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Interview vom 28. Juni 2018

Mazze Wiesner hat mit seiner Band WIESNER in den vergangenen Monaten die deutsche Musikszene gehörig aufgewertet. Zwischen den Vorbereitungen zur Sommertour und beginnenden Arbeiten am dritten Album hatte unsere Kollegin Antje die Möglichkeit, mit dem Multiinstrumentalisten über die letzten zwölf Monate zu plaudern. Dabei gab es auch einen Ausblick darauf, was die Fans in nächster Zeit erwartet. Warum gerade ihre Unterstüzung wichtg ist, lest ihr im folgenden Interview.




Lieber Mazze, unser letztes Interview ist ja nun schon wieder ein Jahr her. Das haben wir anlässlich des Album-Release der letzten WIESNER-Platte "5 vor 12" geführt. Erzähl doch mal, was sich in der Zwischenzeit ereignet hat.
Seit dem Album-Release im Juni 2017 gab es eine ausgedehnte "Sonnenparadies"-Tour, die zunächst bis in den September rein ging. Im Oktober gab es dann eine gleichnamige Indoor-Tour, mit der wir das Kapitel dann auch abgeschlossen haben. Das Jahresfinale fand dann am 3. November im "Alten Gasometer" in Zwickau statt. Unsere Album-Premiere zu "5 vor 12" wurde regelrecht vor 400 waschechten WIESNER-Fans abgefeiert. Für mich und die Band war es das grandiose Highlight im vergangenen Jahr.
Für mich ging es dann eigentlich nahtlos weiter. Ich wurde als musikalischer Leiter für die "Moments Dinnershow" in Chemnitz verpflichtet, was mich zwei Monate in Anspruch genommen hat. Es war eine aufregende Zeit voller toller Kollegen und Künstler. Es ergaben sich neue Freundschaften und ich konnte viele neue Erfahrungen im Rahmen dieser Großproduktion sammeln.001 20180628 1660730973 Auch dieses Jahr werde ich wieder bei "Moments 2" tätig sein, worauf ich mich schon sehr freue. Wer eine großartige Dinnershow in Chemnitz sehen möchte, dem kann ich das nur ans Herz legen.
Im Anschluss an "Moments" ging es für mich nahtlos weiter mit den Vorbereitungen zur "Nackte Saiten"-Tour. Dafür habe ich mir die WIESNER-Songs ausgesucht, bei denen ich denke, dass man die auch alleine ganz gut umsetzen kann. Ich arrangierte alle Titel so um, dass sie eine Person, nämlich ich, spielen kann. Zum einen spiele ich Klavier oder Gitarre, und zum anderen singe ich. Das ist noch relativ puristisch. Dazu habe ich mir eine Art Schlagzeug-Setup gebaut, was ich mit meinen Füßen bediene. Dazu arbeite ich auch mit Loop-Stations. All das muss man gut in Einklang bringen. Dazu habe ich mich eine Woche in meinem Proberaum eingeschlossen. Im Anschluss der Probewoche startete die Tour. Das gipfelte darin, dass ich Ende April das Ganze mit Live-Publikum aufgenommen habe. 20 Fans konnten Plätze gewinnen. Aufgrund der Größe des Studios war der Platz sehr begrenzt. Richtung Weihnachten wird die CD dann erscheinen. Parallel dazu schreibe ich wieder, denn 2019 soll die nächste WIESNER-Scheibe erscheinen.
Ich habe auch mit einer befreundeten Band aus Chemnitz - "Die Arbeitslosen Bauarbeiter" - zusammengearbeitet. Wir haben für ihr neues Album einen Song zusammen geschrieben, der auf's Jubiläums-Album kommt. Darauf bin ich sehr stolz :-)
Zurzeit bin ich mit meiner Band wieder auf Tour. 20 Open Air-Termine stehen über den Sommer an. Im Oktober gibt es nochmal eine Indoor-Tour mit 13 Terminen. Dann ist "5 vor 12" eigentlich auch schon wieder Geschichte. Wobei, das muss ich noch erwähnen: am 12. Januar 2019 wird das Abschlusskonzert der "5 vor 12"-Tour in Chemnitz stattfinden, genauer gesagt im "Kraftverkehr".

Lass uns nochmal näher zu der "Nackte-Saiten"-Geschichte kommen. Wie bist du darauf gekommen, ohne den Rest deiner Band etwas zu machen?
Das wurde aus der Not geboren. Als wir mit WIESNER 2016 angefangen haben zu spielen, kam eine Anfrage für einen Termin, der nur für mich alleine funktionierte. Dann hab ich das einfach gemacht und gedacht: das kriegen wir schon hin. Das war eine Privatfeier, also ein überschaubarer Rahmen. Aber es war doch eine komplett neue Erfahrung. Da wurde die Idee geboren. 2017 gab es dazu den einen oder anderen Versuch und vereinzelte Konzerte. Seit 2018 ist es ein fester Programmteil, der ab 22. Februar 2019 für drei Wochen deutschlandweit auf Tour geht. Es wächst und wächst, und ich freu mich sehr darauf.

002 20180628 1065080724Ein wenig hast du es ja schon anklingen lassen: was steht in der nächsten Zeit konkret auf dem Plan?
Wenn wir chronologisch vorgehen wollen: Im Sommer geht es auf "5 vor 12"-Open Air Tour, unter anderem an die Ostsee. Im Oktober und November sind wir deutschlandweit in Clubs unterwegs. Dann gibt es mit WIESNER eine kleinere Pause, denn ich wurde wieder für die "Moments 2" verpflichtet. Nach dieser Verpflichtung gibt es das Abschlusskonzert für WIESNER am 12. Januar 2019 zur "5 vor 12"-Tour. Ich gehe fest davon aus, dass es ein ähnliches Highlight wie das Konzert im "Alten Gasometer" wird. Vielleicht noch eine Spur besser. Auf jeden Fall haben wir ein paar hochkarätige Gäste als Überraschung dabei. Im Februar/März 2019 folgt dann eben die "Nackte Saiten"-Tour. Und dann wird das neue Album aufgenommen.

Wie laufen da die Vorbereitungen?
Kontinuierlich. Ich will nicht sagen, dass ich rund um die Uhr daran arbeite. Dafür ist einfach zu viel zu tun. Wenn eine Idee kommt, schreibe ich sie auf einen Zettel oder notiere sie im Handy. Ich bastele ganz fleißig daran und war doch recht überrascht, dass es wieder so flüssig geht. Also die Ideen gehen nicht aus. Es ist ein stetiger Prozess, der bis Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein wird. Dann erfolgt die Auswahl der Songs, die auf das neue Album kommen werden.

Wie ist das mit der Finanzierung deiner Platten? Steht eine große Company dahinter?
Nein. Bisher habe ich alles selber finanziert. Da nun alles stetig größer wird und dementsprechend die Kosten steigen, haben wir uns entschlossen, das neue WIESNER-Album über ein Crowdfunding-Projekt zu finanzieren. Wie das im Detail aussehen wird, geben wir rechtzeitig bekannt. Wir hoffen stark, dass unsere Fans uns unterstützen. Denn wie wir festgestellt haben, wenn jeder bereit ist 10,00 bis 20,00 EUR zu geben, kann man damit eine ganze Menge bewegen. Wir wollen wieder ein gutes Musikvideo und eine Dokumentation über die Entstehung des Albums drehen. Das sind Dinge, die hauptsächlich für die Fans sind. Das soll dementsprechend wieder qualitativ hochwertig sein.003 20180628 1012339096 Das ist und war mir schon immer sehr wichtig. Deshalb suchen wir uns für die Zusammenarbeit auch Partner, die uns gut finden. Wir wissen alle, dass Qualität seinen Preis hat und das soll auch so sein. Demzufolge werden wir diesen Weg mit einschlagen in der Hoffnung, dass wir einen genügend großen Puffer zusammen bekommen, um dann richtig auszuholen.

Was sagst du zu der aktuellen Entwicklung in der Musikbranche? Insbesondere, dass inzwischen eben viele Künstler auf Crowdfunding zurückgreifen müssen?
Es gibt immer zwei Seiten der Medaille. Zum einen, wie es der Name schon sagt, ist die Musikindustrie eine Industrie. Die sind nicht daran interessiert, ob die Kunst, die dahinter steckt, hochwertig ist oder nicht. Wobei man auch sagen muss: am Ende entscheidet immer der Endkonsument, ob es gefällt oder nicht. Die Industrie an sich ist eben gewinnorientiert und hängt logischerweise am Mainstreammarkt. Wenn man als Künstler wie ich da nicht mitschwimmt, sondern wie Udo es so schön singt "sein Ding macht", hat man es da eben etwas schwerer. Da finde ich es persönlich sogar ganz gut, dass es die Möglichkeit des Crowdfunding gibt. Wenn man an die Anfänge in den 1950er Jahren denkt, war das gar nicht möglich. Einfach ins Studio gehen und aufnehmen, das war damals nicht so easy. Das ist heute ganz anders. Da ist fast alles möglich. Man nimmt zu Hause ein Video mit seinem Handy auf, lädt es bei YouTube hoch und wenn man einen Nerv trifft, wird man katapultartig ein YouTube-Star. Das gab es früher in der Form nicht. Der Vorteil ist eben, dass man als Künstler, der eher eine Nische bedient, auch eine Chance hat. Nicht, dass es kein Publikum dafür gibt, aber es dauert einfach länger als wenn es zum Beispiel durch die Medien gepushed wird. Und die monetären Mittel stehen bei Majors nun mal bereit. Die Risikobereitschaft hat extrem nachgelassen. Die kommen erst, wenn der Erfolg groß genug ist, um Geld zu verdienen. Das musste ich zumindest erfahren, als ich bei SONY angefragt habe.

004 20180628 1283864010Wie kam es dazu, dass ihr an der Ostsee spielt?
Vor ziemlich genau zwei Jahren hat das angefangen. Wie du sicherlich weißt, ist es für junge Nachwuchs-Bands nicht selbstverständlich, an gute Auftritte zu kommen. Da ich nun schon lange in der Branche bin, habe ich über die Jahre einige Connection aufgebaut. Also haben wir einfach überlegt, was am meisten Sinn macht. Die Idee war zu spielen, wo viele Leute sind. Die Urlaubsregion rund um die Ostsee ist ein Garant, dass man viele neue Zuhörer erreicht. Sie kommen aus der gesamten Republik, eine bessere Promotion gibt es eigentlich nicht. Wir sind ja nun im zweiten Jahr. Alleine was wir im ersten Jahr an Steigerung geschafft haben, ist sagenhaft. Siehe das Konzert in Zwickau. Da gab es eine Steigerung von ca. 60 Leuten im Vorjahr auf 400. Ganz so schlecht ist das alles nicht, möchte man meinen (lacht).

Ich durfte ja in Zwickau im "Alten Gasometer" dabei sein. Das hatte schon was Großes.
Genau das wollten wir erzeugen und haben es auch zelebriert. Am Ende ist es aber das Publikum, welches uns groß macht. Denn wir machen nichts anderes. Natürlich ist die Band mehr zusammengewachsen in den zwei Jahren. Aber wir standen so von Anfang an auf der Bühne. Wir haben uns natürlich etwas mehr Mühe gemacht, was die Show darum betrifft. Aber im Grunde, der Kern der Sache - nämlich WIESNERROCK - hat sich nicht verändert. Nur die Leute sind mehr geworden. Alleine dadurch kriegt es ein ganz anderes Level und einen ganz anderen Hype. Das genießen wir natürlich in vollen Zügen an solchen Abenden, da es für uns nicht selbstverständlich ist. Aber am Ende sind wir noch immer dieselben Kerle wie vor zwei Jahren.

Das sind sehr schöne Worte zum Abschluss. Ich sage einfach mal Danke und hoffentlich bis bald im Konzert, und viel Erfolg für die nächsten Termine.
Vielen Dank!



Interview: Antje Brandt
Bearbeitung: cr
Fotos: Pressematerial







   
   
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