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In diesem Jahr feierte Chris Doerk ihren 70. Geburtstag. Seit den 60ern steht sie auf der Bühne und lebt den Traum vieler junger Menschen, die im Showgeschäft erfolgreich sein möchten. Dabei hat Chris Höhen und Tiefen erlebt. Los ging alles mit einem Auftritt im DDR-Fernsehen. Es folgten erste Rundfunkproduktionen, erste Plattenveröffentlichungen und eine über Jahre andauernde Zusammenarbeit mit Frank Schöbel. Die beiden Musiker lernten sich beim Erich-Weinert-Ensemble kennen, und 1967 veröffentlichten sie mit "Lieb mich so, wie dein Herz es mag" ihre erste gemeinsame Single. Mit dem Song gewannen sie sogar den DDR-Schlagerwettbewerb. Viele weitere Platten, Fernsehsendungen und sogar Kinofilme mit ihrem Duett-Partner Frank Schöbel folgten. Im Kino begeisterten sie 1968 im Musik-Film "Heisser Sommer". Der Streifen ist heute ein Kultfilm! Ab 1974 gingen Chris Doerk und Frank Schöbel wieder getrennte Wege, und Chris sang ihre Lieder wieder allein. Die Sängerin veröffentlichte bis Ende der 70er weitere Platten, anschließend produzierte sie neue Stücke nur noch im Rundfunk. Sie ging auf Konzertreisen und war auch immer wieder mal im Fernsehen zu sehen, aber die ganz großen Erfolge wie in den 60ern und frühen 70ern wollten sich nicht mehr einstellen. Das hatte Gründe, für die Chris jedoch nicht wirklich etwas konnte. Ab Mitte der 80er ließ sie ihren Beruf erst einmal ruhen und widmete sich der Malerei und der Fotografie. Seit den 90ern ist Chris Doerk wieder im Fernsehen zu sehen, allerdings nicht mit neuen Liedern. Anfang des neuen Jahrtausends erschien mit "La casita - Geschichten aus Cuba" ihr erstes Buch, mit dem sie auch auf Lesereisen ging. Ihr Bühnencomeback als Sängerin feierte Chris im Jahre 2008. Frank Schöbel rief an und fragte, ob sie sich vorstellen könne, wieder mit ihm auf die Bühne zu gehen. Sie konnte! Knapp 34 Jahre nach ihrem letzten gemeinsamen Auftritt gingen beide Künstler wieder auf eine gemeinsame Konzertreise.
Das Comeback der Chris Doerk als Sängerin wird in diesem Herbst endlich komplett gemacht. Nach dem Bühnen-Comeback veröffentlicht die Sängerin am 19. Oktober mit "Nur eine Sommerliebe" beim Plattenlabel BuschFunk ihr erstes Album seit 1975 ("Chris Doerk 3", AMIGA). Wenn das kein Grund ist, die Künstlerin zu uns einzuladen... Wir sprachen mit Chris Doerk über ihre Karriere, über die neue CD und nutzten außerdem die Gelegenheit, mit ein paar Missverständnissen aufzuräumen......
 
 
 
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Chris, Du bist im Februar 70 geworden. Hast Du diesen runden Geburtstag entsprechend gefeiert?
Geburtstage feiere ich eigentlich gar nicht - seit meinem 50sten. Zum 70sten stand ich in Rathenow im Theater auf der Bühne.

Du arbeitest derzeit an einem Album mit ganz neuen Songs. Wie weit sind die Arbeiten daran fortgeschritten?
Wir sind fast fertig.

Hast Du die Songs und Texte selbst geschrieben?
Drei Songs und alle Texte bis auf einen.

Mit wem bist Du im Studio? Wer spielt die Instrumente ein und wer produziert Dich?
Ich produziere bei MUSICAGO und arbeite dort mit Tommy Remm und René Schostak. Tommy ist auch Bassist. René Gitarrist.

Wie wird Chris Doerk im neuen Jahrtausend mit ihren neuen Liedern klingen? Welche Musikrichtung schlägst Du mit dem neuen Album ein?
Eigentlich wollte ich mal "ganz was anderes machen", aber da ich die CD ja nicht nur für mich produziere, sondern auch für mein Publikum, bin ich dann doch bei meiner Musik geblieben. Schlager und Pop. Tommy und René haben mir gute und moderne Arrangements geschrieben. Überhaupt sind wir ein DREAM-TEAM!

Kannst Du schon sagen, wann die CD erscheinen wird?
Ich hoffe, im Oktober und hoffentlich pünktlich zur Tour (Die Plattenfirma BuschFunk hat die VÖ für den 19.10.2012 angekündigt, Anm. d. Red.).

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Wie kam es überhaupt dazu, dass Du nach so vielen Jahren wieder ein neues Album aufnimmst und veröffentlichst? War das Deine Idee, oder hat die Idee jemand an Dich herangetragen?
Die Idee kam von Lars Sens, seines Zeichens "Doktor Kinski". Sänger bei der gleichnamigen AC/DC-Coverband. Ich habe mal als Gast bei der Band zwei ACDC-Nummern gesungen. Ich war immer der Meinung, ich habe so massenhaft viele alte Titel, und auch sehr gute, dass neue Titel nicht unbedingt nötig seien. Ich bin Lars dankbar, dass er dieses Studio für mich "gefunden" hat.

Du bist seit 2008 wieder gemeinsam mit Frank Schöbel live auf der Bühne zu erleben. Wirst Du mit der neuen CD auch eigene Konzerte geben oder trittst Du weiter mit Frank in seinem Programm auf?
Ich werde natürlich - wie immer - auch solo arbeiten, aber auch dieses und nächstes Jahr wieder mit Frank Schöbel auf Tour gehen.

Auch hier die Frage, wie es dazu gekommen ist, dass Du mit Frank wieder gemeinsam auftrittst?
Als ich 2008 das Angebot bekam, für einen Gastauftritt in 16 Live-Konzerten in großen Häusern bei der Frank Schöbel-Tour mitzumachen, dachte ich mir: "Blöd, wenn du's nicht tust." Nachdem ich zugesagt hatte, wurden aus den 16 Konzerten 23. Chris und Frank wieder gemeinsam auf der Bühne, das war schon eine kleine Sensation.

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Unternehmen wir jetzt mal eine Zeitreise. Hast Du als Kind schon mit Musik und Gesang zu tun gehabt? Wann und wie hast Du zur Musik gefunden? Haben Deine Eltern Dein Talent gefördert?
Ich wurde in der Schule im Deutschunterricht "genötigt", das "Heideröslein" in der Schubertschen Fassung zu singen. Bei der Frage des Lehrers, wer diese Fassung kennt, hatte ich mich als Einzige gemeldet. Ich war damals total verklemmt und fand es schrecklich, vor der gesamten Klasse zu singen. Meine Mitschüler haben es dann geschafft, mich zur Mitwirkung bei einem Talentwettbewerb zu überzeugen. Mein Gesangsvortrag scheint offensichtlich nicht so schlecht gewesen zu sein.
In einem gepumpten knallblauen Perlonkleid mit riesigen Puffärmeln und mindestens 50 kleinen Kugelknöpfchen, ich glaube, auch damals ein ziemliches NO GO, sang ich mit zitternden Knien das Lied "Alle kleinen entzückenden Mädchen träumen nur von Paris". Ich ersang mir den ersten Platz. Das war der Initialfunke für meine spätere Gesangskarriere.

Viele Musiker erzählen, dass sie in der Jugend in Bands gespielt haben. War das bei Dir auch so? Hast Du auch Erfahrungen in Musikgruppen sammeln können?
Ja, ich habe anfangs bei verschiedenen Tanzbands gesungen. Unter anderem war ich auch einige Male mit Günter Hörig unterwegs. Ein phantastisches Orchester! Alte Jazz-Fans werden sich noch erinnern. Diese Zeit war eine sehr gute Schule für mich.

Nach Deiner schulischen Ausbildung hast Du zuerst einen "normalen" Beruf erlernt, nämlich den der Gebrauchswerberin. Für die Leser, die nicht mehr wissen, was das ist: Was macht eine "Gebrauchswerberin"?
Eine Gebrauchswerberin dekoriert Schaufenster. Da ich in einer Kleinstadt, in Großenhain gelernt und gearbeitet habe, beinhaltet das alles, wie Holzarbeiten, tapezieren, Preisschilder schreiben, Blickfänge bauen, Transparente beschriften etc.

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Du hattest im Jahre 1959 - wenn ich richtig informiert bin - Deinen ersten Auftritt, und zwar in der Sendung "Herzklopfen kostenlos". Wie kam es dazu und was hast Du in der Sendung vorgetragen?
Es war 1962, als ich einen Aufruf las, dass das Fernsehen für die Sendung "Herzklopfen kostenlos" Talente suche. Ich wollte schon, aber es gab ein Problem. Ich hatte Bammel, dort allein hinzugehen. Also fragte ich eine Freundin, ob sie Lust hätte, mitzukommen. Wir sangen gemeinsam in dieser Sendung "Winni, winni, wanna, wanna, die Trommel ruft zum Tanz". Ich bekomme heute noch einen Lachanfall, wenn ich daran denke. 1963 war ich dann mutiger und sang in selbiger Sendung solo "Summertime" aus Porgy + Bess.

Wie sah die Musikszene der DDR in den späten 50ern und frühen 60ern aus, als Du dazu gestoßen bist, und wie ging es für Dich nach der "Herzklopfen kostenlos"-Sendung weiter?
In der DDR hat man sich sehr um talentierte junge Menschen gekümmert. Man war keine Ware, wie heutzutage. Man konnte sich in Ruhe und kontinuierlich entwickeln. Bekam Unterstützung wie Gesangsunterricht, Tanzunterricht. Meine ersten Titel produzierte ich im Rundfunk. Als das gut lief, meldete sich die Schallplatte "AMIGA" und ich produzierte meine erste Single "Es kam alles ganz anders". Zu gleicher Zeit erschien ein Sonderheft der Modezeitschrift SAISON. Ein Heft speziell für Jugendmoden mit mir auf dem Titel und auf vielen Seiten im Heft. Ich lief damals für die Designerin für Jugendmode GERA WERNITZ beim Deutschen Modeinstitut Berlin als Mannequin. Ca. 1 ½ Jahre. Ein Glücksfall also, für den ein Manager ganz schön arbeiten muss. Und im TV war ich zeitgleich in der beliebten Sendung "Schlager einer kleinen Stadt" mit dem Titel "Weißer Sand am blauen Meer".

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War der Song "Es kam alles ganz anders" eine Rundfunkproduktion, die dann von AMIGA übernommen wurde, oder wurde das Lied eigens für diese Plattenveröffentlichung bei AMIGA produziert?
"Es kam alles ganz anders" ist eine AMIGA-Produktion.

Im Jahre 1967 hast Du auch Deinen Berufsausweis bekommen. Kannst Du Dich noch an Dein "Vorsingen" erinnern? Wie lief das ab?
Das Vorsingen für den Berufsausweis war für mich persönlich eine kleine Katastrophe. Mein Lampenfieber hat mich fast gekillt. Aber trotzdem hatte ich dann gleich beim ersten Anlauf meinen Berufsausweis.

Eigentlich ging es in dieser Zeit richtig schnell mit Deiner Karriere voran. Wie hast Du diese Phase Deiner Karriere selbst erlebt? Hast Du das bewusst wahrgenommen oder irgendwann festgestellt, dass Du nicht mehr unerkannt einkaufen gehen kannst?
Ich habe das schon sehr bewusst wahrgenommen. Da das ja nicht von 0 auf 100 passierte, wie heute z. B. bei den Castingshows, konnte man sich gut darauf einstellen.

Zum Erfolg als Sängerin kam dann auch der als Schauspielerin dazu. Du hattest 1968 in dem Film "Heißer Sommer" eine der Hauptrollen. Wie hast Du diese Rolle bekommen?
Frank und ich haben darauf die Hauptrolle aufgrund unserer Popularität bekommen. Joachim Hasler mietete diese für seinen Musikfilm.

Hattet Ihr als Darsteller ein Mitspracherecht, was die Choreographie und die Lieder betrifft, oder war das alles schon komplett ausgearbeitet bevor die Rollen besetzt wurden?
Die Lieder wurden mir auf den Leib geschrieben. Bei der Choreografie hatten wir kein Mitspracherecht. Die Choreografie fand ich übrigens schon damals gewöhnungsbedürftig. Die Musik ist zeitlos und richtig gut.

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Die Meinungen über "Heißer Sommer" teilten sich. Die Presse, z.B. die Melodie & Rhythmus, hat an Eurer darstellerischen Leistung und der Handlung ja kein gutes Haar gelassen (siehe Beitrag HIER). Das Publikum liebte den Film hingegen. Wie siehst Du den Film heute selbst und die Tatsache, dass er sich immer noch großer Beliebtheit beim Publikum erfreut?
Ich finde es natürlich toll, dass der "Heiße Sommer" inzwischen ein Kultfilm ist. Über die darstellerische Leistung der Anderen möchte ich mich nicht äußern. Meine eigene finde ich nicht bedeutend. Das ist ja auch bei einem Musikfilm mit überwiegend Laien nicht unbedingt so wichtig. Ich war ich in der Rolle und war immer wesentlich besser, wenn ich eine Gesangspassage hatte. Das war meine eigentliche Stärke. Ich wollte damals unbedingt synchronisiert werden. Hasler wollte aber, dass ich selbst spreche, aber nicht in meiner damaligen, mir eigenen Art und Weise. Er wollte meine Sprechstimme sehr burschikos und hart. Als ich die ersten Muster sah und hörte, war ich gar nicht zufrieden. Beim nächsten Film "Nicht schummeln Liebling" war das dann schon besser.

Zu dieser Zeit waren Frank Schöbel und Du ja bereits immer wieder als Duo zu erleben. Wie ist es überhaupt zur Zusammenarbeit mit Dir und Frank gekommen?
Ganz einfach. Wir waren ein Paar - beide Sänger. Da war es doch logisch, dass wir neben den Solos auch Duette sangen.

Die Zeit zwischen 1966 und 1974 war eine sehr ereignisreiche Zeit für Dich. Es gab ohne Ende Plattenveröffentlichungen, TV-Auftritte, Konzerte, Auszeichnungen und mit "Nicht schummeln, Liebling" einen weiteren Film. Wie siehst Du diese für Dich sicher sehr stressige Zeit heute? Würdest Du alles so noch einmal machen oder gab es Entscheidungen, die Du heute bereust?
Stressig war die Zeit überhaupt nicht. Es tut gut, erfolgreich zu sein. Und nein, ich bereue nichts.

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Auch wenn in vielen Quellen zu lesen ist, Du hättest Dich Ende der 70er aus dem Musikgeschäft komplett zurückgezogen, ist diese Information nicht richtig, oder? Wie ging es nach 1976 für Dich weiter?
1974 war die Scheidung von Frank. Danach arbeitete ich mit der Gruppe UVE SCHIKORA solo weiter. Nachdem Uwe Schikora uns auf einem Flug nach Cuba bei der Zwischenlandung in Gander/Neufundland "verließ", und das vor einer 3-Wochen-Tournee quer durch Cuba, gründeten wir nach der Tournee eine neue Band. "Chris Doerk und ihre Musikanten" tourten dann bis Mitte 1986 durchs In- und Ausland. U. a. mehrere Male Cuba, CSSR, Sowjetunion, Polen, Bulgarien. Ein besonderes Erlebnis war für mich und meine Bank der Auftritt 1982 beim Großen Friedensmarsch in Paris, ein 45-minütiges Konzert.
Mitte 1986 nach einer 7-wöchigen Tournee durch die Sowjetunion von Sibirien über Kasachstan, Turkmenistan, Kirgisien bis runter nach Baku hatten wir anschließend noch ein Konzert in Potsdam. Während des Konzertes merkte ich schon, dass mit meiner Stimme etwas nicht in Ordnung war und nach dem Konzert war die Stimme weg. Nichts - nur noch Luft. Ein Professor der Charité diagnostizierte totalen Verschleiß. Ich musste die Gruppe auflösen. 2 ½ Jahre habe ich gezwungenermaßen pausiert. Dann kam der Fall der Mauer 1989. Ich habe vorm Fernseher gesessen, mir das angesehen und zu meinem Mann gesagt: "Ach du meine Güte, was wird das jetzt werden, die haben doch nicht auf uns gewartet." Dass wir Künstler nicht mit offenen Armen empfangen wurden, war mir sofort klar. So viele Künstler aus dem Westen arbeiteten gerne in der DDR. Und ich hatte gerade wieder angefangen, langsam in meinen Beruf einzusteigen. Das war's dann erst mal. Klingelputzen lag mir nicht und liegt mir leider bis heute nicht.

Nach drei Langspielplatten, einer Zusammenstellung mit den größten Erfolgen im Jahre 1976 und diversen Singles gab es ab Ende der 70er keine neuen Tonträger mehr von Chris Doerk. Warum hat die Plattenfirma AMIGA plötzlich keine Platten mehr von Dir veröffentlicht, wo sie gerade in den 60ern und frühen 70ern so viele mit Dir gemacht hat?
Das lag an einem Wechsel in der Chefetage bei Amiga. Der neue hat nicht nur mich rausgeekelt; er wollte keine Schlager mehr produzieren. Es traf sehr viele. Meine neue LP war gerade fertig konzipiert und in der DDR gab es für unser Metier leider nur Amiga als einzige Firma, wir konnten nicht einfach zu einer anderen gehen. Also produzierte ich alles, auch die neuen Songs der LP im Rundfunk. Nur der brachte keine eigenen LPs heraus.

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In den 90ern hast Du für das Fernsehen gearbeitet, stimmt das? Wenn ja, was hast Du dort gemacht und wie ist es dazu gekommen?
In den 90ern hatte ich eine ganze Menge Gastauftritte in einem Programm namens "Schlagerstudio". Anfang der 90er fing ich auch an zu malen und zu zeichnen. Mein Lieblingsthema "Katzen". Auf meiner neuen CD gibt es übrigens auch ein Katzenlied. Ich machte einige Ausstellungen meiner Katzenmalereien und Katzenfotos in Deutschland und auch eine in der Schweiz. Da ich mich von meinen Bildern aber nicht trennen konnte und wollte, wurde das ein Zuschussgeschäft und ich hörte damit auf. Mitte der 90er brachte die Zeitschrift "SUPER Illu" in 11 aufeinander folgenden Heften eine 2 bis 3 seitige Biografie über Chris Doerk mit vielen Fotos. Wie mir der damalige Chefredakteur des Blattes erzählte, haben sich die Hefte mit der Serie sehr gut verkauft.

Malst und fotografierst Du heute immer noch, oder ist dafür keine Zeit mehr?
Zum Malen fehlt die Zeit aber fotografieren ist meine Droge.

Anfang des neuen Jahrtausends, genauer gesagt im Jahre 2002, hast Du das Buch "La Casita - Geschichten aus Cuba" geschrieben und veröffentlicht. Wann kam in Dir die Idee auf, ein Buch zu schreiben und darin Deine Erlebnisse in Cuba festzuhalten?
Auf der Buchmesse 2002 in Leipzig wurde "La casita" vorgestellt. Geschrieben hab ich es 2001. 1993 ist das Häuschen von einem sogenannten Jahrhundertsturm völlig zerstört worden. Da mit diesem kleinen Haus, das cubanischen Freunden gehörte und in dem wir oft gewohnt haben, wenn wir in Cuba weilten, so viele Erinnerungen verknüpft waren, musste ich das irgendwann alles niederschreiben, um es nicht zu vergessen. Dem Verlag "Neues Berlin" gefielen die Geschichten. So kam es zum Buch.

Welche Erlebnisse in Cuba sind für Dich heute noch besonders präsent? Gab es einschneidende Erlebnisse dort, die Dir nicht aus dem Kopf gehen?
Das steht alles im Buch.

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Im Jahre 2008 ist bei Sony Music/AMIGA die CD-Box "Hits & Raritäten" erschienen. Bist Du an dieser Zusammenstellung aktiv beteiligt gewesen oder hat die Plattenfirma die CD im Alleingang rausgebracht?
Ich war insofern aktiv beteiligt, dass Frank Eberlein, der im Auftrag von Jörg Stempel für die Zusammenstellung verantwortlich war, mich öfter anrief, um sich mit mir zu beraten.

Ein besonderes Markenzeichen ist heute Deine Mütze mit dem Stern. Davon gibt es - wenn ich das richtig gesehen habe - mehrere Ausführungen, oder?
Gut beobachtet! Die Basken sind fast alle (ich habe 12 verschiedene) noch aus der DDR. Aus dem "Exquisit" in der Straße "Unter den Linden". Ich style sie immer mal wieder neu.

Eine Zeitung, die seit Jahren bekannt ist für reißerische Aufmacher und an den Haaren herbei gezogene Geschichten, hatte Dich wegen dem Stern mal in die kommunistische Ecke geschoben. Vielleicht räumst Du heute an dieser Stelle damit mal auf.
Das war der Hammer! 2004 hatte ich das Glück, eine Hauptrolle in dem Livemovie des ZDF "Feuer in der Nacht", nämlich die Milena, eine Telefonseelsorgerin, zu spielen. Eine wundervolle Erfahrung!!! Die Arbeit mit dem Regisseur KAI WESSEL war die reine Freude. Zum Schauspielerteam gehörten u. a. Martina Gedeck, August Diehl und Tilo Prückner. Wir probten 6 Wochen, alles musste absolut perfekt funktionieren. Gedreht wurde an drei verschiedenen Drehorten gleichzeitig. Wir waren ein tolles Team. Als ich zum ersten Treffen mit dem Regisseur, dem Drehbuchautor und der Kostümbildnerin kam, hatte ich meine schwarze Baske mit dem silbernen Stern auf dem Kopf. Der Kostümbildnerin gefiel sie und sie wollte sie für den Dreh. Kai Wessel meinte, mit Recht, er wäre nicht dafür, weil mich das zu sehr Chris Doerk sein ließ und nicht Milena. Der Drehbuchautor Richard Reitinger meinte aber, er möchte auch, dass der Stern bleibt. Nur aus der schwarzen Baske wurde dann eine rote. Eine Lichtfrage, schwarz schluckt zu viel Licht. Der Drehort war ziemlich dunkel. Einen Tag nach der Ausstrahlung des Films rief mich ein Journalist dieser Zeitung an und fragte, warum ich diese Mütze mit dem Stern auf dem Kopf hatte. Ich erzählte ihm die Geschichte und am nächsten Tag riefen mich Freunde an und meinten, ich solle mir doch mal diese Zeitung besorgen. In fetten Lettern las ich folgende Überschrift: "DAS GEHEIMNIS UM CHRIS DOERKS KOMMUNISTENKAPPE". Wobei Kommunistenkappe rot gedruckt war. Oh mein Gott! Ich rief Thilo Prückner an, mit ihm hatte ich in "Feuer in der Nacht" die Schlussszene, und erzählte ihm die Nummer. Er sagte nur: "Du musst ja ziemlich populär sein, über meine Mütze haben die noch keinen Artikel geschrieben".

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Was für ein Verhältnis hast Du zur heutigen Medienlandschaft überhaupt? Welche großen Unterschiede zwischen heute und früher werden für Dich da besonders deutlich?
Naja, wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Alles ist so kurzlebig, auch Karrieren. Diese Castingshows machen mich immer ein bisschen traurig. Selbst wirklich talentierte Künstler halten sich nicht allzu lang. Ich bin froh, dass das in meinen Anfangsjahren nicht so war.

Rückblickend auf Deine gesamte Karriere: Was sind für Dich die schönsten Erlebnisse, die größten Erfolge und die prägendsten Momente in all den vielen Jahren gewesen?
Meine schönsten Erlebnisse hatte ich immer mal in dem einen oder anderen Land auch daheim, die größten Erfolge in Cuba, geprägt haben mich die Erfahrungen meiner Lebensjahre. An was erinnerst Du Dich nicht mehr gern zurück?
Fällt mir nichts ein. Vielleicht weil ich ein positiv denkendes Wesen bin.

Ich danke Dir für die Antworten auf meine vielen Fragen und wünsche Dir viel Erfolg mit Deinen Projekten, insbesondere mit der bald erscheinenden CD. Möchtest Du abschließend noch ein paar Worte an die Leser richten?
Ich würde mich freuen, den einen oder anderen Leser von Deutsche Mugge auf einem der Konzerte zu treffen.

 

Interview: Christian Reder
Bearbeitung: nr, cr
Fotos: Archiv Chris Doerk

 


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