Michael Barakowski

 

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Michael Barakowski war viele Jahre der Frontmann von PERL. Richtig wahrgenommen wurde die Band allerdings nur ein halbes Jahr, und noch bevor etwas richtig Großes entstehen konnte, war PERL auch schon wieder Geschichte. Geblieben ist mit ihrer Erfolgssingle "Zeit die nie vergeht" ein Megahit, der noch heute oft gespielt und fast ebenso oft gecovert wird - von anderen Bands, aber auch vom Künstler selbst. Es wäre aber ein großer Fehler, den Künstler nur auf PERL und eben genannten Hit zu reduzieren. Michael Barakowski hat etwas, um das ihn sicher viele Sänger beneiden: Eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert. Man hört nur kurz hin und weiß: Es ist Michael Barakowski.
Nachdem es in den 80ern bei Michael Barakowski richtig turbulent zu ging, war es in den 90ern sehr ruhig um den Sänger. Im neuen Jahrtausend startete er wieder richtig durch. Ein Versuch, die Gruppe PERL wieder zu beleben, scheiterte zwar, aber wer braucht die Gruppe PERL, wenn man mit so einer Stimme ausgestattet ist und so einem Ideenreichtum, was Songs und Texte betrifft, hat? Michael Barakowski ist jedenfalls wieder da, und das ist die Hauptsache! Warum das mit dem PERL-Comeback nichts wurde, warum er seinen Hit immer und immer wieder neu produziert und was demnächst von ihm zu erwarten ist, hat er uns in einem Interview verraten, das Ihr jetzt exklusiv bei Deutsche Mugge lesen könnt...

 

Wir haben vor ein paar Wochen ein Portrait über Dich veröffentlicht. Bei Recherchen habe ich herausgefunden, dass Du vor Deiner Zeit mit der Gruppe PERL u.a. auch für KARAT gearbeitet hast. Stimmt das?
Ja! Ich war u.a. Tontechniker bei der Gruppe Express und auch Henning Protzmanns Assistent in Sachen Management bei KARAT, wenn man so sagen will.
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Du hast auch zu der Zeit Deine musikalische Ausbildung begonnen, oder?
Ja, genau! 1978 habe ich mein Studium für Gitarre an der Musikschule Friedrichshain begonnen. Ein Jahr später haben ich mit Kollegen von der Musikschule und anderen Musikern die Gruppe PERL gegründet. Das war im September 1979.

Wer gehörte bei PERL denn zur Gründungsbesetzung?
Das waren Volkmar Ebel als Bassist, Bernd Fleckner als Schlagzeuger, Thomas Posselt als Geiger und als Keyboarder Michael Schubert. Angefangen haben wir mit Jazzrock, eher mit komplizierteren Sachen. Wir haben Cream nachgespielt und zum Teil auch Pink Floyd. So fing das mit PERL an. In den ersten Jahren haben wir auch nur live gespielt. Da war das noch nicht so mit eigenen Produktionen, und als Amateurband in der DDR sowieso nicht.

Habt Ihr nur nachgespielt oder hattet Ihr auch schon eigene Songs?
Ich habe relativ schnell angefangen, eigene Songs zu schreiben. Das ging eigentlich konform mit der Gründung von PERL.

Dann hast Du irgendwann die Band komplett umgekrempelt...
Ich habe die Besetzung von PERL 1981 komplett ausgetauscht. Mit den personellen Veränderungen wurde gleichzeitig auch der Musikstil gewechselt. Das war die Neue Deutsche Welle-Zeit und ich hatte gemerkt, dass man mit Kunstrock nicht so viel Geld verdienen konnte. Wir hatten mal ein paar Muggen auf dem Dorf oder hier und da mal eine Studenten-Mugge, das war einfach zu wenig. Dazu kam, dass der Schlagzeuger aus familiären Gründen aufhören musste. Jedenfalls war PERL 1981 eine kurze Zeit lang ein Trio. Damals war André Drechsler von Jessica bei PERL, als seine Kollegen bei der Armee waren. André ist von Hause aus ja Gitarrist, hatte bei uns aber Bass gespielt, d.h. André und ich haben uns immer abgewechselt. Mal hat er Gitarre gespielt und ich den Bass, dann wieder umgekehrt. Wir hatten nach Bernd Fleckner für kurze Zeit noch einen anderen Schlagzeuger bevor dann 1983 Sven Hertrampf zu uns kam. In dieser Trio-Besetzung sind wir eine ganze Zeit lang durch die Lande gezogen.

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Wann und aus welchem Grund habt Ihr als Amateurband dann doch eigene Lieder produzieren dürfen?
Das war aufgrund der Tatsache, dass wir bei der Werkstattwoche in Suhl und bei anderen Amateurwettbewerben teilgenommen haben. Bei all diesen Veranstaltungen konnte man über die FDJ was gewinnen, und wir waren so gut, dass wir 1984 zum ersten Mal in einem Studio eigene Songs aufnehmen durften. Das passierte beim ehemaligen Schlagzeuger der Puhdys, Gunther Wosylus. Das war unser Preis, den wir uns erspielt haben. Den Song "Oh, Amore" haben wir 1984 aufgenommen, und dann kamen 1985 "Zeit die nie vergeht", "Zwischen Traum und Wirklichkeit" und "Schulzeit".

Wieviele Songs habt Ihr mit PERL überhaupt produziert?
Das waren tatsächlich nur vier Songs, nämlich die, die ich gerade genannt habe.

Der Song "Zeit, die nie vergeht" ist dann ja tierisch durch die Decke gegangen...
Ja...

Das dürfte für Euch doch extrem überraschend gewesen sein, oder?
Stimmt, das war sehr überraschend. Im Sommer 1985 waren wir mit PERL von der FDJ aus in Ungarn und haben einmal rund um den Balaton gespielt. Bevor wir nach Ungarn gefahren sind hatten wir mit "Zeit die nie vergeht" einen Auftritt in der Fernsehsendung "rund", danach kam das Lied auch ins Radio. Wir waren da - wie gesagt - schon in Ungarn. Als ich dann mal zu Hause anrief hieß es dann, "Ihr seid hier überall auf Platz 1". Dieser Erfolg kam in dem Moment, wo ich fast schon bei PERL aufhören wollte. Ich wollte weg von der Amateurmusik, und die Aufgabe als Bandleiter war mir auch zu anstrengend. Als Bandleiter musstest Du Dich um alles kümmern, u.a. auch um den Fuhrpark der Band, Autoreifen oder einen neuen Motor für den "Ello" (auch "LO", Kleinlaster in der DDR, Anm. d. Red.) besorgen und und und… Das war mir irgendwann alles zu viel. Ich hatte da schon angekündigt, dass ich zum Jahresende 1985 mit der Musik aufhören wollte, es sei denn, ich könnte in den Profistatus aufsteigen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich auch meinen Musikschulabschluss in der Tasche. Und mitten in diese Planungen kam dann überraschend der Erfolg dieses Songs. Ich kam dann aus Ungarn nach Hause zurück und ab da ging's richtig los. Die Telefone standen nicht mehr still, wir hatten Auftritte im Fernsehen und und und.

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PERL ist eigentlich ein Phänomen. Die Band hatte mit "Zeit die nie vergeht" nur einen einzigen Hit und - wie du sagst - überhaupt nur vier Songs produziert. Kein Album und nichts… und trotzdem ist die Band den Leuten auch heute noch im Gedächtnis geblieben...
Der große Glücksfall war natürlich dieses Lied. Ich weiß noch, dass uns Leute von der NVA angesprochen haben. Bei der Armee lief der Titel rauf und runter, und mit so einer Klientel haben wir gar nicht gerechnet. Es sagen noch heute viele Leute die man so trifft, "Ach ja, das Lied haben wir damals oft gehört. Das ist ein tolles Lied und ich erinnere mich gerne daran zurück".

Lange hat diese Zeit mit PERL trotz dieses Erfolges nicht gedauert...
Nein! Wie gesagt, für mich war Mitte 1985 schon klar, dass ich PERL verlassen würde. Es gab innerhalb der Band auch Streitigkeiten, weil es u.a. auch Kollegen gab, denen der Erfolg ein bisschen zu Kopf gestiegen ist. Dazu kam, dass ich zu dieser Zeit mit Marion Sprawe zusammen war. Sie ist von der Gruppe Juckreiz zum Bandprojekt "Smokings Rockshow" von Burkhard Lasch gewechselt. Marion stieg damals für Petra Zieger dort ein. Weil ich mit Marion zusammen war gab es dann auch den Kontakt zu Burkhard Lasch der irgendwann meinte, "Du pass auf, dann machst Du einfach hier auch mit". Und so bin ich dann zur Smokings Rockshow gewechselt. Für mich stand der Ausstieg bei PERL schon Mitte des Jahres fest. Also bevor das mit dem Erfolg richtig losging. Der Vorteil war, dass das Lied und der Text von mir sind und ich den Titel auch gesungen habe, so konnte ich ihn immer mitnehmen.

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Bei der Smokings Rockshow gab's für Dich auch ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten, denn neben Burkhard Lasch war auch Henning Protzmann bei der Smokings Rockshow hinter den Kulissen tätig...
Ja genau! Die Freundschaften sind aber auch nie auseinander gegangen. Die bestehen auch bis heute noch zu Karat usw. Burkhard hat kurze Zeit später die DDR verlassen und Henning Protzmann hat anschließend das Management für die Smokings Rockshow von Burkhard Lasch übernommen und weitergeführt.

Dabei blieb es aber auch nicht lange. Irgendwann wurde die Band dann in "Barakowski & Freunde" umbenannt...
Ja, das war noch zu Protzmanns Zeiten. Marion Sprawe hatte zwischenzeitlich aufgehört und ich wollte meine LP "Rampenlicht" produzieren. Das wollte ich aber nicht unter dem Namen "Smokings Rockshow" machen denn die Platte war ja praktisch mein Baby. Deshalb wurde die Band dann umbenannt, denn meinen Namen konnte ich immer behalten und war nicht mehr "Der Sänger von…". Das war und blieb dann mein Produkt.

Marion Sprawe ist ausgestiegen: Warum?
Das hat bandmäßig nicht mehr zusammengepasst. Marion und ich waren dann auch nicht mehr zusammen und sie wollte eher solistisch tätig werden, was sie dann ja auch gemacht hat.

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Und war die Platte erfolgreich?
Ja, sie wurde 1987 bei Amiga produziert und auch veröffentlicht, und lief sehr gut.

Ich habe gelesen, dass nach Veröffentlichung der LP viele Konzerte und Tourneen gespielt wurden...
Stimmt. Wir waren sowohl im Inland ständig unterwegs, als auch im Ausland. Hauptsächlich Sowjetunion bis nach Asien runter.

Ende der 80er gab es auch eine gemeinsame Tournee mit Ralf "Bummi" Bursy. Wie kam es denn dazu?
Das ist auch aus Freundschaft entstanden. Das hatte Henning noch mit organisiert und wir waren vorher alle schon jahrelang befreundet. Bummi war zu dem Zeitpunkt auch relativ erfolgreich, hatte aber in dem Sinne keine Live-Band. Deshalb haben Bummi, Henning und ich ausgemacht, dass wir gemeinsam auf Tour gehen und mit der gleichen Band auftreten. So hatte jeder was davon.

Dann kam die Wende. Wie hast Du sie erlebt?
Ich muss sagen, dass es für mich nicht so dramatisch war, denn ich hatte im Zusammenhang mit der Wende schon einen Plattenvertrag mit CBS abgeschlossen. Ich war zu der Zeit schon sehr viel solistisch unterwegs, auch schon in der Bundesrepublik. Von daher war das beruflich nicht so ein großer Schlag. Solo ging's bei mir auch nach der Wende noch weiter. Wie oben schon erwähnt: Wenn man so ein Lied hat, ist das schon von Vorteil. Auftrittsmöglichkeiten für mich als Solist waren noch genug da. Anders hätte das ausgesehen, wenn ich noch eine Band gehabt hätte, denn die konnte kein Veranstalter mehr bezahlen. Zu der Zeit war es ja auch so, dass kaum noch Menschen zu den Konzerten gegangen sind. Aber bei irgendwelchen Galas oder Pressefesten konnte man solistisch auf jeden Fall noch gut arbeiten.

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Du bist damals auch für kurze Zeit bei der Gruppe Prinzip eingestiegen. Wie kam es denn dazu?
Das war auch eine lustige Geschichte. Als Band war das bei Prinzip ein lockeres Arbeiten. Außerdem kannte ich Matko schon Jahre lang. Matko wollte auch live noch mit Prinzip spielen und nicht einfach aufhören. Aufgrund der Tatsache, dass man als Band nur noch wenige Auftrittsmöglichkeiten hatte und Matko aber da sehr rührig war, haben wir uns praktisch zusammengetan und live zum Teil Prinzip-Lieder gespielt und zum anderen Teil meine Songs. Wir haben das im Programm schön gemischt...

Das war aber auch nicht von langer Dauer, oder?
Nein, das war nur für eine Saison. Damals war auch alles im Umbruch. Es war ja auch nicht so, dass alle Musiker prima davon leben konnten. Ich hatte zwar nebenbei immer noch meine Soloauftritte aber mit Prinzip hielten sich die Auftritte doch sehr in Grenzen.

Dann gab es da in der gleichen Zeit so eine Geschichte, als Du beim Vorentscheid zum Grand Prix teilgenommen hast. Was war denn da los?
Martin Engelien, der Bassist und Produzent von Klaus Lage und Dr. Diether Dehm sind an mich heran getreten und haben mich gefragt, ob ich bei der Veranstaltung nicht singen wollte. Sie hatten sich für den Auftritt einen raueren und männlichen Gesangstyp vorgestellt und da sind sie mehr oder weniger auf mich gekommen. Ich habe dann zugesagt und wir haben das Lied "Wieder zusammen" produziert, und der Song war dann Teilnehmer beim Vorausscheid zum Grand Prix im April 1990.

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Jetzt räumen wir mal mit einem Gerücht auf: Es steht an einigen Stellen geschrieben, dass der Titel von Jürgen Drews sei, aber mit dem hattest Du gar nichts zu tun, richtig?
Genau, das ist ein Gerücht, ein Missverständnis. Ich habe irgendwann mal so halb im Spaß gesagt, "Naja, gewonnen habe ich da zwar nicht, aber ich war immer noch besser als Jürgen Drews". Das Lied war von Martin Engelien und Dr. Diether Dehm und nicht von Jürgen Drews. Jürgen Drews hat bei der gleichen Veranstaltung wohl mitgemacht. Ich hatte den 8. Platz und er landete auf dem elften Platz. Da habe ich diesen Satz im Spaß gesagt, und irgendwer hat den falsch aufgefasst und dieses Gerücht in die Welt gesetzt, das sich komischerweise immer weiter trägt.

Wie ging's dann bei Dir weiter? Du sprachst vorhin von einem Plattenvertrag bei der CBS, von Dir habe ich aber nirgendwo eine Plattenveröffentlichung aus der Zeit gefunden.
Das ist auch nicht unter meinem Namen veröffentlicht worden sondern unter dem Pseudonym "Kennzeichen D". Da haben außer mir noch Michael Otter, der Gitarrist aus meiner Band, und ein paar Musiker aus der Klaus Lage Band mitgemacht. Es war dann bloß dieser eine Titel, der für den Grand Prix Vorausscheid entstanden ist, und wenn man dann nicht selbst zum Grand Prix hinfährt, verläuft so was im Sande. Was aus dieser Zeit aber geblieben ist, ist die Zusammenarbeit mit dem Klaus Lage-Team. Ich wurde danach von denen zu einigen Konzerten mitgenommen und wir haben für ein oder zwei Saisons eine Live-Band zusammengestellt, die teils aus Musikern der Klaus Lage-Band bestand und mit mir als Sänger. Wir haben aber nur live und hauptsächlich im Ruhrgebiet gearbeitet. Plattenproduktionen gab es nicht.

Du hast auch als Produzent für Nachwuchsbands gearbeitet...
Das waren junge Amateurbands und ich habe da nicht als Produzent gearbeitet, sondern mehr als Mentor. Das fand in Berliner Jugendclubs statt und ich habe mit den Bands ein bisschen trainiert. Ich habe aber weiterhin komponiert, in erster Linie natürlich für mich, aber u.a. auch für Dunja Rajter. Das kam über Burkhard Lasch, der damals Kontakt zu Dunja Rajter hatte und einen Kontakt hergestellt hat. Die Verbindung zwischen mir und Burkhard war nie abgerissen, und von daher hat er bei dieser Sache an mich gedacht.

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Ich habe auch gelesen, dass Du 1995 wohl komplett mit der Musik aufgehört und dich als Gastwirt selbstständig gemacht hast.
Das kann man so nicht sagen. Ich bin damals, und das war auch nur für ein Jahr, bei Freunden mit eingestiegen, als die ein Musik-Café eröffnet haben. Und eben weil ich auch noch musikalisch ganz gut unterwegs war, habe ich das auch wirklich nur für ein Jahr gemacht. Das war auch blöd, denn ausgerechnet am Wochenende war ich nie da, weil ich gespielt habe.

Also ist auch das eine Falschmeldung gewesen, und das war gar nicht Deine Gaststätte?
Nein, das war nicht meine.

Und wieder mit einem Gerücht aufgeräumt...
Ja (lacht)

Dann hast Du angefangen als Sozialarbeiter zu arbeiten, was Du auch heute noch tust.
Ja, das ist richtig. Das kam durch meine Tätigkeit als Mentor für junge Amateurbands an Berliner Jugendclubs. Irgendwann sprach mich jemand an und fragte mich, ob ich das nicht beruflich machen wolle. Ich hatte da schon ein Jahr lang einen Berliner Jugendclub geleitet. Später habe ich mit einem Jugendring in Burg bei Magdeburg zusammen gearbeitet. Ich habe für die Veranstaltungen organisiert und auch da wieder mit jungen Leuten und Bands gearbeitet, und so bin ich über die ganze Zeit bei der Jugendarbeit geblieben.

Die ersten Produktionen von Dir gab es dann wieder ab 2004...
Das stimmt...

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Du hast dieses - ich nenne es jetzt mal - Comeback unter dem Namen PERL gestartet...
Das kam dadurch, dass ich 2003 ein paar ehemalige Kollegen von PERL zufällig in Berlin getroffen habe. Ich habe damals bei Modern Soul gespielt, und bei einem Konzert in Berlin waren Sven Hertrampf und Rene Niederwiese im Publikum. An dem Abend kamen wir auf die Idee, auch mal wieder was zusammen zu machen. So hat sich das ergeben, dass es ein Comeback von PERL gab.

Zu der Besetzung gehörten also neben Dir noch Rene Niederwiese und Sven Hertrampf?
Ja, und noch zwei Gastmusiker aus Frankfurt/Oder. Das war 2004, und wir sind unter dem Motto "20 Jahre ‚Zeit die nie vergeht'" aufgetreten. Wir haben ein paar Konzerte, das waren immer große Veranstaltungen, gespielt und den Song als Remake nochmals auf Maxi CD veröffentlicht. Im gleichen Jahr begann dann auch meine Zusammenarbeit mit JayKay Music Entertainment aus Halle/Saale. Jürgen Kerber, der Chef von JayKay, hat uns auch produziert. Ich habe aber leider feststellen müssen, dass die gleichen Gründe, warum PERL 1986 auseinander ging, immer noch vorhanden waren. Ich konnte mit Rene nicht richtig zusammenarbeiten. Deshalb hat Jürgen Kerber damals gesagt, "Ok, Michael, wir machen dann alleine weiter". Danach haben wir auch noch mehrere Sachen zusammen produziert, und die Zusammenarbeit hält bis heute an und sehr hilfreich und fruchtbar. Seit 2005 produziere ich bei JayKay unter dem Namen Michael Barakowski & PERL jedes Jahr mindestens einen Titel.

Im Jahre 2004 hieß das ganze zuerst wieder PERL, dann wurde das abgeändert in PERL feat. Michael Barakowski und zuletzt habe ich gelesen, dass Du unter dem Namen Michael Barakowski feat. PERL CDs veröffentlichst.
Das kommt daher, weil Jürgen den Namen PERL noch mit verwenden wollte, weil sich das natürlich auch gut verkauft.

Du hast es gerade schon erwähnt, dass Du zwischen 2005 und 2009 regelmäßig Singles veröffentlicht hast. Die letzte war ein weiteres Remake von "Zeit die nie vergeht" zum 25. Jubiläum.
Ja, das stimmt. Wir haben den Song nochmal ganz modern arrangiert und zum 25. Jubiläum veröffentlicht. Das ist ein richtiger Disko-Kracher geworden...

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Wirst Du in den nächsten Jahren noch mehr Remakes Deines eigenen Titels machen?
(lacht) Nein, meine Idee war das auch nicht. Ich habe vor ein paar Tagen im Internet auch gestaunt, wie viele Bands es gibt, die diesen Song gecovert haben, die also auch noch je eine neue Version dieses Liedes gemacht haben. Meine Idee, den Song so oft neu zu produzieren, war das nie gewesen. Das ist das Lustige daran. Das hat sich immer irgendwie ergeben, dass jemand die Idee dazu hatte und meinte, "Ach komm, das können wir doch jetzt mal ganz anders produzieren". Die erste Neuproduktion kam ja bereits 1987 als meine LP eingespielt wurde. Damals dachten wir auch, "Das können wir jetzt noch ein bisschen aufmotzen". Später wurde das für einen West-Verlag noch ein drittes Mal neu produziert, und in den letzten Jahren ja auch noch mehrfach. Ich glaube, so oft wurde noch nie ein Titel vom gleichen Künstler neu aufgenommen. Das ist schon originell.

Von Dir habe ich gezählt, gibt es neben der Original-Version noch fünf Remakes. Das kommt fast an Peter Schilling ran, der seinen "Major Tom" auch zig Mal neu produziert hat.
(lacht) Dann bin ich ja nicht alleine...

Stimmt! Dann gab es eine gemeinsame Produktion mit Bianca Graf, mit der Du den Cocker-Klassiker "Up Where We Belong" auf Deutsch interpretiert hast...
Das kam auch über JayKay zustande und es blieb auch nur bei diesem einen Lied. Wir hatten die Produktion und danach noch zwei oder drei Auftritte. Das war's...

Nun haben wir ganz viele neue Lieder und Singles von Dir in den letzten Jahren bekommen, jetzt wird's aber langsam Zeit für ein neues Album, oder?
Ja, ja… Da haben wir gerade neulich noch drüber geredet. Wir arbeiten schon daran und ich bin auch ganz fleißig am Komponieren und Texten. Wir wollen mal sehen, wie sich die Sache zum Jahresende hin entwickelt, und dann wollen wir natürlich auch ein neues Album produzieren.

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Ich habe bei den letzten Konzertberichten gelesen, die bei uns veröffentlicht worden sind, dass wenn Du live auftrittst, Du das mit der Gruppe "Die Ossis" tust. Ist das vielleicht sogar Deine neue Begleitband?
Nein, so kann man das nicht sagen. Es gibt praktisch dieses Paket "Ostrock Deluxe", bei dem auch Werther Lohse, IC Falkenberg und ich mit den Ossis zusammen auftreten. Das ist aber nicht meine Begleitband sondern ich bin Gast bei den Ossis, genauso wie IC oder Werther. Wir Sänger haben da unseren Block im Programm, und das war's.

Das Programm heißt "Ostrock Deluxe". Ist das, was Du heute machst, für Dich immer noch Ostrock?
Nein, ich habe meine Musik auch nie als Ostrock gesehen. Für mich war das immer Deutschrock was ich gemacht habe, schon zu Ostzeiten.

Wie sieht's denn mit einem Live-Programm aus. Wirst Du Dir noch mal eine Band zusammenstellen und auf Tournee gehen?
Es wird evtl. im Oktober oder November eine kleine Club-Tournee geben. Da werden ein oder zwei Musiker von Die Ossis mit dabei sein und noch ein paar andere Gäste. Aber das wollen wir ziemlich klein halten und es werden auch nur meine Songs gespielt. Wir müssen mal sehen, vielleicht werden wir in dem Zusammenhang auch noch etwas Neues produzieren. Das müssen wir mal sehen… Das ist frühestens für Oktober geplant.

Diese Ankündigung ist eigentlich ein schönes Schlusswort. Möchtest Du abschließend unseren Lesern denn noch etwas mitteilen?
Eigentlich haben wir über alles gesprochen. Ich wünsche mir natürlich, dass ich beim Publikum weiterhin gern gesehen bin. Ich mache immer noch sehr gerne Musik und freue mich, wenn die Leute das mögen, was ich mache.

 

Interview: Christian Reder
Bearbeitung: kf, cr
Fotos: Archiv Michael Barakowski, Deutsche Mugge
 
 

   
   
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