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Wenn jemand auf zarte 70 Lebensjahre zurückblicken kann, hat er viel zu erzählen. Erst recht, wenn es sich dabei mit Horst Krüger um einen der erfolgreichsten DDR-Rockmusiker handelt. Mit seinem jahrzehntelangen Wirken als Musiker, Komponist und Bandleader bereicherte er die ostdeutsche Musikszene entscheidend. So ganz nebenbei gilt er auch noch als Wegbereiter für die Karrieren vieler anderer Musiker aus der ehemaligen DDR. Zunächst sammelte er unter anderem im Klaus Lenz Sextett erste musikalische Erfahrungen, ehe er 1968 mit dem Horst Krüger Sextett sein erstes eigenes Ensemble gründete. 1973 wurde daraus die Horst Krüger Band, deren Namen auch heute noch mit einem der erfolgreichsten Hits der DDR-Musikgeschichte verbunden ist: "Tagesreise".
Doch nicht nur als Musiker verdiente sich Krüger große Lorbeeren, sondern er komponierte auch Titel für unzählige andere Kolleg/inn/en, schuf Filmmusiken und schrieb die Arrangements für bekannte DDR-Fernsehsendungen wie "Ein Kessel Buntes" oder die "Heinz Rennhack Show". Was kaum einer weiß: hinter einer Menge Titelmelodien des DDR-Rundfunks und Fernsehens steht als Komponist ebenfalls der Name Horst Krüger. Beispielgebend seien hier nur die "Aktuelle Kamera" oder "7-10, Sonntagmorgen in Spree-Athen" genannt.
Einen Riesenerfolg konnte Horst Krüger dann 1979 mit der ersten DDR-Rockoper "Rosa Laub" verbuchen, der später noch eine zweite unter dem Titel "Zaubersprüche" folgte. Anlässlich seines heutigen 70. Geburtstages trafen wir uns mit Horst Krüger zu einem Interview, in welchem er interessante Einblicke in seine Karriere gewährte und uns auch verriet, was er heute so treibt...

 

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HORST, in ein paar Tagen feierst Du Deinen 70.Geburtstag. Wie geht es Dir, und wie groß ist Deine Aufregung vor diesem Tag?
Mir geht es relativ gut. Und ja, es ist wahr, ich werde in den nächsten Tagen 70, warum auch nicht? Meine Aufregung hält sich in Grenzen. Da ich ja in meinem nächsten Leben hoffentlich auch wieder 70 werde, wird die Feierlichkeit in einem sehr kleinen Rahmen stattfinden. Es ist in meinen Augen keine große Leistung, wenn man 70 wird. Na gut, viele schaffen das nicht, aber deshalb muss man kein großes Fest daraus machen, sondern das geht auch alles ein bisschen stiller.

Lange hat man von HORST KRÜGER nichts mehr gehört. Hast Du Dich vollständig zur Ruhe gesetzt, oder übst Du im Hintergrund noch einen Deiner einstigen Berufe als Bandleader, Musiker oder Komponist aus?
Dass man von mir in den letzten Jahren kaum was gehört hat, bis auf den alten Schnee, liegt nicht an mir, sondern an der Interessenlosigkeit der Medien. Dort backen alteingesessene Hierarchien ihre kleinen und größeren Brötchen. Natürlich komponiere ich noch, aber überwiegend für mich, Familienangehörige und Freunde. Als Musiker bin ich nur hin und wieder noch unterwegs, und das Thema Bandleader ist für mich vorbei. Aber mir sind und waren alle drei Betätigungsfelder gleich lieb.

Ich vermute mal, Du hast bereits im Kindesalter begonnen, Dich für Musik zu interessieren. Wie sahen überhaupt die Möglichkeiten zur künstlerischen Betätigung in der sich gerade entwickelnden DDR aus? Und wann hast Du Deine ersten musikalischen Schritte unternommen?
Ich komme aus einer der Musik sehr zugetanen Familie, und ich habe einen Vater gehabt, der wunderbar Klavier spielte. So blieb es nicht aus, dass ich erstmal in frühesten Jahren wenigstens so gut wie mein Vater Klavier spielen wollte. Da wir sechs Kinder waren (drei Mädchen und drei Jungs), brachte mein Vater uns das Chorsingen bei. So entstanden drei- bis vierstimmige Chorsätze, die bei allen möglichen und unmöglichen Anlässen zum Vortrag kamen. So blieb es nicht aus, dass meine Lieblingsbeschäftigung das Singen und Musizieren wurde. In der DDR hatte jeder seine Chance auf diesem Gebiet, ganz egal mit welchem Talent man seinen Weg ging.

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Hast Du eine Musikschule besucht, oder warst Du eher Autodidakt?
Ich habe die Musikschule Berlin-Friedrichshain besucht, wie viele andere Musiker auch. Natürlich waren meine praktischen Notenkenntnisse gleich Null. Da ich meine anfänglichen musikalischen Interessen ausschließlich dem Jazz widmete, waren Notenkenntnisse eher weniger gefragt, denn man kannte und konnte die üblichen Standards und spielte "aus der Mütze". Erst viel später bemerkte man in der Big Band des ERICH WEINERT ENSEMBLES, dass ich kaum Noten lesen konnte. Beim Erproben irgendwelcher Spezialarrangements, die Mitglieder dieser Big Band selbst gefertigt hatten und die ich natürlich nicht kannte, fiel unüberhörbar auf, dass es für mich besser gewesen wäre, routinemäßig nach Noten spielen zu können.

Dein Vater war Pianist. Inwieweit hattest Du durch ihn Unterstützung, wenn es um Deine musikalischen Ambitionen ging?
Mein Vater war, ob er wollte oder nicht, ein musikalisches Vorbild für mich. So schaute ich ihm über die Schulter, wenn er älteres Repertoire der Familie zu Gehör brachte. Dieses Repertoire bestand immer aus den gleichen Titeln. Reihenfolge und Modulation waren immer gleich. Einmal unterbrach mein Vater sein Klavierspiel. Es war ganz still. Ich sang im Nebenzimmer das gerade angespielte Potpourri einfach weiter, ohne Klavierbegleitung. Das weckte den Zorn meines Vaters, was in einer mittelschweren Backpfeife mündete. Soweit zu der Unterstützung, die ich von ihm bekam...

Zunächst hast Du einen ehrbaren Beruf gelernt, nämlich Maurer. Nach der Maurerlehre zog es Dich dann aber doch hin zur Musik. Deine erste Station war meines Wissens das BERLUC-QUARTETT. Wann genau war das, und welche Musik habt Ihr dort gespielt?
Natürlich musste man erst einmal etwas "anständiges" lernen. Nun ist Maurer ja etwas sehr anständiges. Das kam mir sehr zu Gute, denn ich habe alle meine Häuser, in denen ich in meinem späteren Leben wohnte, selbst gebaut. Das war sehr praktisch und ersparte einen Haufen Geld. Nach meiner Maurerlehre wurde ich dann erst einmal Maurerbrigadier im Wohnungs- und Industriebau. Das machte ich so ca. zwei Jahre, bis sich herumgesprochen hatte, dass sich der Schlagzeuger des BERLUC-QUARTETTS aus irgendeinem Fenster geschwungen hatte und er mehr oder weniger unsanft auf einer nicht dafür vorgesehenen Betonplatte landete. BERLUC spielte damals in Eisenhüttenstadt und wollte auf ein Schlagzeug nicht verzichten. So kam ich 1960 zum BERLUC-QUARTETT und spielte die Drums. Und das jeden Tag fünf Stunden lang für unsere Werktätigen, die nach Feierabend gerne mal fröhlich das Tanzbein schwingen wollten. Unsere Musik war aber sehr jazzbetont, es ging in Richtung Cool-Jazz, Swing und Blues. Es blieb nicht aus, dass Zwischenrufe wie "Spielt doch mal was Vernünftiges!" den Tanzsaal erfüllten.

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1962 kam ein wichtiger Schritt für Dich, nämlich der Wechsel zu KLAUS LENZ, einem der besten und angesagtesten DDR-Jazzmusiker der damaligen Zeit. Wie kam es zu Deinem Einstieg beim KLAUS-LENZ-SEXTETT?
Ich saß im Kino, es lief irgendein spannender Film. Plötzlich öffnete sich die Seitentür, der Vorhang wurde aufgerissen, und das von draußen eindringende Licht erhellte den ganzen Kinosaal. In der Tür stand KLAUS LENZ und rief: "KRÜGER, wo bist Du?". So kam ich zum KLAUS LENZ SEXTETT. Wir kannten uns schon von gemeinsamen Jam-Sessions, und da sprach sich natürlich auch rum, wer gut ist und wer nicht. Seine Wahl fiel auf mich, weil ich auch singen konnte und er somit den Leuten perfekte Unterhaltung bieten konnte. Damals musste man eben immer mehrere Sachen gleichzeitig beherrschen.

Das Intermezzo bei LENZ wurde schon ein Jahr später unterbrochen, denn 1963 musstest Du Deinen Dienst bei der NVA antreten. Damit war Dein Musikertraum aber nicht beendet, denn während der Armeezeit wurdest Du Mitglied des Erich-Weinert-Ensembles. Der Bass war dort schon vergeben, also hat man Dich zum Sänger und Orchesterwart ernannt. Erzähle uns bitte ein paar Worte über diese Zeit.
1963 kam ich nach meinem Grundwehrdienst in Schwerin zum ERICH WEINERT ENSEMBLE. Die Stelle des Bassisten war noch frei und ich spielte munter ein Jahr in der Big Band des Ensembles meinen Bass. Das ging soweit ganz gut, bis HANS GEORG SCHMIEDECKE, der damals Pianist in der Big Band war, sich zu mir umdrehte und meinte: "Lieber HORST, Du spielst nicht so richtig, was ich Dir aufgeschrieben habe. Es ist ja nicht falsch, was Du spielst, aber im siebenten Takt meines Werkes musst Du D-Dur spielen. Du hast auch ein D gespielt, aber ich habe dort ein 'fis' aufgeschrieben, und zwar einen 'Terz-Bass'". Ich meinte nur: "Oh Gott, wie originell." Danach wurde die Bassstelle neu ausgeschrieben, aber man behielt mich als Orchesterwart und Sänger, und man bezahlte für mich immerhin einen hervorragenden Basslehrer, der Solobassist an der Deutschen Staatsoper war und KLAUS TRUMPF hieß.

1965 bist Du zurück zu KLAUS LENZ, wo Du dann wieder Bass spielen durftest. LENZ scharte inzwischen die seinerzeit besten Musiker der DDR um sich und ging mit ihnen als KLAUS LENZ BIGBAND pausenlos auf Tournee. Mit welchen bekannten Leuten hast Du während Deiner Zeit bei LENZ zusammen auf der Bühne gestanden?
Es ist sehr schwierig für mich, diese Frage zu beantworten, denn ich müsste Dir die Namen aller dort beschäftigten Musiker nennen. Alle Musiker dieser Formation sind später in anderen Orchestern sehr bekannt geworden. Ein paar Leute sind mir noch in Erinnerung: KLAUS KÜHN, ERNST LUDWIG PETROWSKY, GÜNTHER SOMMER, REINER GÄBLER, HUBERT KATZENBEIER, WOLFGANG WINKLER, ULRICH GUMPERT, CONRAD BAUER, GÜNTHER FISCHER, USCHI BRÜNING, um nur einige zu nennen.

Inwieweit hat Dich die Zusammenarbeit mit KLAUS LENZ musikalisch geprägt?
KLAUS LENZ bewohnte damals in Berlin-Friedrichshain eine 1-Raum-Altbauwohnung im 5.Stock. Ich selbst wohnte seinerzeit in Bad Freienwalde. Wenn ich aber mal in Berlin war, wohnte ich bei Klaus und hatte so die Möglichkeit, mir schon in den frühen Morgenstunden sein Trompetenspiel anzuhören. KLAUS hatte nämlich sogenannte Ansatzschwierigkeiten. Dass bedeutete, er musste sich schon mehrere Stunden vor dem Auftritt "einblasen", ansonsten wäre die Mugge am Abend äußerst fragwürdig ausgefallen. Natürlich hatte er in den Pausen seines Einblasens fortwährend arrangiert. Das war für mich die härteste und beste Schule.

Lange dauerte Dein Dasein bei KLAUS LENZ aber auch diesmal nicht. Wann bist Du dort endgültig ausgestiegen, und welche Gründe gab es dafür?
1965 musste ich KLAUS LENZ verlassen. Das hatte eigentlich mehr private Gründe, denn KLAUS handelte entgegen den biblischen Zehn Geboten, indem er eines anderen Weib begehrte, nämlich meins. Das ging soweit, dass KLAUS mit der Leiter in ihr Schlafzimmer steigen wollte. Da brauche ich nichts zu beschönigen, das war nun mal so. Deshalb bin ich ja dort ausgeschieden, denn ansonsten würde ich heute noch bei LENZ spielen. Musikalische Gründe für unsere Trennung gab es nicht, sondern wirklich nur diesen privaten Zwist. Wenn jemand auf diese Art Deine Frau angräbt, dann darf man schon mal sauer sein, oder?

Hattest Du zu der Zeit eigentlich schon einen Berufsausweis als Profi-Musiker?
Ja, selbstverständlich. Für Musiker gab es nur die Wahl zwischen "Ich habe den Berufsausweis", oder "Ich habe ihn nicht". Einstufungen gab es nur bei Sängern. Es begann für mich wie auch für jeden anderen mit der "A"-Einstufung, dann kam die "B", und zum Schluss die höchste Einstufung, nämlich "C". Die hatte ich.

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In Deiner Vita kann man nachlesen, dass Du nach Deinem Weggang von KLAUS LENZ für kurze Zeit beim SIEGFRIED LABROT TRIO Schlagzeug, Klavier und Orgel gespielt hast. Ist es eine Bildungslücke, dass mir diese Band überhaupt nichts sagt?
Nein. SIEGFRIED LABROT war Pianist im MANFRED LUDWIG SEPTETT. Dieser gründete ein Trio und suchte dafür einen Schlagzeuger und einen Bassisten. Musikalisch tendierte das Labrot-Trio sehr zum Jazz. Aber Erfolge hatten wir mit dem Trio keine zu verzeichnen, denn wir spielten wirklich nur in Nachtbars unseren Jazz. Für uns war das eine schöne Sache, aber für das Publikum manchmal eher nicht so. Deshalb gab es auch nie eine Platte vom LABROT-TRIO. Was sollte auch rauf? Wir hatten ja keine Hits.

1966 kam es zum nächsten wichtigen Schritt in Deiner Laufbahn, als Du zum WOLFGANG BRANDENSTEIN ENSEMBLE gewechselt bist. Ging das auch in Richtung Jazz, oder welche musikalische Gangart habt Ihr da verfolgt?
1966 bot sich mir die günstige Gelegenheit, in das WOLFGANG BRANDENSTEIN ENSEMBLE einzusteigen. Natürlich wieder als Bassist und Sänger. Auf dem Programm stand in erster Linie internationale Tanzmusik. Großer Wert wurde auf die Show gelegt. Für mich war das eine gänzlich neue Richtung, aber ich hatte bis dato noch nie so viel sicheres Geld verdient.

Als Teil des Ensembles gründete sich 1967 der GERD MICHAELIS CHOR, wo Du (welche Überraschung für einen Chor) als Sänger tätig warst. Warum hast Du als Multiinstrumentalist plötzlich gesungen?
Ich wäre NUR als guter Bassist niemals zum Brandenstein-Ensemble gekommen, wenn ich nicht auch ein passabler Sänger gewesen wäre. Insofern lag es nahe, auch dem GERD-MICHAELIS-CHOR beizutreten. Das war zu der damaligen Zeit eben so. Wer nicht gleichzeitig gut singen und ein Instrument spielen konnte, hatte keine Chance, bei dem Ensemble mitzumachen. Bei Deiner Frage zu KLAUS LENZ habe ich das ja auch schon mal angedeutet. Wenn man dann noch komponieren oder arrangieren konnte, waren die Chancen um so größer.

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Ebenfalls 1967 erschienen bei AMIGA zwei HORST KRÜGER-Singles, und zwar "Ich bin der Mann, der Dich liebt" und "Der Minirock". Wie kam es zu dieser Produktion, und waren das Deine ersten Eigenkompositionen?
Nein, ich hatte vorher bereits einige Instrumentalstücke komponiert. Diese beiden Nummern waren aber meine ersten Gesangskompositionen. Produziert wurden die Titel übrigens beim Rundfunk, und AMIGA hat sie dann für die Pressung auf Vinyl übernommen, was damals nicht unüblich war. Und da ich damals noch keine eigene Band hatte, spielte ich die Nummern mit ehemaligen LENZ-Musikern ein. Man hat mich allerdings vorher nicht gefragt, ob ich was gegen eine Aufnahme dieser Titel auf Platte hätte. Ich erfuhr davon tatsächlich erst, als ich die Platte im Schaufenster liegen sah. Der Rundfunk verschacherte die Titel wie schon gesagt an AMIGA, und die haben dann ohne mein Wissen einfach eine Platte daraus gemacht. Aber letztendlich war das schon in Ordnung, ich habe mich natürlich nicht darüber geärgert. Ganz im Gegenteil, ich war auf die Platte sogar richtig stolz. Das ist eine ganz normale Reaktion, und würde jedem so gehen.

Was hat Dich dazu bewogen, 1968 mit dem HORST KRÜGER SEXTETT Deine erste eigene Band zu gründen?
Die pure Not. Arbeitslosigkeit gab es ja offiziell in der DDR nicht. Deshalb mussten GERTI MÖLLER und ich eine Tätigkeit nachweisen, nachdem sich das WOLFGANG BRANDENSTEIN ENSEMBLE aufgelöst hatte. Das war für mich der Auslöser, meine eigene Band zu gründen. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich wieder in meinem Beruf als Maurer arbeiten müssen. Ich hätte sicher ganz schnell irgendwas gefunden, denn so schlecht war ich auch als Maurer nicht. Aber ganz ehrlich, aufs Maurern hatte ich keinen Bock mehr. Ich wurde damals gleich Brigadier, weil ich der Einzige war, der auch mit Mathematik was anfangen konnte. Die wollten alle bei mir arbeiten, weil ich wahnsinnig gute Abrechnungen machte, ohne dass ich dabei den Staat beschissen habe. Und trotzdem wollte ich das nicht mehr machen. Ohne die Arbeit jetzt abwerten zu wollen: es ist halt ein großer Unterschied, ob Du Brigadier auf dem Bau oder Orchesterleiter bist. Das wirst Du verstehen.

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Zur Erstbesetzung des HORST KRÜGER SEXTETT gehörte auch eine Frau, nämlich GERTI MÖLLER, die Du beim GERD MICHAELIS CHOR kennengelernt und später geheiratet hast. Kann so etwas auf Dauer funktionieren, dass man sich liebt und in derselben Band zusammenspielt? Wie wirkt sich das auf das Klima in der Band aus, wenn es mal zu Streitereien kommt?
Na klar funktioniert das, wenn man Privates außen vor lässt und sich nur auf die gemeinsame Arbeit konzentriert. Es ist auch ein großer Unterschied, ob man mit der Frau zusammen die Band gründet und man sich dann ein paar passende Musiker dazu sucht, oder ob sich die Beziehung zu der Frau erst entwickelt, wenn die Band schon lange besteht. Letzteres war ja mit TAMARA (DANZ) der Fall, aber dazu kommen wir sicher nachher noch etwas ausführlicher. Natürlich gab es zwischen GERTI und mir auch mal Streit und Ärger. Aber das haben wir dann erledigt und ausdiskutiert, wenn uns niemand zuhören konnte. Das andere Extrem hatte GERTI mit dem GERD MICHAELIS, mit dem sie vor mir zusammen war. Der hat sie vor allen Leuten zusammengeschissen. Und das geht einfach nicht, das macht man nicht. Da waren wir professioneller. Man muss in der Lage sein, Arbeit und Privatleben zu teilen, sonst funktioniert das alles nicht. Zumindest nicht in der Musikbranche.

1970 wurde aus dem HORST KRÜGER SEXTETT ein SEPTETT. Deine erste eigene LP erschien dann ein Jahr später, also 1971, aber unter dem Namen HORST KRÜGER & ENSEMBLE. Warum? An der Besetzung hatte sich doch eigentlich nichts geändert.
Bei dieser LP handelte es sich natürlich um eine Produktion meiner Band. Aber ich habe bei diesen Aufnahmen noch andere Musiker hinzu gewinnen können, wie Streicher, Bläser usw. Die Rhythmusgruppe wurde komplett von mir gespielt. Von den Konzertorchestern holte ich mir noch eine Oboe und diverse andere Instrumente. Man konnte das ja früher noch nicht auf dem Synthesizer spielen, sondern man brauchte das Horn oder die Oboe immer live im Studio oder auf der Bühne. Heute brauche ich das nicht mehr, da spiele ich diese Parts auf dem Keyboard. Die Leute von der Plattenfirma meinten dann, Du kannst die Band jetzt nicht mehr Sextett oder Septett nennen, das ist jetzt ein Ensemble. Das waren dieselben Leute, die auch nicht wollten, dass mein Chor UNTERNEHMEN MÜNCHEHOFE heißt.

Diese erste LP war dominiert von Beatmusik mit leichtem Hang zum Schlager. Welche Zielgruppe wollte die Band damit erreichen? Eher die Schlagerfans, oder wolltet Ihr durch die Beat-Ausrichtung doch mehr die jungen Leute als Fans gewinnen?
In dieser Zeit experimentierte man heftigst. Wir hatten nur diese eine Möglichkeit, unseren Idealen etwas Eigenes beizumischen, und das möglichst ohne erkennbare musikalische Vorgaben. Wir waren ja selbst noch jung und wollten deshalb natürlich auch den Geschmack junger Leute treffen. In meiner Band spielten ja Musiker wie FRANZ BARTZSCH, die wollten eigentlich nie was anderes machen als Beat- und später Rockmusik. Da waren wir uns alle einig. Manchmal haben meine Musiker auch gesagt: "Nee HORST, so was spielen wir nicht."

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1972 lag bereits Euer zweites Album mit dem Titel "Geh durch die Stadt" in den Läden. Die Grundstimmung war deutlich rockiger als auf der Debütplatte. Der Titel "Da ist ein Feuer" glänzte beispielsweise mit einem hervorragenden Orgelsolo, welches an damals populäre Bands wie DEEP PURPLE oder URIAH HEEP erinnert. War das die neue Marschrichtung?
Ja! Ich bin natürlich auch durch meine Mitmusiker dahingehend beeinflusst worden, eine andere Richtung einzuschlagen. Aber im Grunde genommen waren das auch meine Vorlieben. GERTI mochte den Trend zur Rockmusik eher nicht so, deshalb ist sie dann auch ausgestiegen und hat das Management übernommen. Sie war halt eine Schlagersängerin, noch dazu eine gute, aber mit Rockmusik hatte sie nicht so richtig was am Hut. Gehört hat sie es gerne, es gefiel ihr dann auch, aber sie konnte sowas halt nicht singen. Fortan habe ich mich ausschließlich um eine Art "neue DDR-Rockmusik" gekümmert. Alles was es bis dahin gab, waren irgendwelche Abklatsche gewesen. Man hörte zum Beispiel genau, woher die PUHDYS ihre neuen Titel hatten, wer da die Inspiration lieferte. Die Typen vom Lektorat achteten nur auf die Texte, die Musik an sich kannten die gar nicht, weil die keine Ahnung davon hatten oder nie Radio hörten. Deshalb kamen diese ganzen Titel auch klaglos durch. Ich wusste aber genau, dieser Song wurde bei URIAH HEEP gekupfert, dieser bei DEEP PURPLE usw. Eine Ausnahme bildete für mich KARAT, das war wirklich was Eigenständiges. Ansonsten aber haben die alle nur nachgespielt. Nimm als Beispiel EGON LINDE von TRANSIT, der hat einfach einen auf UDO LINDENBERG gemacht. Sowas wollte ich nicht. Ich wollte eine ganz eigene Musik machen. Ob mir das auch gelungen ist, sei mal dahin gestellt, das ist ja auch alles Geschmackssache. Aber zumindest habe ich es probiert.

Bei allem Drang zur Rockmusik fiel mir doch immer wieder der permanente Einsatz von Bläsern auf. So ganz hatte Dich die Zeit bei KLAUS LENZ wohl doch nie losgelassen?
Ja das stimmt. Es gab zu dieser Zeit aber auch schon Bands wie BLOOD SWEAT & TEARS und CHICAGO, die mir sehr gefielen. Ob das nun der Einfluss von LENZ war, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Bläser waren halt schon immer mein Ding. Deshalb spielten in meinen Bands auch immer drei Bläser. Trotzdem war es noch Rockmusik. Was glaubst Du, was BLOOD SWEAT & TEARS für tolle Rockmusik machten! Oder auch CHICAGO, die ja auch mit drei Bläsern spielten.

Für viele DDR-Bands waren deutsche Texte zur damaligen Zeit eher eine Qual bzw. ein notwendiges Übel, um weiterspielen zu dürfen. Du hast dagegen von Anfang an deutsch gesungen. War das für Dich selbstverständlich, oder bist Du damit bewusst der Konfrontation mit den DDR-Kultur-Bossen aus dem Wege gegangen?
Deutsch ist meine Muttersprache, in der ich mich nun mal am besten ausdrücken kann. Es hat mich nie interessiert, ob ich irgendwelchen Ärger mit DDR-Bonzen habe, oder auch nicht. Für mich war nur mein Publikum interessant. Live spielten wir natürlich auch mal den einen oder anderen englischsprachigen Titel, zum Beispiel von RAY CHARLES. Zu covern war damals normal. Aber überwiegend hatten wir schon unsere eigenen Titel im Programm, was kaum eine andere Band der damaligen Zeit machte. Und ich kann mit Stolz sagen: wir kamen beim Publikum mit unseren eigenen Nummern auch sehr gut an. Wir haben sogar mal auf dem Berliner Alexanderplatz vor den PUHDYS gespielt. Und uns hat niemand ausgepfiffen! Wir mussten sogar noch eine Zugabe machen, bevor die PUHDYS auf die Bühne konnten. Und das will schon was heißen. Das hat keine andere Gruppe geschafft. Unser Plus war, dass wir auch eine anständige Show geboten haben, um die Musik besser transportieren zu können. Ich hatte u.a. immer drei Frauen dabei, und die mussten eben auch mal einen Ausfallschritt machen. Natürlich auf geschmackvolle Art und Weise, und das kam bei den Leuten an.

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Gerade in den Siebzigern gab es viele Konflikte zwischen den Kunstschaffenden der DDR und der Regierung, die zu massenhaften Verboten von Bands, Solisten und auch Schauspielern führten. Wie hast Du diese Zeit empfunden? Bist Du als Musiker mal in irgendeiner Weise mit staatlichen Repressalien oder Auflagen in Berührung gekommen?
Natürlich hatte ich davon gehört, dass verschiedene Künstler der DDR Repressalien ausgesetzt waren. Ich glaube, dass diese auch einen eigenen Beitrag dazu leisteten, mit den Machthabern anzuecken. Man hätte auch andere Möglichkeiten finden können, seine Haltung auszudrücken. Sowohl von der Künstlerseite, als auch von Seiten des Staates. Vielleicht hatte ich einfach nur Glück, weil ich es nie darauf angelegt habe, mit den Herrschaften im Clinch zu liegen. Ja, dennoch hätte mir das natürlich auch passieren können.

Darf ich Deine Worte so verstehen, dass Bands wie RENFT, BÜRKHOLZ oder später SILLY, PANKOW und diverse andere selbst schuld waren an dem schweren Stand, den sie gegenüber den Kulturbossen hatten, weil sie eben ihren Protest gegen gewisse Unzulänglichkeiten im sozialistischen Alltag in musikalischer Form zum Ausdruck brachten?
Nein, so habe ich das ja nicht gesagt, dass die selber schuld waren oder Schuld hatten. Genauso wenig bin ich daran schuld, dass man mich nicht rangekriegt hat. Mich hätte man selbstverständlich auch erwischen können. Ich hatte eben Glück. Aber es gab Bands wie RENFT, die haben es regelrecht darauf angelegt. Die haben auf diese Art ihren Frust abgelassen, doch das hätte man auch alles ein wenig feiner und eleganter machen können, ohne dass die Oberen das merken. Deshalb ist zu RENFT ja auch jeder Idiot in die Konzerte gegangen. Die hatten genau deshalb, wegen ihrer Haltung, diesen enormen Zuspruch. Ich habe auch schon mit RENFT auf einer Bühne gestanden. Deren Musik klang live grausam. Und trotzdem kamen die besser an als wir, die eine qualitativ gute Musik gemacht haben. Leipzig war ja schon immer ein Pflaster für solche Leute, dort wurde bekanntlich auch zuerst gerufen "Wir sind ein Volk!". Und RENFT kam aus Leipzig. Ich kenne auch den Texter von RENFT persönlich. Ein ganz feiner Kerl, aber der wusste genau, was er schreibt. Und der wusste auch genau, welcher Gruppe er seine Texte gibt. Hätte ich die Texte genommen, hätte ich den gleichen Ärger gehabt wie RENFT. Aber damit wir uns richtig verstehen: ich bin dem Ärger nicht aus dem Wege gegangen, sondern zu mir ist gar nicht erst jemand mit solchen Texten gekommen.

Welche Erfahrungen hast Du während Deiner aktiven Zeit mit den berüchtigten Lektoraten gesammelt?
Dazu muss ich sagen, dass ich wegen meiner Musik nie Probleme hatte. Es ging dort beim Lektorat in allererster Linie nur um die Texte. Da wurde hin und her diskutiert, und so manches gute Stück fiel durch die Roste. Es gab ja nicht nur das berüchtigte Lektorat, sondern republikweit schwangen sich Kulturbonzen dazu auf, dumme Sprüche über meine Kunst labern zu müssen. So war der ehemalige Kulturminister bei der Premiere meiner zweiten Rockoper "Zaubersprüche" im Volkstheater Rostock zugegen.

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Was damals neu war in der DDR: das Thema Umweltschutz! In den "Zaubersprüchen" ging es dann auch ausschließlich darum. Das Premierenpublikum spendete dem Stück am Ende tosenden Applaus. Der Kulturminister saß mit bleichem und langem Gesicht im Publikum. Das veränderte sich erst, als ihm PROF. HANNS ANSELM PERTEN, der einer der bedeutendsten und angesehensten DDR-Regisseure und Theaterintendanten war, das Stück erklärte. Natürlich ganz im sozialistischen Sinne. Aber zurück zum Lektorat: Ich hatte mit denen kaum Schwierigkeiten, weil meine Texter direkt im Lektorat saßen. GISELA STEINECKERT zum Beispiel. Die ist natürlich gegen ihre eigenen Texte nie zu Felde gezogen. Aber von der habe ich sowieso nur gute Texte bekommen.

Anfang/Mitte der 1970er Jahre standen Bands wie ELECTRA, RENFT, LIFT, oder auch die BÜRKHOLZ FORMATION in der Gunst der Fans ganz oben. Wo würdest Du Dich mit Deiner Band da einordnen, oder gehörte Deine Formation nicht in die Kategorie Rockband?
Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Band neben den von Dir aufgeführten Formationen ins Hintertreffen geraten wäre. Wir hatten auch unsere Fans, und das waren nicht wenige. Wir spielten, wo auch immer, unsere ehrliche Rockmusik, und das natürlich so perfekt wie möglich.

1973 hast Du dann die HORST KRÜGER BAND gegründet, die als Deine erfolgreichste Formation gilt. Liest man die Namen einiger Mitspieler, dann klingt das heute fast wie eine kleine Supergruppe: BERND RÖMER, MICHAEL HEUBACH, SYLVIA KOTTAS, MICHAEL SCHWANDT, HEINZ-JÜRGEN "GOTTE" GOTTSCHALK oder auch TAMARA DANZ. Nach welchen Kriterien hast Du die Band damals zusammengestellt?
Ich war dem Perfektionismus verfallen und ich wollte meine Rockmusik, und wenn man so will, auch meine Show, einem jugendlichen Publikum anbieten. Solisten konnten in meiner Truppe nur mitmachen, wenn sie nicht nur gut singen, sondern sich dazu auch gut bewegen konnten. Also ähnlich wie vorher bei LENZ oder BRANDENSTEIN. Nur so konnte es uns gelingen, als Vorband der PUHDYS zu bestehen.

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Du giltst als Entdecker von TAMARA DANZ, die später ja auch über die Landesgrenzen der DDR hinaus bekannt wurde und sehr erfolgreich war. Wie bist Du auf sie aufmerksam geworden und wie kam es zu ihrem Einstieg in deine Band?
TAMARA war damals Mitglied des OKTOBERKLUBS, und eine denkbar ungünstige Kandidatin, als sie mich ansprach, um bei mir singen zu dürfen. Jedoch gelang es ihr dann trotzdem mit allerlei Überredungskünsten, in die HORST KRÜGER BAND einzusteigen.

Was meinst Du mit "ungünstige Kandidatin"?
Wenn man vom OKTOBERKLUB kommt, ist man nicht unbedingt dafür prädestiniert, in eine Rockband einzusteigen. Das war sie auch wirklich anfangs nicht. Sie hat sich im Laufe der Zeit entwickelt, aber erst, seit sie bei mir in der Band war. Wer beim OKTOBERKLUB war, sang danach bei der GRUPPE DREI, wurde aus Altersgründen rausgeschmissen oder wurde Chef bei AMIGA. Ich hatte jedenfalls nie einen aus dem OKTOBERKLUB in meiner Band. Außer TAMARA eben. Bei der dachte ich mir, und darin hatte ich mich ja auch nicht geirrt, dass man aus dem Mädel was machen kann. Sie entwickelte sich bei uns ja auch wirklich gut. Am Anfang ging es aber gar nicht. Die Bandkollegen sagten sogar: "HORST, wir kennen Sängerinnen, die sind tausendmal besser als TAMARA." Trotzdem hielt ich an ihr fest, denn letztlich hatte ich ja das Sagen. Ich hatte mich auch wirklich nie geirrt mit meinen personellen Entscheidungen. Ein Beispiel ist FRANZ BARTZSCH, der war richtig Klasse. Aber auch der entwickelte sich erst bei mir zu dem, der er dann später war. BERND RÖMER ist das nächste Beispiel. Sein Gitarrenverstärker war damals ein altes Radio. Wir haben in der Band zusammengelegt, ihm einen ordentlichen Verstärker gekauft, und dann konnte er vernünftig spielen. Ich lag also immer richtig, auch bei TAMARA. Nur der Anfang war wie gesagt etwas holprig. Dann begann auch noch unsere private Beziehung, so dass irgendwann die Bandkollegen sagten: "Entweder TAMARA oder wir". Ich entschied mich für TAMARA, denn ich lasse mich nur ungern erpressen. Also habe ich die HORST KRÜGER BAND aufgelöst, und das war es dann mit der Musik für mich.

Was für Erinnerungen hast Du speziell an TAMARA DANZ, als sie in Deiner Band als relativ unbeschriebenes Blatt Erfahrungen sammelte?
Nicht unbedingt gute Erinnerungen. Sie hatte Angst, sowohl auf der Bühne als auch in den verschiedenen Tonstudios. Meine Musiker verstanden das nicht. Erst recht nicht, als sie bemerkten, dass ich mich auch privat TAMARA zuwandte. Das war, so denke ich, einer meiner größten Fehler, denn die Band fiel aus diesem Grund auseinander. Aber so ganz geirrt hatte ich mich mit TAMARA ja nicht, denn sie fand nach der Auflösung der HORST KRÜGER BAND Anschluss an ihre neue Band und legte dann eine wunderbare Karriere hin.

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Auf der 1975 erschienen LP mit dem schlichten Titel "HORST KRÜGER BAND" taucht hinter vielen Songs der Name "GOTTE" GOTTSCHALK als Komponist auf. Hatte das einen tieferen Sinn, dass Du die Kompositionsarbeit an einen Musiker Deiner Gruppe weitergegeben hast?
In meiner Band war es immer üblich, dass Kollegen mit komponierten und sich mit eigenen Ideen einbrachten. Warum auch nicht? Wir waren gemeinsam interessiert, dem Publikum eine recht vielseitige Musik zu servieren. Da konnten verschiedene Komponisten doch nur gut sein.

Der absolute Knaller auf dieser LP war "Die Tagesreise". Die Wenigsten wissen, dass dieses Lied eigentlich gar nicht für die HORST KRÜGER BAND bestimmt war, sondern von MICHAEL HEUBACH noch während seiner Zugehörigkeit zur BÜRKHOLZ-FORMATION geschrieben wurde. Die BÜRKHOLZ-FORMATION wurde verboten, und HEUBACH nahm den Song mit zur HORST KRÜGER BAND. Wie bist Du auf den Song aufmerksam geworden und vor allem, wie bist Du damit umgegangen, dass er eigentlich für eine andere Band gedacht war?
MICHAEL HEUBACH hatte mir den Song damals übergeben, ohne mir zu sagen, dass er für eine andere Band bestimmt war. Wir fingen sofort mit den Proben an, und natürlich merkten wir schnell, dass es sich hier um einen echten Hit handeln könnte - und das ist er ja dann auch tatsächlich geworden. Als HEUBACH mit dem Song ankam, gab es dazu ja auch noch keinen Text. Er spielte mir den Song vor, und ich fand den prima. Mein Freund JO SCHAFFER hat über Nacht einen Text dazu gemacht, und dann haben wir die "Tagesreise" halt gesungen.

Jetzt bin etwas überrascht, denn THOMAS BÜRKHOLZ erzählte mir vor einigen Wochen, dass er mit seiner Formation die "Tagesreise" schon live gespielt hat...
Dann müssen die einen anderen Text gehabt haben. Wie gesagt, JO SCHAFFER schrieb für uns den Text dazu. Das Arrangement zu dem Song habe ich mit MICHAEL HEUBACH zusammen gemacht. Es war eine Art kollektives Arrangement. HEUBACH hatte die Idee zu dem Lied, er setzte sich an sein Keyboard und sagte dann jedem, was er wie zu spielen hatte. Ich sang das Stück, zumindest den Hauptteil. Das Mittelstück wurde von GOTTE (HEINZ-JÜRGEN GOTTSCHALK) gesungen. Ich musste also keinerlei schlechtes Gewissen haben, dass ich irgendwem was weggenommen hatte. Die konnten die Nummer noch gar nicht bei BÜRKHOLZ gespielt haben, denn das Lied war wie gesagt noch ohne Text. Wir haben auch alles selbst arrangiert, und wer was anderes behauptet, der lügt. Ich kannte THOMAS BÜRKHOLZ übrigens gar nicht persönlich.

Wie hast Du es erlebt, als die Nummer dann zu einem solchen Hit wurde?
Natürlich war es ein erhebendes Gefühl, einen solchen Hit im Repertoire zu haben. Wo wir auch spielten - es war Standard, die "Tagesreise" als einen gewissen Höhepunkt in das Programm zu setzen. Nach der Wende habe ich die "Tagesreise" übrigens neu arrangiert und spiele diesen Titel noch heute, und zwar immer mit großem Erfolg.

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Hast Du mit Deinen Bands eigentlich gerne live gespielt, und gibt es da Konzerte oder Begebenheiten, an die Du Dich besonders gern, oder auch überhaupt nicht gern erinnerst?
Wir haben immer live gespielt, und das auch gerne. Begebenheiten, an die ich mich erinnern könnte, gab es noch und nöcher. Es würde aber den Rahmen dieses Interviews sprengen, wenn ich mich darauf einließe und verweise hiermit auf die Entstehung eines biografischen Buches, welches in Arbeit ist.

Es verließen im Laufe der Zeit viele gute Musiker die HORST KRÜGER BAND. RÖMER und SCHWANDT gingen zu KARAT, auch TAMARA ging... Mitte 1976 zog der Musiker HORST KRÜGER dann plötzlich die Reißleine, und die Band wurde aufgelöst. Waren die vielen Verluste großartiger Musiker der Grund dafür?
Ich hatte ja eben schon erwähnt, dass meine Beziehung zu TAMARA die Band auseinander brachte. Aber die Musiker sind letztlich abgewandert, weil ich gesagt habe, ich höre auf, ich mache jetzt nur noch Arrangements und dirigiere. Das machte mir zu dem damaligen Zeitpunkt auch mehr Spaß. Weißt Du, wir waren immer dreizehn, vierzehn Mann in der Band. Jeder hatte irgendein anderes Problem. Der eine suchte eine Wohnung, der andere hatte irgendwelchen Ärger mit den Frauen… Ich musste mich als Bandleader ja um alles kümmern! Ich hatte den Kopf voll mit Zeug, was mich nur belastet hat. Das war dann nicht mehr so, als ich die Verantwortung los war. Als Dirigent des Sinfonieorchesters interessierte mich überhaupt nicht, ob der erste Geiger Ärger mit seiner Frau hatte. Mit der HORST KRÜGER BAND haben wir immer in Berlin geprobt. Nur leider kamen die meisten Musiker nicht aus Berlin, sondern aus Dresden, aus Suhl, und von sonst wo. Die brauchten ja alle in Berlin eine Bleibe. Wenn Du aus Ostberlin kommst, weißt Du ja um die Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden. Wenn die ganze Band mal in Berlin übernachten musste, hatte ich eine 6-Zimmer-Wohnung aufgerissen. Frag nicht, was das für Mühe gemacht hat! Okay, die ganze Bude hat höchstens 200 Ostmark gekostet, und jeder hat ein bisschen was dazu gegeben. Das war halt ein Glücksfall. Aber die Organisation des Ganzen hat schon Kraft gekostet.

Warum hast Du Dich dann selbst als aktiver Musiker von der Bühne zurückgezogen?
Es war immer mein Bemühen, möglichst vielseitig zu sein. Ich komponierte ja nicht nur, sondern arrangierte und leitete das Fernsehorchester. Ich hatte auch Angebote vieler Orchester (darunter auch sinfonische), sie zu leiten und zu dirigieren. Das reizte mich sehr, und irgendwelche Ärgernisse, die meist privater Natur waren, konnten mir nichts mehr anhaben. Ich war frei und konnte alles das machen, was mir gefiel, ohne private Kompromisse eingehen zu müssen.

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Im Zusammenhang mit Deinem Namen taucht auch immer wieder das UNTERNEHMEN MÜNCHEHOFE auf. Auch GERTI MÖLLER gehörte dazu. Was hattest Du damit zu tun und was genau war die Idee dahinter?
In meiner Band spielte der Backgroundgesang immer eine große Rolle. Was lag da näher, als 1978 einen eigenen Chor zu gründen? Da mein Heimatdorf Münchehofe war, erhielt der Chor den Namen UNTERNEHMEN MÜNCHEHOFE. Das brachte mir einigen Ärger ein. AMIGA-Chef BÜTTNER meinte, dass "Unternehmen" ein kapitalistischer Begriff sei, und so lange er Chef bei Amiga ist, könne der Chor diesen Namen nicht tragen. So einen dummen, ignoranten Menschen habe ich meiner ganzen musikalischen Laufbahn nicht noch einmal kennengelernt. Es löste bei mir eine gewisse Freude aus, als ich erfuhr, dass meinem hochgeschätzten Kollegen ANDRÉ HERZBERG eine Torte aus der Hand glitt und diese versehentlich im Gesicht des Plattenchefs landete. Leider war ich nicht persönlich dabei, denn sonst hätte er von mir gleich noch eine zweite Torte ins Gesicht bekommen. Unter den Kulturleuten gab es eben damals riesengroße Arschlöcher. Draußen in der Produktion natürlich auch, aber man dachte halt, in der Kultur fällt das nicht so auf. Deshalb hat man alle die auf Kulturposten gesetzt, die woanders nichts geworden waren. Auf die Art konnte man sogar AMIGA-Chef werden.

Es dauerte nach Deinem Ausstieg als Bandleader nicht lange, und Du warst wieder in den Schlagzeilen, denn 1979 wurde am Volkstheater Rostock die von Dir komponierte, erste DDR-Rockoper mit dem Titel "Rosa Laub" aufgeführt. Dabei hast Du das vorliegende Libretto (libretto = Text einer Oper) von WALTRAUD LEWIN vertont. Ging die Initiative für die Zusammenarbeit mit WALTRAUD LEWIN von Dir aus?
Ja. WALTRAUT LEWIN war Chefdramaturgin am Volkstheater Rostock und hatte die Idee, ein Musical zu veröffentlichen. Musical - schön und gut, ich aber wollte unbedingt eine deutschsprachige Rock-Oper schreiben. Meines Wissens gab es noch keine, es wäre also die erste gewesen. Es fiel WALTRAUT LEWIN nicht schwer, PROFESSOR PERTEN für dieses Vorhaben zu begeistern. Der wollte die erste deutsche Rockoper sogar möglichst schnell auf seiner Bühne haben. Da meine Verpflichtungen gegenüber Fernsehen, Rundfunk und Schallplatte nicht pausieren durften, war meine Zeit äußerst knapp bemessen. So erhielt ich eines Tages ein bitterböses Telegramm von PROFESSOR PERTEN mit der Aufforderung, die Oper endlich fertig zu schreiben. Dazu bemühte er extra die Post mit einem Telegramm in Überlänge. Auf die Art erhielt ich eine Einladung von PROFESSOR PERTEN, der mich in eine Neubauwohnung einweisen ließ, und nicht nur bei Wasser und Brot brachte ich das Werk zu einem für alle glücklichen Ende.

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Als Begleitband durfte die Rostocker Amateurgruppe BADISTER mitwirken. Wie hatten die sich dafür qualifiziert? Gab es ein Casting?
Ein Casting gab es nicht, so was existierte in der DDR nicht. Ich kannte die Band vorher schon. Ich hatte oftmals in Rostock gespielt, und hatte BADISTER auch einmal als Vorgruppe. Die waren halt eine ausgezeichnete Amateurband, haben einen schönen rockigen Sound gehabt. Was selten ist, die Musiker konnten auch Noten lesen. Sie probten meine Songs völlig selbstständig, weil ich ja noch beim Schreiben war und deshalb an den Proben nicht teilnehmen konnte. Erst auf der Bühne habe ich dann meine Musik richtig gehört und wahrgenommen und war mit der Arbeit von BADISTER sehr zufrieden. Die hatten auch eine sehr gute Anlage. Das war schon damals sehr wichtig. Nimm mal die PUHDYS. Hätten die nicht die beste und schärfste Anlage im Land gehabt, wären die live niemals angekommen bei den Leuten. Darauf legte RENFT zum Beispiel gar keinen Wert, die klangen live schon immer beschissen. Das konnte man eigentlich keinem anbieten. Trotzdem waren die so beliebt bei den Fans. Aber die PUHDYS hatten immer das Beste auf der Bühne zu stehen.

Wie lange stand "Rosa Laub" auf dem Spielplan?
In etwa 15 Jahre. Das Stück wurde auch an vielen anderen DDR-Theatern gespielt.

Man schrieb das Jahr 1982, als plötzlich die HORST KRÜGER LIVE BAND auf der Bildfläche auftauchte. Was hatte es damit auf sich? Eine Art Rücktritt vom Rücktritt?
WOLFGANG "LIPPI" LIPPERT war es, der meinte, dass ein HORST KRÜGER nicht in irgendwelchen Studios versauern sollte. Ich müsse unbedingt wieder auf die Bühne und locker vom Hocker rocken. Da er selbst ein Rockfan war, sah er durch uns eine Möglichkeit, sich als Rockmusiker zu verwirklichen. Ich baute also eine neue Band auf und spielte hier und da zu größeren und kleineren Anlässen in dieser neuen Formation. Das ging aber nicht besonders lange gut, denn ein "Erna kommt" wollte keiner meiner Musiker spielen.

Das war dann aber definitiv Dein letzter Einsatz als aktiver Musiker?
Ja und nein. Eine Band habe ich nie wieder gegründet, aber ich trete hin und wieder mit meinem Keyboard und meinem Gesang als Solist auf. Meistens für Freunde und im kleinen privaten Rahmen, natürlich dann umsonst.

1987 wurde "Rosa Laub" dann nochmals am Berliner Metropol-Theater aufgeführt. Die weibliche Hauptrolle wurde hier mit SIMONE THOMALLA besetzt. Hast Du die Berliner Inszenierung jemals gesehen?
Natürlich war ich bei der Berlin-Premiere von "Rosa Laub" dabei. Und ich war überglücklich wegen des großen Erfolges der Rock-Oper.

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Es gibt eine CD mit dem Titel "HORST KRÜGER - Quer Beat", auf der neben einem Querschnitt Deiner großen Hits auch diverse Jingles zu hören sind, die Du im Laufe der Jahre angefertigt hast. Es ist unglaublich, wie viele man davon kennt. Beispielsweise "7-10 Spreeathen" oder "Was ist denn heut bei Findigs los?" Total überrascht war ich aber, dass Du sogar die Titelmusik zur "Aktuellen Kamera" geschrieben hast. Wie bist Du denn an diesen Auftrag gekommen?
Eines schönen Tages klingelte mein Telefon. Am anderen Ende war der Programmdirektor des DDR-Fernsehens, Herr Sauer. Man brauche für alle Sender eine neue Senderkennung. Ganz wichtig war es ihm, auch für die "Aktuelle Kamera" eine neue Melodie zu finden. Die komponierte und produzierte ich dann auch, und zwar in meinem eigenen, privaten Tonstudio in Münchehofe. Aber wie ich jetzt auf diese Melodie kam, weiß ich heute nicht mehr.

Das Ende der DDR löste in jedem von uns bestimmte Emotionen aus. Wie und wo hast Du den 9. November 1989, den Tag der Maueröffnung, erlebt? Welche Gedanken gingen Dir durch den Kopf?
Ich lag im Bett und sah Westfernsehen. Auf einmal sah ich das Konterfei eines gewissen Herrn Schabowski. Ich dachte mir: Mein Gott, den kennst Du doch! Da wurden seinerzeit Gerichte angerufen, die keinen Rechtsbruch scheuten, um die Interessen des Herrn Schabowski durchzusetzen. Und plötzlich erfahre ich von genau diesem Herrn Schabowski, dass jeder DDR-Bürger reisen kann, wann und wohin auch immer.. Natürlich habe ich mich für alle meine Mitbürger gefreut, auch mit der Hoffnung, dass sich in unserer "Demokratie" endlich mal etwas ändert.

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Die Zeit nach dem Mauerfall brachte vielen ehemaligen DDR-Musikern und Bands den beruflichen Todesstoß. Wie war das bei Dir? Hast Du noch als Kreativer gearbeitet oder Dich vom Thema ganz verabschiedet?
Es war für mich sehr schwierig. Ich dachte nämlich, meine Musik möchte kein Mensch mehr hören, deshalb eröffnete ich ein Möbelhaus und einen Lebensmittelladen. Etwas dämlicheres hätte mir wirklich nicht einfallen können. Ich hatte überhaupt keine Ahnung von Handel und Versorgung. So war es auch nicht verwunderlich, dass diese Vorhaben ordentlich den Bach runtergingen. Also begann ich mich wieder meiner Musik zu widmen, was bis heute anhält.

Hast Du noch zu Musikern, mit denen Du über all die Jahre zusammen gearbeitet hast, heute noch persönlichen Kontakt?
Selbstverständlich. Ich treffe mich mit einigen auch heute noch. Meistens auf dem Künstlertreffen am Dämeritzsee. Das findet immer im November statt. Außerdem wohnen in meinem Ort zwei von den PUHDYS, und BERND RÖMER wohnt gleich bei mir um die Ecke. Man trifft sich, und man quatscht ein bisschen. Schön wäre, wenn HERBERT DREILICH noch unter uns wäre...

Hast Du die verschiedenen Karrieren Deiner einstigen Schützlinge verfolgt?
Ja. Manchmal bin ich darüber traurig, und manchmal auch erfreut. Es gibt ja unendlich viele, mit denen ich im Laufe meiner Karriere zu tun hatte. Zum Beispiel ANKE LAUTENBACH, die ja mit 52 Jahren leider schon gestorben ist. Darüber kann man doch nur traurig sein. Oder ANKE SCHENKER, die zwar zum Schluss mit FRANZ BARTZSCH zusammen war, aber es trotzdem nie zu etwas gebracht hat. Das ist wirklich schade, denn sie war eine wahnsinnig gute Sängerin, wusste aber nie, was sie will. Darüber bin ich traurig. Ich machte mit ihr auch ein paar Titel, aber die hat sie dann im Duett mit JÜRGEN WALTER gesungen. Und über wen freue ich mich… Eine schwere Frage. Wenn HERBERT (DREILICH) noch leben würde, würde ich mich über den freuen. Ich freue mich auch über EVA-MARIA PIECKERT, die immer noch singt und mittlerweile eine Südamerika-Geschichte aufgebaut hat, die ausgesprochen gut ist. Auch BERND RÖMER und MICHAEL SCHWANDT sind Leute, die nach wie vor gut sind und über die ich mich freuen kann. Und das, obwohl die beiden immer nur in ein und derselben Band gespielt haben. In meinen Augen ist das für einen Musiker ein riesengroßer Nachteil, wenn er nicht auch mal woanders spielt und andere Erfahrungen sammelt.

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Wie siehst Du die derzeitige ostdeutsche Musikszene? Einige Bands sind ja nach wie vor aktiv und veröffentlichen fleißig neues Material, andere feiern Comebacks. Bekommst Du das mit?
Darüber könnte ich viel sagen, verweise aber auch hier auf mein noch fertig zu stellendes Buch. Ja, und ich bekomme alles mit. Ich freue mich auch sehr für alle Bands, die heute noch ihre Fans begeistern. Neidisch bin ich jedenfalls nicht, schon gar nicht möchte ich wieder anfangen. Wochenlang unterwegs sein, nein, das will ich nicht mehr. Das ist mir einfach zu anstrengend. Ich mache stattdessen lieber was anderes, gehe ins Studio und mache da irgendwas für mich selber.

Vergleiche bitte mal Deine aktive Zeit in den siebziger Jahren mit dem Hier und Jetzt. Wärst Du lieber in der heutigen Zeit Musiker?
Wenn man in der DDR groß geworden ist und die Zeichen der Zeit erkannt hatte, konnte man gut davon und damit leben. In der BRD zählten und zählen andere Kriterien. Sie zu erlernen und zu meistern, macht müde. Herr BOHLEN zum Beispiel verdient sein Geld nicht durch eigenes Können, sondern eher damit, sich über das Unvermögen heranwachsender junger Künstler zu profilieren. Das ist nicht mein Ding.

Was würdest Du einem jungen Musiker raten, der unbedingt ein Star werden und die Welt erobern will?
Man soll sich nicht von Casting-Shows verheizen lassen, lieber sein eigenes Ding machen. Es gibt genügend andere Möglichkeiten, man kann sich zum Beispiel im Internet verwirklichen.

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Gestatte mir noch ein paar lose Fragen. Welche Musik hört HORST KRÜGER privat?
Gute klassische Musik, Stevie WONDER, JOE COCKER, RAY CHARLES, CHRIS REA, TINA TURNER und vieles anderes.

Du hast bis heute ca. 1.200 Titel komponiert (wer hat das eigentlich gezählt?) Gibt es Songs darunter, die Dir besonders am Herzen liegen?
Ich brauche meine Titel nicht zu zählen, das macht bereits die GEMA für mich. Ansonsten liegen mir immer meine letzten Arbeiten besonders am Herzen.

Für wen außer GERTI MÖLLER hast Du noch Lieder geschrieben?
Frage mich lieber, für wen ich keine Lieder geschrieben habe, dann wäre Deine Frage leichter zu beantworten. Aber gut, ein paar Namen will ich nennen, für die ich geschrieben habe: KAREL GOTT, WOLFGANG LIPPERT, EVA-MARIA PIECKERT, GERD CHRISTIAN, GERTI MÖLLER, USCHI BRÜNING, DAS FERNSEHBALLETT, HELENA VONDRACKOVA, HEINZ RENNHACK, HALINA FRANCKOWIAK und noch viele andere.

Hattest Du jemals musikalische Vorbilder?
Ohne Vorbilder geht es natürlich nicht, und viele meiner Vorbilder habe ich in diesem Interview schon benannt.

Mit welchem Musiker oder welcher Band hättest Du gerne mal zusammen gespielt?
Ich habe mir in meiner musikalischen Laufbahn alle Wünsche erfüllt. Musiker, mit denen ich gern zusammen gespielt habe, waren in meiner Band. Auch habe ich große Orchester geleitet, die aus mehreren mir angenehmen Bands bestanden. Somit bin ich diesbezüglich wunschlos glücklich.

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Wäre zu Deinem 70. nicht ein Wiederbeleben der HORST KRÜGER BAND mit einem Konzert und Auftritten von alten Weggefährten eine Option gewesen? Wäre sowas logistisch überhaupt möglich gewesen?
Ich bin kein Freund von Riesenfeten, und schon gar nicht, wenn es dabei um mich geht. Ich werde meinen Geburtstag im engsten Familienkreis feiern, obwohl es vielleicht möglich wäre, meine ganzen ehemaligen Kollegen zusammen zu trommeln und mich hoch leben zu lassen. Aber dazu besteht kein Grund.

Und eine letzte Frage: Welche Person der Zeitgeschichte wärst Du gerne gewesen?
Das ist eine schwere Frage. Ich habe Personen der Zeitgeschichte, auch außerhalb des Musiksektors, kennen gelernt. Das war für mich interessant, aber niemals hatte ich den Wunsch, in ihrer Haut zu stecken.

Hast Du für unsere Leser noch ein paar abschließende Worte übrig?
Eine der falschesten Triebfedern, die Menschen haben, ist der Neid. Ein sehr schlechter Ratgeber. Die Wünsche, die sich aus einem solchen Gefühl heraus ergeben, erfüllen sich nie. Sollte man zum Beispiel auf meine Biografie neidisch sein, möchte ich nur sagen, die wünsche ich keinem. Mir ist in meinem Leben sehr viel weggenommen worden, so zum Beispiel mein Haus und mein Tonstudio, welches abbrannte. Und zwei meiner sechs Kinder leben nicht mehr. Trotzdem bin ich aber noch immer am Leben und habe nicht aufgegeben. Was ich damit sagen will, sagt mir nicht mein Klavier, sondern mein halbwegs gesunder Menschenverstand: Durchhalten und noch Wünsche haben.

HORST, damit wären wir auch schon am Ende unseres Interviews. Vielen Dank für die Einblicke in Deine Gedankenwelt und alles Gute für Dich.


Interview Bonus:

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Interview: Torsten Meyer
Bearbeitung: nr, cr
Fotos: Archiv Horst Krüger, Melodie & Rhythmus, HUI-Press
 

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