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Pascal von Wroblewsky

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001 20130201 1038389647Pascal von Wroblewsky verbinden sicher viele Musikfreunde mit dem Jazz. Das ist auch richtig, aber nicht die ganze Wahrheit. Die in Berlin geborene Sängerin ist inzwischen über 30 Jahre als professionelle Sängerin aktiv, hat dabei bereits verschiedene Genres bedient und weiß einzig und allein durch ihren Gesang ein Publikum zu fesseln. Welch geballte Kraft in ihrer Stimme steckt, kann man auf inzwischen sieben veröffentlichten Alben (incl. dem der Gruppe BAJAZZO) und demnächst auf dem ganz neuen achten Album der Künstlerin hören. Als Gastmusikerin war sie außerdem u.a. bei Eric Fish (Subway To Sally), Gerhard Schöne oder dem Henschke Schlott-Projekt aktiv. Aber auch live kann man sich davon überzeugen: Pascal von Wroblewsky ist in der Lage, innerhalb kürzester Zeit auch ein nicht extra wegen ihr gekommenes Publikum in ihren Bann zu ziehen (nachzulesen im Konzertbericht unseres Kollegen Rüdiger vom 12.08.2011: HIER klicken).
Wie eben erwähnt, steht ihr neues Werk in den Startlöchern. Es heißt "Seventies Songbook" und ist nach "Idol" (1999) das erste Studioalbum der Sängerin seit 12 Jahren. Noch ist die Scheibe nicht erhältlich, doch Pascal gewährt uns bereits eine kleine Vorschau auf das, was den interessierten Hörer demnächst erwarten wird. Das neue Album, aber auch ihre inzwischen schon lang anhaltende und bunte Karriere waren Themen in dem nun folgenden Interview...
 
 
Du wirst im Oktober Dein neues Album veröffentlichen. Es wird "Seventies Songbook" heißen. Was erwartet den Hörer?
Wie der Name schon sagt: Lieder aus den 70ern, Songs von bekannten Rockbands wie Deep Purple, The Doors, Emerson, Lake & Palmer, Led Zeppelin und Sängern wie Don McLean und Janis Joplin. Wunderbare Songs sind das, und es macht mir unglaublichen Spaß, die zu singen.

002 20130201 1385103425Du hast Dir da ja ein ganz spezielles Thema ausgesucht. Warum gerade dieses Jahrzehnt und warum hast Du mit den 70ern den Rahmen so eng gesteckt?
Das kennt jeder und die kann auch jeder singen! Versuch das mal mit einem Standard von Duke Ellington, wenn du nicht grade ein Profi bist.
Ich singe seit mindestens 30 Jahren Jazzstandards, die alle aus den 30er und 40er Jahren stammen. Manche sind auch etwas jünger, aber die meisten kommen aus dieser für sie typischen Zeitspanne. Die Songs sind zum größten Teil aus Musicals oder Filmen, vieles könnte man auch nach heutigen Maßstäben als Popmusik bezeichnen. Musik, die auf Platten erschien, zu der die Leute tanzten, die man eben nicht in Konzertsälen hörte, sondern in Clubs etc. Dass der Jazz in die großen Säle kam und dem Publikum als eine neue Kunstform des 20. Jahrhunderts präsentiert wurde, wie z.B. von Duke Ellington, zeigte die neue Entwicklung der Musik.
Nun bin ich aber ein Kind der 60er und 70er, ich hab natürlich als Teen nicht Lieder von George Gershwin oder Charlie Parker gepfiffen, sondern das, was die populäre Musik hergab. Die Rockmusik der 70er Jahre ist meine musikalische Wurzel, die mein persönlicher Standard geworden ist. Es traf sich wirklich gut, dass die Band, mit der ich sowieso arbeite, dieselben Interessen hatte und so dieses Album entstand.

Wer hat Dir im Studio zur Seite gestanden und die Platte mit eingespielt?
Es hat mir niemand zur Seite gestanden und die Platte mit eingespielt, das möchte ich so nicht formulieren. Ich bin ein Mensch, der im Ensemble arbeiten möchte, die Ensemblearbeit schätze ich am meisten. Ich sehe mich nie als Solist, dem zugearbeitet und etwas auf den Leib geschneidert wird, sondern als ein Teil eines Werkes, das durch ein Ensemble entsteht. Das "Seventies Songbook" ist mit den Musikern entstanden, mit denen ich am liebsten spiele: mit Jürgen Heckel und Peter Michailow. Außerdem ist Pepe Berns als Gast am Kontrabass dabei.

003 20130201 1286459991Nach welchen Kriterien hast Du Dir Deine Musiker ausgesucht?
Ich habe nicht die Musiker ausgesucht, sondern wir spielen seit vielen Jahren zusammen. Wenn hier etwas ausgesucht wurde, dann die Musik und zwar von uns gemeinsam.

Hast Du das Album selbst produziert?
Nein. Das Album wurde von Jürgen Heckel produziert.

Die CD war ja bereits für den Sommer angekündigt. Woran lag es, dass die VÖ in den Herbst verschoben wurde? Wie lange hast Du insgesamt an der Fertigstellung der CD gearbeitet?
Wir haben eben länger gebraucht und uns dann entschlossen, allen die Chance zu geben, sie zu Weihnachten verschenken zu können. Wir haben relativ lange daran gearbeitet, aber wir stehen auch nicht unter Zeitdruck. Wie lange, möchte ich nicht verraten, aber man könnte es mit Stanley Kubricks Arbeitsphasen vergleichen.

Wann stellst du Dein Album dem Publikum live vor?
Das Record Release Konzert findet am 16. und 17. Dezember im schönsten Berliner Schaufenster, im B Flat statt.

Kommen wir mal zu Dir als Musikerin. Wann hat Dich der Musikvirus gepackt? Wie alt warst Du damals?
Frag lieber, wann die Musik vom Pascalvirus gepackt wurde. Muss ziemlich lange her sein, ich hab sie jedenfalls nicht mehr losgelassen, seitdem ich sie mit mir infiziert habe. Ich bin chronisch, so viel steht mal fest.

Stand für Dich da schon fest, dass Du das mal als Beruf ausüben möchtest?
Ja.

Hattest Du nie andere Berufsziele?
Nein, niemals.

004 20130201 1179814221Gab es Unterstützung von der Familie oder hätten Dich Deine Eltern lieber in einem "bürgerlichen" Beruf gesehen?
Meine Eltern sind beide Musiker. Als ich ein Jugendlicher war, waren sie beide ziemlich mit sich selbst beschäftigt. Mein Vater hätte aber ganz gern gesehen, wenn ich Gitarrist geworden wäre, er fand mich als Sängerin ziemlich unbegabt. Das habe ich anders gesehen und bewarb mich an der Musikhochschule. Natürlich war ich erschüttert, dass ich im ersten Anlauf nicht genommen wurde, schließlich hatte ich doch Songs von Joan Baez mit herrlichstem Tremolo vorgetragen! Ich beschloss, einen Umweg zu machen und verlagerte meine Karriere mit 16 erst einmal an die Komische Oper; ich machte dort eine Lehre und wurde Theaterschuhmacher. Das war meiner Meinung nach der beste Weg zum Ruhm, einfach von unten hocharbeiten!

Wie sah Deine Jugend aus? Hast Du in Bands gespielt oder wie hast Du Deine Musikleidenschaft ausgelebt? 
Na klar. Ich fing ja zuerst damit an, Folk zu spielen. Ende der 70er gab es eine große Folkbewegung und ich tobte mich da ziemlich aus mit Gitarre, Mandoline, Brummtopf etc., und war sicher auf jedem Folkfestival landauf, landab. Kollegen wie den Saxophonisten Andy Wieczorek kenne ich genau aus dieser Zeit. Ich war 16 und eine echte Rampensau, nur Ahnung hatte ich keine. Das war mir aber Schnuppe, ich wollte vor allem singen und spielen. Später begann ich, bei Rockbands zu singen und der Landstreichervirus, der adäquat zum Musikvirus unausrottbar ist, befiel mich. Ich liebe es noch heute, nachts auf Landstraßen zu fahren, irgendwo in fremden Ländern (am liebsten allein) herumzureisen, abenteuerliche Dinge zu erleben und schlussendlich irgendwo auf einer Bühne zu landen und zu singen. Ich möchte einfach nichts anderes tun, als um die Welt zu reisen und ob die Welt Magdeburg oder Wladiwostok heißt, spielt dabei keine Rolle.
Bei den Rockbands hatte ich übrigens keine große Chance, die fanden mich immer so jazzig, während ich überhaupt nicht wusste, wovon die eigentlich reden. Dann bin ich mit Tanzkapellen durchs Land gezogen, bis ich bei einer Dixielandband als Aushilfe eingekauft wurde. Damit ging's los, ich wechselte schnell zu den modernen Jazzern und blieb dabei.

005 20130201 1867632068Kannst Du Dich noch an Deinen allerersten Auftritt erinnern? Wann und wo hast Du zum ersten Mal als Sängerin auf einer Bühne gestanden?
Den allerersten? Hm... Wenn wir den Schulchor und das Pioniertheater in Leipzig mal ausklammern, wäre mein erster Auftritt 1978 gewesen. Mein Vater sollte eine französische Sängerin beim Festival des politischen Liedes begleiten und als er feststellte, dass ich das Zeug auf der Gitarre besser als er spielen konnte, engagierte er mich einfach dazu und so stand ich plötzlich vor einem Riesenpublikum. Danach bin ich ziemlich schnell in die Folkszene eingetreten, und ab da kann ich keine Daten mehr korrekt nennen. Für mich ist 1978 jedoch der Beginn meines Profidaseins, auch, wenn das damals anders definiert wurde.

Du hast später an der Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin studiert. Was war Dein Hauptfach und woran denkst Du in Bezug auf Deine Studienzeit besonders gern zurück? 
Ja, mit 23 habe ich nach beinahe 8 Jahren noch einmal versucht, da hinzukommen, und weil ich doch in der Zwischenzeit drei Lieder mehr konnte und Joan Baez stilistisch überwunden hatte, wurde ich genommen. Bei aller Arroganz muss ich jedoch auch sagen, dass die Gesangsabteilung der "Hanns Eisler" insgesamt sehr enttäuschend war. Die Studenten wurden in erster Linie von ein paar Schlagersängern unterrichtet, die es offenbar in den 60er Jahren geschafft hatten, sich die Dozentenstellen unter den Nagel zu reißen, ohne auch nur die geringste Ahnung von Jazz zu haben. Es gab sicher Sänger, die da herauskamen, die gut waren, aber dieses Verdienst kann man nur den Künstlern selbst zuschreiben, gewiss jedoch nicht den ignoranten Gesangslehrern der Hochschule. Ich hab das Studium dann im 3. Semester geschmissen, für mich war das reine Zeitverschwendung. Ich hatte aber sehr gute Lehrer außerhalb der Hochschule, zuerst vor allem die Musikanten, die mit mir gespielt haben. Es gab eine Reihe von älteren, sehr etablierten Musikanten, die mir vor allem eine Chance zum Spielen gaben, bei denen ich viel gelernt habe und denen ich zutiefst verbunden bin. Dazu gehören aber auch Leute wie Karlheinz Drechsel, der mich zu Konzerten und Sessions einlud und mich den Leuten faktisch aufs Auge drückte, damit sie mich hören. Außerdem hatte ich eine wunderbare klassische Gesangslehrerin, die mir viel beigebracht hat. Nach der Wende habe ich an der "Hanns Eisler" übrigens unterrichtet und aktuell bin ich an der Musikhochschule Leipzig als Dozentin.

debut 20130201 1464454739Waren in Deinem Studienjahrgang noch weitere Künstler, die später eine erfolgreiche Karriere gestartet haben?
Ja, Inka Bause.

Wann bist Du Profimusikerin geworden, oder anders gefragt: Wann und wo hast Du Deine "Pappe" gemacht und wie sah das Programm aus, das Du dabei vorgetragen hast?
Meine Zulassung hab ich gestern zufällig gefunden! Lustig, dieses alte Pappding. Dafür hab ich fünf Mark Verwaltungsgebühr zahlen müssen! Das Grundhonorar betrug zwischen 70,- und 130,- Mark. Das war ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass eine 4-Zimmerwohnung ca. 80 Mark Miete kostete. Wie ich bereits sagte, habe ich mich persönlich viel früher als Profi empfunden, weil ich längst Musik machte, aber den professionellen Ritterschlag bekam ich 1985. Das habe ich Alfons Wonneberg zu verdanken, der dafür sorgte. Aber an einen Vortrag kann ich mich nicht erinnern, ich glaub, die hab ich einfach so bekommen. Echt super. Also, der alte Alfons. Dem haben wir alten Eisler-Studenten eine Menge zu verdanken.

Dein Debüt-Album als Sängerin wurde 1986 bei AMIGA veröffentlicht. Es heißt "Swinging Pool". In der DDR bekam ja nicht jeder Künstler die Chance, eine ganze LP aufnehmen zu können... Wie weit war der Weg für Dich zu dieser Platte?
Ich hatte 1984 mit Jazz in einer Dixieland-Kapelle begonnen und bin ein Jahr später schon in den modernen Jazz gewechselt. So gesehen ging das ziemlich fix, wenn man bedenkt, dass Amiga im Jahr nur acht nationalen Jazzgrößen die Chance gab, eine Platte machen zu "dürfen". Ich wurde nicht in der Jazzreihe veröffentlicht, sondern irgendwie außerhalb dieses Kontingents. Wenn so was heute erzählt wird, klingt das immer noch richtig lächerlich, finde ich. Ich war im Grunde ein völliger Newcomer ohne viel Medienpräsenz und es war wunderbar, das machen zu können. Noch eine Erinnerung: Vom letzten Mischtag bis zum Erscheinen der LP brauchte es neun Monate. Kann man sich vorstellen, wie das ist, neun Monate auf das Erscheinen zu warten?

006 20130201 1991120088Etwa zur gleichen Zeit begann auch Deine Zusammenarbeit mit der Gruppe Bajazzo. Wie kam es dazu, dass Du bei der Gruppe eingestiegen bist?
Ich sah die Band das erste Mal 1978, jemand hatte mir von dieser Band erzählt. Es war großartig. Die spielten Fusion und Jazzrock (heute alles verpöntes Zeug) und ich war begeistert. Allerdings kam ich ja vom Dixieland und sang vor allem Standards, ich war für die überhaupt nicht interessant. Noch dazu sang da schon eine Sängerin in der Band, Jacqueline Jacob. Die wurde an der Hochschule als Megastar gehandelt, und damit kam das also schon mal gar nicht in Frage. Dann kam es 1985 zum Wechsel und ich zu Bajazzo und damit vor allem zu Jürgen Heckel, der die Band ja gegründet hat. Mittlerweile gab es zwar einige personelle Wechsel, aber der Charakter und Sound der Band - das ist Jürgen.

Es ist an verschiedenen Stellen zu lesen, dass Du "Gastmusikerin" gewesen bist. Andere Quellen - u.a. auch unser Künstlerportrait - weisen Dich als festes Mitglied von Bajazzo aus. Was ist richtig?
Gute Frage! Ich würde sogar sagen, dass wir alle Gastmusiker bei Bajazzo sind, außer Jürgen natürlich, der der Bajazzo ist. Mit Bajazzo verbindet mich eine jahrelange Zusammenarbeit, das ist die Band, nach der ich mich immer am meisten sehne, wenn ich mit anderen spiele. Mit Jürgen zu spielen war immer mein Traum. Jürgen ist derjenige, der mich am meisten beeinflusst hat und ich betrachte ihn gewissermaßen als einen Meister. Er hat eher selten mit anderen Musikern gespielt, er hat vor allem immer an seinem eigenen Sound gefeilt und er verlangt von jedem Musiker, der mit ihm spielt, mehr als nur sein Instrument zu spielen. Jedenfalls habe ich das immer so empfunden, wenn ich mit ihm spielte. Er hat in all den Jahren, die ich ihn kenne, nie an Intensität verloren und seinen Klang unwahrscheinlich feinjustiert und geschraubt. Das ist auch einer der Gründe, warum wir für das "Seventies Songbook" so lange gebraucht haben: Wir haben nächtelang gefeilt. Wahrscheinlich hört das niemand, aber so arbeiten wir nun mal.

007 20130201 1556896371An der Bajazzo-LP "Fasten Seat Belts" bist Du ja auch aktiv beteiligt gewesen. Wie weit warst Du an der Entstehung dieses Albums - außer als Sängerin - beteiligt?
Ich hab den Kaffee gekocht.

Jürgen Heckel erzählte mir vor etwa 2 Jahren, dass es ein Comeback von Bajazzo geben soll. Das plante er für 2010, doch von Bajazzo ist bis heute noch nicht wieder etwas zu sehen und hören gewesen. Weißt Du etwas über ein evtl. Comeback?
Ich verrate hier keine Geheimnisse! Außer einem: Bajazzo lebt!

Heute ist ja "Tag der deutschen Einheit": Wie hast Du diese Einheit, also den Fall der Mauer, und die Zeit danach, erlebt?
Ich hab das verpennt und erst am nächsten Tag erfahren. Ich stand im ersten Moment unter Schock und schrie von meinem Balkon herunter: "Wo sind denn jetzt meine Feinde??" Ich war froh, dass das Volk einfach endlich zugepackt hatte und sich nichts mehr verbieten ließ und zugleich erschüttert über die Tatsache, dass die Leute, die mich, uns, beinahe drei Jahrzehnte indoktriniert hatten nun einfach bereit waren, das herzugeben, wofür sie doch so lange gestanden hatten und wofür viele Menschen in der DDR hart bestraft worden waren. Mein erster Gedanke war, dass ich nicht wollte, dass Typen wie mein Staatsbürgerkundelehrer nun nutznießen sollten, was andere gegen seinen Willen erkämpft hatten. Ich kann auch heute nach wie vor DDR-Nostalgie nicht empfinden und ich bin auch aus verschiedenen persönlichen Gründen froh, dass es eine Wiedervereinigung gab.

008 20130201 1153504026Wie war die Zeit nach 1990 für Dich als Künstlerin? Welche Unterschiede bei der Arbeit als Musiker vor und nach der Wende waren besonders auffällig?
Unterschiede? Ich arbeite, ich singe, ich kann in Länder reisen, ohne erklären zu müssen, dass ich da den Sozialismus der DDR repräsentieren werde. Ich kann mir ein vernünftiges Mikrophon kaufen, ohne mithilfe von Beschaffungskriminalität erst Westgeld dazu tauschen zu müssen und es von meiner Oma über die Grenze schmuggeln zu lassen. Ich kann mit allen Musikern spielen, mit denen es mir Spaß macht, und muss nicht erst das Komitee für Unterhaltungskunst anbetteln, dass sie einem Westberliner Musiker die Einreise erlauben. Ich kann mir das Studio aussuchen und muss nicht drei Jahre warten und überall etwas lernen. Usw.

Du giltst als eine der großen Jazz-Stimmen in diesem Land. Siehst Du Dich auch einzig und allein in der Jazz-Ecke oder sagst Du, Du bist mehr als nur die Jazz-Stimme?
Ich bin eine Stimme. Ich singe Jazz, aber ich habe auch Rockmusik gemacht und Folk und vor allem auch viel mit klassischen Musikern im Crossover-Bereich gearbeitet. Ich habe viel Theater gespielt und Musik von Kurt Weill und Hanns Eisler gesungen. Ich war aber auch Gast bei Musikern wie Eric Fish oder den Inchtabokatables. Ich finde es so aufregend, mit Musikern zu spielen, die auf einem ganz anderen Gebiet zu Hause sind. Am besten ist, wenn sie von mir nicht einfach verlangen, dass ich das machen soll, was ich immer mache, sondern wenn ich meinen Stimmkörper umwandeln muss, einen anderen Sound und eine andere Rhythmik finden muss. Oder wenn ich eine Brücke entwickeln kann zwischen vollkommen konträren Stilistiken. Der alles schmelzende Kern in mir jedoch ist das Spiel, der Jazz. Der lässt mich mit allen Stilistiken spielen, als wäre ich ein Chamäleon, das durch die Farben wandert und je nach Laune gebe ich meine Farbe der Musik oder nehme die Farbe der Musik an und mische mir daraus ein Spiel.

009 20130201 1016103789Du bist inzwischen ein paar Tage im Geschäft und hast schon eine Menge erlebt. Hast Du als Künstlerin noch unerfüllte Wünsche oder Pläne? Was würdest Du in Deiner Karriere gerne noch machen?
Wünsche... hm... alles einfach!

Gibt es auch andere Musiker, mit denen Du gerne mal zusammen arbeiten möchtest?
Herrjemineh! Haufenweise! Verschaff mir einen Gig mit Deep Purple, wenn sie das nächste Mal hier spielen! Oder lass mich bei Pink Floyd "The great gig in the sky" von der "Dark side of the Moon" singen! Ich würde auch gern noch mal mit Eric Fish spielen, er hat unglaubliche Kraft und das beste Publikum der Welt! Ich träume davon, "Die Sieben Todsünden" mit allen deutschen Orchestern zu singen und Joni Mitchell möchte ich in aller Demut nur die Gitarre reichen dürfen. Die restlichen reiche ich als Fußnoten nach, das sprengt sonst den Rahmen.

Damit sind wir auch schon am Ende unseres Interviews. Welche Hoffnungen und Wünsche hast Du an Deine neue CD geknüpft?
Was kann man da sagen, ohne in Klischees zu verfallen? Kauft sie? Hört sie? Sie ist unser Baby? Ja klar!

 

Interview: Christian Reder
Bearbeitung: kf, cr
Fotos: mit freundlicher Genehmigung von Pascal von Wroblewsky
 

   
   
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