a. Vroni Fischer, Bolland & Bolland) und für Film Soundtracks komponiert hat. Was macht diese Mischung von Textern und Komponist aus?
Franz Bartzsch, das muss ich noch unbedingt betonen, ist für mich ein musikalisches Genie. Was er auf dem Album "Puppenspieler" für mich an Liedern komponiert hat, mit welcher Liebe zum Detail er arrangiert, das sucht für mich Seinesgleichen! Ich bin sehr sehr stolz, mit ihm zu arbeiten. Er legt genauso großen Wert an der Stimmigkeit von Wort und Ton, wie ich. Die Zusammenarbeit mit Franz Bartzsch und Bodo Kommnick, der im Team auch eine wertvolle Rolle spielt (die komplette Studioarbeit, Gitarre, Gesang, Arrangements), macht grossen Spass und ist gekennzeichnet durch eine fruchtbare Kreativität. Dieses Team ist ein großer Glücksfall für mich.

 

Über all die Jahre hast Du auch einen engen Kontakt zur Gruppe Karat. Sie waren bei Deinem Jubiläum dabei, Du bei ihrem… Du hast sogar die Jubiläumssendung der Band moderiert. Was verbindet Dich mit der Gruppe?
Karat und mich verbindet eine sehr lange Freundschaft. Und als ich vor zwei Jahren Claudius (der neue Sänger der Band, Anm. d. Red.) kennengelernt habe, war das auch Liebe auf den ersten Blick. Wir hatten immer eine besonders menschliche Beziehung. Mit dem Schlagzeuger, Michael Schwandt, habe ich zusammen studiert und Bernd Römer ist ein Thüringer, wie ich. Wir haben viele Konzerte und Fernsehsendungen zusammen gehabt und auf vielen Aftershow-Parties gefeiert. Wir fühlen uns eng verbunden und waren immer ehrlich miteinander. Das ist einfach eine tolle Freundschaft, wo man sich gegenseitig gerne hilft. Auch mit solchen netten Kleinigkeiten, dass ich mal Thüringer Rostbratwürste mit nach Berlin nehme.

 

Welche Zukunftspläne hat Ute Freudenberg? Was wünscht sie sich und was würde sie gerne noch machen?
Ich wünsche mir, dass wir in Frieden alt werden können. Ich wünsche mir Gesundheit, und ich habe den Traum, mit 70 noch auf der Bühne zu stehen und meine Konzerte zu geben... und dann vielleicht noch ein paar Jahre draufzusetzen.

 

Ich danke Dir für die Zeit und die Antworten. Möchtest Du noch ein paar Worte an unsere Leser richten?
Ich bedanke mich bei allen, die dieses Interview gelesen haben und sich für mich interessieren. Ich möchte allen Musikliebhabern sagen: Tut etwas dafür, dass gute, anspruchsvolle, deutsche Musik auch weiterleben kann.

 
Interview: Christian Reder
(Oktober 2006)
 

   
   
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