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Das Jubiläums-Interview...

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001 20121113 1158736658Und schon wieder feiert eine Kultband runden Geburtstag: Diesmal ist es CITY. Im Jahre 1972 von den noch heute in der Band aktiven Musikern Fritz Puppel (Gitarre) und Klaus Selmke (Schlagzeug) in Berlin gegründet, trat die Kapelle in der Anfangszeit noch unter dem Namen CITY BAND BERLIN und mit dem Sänger Frank Pfeiffer auf. Auch die anderen Positionen waren noch von Musikern besetzt, die heute nicht mehr mit an Bord sind: Klaus Witte an den Tasteninstrumenten, Ingo Döring am Bass und Andreas Pieper als Flötist zählten zur ersten Besetzung. Nachdem 1974 kurzzeitig Emil Bogdanow den Gesangspart bei CITY übernahm, stieß nur ein Jahr später der heutige Frontmann und DIE Stimme von CITY, Toni Krahl, dazu. Ebenfalls seit 1974 (mit kurzer Unterbrechung) ist Bassist und Geiger Georgi 'Joro' Gogow an Bord. Das jüngste Mitglied der heutigen Besetzung (zumindest von seiner Zugehörigkeit her) ist Manfred Hennig, der 1982 die CITY-Jacke angezogen hat und diese seither - ebenfalls mit einer kurzen Unterbrchung - trägt. Puppel, Krahl, Gogow, Selmke, Hennig: Diese Namen stehen heute für deutsche Rockmusik mit konstant guter Qualität. Driften andere Bans ihres Genres (und Alters) inzwischen gern mal in den Schlagerbereich (oder Schlimmeres) ab, wird hier noch amtlich gerockt. "Am Fenster" ist heute in zeitloser Klassiker - ein Volkslied. Andere ihrer Lieder erfreuen sich beim Publikum ebenso großer Beliebtheit und gehören zum Pflichtprogramm eines jeden Konzerts. Auch wenn die Band keine Charthits abliefert, sind neuere Kompositionen wie z.B. "Sommerherzen", "Flieg ich durch die Welt" oder "Weil die Erde eine Kugel ist" bekannte und beliebte Songs, die sich in den Herzen der Musikfreunde festgesetzt haben. Die Band hat in den vergangenen 40 Jahren auch Stürme überstanden, personelle Wechsel kompensiert und unbeirrt weitergemacht. Preise und Auszeichnungen, z.B. Goldene Schallplatten, pflastern den Weg der fünf Berliner Musiker, zuletzt gab's sogar Edelmetall für ihre Live-DVD. Keine Frage: Wenn der Begriff Kultband irgendwo richtig angebracht ist, dann bei CITY. Die Band feiert in diesem Jahr also den 40. Geburtstag, und sie tut dies mit einer Tournee und vielen kleinen, aber besonderen Momenten. Aber auch eine neue CD ist pünktlich zum Start der Feierlichkeiten erschienen. "Für immer jung" heißt die Platte, und auch der Albumtitel hätte treffender kaum gewählt werden können. Unser Kollege Andreas traf sich mit Fritz Puppel und Toni Krahl und sprach mit ihnen über das Jubiläum und die neue. Aber nicht nur das war Thema...
 
002 20121113 1514122898Mit dem Plattentitel "Für immer jung" bezieht Ihr Euch auf Bob Dylan...
Toni Krahl: Das kommt ja auch im Text vor: "Bob Dylan singt für immer jung".
 
Was mir aufgefallen ist in letzter Zeit, sowohl bei der STERN-COMBO MEISSEN wie auch bei PANKOW und bei Euch: Alle drei Bands haben Jubiläen und zu diesen Jubiläen CDs veröffentlicht, auf denen Titel enthalten sind, in denen sie das Vergangene Revue passieren lassen. Bei Euch ist das der Titel "Für immer jung". Ist das so eine Art, mit sich als Band so umzugehen, dass man sich kurz mal updatet und dann weiter nach vorne geht?
Toni Krahl: Es ist so, dass wir uns eigentlich relativ selten mit unserer Vergangenheit befassen. Wenn aber so ein Jubiläum ist, dann ist das wie so ein runder Geburtstag - wie in einer Familie auch. Dann werden noch einmal die alten Fotos herausgeholt. Und wenn man so ein Jubiläum vorbereitet holt man auch vorher schon mal die Fotos raus. Für die Laudatio, die man halten will oder die Geburtstagszeitung. Genauso ist es auch bei uns zu sehen. Wir haben uns gesagt: Okay, das wird auf jeden Fall auch so in der Presse thematisiert, dass wir nicht nur ein neues Album machen, sondern dass wir auch 40 Jahre CITY feiern. Dann wird noch einmal alles herausgeholt, was alles war in der DDR und Russenfilm und Fernseh-Western und was auch immer. Und darum haben wir uns gesagt, dass machen wir alles in drei Minuten und dann haben wir es hinter uns.
 
Toni, Du warst ja nicht von Anfang an dabei. Ist dann die Zählung ab dann, als es CITY gab oder fing sie erst etwas später an?
Fritz Puppel: Es gibt eine Geburtsstunde. Und das war, als die Band das erste Mal unter diesem Namen aufgetreten ist. Und das war 1972. Da war Toni noch nicht mit dabei.
Toni Krahl: Da durfte ich noch gar nicht so lange raus.
 
Für mich gefühlt beginnt die Bandgeschichte tatsächlich erst dann, als Du da aufgetaucht bist. Was ja nicht heißen muß, dass es so ist.
Toni Krahl: Das hat damit zu tun, dass wir dann auch damit angefangen haben, regelmäßig etwas zu veröffentlichen. Erst Singles, dann ein Album. Womit wir dann auch medial wahrgenommen wurden. Aber CITY ist 1972 entstanden. Ich bin der Neue und hoffe durch meine Probezeit einigermaßen sicher durchzukommen. Und ich hoffe auf eine Festanstellung.
 
Gibt es da Aussichten für Toni?
Fritz Puppel: Naja, erst müssen wir die Konzerte hinter uns haben.
 
003 20121113 1232499749Ihr macht ja selbstverständlich zum Jubiläum und zum neuen Album eine Tour. Ist es denn so, dass Ihr die Tour anders gestaltet als sonst üblich?
Toni Krahl: Wir starten diesmal nicht in Landsberg, was uns ziemlich übel genommen wird in dieser Region. Vielleicht zu Recht. Aber es lässt sich diesmal nicht anders machen. Wir werden die Landsberger auf jeden Fall irgendwie entschädigen, darüber denken wir gerade auch nach. Frevel Frevel Frevel ...
 
Gibt es innerhalb dieser Tour etwas Besonderes?
Toni Krahl: Wir starten in Berlin.
Fritz Puppel: Wir sind ja aber auch eine Berliner Rockband.
Toni Krahl: Und Berlin hat auch etwas zu feiern: 775 Jahre Berlin. Die haben sie ca. 40 Jahre ohne uns zubringen müssen. Da machen wir unser Jubiläumskonzert, zu dem wir auch Dieter Birr, Anna Loos und Uwe Hassbecker als Gäste erwarten. Wir werden mit einem Bläsersatz spielen, den wir uns von der Modern Soul Band geborgt haben. Das sind D. Mercedes Wendler (Saxophon), Ferry Grott (Trompete) und Frank Hultzsch (Posaune). Nicht das ganze Jahr über, aber bei unseren ersten Konzerten, sozusagen bei unseren Jubiläums-Shows, die wir in größeren Stadthallen machen. Der Bläsersatz ist ja auch bei einigen Songs auf unserem Album zu hören.
 
Ist der Einsatz der Bläser durch das Jubiläum entstanden, so nach dem Motto: Jetzt machen wir es mal richtig kräftig oder ist das durch die musikalische Entwicklung des Albums entstanden?
Toni Krahl: Das ist wirklich mit der Platte entstanden. Das hat nichts mit dem Jubiläum zu tun. Es war nicht unbedingt so, dass es schon lange auf dem Plan war, aber irgendwie hat das bei den Songs halt gepasst. Fritz hätte das natürlich gerne mehr zugepflastert mit noch mehr Gitarren.
Fritz Puppel: Es geht ja nicht um Gitarre gegen Bläser oder so. Es ist einfach ein anderer musikalischer Ausdruck. Entweder es passt oder es passt nicht. Es gibt ja auch eine Reihe von Songs, bei denen es nicht passen würde. Ich wüsste zum Beispiel nicht, wo man einen Bläsersatz bei "Sind so kleine Hände" hätte unterkriegen können. Oder bei "Danke Engel". Und bei einigen Songs haben wir uns einfach gedacht: Lasst uns das mal probieren. Was vielleicht auch damit zu tun hat, dass der Toni mal mit einer Bläserbesetzung groß geworden ist. Und es ging auch darum, herauszufiltern, was wir damit aus den Titeln noch machen könnten.
Toni Krahl: Ja, und deshalb haben wir jetzt die "CITY-Horns" gegründet.
 
004 20121113 1102612814Spielt Ihr die neue CD komplett auf der Tour?
Fritz Puppel: Nicht komplett, aber im Wesentlichen.
Toni Krahl: Momentan sind es neun Lieder.
 
Habt Ihr Euch Kollegen als Gäste eingeladen?
Toni Krahl: Die werden wir auch nur in Berlin haben. Zum einen halt wegen des Tourauftakts und zum anderen natürlich, weil sie auch hier wohnen. Das sind ja alles Leute, die auch sehr schwer beschäftigt sind.
 
Gibt es trotz der Jubiläumstour auch noch eine Weihnachts-Tour?
Fritz Puppel: Wir machen keine Weihnachts-Tour, sondern eine unplugged-Tour. Die fängt im November an und geht bis zum März 2013. Wir hatten schon mal eine Weihnachts-Tour gemacht, aber so eine Weihnachts-Tour hat den Nachteil, dass man sie nur zwischen dem 15. und dem 30.12 machen kann. Und am 4. Januar wäre dann schon das Verfallsdatum. Das heißt ja nicht, dass wir nicht auch weihnachtlich werden in unserem Programm.
Toni Krahl: Wenn uns die Stimmung noch gefangenhält nach dem Gänsebraten, dann werden wir den kommentieren.
 
005 20121113 1601437199Apropos Gänsebraten: Wie hält man sich denn nach 40 Jahren CITY fit, um die Konzerte alle stemmen zu können?
Fritz Puppel: Jeder auf seine Weise. Der eine laut, der andere leise.
Toni Krahl: Fritz ist der Vitalste von uns allen.
 
Ihr seid im Prinzip immer beim selben Label gewesen. Erst bei AMIGA, jetzt bei SONY. Gab es auch Angebote von anderen Plattenfirmen?
Fritz Puppel: Früher waren wir bei AMIGA und dann waren bei unserer eigenen Firma, K & P music. Natürlich im Zusammenhang mit Vertriebsgeschichten.
Toni Krahl: Der gesamte Back-Katalog vom allerersten Album bis zum neuen Album ist bei der SONY. Das, was früher zu DDR-Zeiten bei AMIGA veröffentlicht wurde, haben die sowieso gekauft. Als BMG. Und alle Veröffentlichungen danach sind diesen Vertriebsweg gegangen. Wir als K & P waren ja auch bei der BMG, was ja der Vorläufer von SONY ist. So ist der Katalog komplett eben bei einer Plattenfirma. Das war auch der Grund - zumindest für die letzten drei Alben - auch bei dieser Firma zu bleiben, so dass wir gar nicht auf Brautschau gegangen sind. Als es darum ging, einen neuen Vertrag zu machen, haben wir zuerst mit denen geredet und zu weiteren Gesprächen kam es dann nicht, denn wir wollten selber nicht, dass unser Katalog zerfleddert wird. Zerfleddern heißt: Dann sind drei Alben da, zwei da, vier da. Jeder gibt sein eigenes Best-Of raus und versucht sich, noch irgendwo mit ranzuhängen. Um diese Sachen zu vermeiden, sind wir bei denen geblieben. Wie das auch in einer Ehe ist. Es gibt sicherlich schönere Bräute.
Fritz Puppel: Eigentlich haben wir unser ganzes Bandleben lang nie gewechselt. Nur die Eigentümer haben gewechselt. Aber wir sind immer noch bei derselben Firma.
Toni Krahl: Wir sitzen auch immer noch in der gleichen Straße und haben das gleiche Büro. Inzwischen kriegen wir einen neuen Präsidenten. Alles hat sich geändert, aber wir sitzen immer noch hier. Weil viel gefragt wird, gerade von Westleuten: Warum seid Ihr denn nicht abgehauen oder so? Wir sind immer noch hier. Und jetzt dürfen wir ja. Jetzt können wir ohne erschossen zu werden sagen. Ich wohne ab morgen in Hawaii. Aber wir machens nicht.
 
006 20121113 1512156622Aber Ihr wart mal kurz in Amerika?
Fritz Puppel: Wir waren nur als Musiker da, um zu gucken, was da passiert. Aber das hatte nichts mit der Band zu tun.
 
Ihr habt da mal einen Song mit dem Thema "Amerika" gemacht, aber das war schon vorher. Mit der Quintessenz "Was sollen wir da".
Toni Krahl: "Ich bin immer noch hier". Das war kurz nach der Wende. Als die Frage auftauchte, sollte man es mal woanders probieren und wir aber meinten: Hau ab mit dem Scheiß.
Fritz Puppel: Die Record-Release-Party zu diesem Album fand hier im Büro statt. Da bin ich vorher noch zur Polizei gegangen und habe gefragt, wie lange wir machen können und hab die Nachbarschaft abgeklappert und Zettel verteilt wegen Lärm. Und dann haben wir noch morgens um drei mit Maschine lauthals "Melanie" gesungen ... Aber volle Pulle, hier drin in dem kleinen Raum.
 
Wie ist es eigentlich zur Zusammenarbeit mit "Maschine" auf dieser Scheibe gekommen?
Toni Krahl: Das kam dadurch, dass wir sowieso gegenseitig neugierig einander aufgeschlossen sind. Manchmal spielen wir uns gegenseitig etwas vor. So hat sich das entwickelt. Wir konnten ihn dann begeistern von der Musik des Titels, der ja ein guter Rocksong ist. Zudem ist es auch ein Thema, welches von ihm hätte sein können, mit welchem er sich also auch identifizieren konnte. Der Zeitpunkt, an dem wir mal gemeinsam Liebeslieder singen, der kommt noch. Man muss ja das Passende für so eine Zusammenarbeit finden. Hier hat es eben einfach gepasst. Den Rest machen wir, wenn wir mal älter werden.
 
007 20121113 1005962634Ja, auf Eurem Album kommt bei "Quicklebendig", auch einem gecoverten und bearbeiteten Titel, plötzlich wie aus der "Kalten" Sexualität zur Sprache, zumal es in dem Titel tatsächlich ja auch ums Älterwerden geht.
Toni Krahl: Der Text ist ja sehr dicht am Original dran. Und wenn Iggy Pop einen Schwanz hat, habe ich auch einen. Ansonsten war das aber bei uns schon öfter mal ein Thema.
 
In diesem Zusammenhang fand ich es schon recht beachtlich.
Toni Krahl: Ja, ist schon richtig. Aber prüde gewesen sind wir wirklich noch nie. Es gab Lieder, die meine Freundin anfing zu hassen, wenn ich sie gesungen habe. Zum Beispiel solche Zeilen wie "Ich hab an ihr geleckt mit Augen zu, sie hat geschmeckt genau wie du". Da sagte sie: Ich könnte dir jedes Mal eine klatschen, wenn das kommt.
 
Dann hat sie es wohl persönlich genommen.
Toni Krahl: Na klar.
 
cd 20121113 2014373379Wenn man die neue Scheibe hört, erkennt man CITY aus meiner Sicht sofort wieder. Ab und an covert ihr ja auch mal Titel und bearbeitet sie für Euch. In diesem Falle sind es zwei Titel und einer davon ist Bettina Wegners "Sind so kleine Hände" und als ich das hörte, dachte ich, das ist ja aktueller denn je.
Toni Krahl: Leider.
 
Jetzt möchte ich auch nicht die Fragen unserer Leser vergessen: Ihr habt ja mit "Am Fenster" einen Megahit gelandet. Andere haben mit einem solchen Titel anderswo schon ausgesorgt. Für Euch war solch ein Goldregen nicht möglich. Gab es da mittlerweile Nachzahlungen oder Ahnliches?
Fritz Puppel: Es gab keine rückwirkenden Vergütungen.
 
 
Toni, kannst Du das Geheimnis verraten, wie es kommt, dass Du Dich in den letzten Jahren kaum verändert hast?
Toni Krahl: Das geht leider nicht. Dann wäre es ja kein Geheimnis mehr.
 
Gibt es etwas, was Ihr Euch selber wünscht, so für die nächsten 40 Jahre...?
Toni Krahl: Ich wünsche mir, dass sie stattfinden. Und zwar in einem Stück bitte.
 
Dann vielen Dank für das Interview, Euch und Eurem Publikum viel Freude auf Eurer Tournee und viel Erfolg mit Eurem neuen Album, und dass Ihr im Herzen weiter für immer jung bleiben mögt.
 
 
Interview: Andreas Hähle
Bearbeitung: cr
Fotos: SONY, CITY (© Sanny Wildemann)

   
   
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