Engerling

 

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Deutschland hat eine wirklich bunte und große Rock- und Bluesszene. In beiden ist die Gruppe ENGERLING zuhause. Überhaupt ist ENGERLING ein klangvoller Name. Gegründet 1975 in der DDR, kann die Gruppe ENGERLING mit seinem Bandgründer Wolfram "Boddi" Bodag und den anderen Kollegen im kommenden Jahr einen (fast) runden Geburtstag feiern: Man wird 35! Das sind 35 Jahre "on the road", fünf fantastische Studioalben (und diverse Live-Alben und Zusammenstellungen) und volle Aktion. Welch großartige Qualität die Gruppe hat, hat sich sogar bis in die USA rumgesprochen, denn kein Geringerer als Mr. Mitch Ryder wählte sich die ENGERLINGE als seine Begleitband aus, die mit ihm neue Alben einspielt und quer durch Europa reist. Fans und Kenner schätzen an ENGERLING ihre Geradlinigkeit und das völlige Weglassen von "ablenkendem" Schnickschnack auf und vor der Bühne. Wer die Band live erlebt, sieht nur die Musiker, die ihre Musik zum Vortrag bringen. Auf ein Rahmenprogramm wie Bühnen- oder Lasershow wird verzichtet, und das braucht die Gruppe auch überhaupt nicht. Die Band macht wunderbare, zeitlose Rock- und Bluesmusik, die eine mitreißende Magie auf Musikfreunde im In- und Ausland hat...
Nachdem wir inzwischen schon über einige Konzerte der Gruppe mit ihrem eigenen Programm oder als Begleitband von Mitch Ryder berichtet haben, wurde es langsam mal Zeit, sie auch zu Deutsche Mugge einzuladen...

 

Hallo Boddi, Im nächsten Jahr feiert Ihr 35. Bandjubiläum. Bis 2010 ist es nicht mehr lange hin. Gibt es schon Pläne für dieses besondere Jahr?
Nein, überhaupt nicht. Nur das Datum 17.4. Kesselhaus Berlin steht schon fest. Es sind noch keine Pläne vorhanden. Sowas fällt uns immer kurz vorher ein (lacht).

Im gleichen Jahr feierst Du Deinen 60. Geburtstag. Kaum zu glauben, aber das ist wohl richtig, oder?
Ja, stimmt! Aber ich bin nicht so für's Feiern, weißt Du? Mir hat letztens Egon, der Gitarrist von Freygang, vorgeschlagen, dass wir unseren Geburtstag zusammen feiern. Er wird nämlich auch 60.

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Dann wäre das ja ein weiterer Grund, etwas größer zu feiern, z.B. bei einem Doppelkonzert von Engerling und Freygang...
Ja, das könnte man alles machen. Aber... (lacht)

Einer unserer Leser schrieb mir: "Stell Boddi bitte gleich diese Frage", und dem komme ich doch gerne nach...
Die Frage nach der neuen Platte, oder?

Ja, genau: Wie sieht es mit einem neuen Album von Engerling aus? Ist da was geplant?
Na, geplant ist es schon lange. Aber es gibt so ein paar Ecken und Kanten, weißt Du?! Die größte Ecke ist die innere Zensur, wo ich immer sage: "Das gefällt mir nicht." Mein Sohn Hannes hat mich aber schon überzeugt, dass man es ruhig mit Ecken und Kanten machen sollte. Vor dem Urlaub haben wir auch angefangen, drei neue Lieder zu üben. Aber wie das eben so ist, wenn man so kurz vor dem Urlaub damit anfängt, fährt man los, kommt wieder und dann sind die Ideen schon wieder vergessen (lacht). Jetzt müssen wir mal sehen, dass wir ein paar Probentermine zusammen bekommen. Bei mir ist im Moment auch ein Zeitproblem, denn ich helfe drei Tage in der Woche in einem Fahrradladen in der Werkstatt aus. Das macht mir übrigens sehr viel Spaß. Außerdem muss Hannes, mein Sohn und Trommler, jetzt seine Diplomarbeit an der Hochschule schreiben. Er studiert "Tonmeister" an der Filmhochschule. Und das müssen wir alles irgendwie noch unter einen Hut kriegen. Die Frage nach der neuen Platte treibt mir deshalb schon immer die Schweißperlen auf die Stirn (lacht).

Aber es ist etwas geplant, und mit dieser Aussage können die Fans zumindest etwas anfangen...
Ja, geplant ist das auf alle Fälle!

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Die letzte Veröffentlichung, die den Namen Engerling trug, war die wirklich wunderschöne CD-Box "Engerling - Die Original Alben". War das ein Projekt der Plattenfirma oder ist die Band daran auch in irgendeiner Form beteiligt gewesen?
Nein, das war eine Idee von der Amiga zu irgendeinem Jubiläum. Ich weiß es gar nicht mehr so genau, aber ich meine zum 30. Jubiläum von Engerling.

Wenn man Euch live sieht, ist das auch immer ein ganz besonderes Ereignis, wir haben ja schon öfter darüber berichtet.
Ja, ich weiß.

Sowohl "Engerling" mit dem eigenen Programm als auch "Engerling" als Begleitband von Mitch Ryder kann man rundum empfehlen. Was macht Dir persönlich am meisten Spaß?
Oh (längere Pause). Engerling macht mir insofern mehr Spaß, weil wir bei unseren Konzerten auch auf Zuruf spielen können. Wir haben nie eine feste Titelabfolge bei den Konzerten, oder wie der Ami sagt, "Running Order". Wir schauen bei unseren Konzerten wie die Leute drauf sind, und wenn dann einer ruft: "Spielt mal die ‚Weiße Ziege'", dann spielen wir die sofort. Ich meine, wenn es gerade nicht passt, dann machen wir das natürlich nicht, aber wenn es in die Abfolge passt… Sicher, die Leute rufen auch immer "Mama Wilson", aber wir können ja nicht den ganzen Abend "Mama Wilson" spielen. Vom Spaß-Faktor her mag ich die Auftritte mit "Engerling" lieber. Andererseits bin ich auch ganz dankbar, mit Mitch Ryder zusammen zu spielen, weil ich dann mal nicht singen muss, höchstens vielleicht mal im Background die 2. Stimme. Da ist es schön, dass ich mich nur auf das Klavier- und Orgelspielen konzentrieren kann, was auch eine ganz feine Sache ist. Ich mache beides, Engerling und Mitch Ryder, sehr gerne.

Wenn Ihr mit Mitch Ryder die Bühnen des Landes stürmt, ist auch Gisbert "Pitti" Piatkowski dabei...
Richtig!

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Ihr alle zusammen zündet immer ein sehr geiles musikalisches Feuerwerk ab. Gab es bei Euch noch nie den Gedanken, Pitti auch bei Engerling fest mit aufzunehmen?
Nein, den Gedanken hat es nicht gegeben. Engerling hatte zu Urzeiten immer zwei Gitarren. Damals hatten wir auch ein Saxophon dabei. Ich spiele heute lieber noch mit einem Saxophonisten als mit einem zweiten Gitarristen als fünften Mann. Aber es ist wie so vieles im Leben, nämlich eine Geldfrage. Also eine finanzielle Frage, weil wir alle zum großen Teil auch davon leben. Je mehr Leute dabei sind, desto teurer wird das Unternehmen und desto weniger spielt man.

 

Wie bist Du eigentlich zur Musik gekommen, und wie und wann hast Du den Blues für Dich entdeckt?
Das war 1965 oder 1966. Es gab so eine Amiga-Schallplatte, die hieß "American Folk Blues". Also nicht das Doppel-Album mit den 2 Platten live aus dem Friedrichstadt-Palast, sondern die Schallplatte ein Jahr davor. Das war eine Studioplatte, u.a. mit Willie Dixon. Als ich die gehört habe, war ich sofort infiziert. Die Stones und die Animals haben damals auch so ein Zeug gespielt. Bis zu diesem Zeitpunkt war "Blues" für mich ein Tanz, den man in der Tanzstunde gelernt hat. Da gab es so einen ruhigen Tanzschritt...

Ja, den sogenannten "Klammerblues"...
Ja (lacht).

Gab es damals schon musikalische Vorbilder für Dich?
Bei mir was das schon immer Bob Dylan. Natürlich auch die großen Bluesmusiker, aber komischerweise selten Pianisten, sondern meistens die Gitarristen, z.B. Willie Dixon und Muddy Waters. Außerdem natürlich die Mundharmonikaspieler, wie z.B. Little Walter. Aus der weißen Blues-Szene mochte ich immer die Stones, die Animals und Pretty Things, die ich sehr geliebt habe, und die nach wie vor unterwegs sind. Mich hat auch immer schon das Psychedelische wie z.B. Pink Floyd und diese Bands interessiert, mit diesen endlosen Improvisationen. Das ging jedenfalls bis zum Jazz und zur klassischen Musik.

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Wenn Du sagst, dass die Rolling Stones zu Deinen Vorbildern zählen, dann hast Du Dir die doch bestimmt auch schon live angeschaut und -gehört, oder?
Ja, mein erstes Konzert von den Rolling Stones war im Juni 1990 im Berliner Olympiastadion. Damals hat die Eintrittskarte 50,- DM gekostet, und zu dieser Zeit hatten wir ja noch nicht die D-Mark. Da hat mir Cäsar, der damals schon in West-Berlin gewohnt hat, eine Eintrittskarte geschenkt. Damals bin ich mit Cäsar zusammen ins Olympiastadion gefahren. Kurze Zeit später kam die Währungsunion, und gleich danach kamen die Stones auf die Radrennbahn Weißensee. Das war im Juli oder im August des gleichen Jahres. Danach habe ich sie noch öfter live gesehen. Eins der schönsten Konzerte der Stones war für mich 1995 in Prag. Für den Auftritt bin ich extra nach Prag gereist. Vaclav Havel hatte Geburtstag, und die Stones haben mit ihm zusammen gefeiert. Ron Wood war von der Feier noch völlig blau (lacht), aber auf der Bühne war trotzdem eine so herrlich lockere Atmosphäre, wie ich sie selten gesehen habe.

Du hast eine Ausbildung an der Musikschule in Berlin-Friedrichshain abgeschlossen. Mit welchem Abschluss hast Du die Hochschule verlassen?
Ich habe meinen Abschluss als Pianist gemacht.

Ich habe etwas recherchiert und den Namen einer Band gefunden, bei der Du vor "Engerling" aktiv warst. Kannst Du uns etwas über die Bluesband "Pardon" erzählen? War das die erste Band, in der Du gespielt hast?
Nein! Ich stamme ursprünglich aus dem Oderbruch. Dort bin ich zur Schule gegangen und dort spielte ich schon in einer Schulband, die "Blues Fashion". Das war 1966, aber mehr sporadisch und fand überwiegend im Keller statt. Richtig los ging es bei der Armee. Da haben wir ganz viel gespielt. Wir waren fast jedes Wochenende draußen und haben dort im Raum Beeskow und Storkow gespielt. Nach der Armeezeit bin ich nach Berlin gekommen, meine erste Band dort hieß "Mobil". Da spielte ich auch schon mit "Lello" (Rainer Lojewski, Anm. d. Verf.) zusammen, dem Trommler, der später auch Engerling mit gegründet hat. "Mobil" wurde nach zwei Jahren, ich glaube es war 1972, verboten, weil wir zu viele "Langhaarige" im Publikum hatten (lacht). Die sind uns immer hinterher gezogen. Es gab damals einen großen Prozess gegen die Langhaarigen, den sogenannten "Gammler-Prozess", und dabei fiel oft unser Name. Daraufhin wurden wir verboten. Danach haben wir uns einfach in "Pardon" umbenannt. Es gab zwar ein paar Wechsel in der Besetzung, aber "Lello" und ich waren auch bei "Pardon" wieder dabei. Mit "Pardon" haben wir zwar auch noch Songs von Deep Purple und anderen Rockbands nachgespielt, haben damals aber schon versucht, die ersten eigenen Songs mit deutschen Texten zu machen. Das war zwar gar nicht so schlecht, aber es existieren leider keine Aufnahmen mehr davon. Ich hatte zwar mal Bänder aus der Zeit, aber bei mir wurde vor Jahren eingebrochen und man hat mir die Wohnung ausgeräumt. Dabei habe ich aus dieser Zeit alles verloren, also auch die Texte...

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Das ist ja mehr als ärgerlich!
Ja, wirklich sehr ärgerlich. Denn auch die Mitschnitte sind dabei abhanden gekommen, und die waren eigentlich ganz gut.

Ich sprach es gerade an: Gegründet wurde Engerling im Jahre 1975. Wer hatte die Idee zu Engerling?
Das waren eigentlich der Trommler "Lello" und der Bassist Erhard Klauschenz. Ich hatte zu der Zeit eigentlich keinen richtigen Bock mehr. Wie schon erwähnt war "Mobil" verboten worden, und auch "Pardon" wurde abgeschossen. Ich hatte danach zwar noch mal etwas mit den alten Leuten von "Mobil" probiert, aber das hat mir überhaupt keinen Spaß mehr gemacht. Die waren damals schon Berufsmusiker und mussten davon leben, und deshalb wurden ganz üble Veranstaltungen gespielt, z.B. Tanztee und so'n Quatsch. Die haben dort ABBA-Songs nachgespielt und ich habe gesagt: "Habt Ihr ´ne Meise?" (lacht). Das dauerte auch nur zwei Monate, da war die Sache für mich schon erledigt. Dann kam "Lello" auf mich zu und meinte: "Wir wollen eine neue Band gründen", und fragte mich, ob ich mitmachen würde. Damals waren auch ein Geiger, ein richtiger Sänger und ein Mundharmonikaspieler dabei. Wir waren ein riesengroßes Orchester mit zwei Gitarren, Geige und mehr. Ich glaube, wir waren sieben Leute, und so haben wir angefangen in einem Keller in Berlin-Baumschulenweg zu proben. Den Namen gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Und um uns ein bisschen von den großen und bedeutungsvollen Namen, wie z.B. "Mythos" und wie sie damals nicht alle hießen, etwas abzuheben, haben wir uns "Salonorchester Engerling" genannt, auch deshalb, weil wir einen Geiger dabei hatten. So haben wir angefangen...

Und wo kam das "Engerling" her? Was hatte das zu bedeuten?
Das war eigentlich nur so. Vielleicht weil wir beim Proben im Keller immer wie die Engerlinge in der Erde herumgescharrt haben (lacht). Nein, ich weiß es nicht, das war nur ein Witz...

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Heiner Witte und Du gehörten zur Gründungsformation...
Ja, das ist richtig!

Wie haben sich die Musiker überhaupt zusammen gefunden, die später als "Engerling" aktiv waren?
Wir kannten uns alle schon vorher. Mit Heiner habe ich zusammen "Kulturwissenschaften" studiert. Er hat vorher auch in einer Band gespielt, die "Nokx" hieß. Von dort haben wir ihn für Engerling abgeworben. Wir hatten schon ein paar andere Leute ausprobiert, aber die haben uns allen nicht so zugesagt. Heiner war dann der richtige Mann für den Job. Ich kannte ihn vom Studium her. Der Bassist, Erhard Klauschenz, Doktor der Chemie, war schon bei der Gruppe "Pardon" mit dabei. Irgendwann ging dann ein großer Wechsel los, weil er zur Armee musste, und auf der Position war das dann ein Hin und Her. Aber wie gesagt, wir kannten uns alle schon vor "Engerling".

Ihr habt in all den Jahren nie auf eine bombastische oder auffällige Bühnenshow zurückgegriffen, sondern habt Euch konsequent nur auf die Musik und deren Interpretation auf der Bühne konzentriert. Ist das ein wichtiger Punkt bei Euch, dass Schnickschnack und Effekte unwichtig sind, und all Eure Energie in die Musik gesteckt wird?
Das ist schon so, ja! Aber sagen wir es mal so, wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Unser Sänger Maxe, der hieß eigentlich Peter Brandl, aber jeder nannte ihn nur "Maxe", kam eines Tages nicht mehr. Der blieb einfach weg. Wir sollten in Rostock spielen und haben mit dem Beginn der Fahrt noch zwei Stunden gewartet, Maxe kam nicht, da meine Lello: "Wir müssen aber dahin fahren! Boddi, dann musst Du alles singen." Ich hatte ja vorher auch schon ein paar Lieder gesungen, und seitdem singe ich alle Songs bei "Engerling". Und wenn Du da immer bloß am Klavier sitzt und singst, kann man dabei nicht so richtig von "Frontmann" sprechen. Eine große Welle konnte man da nicht machen, also haben wir aus der Not eine Tugend gemacht. Es blieb dann eben dabei, dass die Musik im Vordergrund stand. Während es heutzutage, wenn Ufo, unser Saxophonspieler, der auch nicht bei jedem Auftritt mitspielt, ganz gut ist, wenn dann noch zusätzlich einer mit auf der Bühne ist und hin und her läuft, und ein bisschen mobiler und agiler als wir anderen ist, die immer nur an ihren Instrumenten kleben.

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Naja, es gibt aber doch ein gutes Beispiel dafür, dass auch ein Pianist die Riesenshow abziehen kann, denken wir mal an Jerry Lee Lewis...
Oh, ja! Das stimmt allerdings. Der hat sogar mit den Füssen gespielt.

In den 35 Jahren haben sehr viele Musiker bei Engerling mitgespielt. Außer Dir und Heiner Witte gab es keine "Konstanten". Warum gab es so viele Wechsel auf den Positionen über all die Jahre, und warum keine Konstanz wie bei anderen Bands?
Naja, die Konstanten waren Heiner und ich. Der erste personelle Wechsel hatte stilistische Gründe, weil wir damals so ein bisschen von diesem Blues-Image weg wollten. Das war 1980. Wir wollten vielleicht ein bisschen rockiger oder vielleicht ein bisschen jazziger werden. Wohin es gehen sollte, wussten wir damals noch nicht so genau. Daraufhin ist "Lello" in den Westen gegangen. Überhaupt sind viele in den Westen gegangen, das darf man auch nicht vergessen, denn da wurden dann Wechsel erforderlich. Auch die Armee war ein Grund dafür, dass mal ein Kollege ausgetauscht werden musste. Dann hatte ich mal so eine unliebsame Geschichte in Erfurt, wo man mir die Hand gebrochen hat, da war es mit "Engerling" eigentlich fast völlig zu Ende. Zu der Zeit wollte ich ganz aufhören, zumindest mit der Bandmusik. Ich wollte mich nur noch auf Hörspielmusik konzentrieren, was ich damals auch schon gemacht habe. In der Zeit ging unser Bassist, Christian Liebig, zu Karat, weil die auch gerade einen Wechsel auf der Position hatten. Etwas später haben wir doch wieder von neuem angefangen, mit der Band zu spielen, und seit dem ist Manne Pokrandt als Bassist dabei.

Der ist jetzt die längste Zeit von allen Bassisten bei "Engerling"...
Ja, genau! Der Wechsel war 1986...

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Du erzählst, man hätte Dir die Hand gebrochen? Was war denn da los, wer macht denn so was?
Die Polizei in Erfurt. Das war eine ganz blöde Geschichte. Aus Spaß ist da bitterer Ernst geworden.

Gehen wir mal wieder zurück, wo wir gerade noch waren. Zwei Jahre nach Bandgründung im Jahre 1977 erschien Eure erste Schallplatte. Es war die Single "Da hilft kein Jammern". Der Song ist von der Komposition bis zum Text aus Deiner Feder. Wie ist er entstanden, und wie hat er den Weg auf Platte gefunden?
Ich habe den Song nicht komponiert. Das ist irgendein Blues-Standard...

Auf der Platte stehst Du als Komponist und Texter in den Credits...
Ja, das steht da zwar drauf, stimmt aber nicht. Das ist eigentlich ein Blues-Standard und die Amiga hat gesagt: "Das ist viel zu kompliziert, wir schreiben da jetzt Bodag hin." Den Song haben wir aber so nie bei der Gema angemeldet.
An der Entstehung des Songs und seinem Weg auf Platte ist auch Kurt Demmler ein bisschen Schuld. Er lebt ja nun auch nicht mehr. In den 70ern gab es immer "Werkstatt-Tage der Tanzmusik" in Suhl. Eigentlich haben sie uns dafür gar nicht haben wollen. Wir passten denen irgendwie nicht. Blues war denen wohl zu altmodisch und es gab zu wenig Show. Es fiel damals aber eine Berliner Band aus und wir sind für die dort hingegangen. Als wir da gespielt haben, schlugen wir ein wie `ne Bombe. Und irgendwie - so hat mir das damals einer von Amiga erzählt - haben die von Amiga mit Kurt Demmler telefoniert und gefragt, ob es was Neues und etwas Interessantes für sie zum Veröffentlichen auf Schallplatte bei den "Werkstatt-Tagen" geben würde. Demmler hat uns dann wohl genannt, und Amiga hat sich kurz danach bei uns gemeldet. Wir wurden von Amiga eingeladen und sollten dort ein paar Titel vorspielen. Von den fünf oder sechs Liedern, die wir da gespielt haben, haben sie zwei ausgewählt. Das waren "Da hilft kein Jammern" und "Die weiße Ziege". Für uns war das damals eine Sensation.

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Das glaube ich gerne. Weitere zwei Jahre später, nämlich 1979, hat die Amiga von Euch ein komplettes Album veröffentlicht.
Genau, das war unser erstes Album!

Es trägt den passenden Namen "Blues". Wie ist Euer erstes Album entstanden? Waren das Rundfunkaufnahmen oder ist die Platte im Amiga-Studio eingespielt worden?
Die Platte ist komplett im Amiga-Studio in der Brunnenstraße entstanden. Der Tonmeister hat damals auch darauf bestanden, dass wir das Album weitestgehend live einspielen. Das ist natürlich oftmals nicht gelungen, aber das Album ist von vorne bis hinten dort entstanden.

Es gibt Leute die behaupten, dass Blues ein enges Korsett ist, das nicht viele kreative Möglichkeiten zulässt. Siehst Du das genauso?
Ja, dem stimme ich zu. Es gibt ja nicht mehr viele Blues-Nummern unter unseren Titeln. Obwohl: Die Leute sagen, dass die Attitüde von den Texten her schon noch Blues ist. Aber das reine Blues-Schema haben wir im Prinzip schon etwas länger verlassen. Ich spiele ihn nach wie vor gerne, und er kommt auch immer wieder vor, aber wir sind dann doch schon eher im Rock angekommen. Bloß im Instrumentarium bleiben wir dem Blues treu.

Wie kann man sich die Arbeit bei "Engerling" in all den Jahren überhaupt vorstellen? Wie entstanden neue Songs und Platten?
Es gab bei uns verschiedene Phasen. Bei den ersten beiden Alben hatte ich immer die Ideen zu den Songs, aber so richtig ausgearbeitet wurden die Titel immer gemeinsam.

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Also praktisch vom Proberaum, in dem man neues Material einstudiert hat, ins Studio zum Aufnehmen des neuen Albums?
Ja, genau! Später haben sich dann Titel angehäuft und wir haben die bei Amiga vorgelegt. So gab es z..B. die Songs "Narkose-Blues" und "Frühprogramm", die Anfang 1985 bei Amiga aufgenommen wurden, dann aber nicht erschienen sind weil jemand meinte, es sei ein Angriff auf unser Gesundheitswesen, das doch so vorbildlich gewesen wäre. Die Titel sind jedenfalls nicht erschienen und wurden auf Eis gelegt. Die haben wir dann später noch mal im Rundfunk produziert, denn das dritte Studioalbum ist beim Rundfunk entstanden. Amiga hat dann nur die fertigen Bänder übernommen. Das war für uns neu, denn bis dahin waren wir immer bei Amiga im Studio.

Gerade Deine Texte haben ja stets richtigen Tiefgang und deutliche Aussagen gehabt. Nach den Verboten der Gruppen "Mobil" und "Pardon" hattet Ihr unter dem Namen "Engerling" dann ja doch scheinbar Ruhe. Gab es auch für "Engerling" Probleme mit dem Staat, oder konntet Ihr in Ruhe arbeiten?
Probleme gab's, aber da haben wir uns nicht drum geschert. Es hatte aber - glaube ich - auch damit etwas zu tun, dass ich mit Heiner von 1970 an zusammen Kulturwissenschaften studiert habe. Inzwischen waren einige unserer Kommilitonen an wichtigen Schaltstellen eingesetzt und verrichteten dort ihren Dienst, z.B. mein Seminarfreund Arndt Brosswitz war verantwortlich für die Tanzmusiker in Berlin. Wenn irgendwie Beschwerden kamen, und die kamen natürlich immer, hat er die unter den Tisch gekehrt. In anderen Bezirken waren wir aber z.B. richtig verboten, das war regional ganz unterschiedlich. Im Kreis Gotha durften wir gar nicht spielen, und auch im Kreis Karl-Marx-Stadt konnten wir nicht auftreten. Insofern war das mit meinem Freund Arndt und seiner Tätigkeit auch eine kleine Beziehungskiste.

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Wie hast Du die Wendezeit und schließlich den Fall der Mauer erlebt?
An dem Tag als die Mauer fiel haben wir - glaube ich - in Mühlhausen gespielt. Wir sind nachts zurück ins Hotel nach Gotha gefahren und da lief das im Fernsehen. Zuerst habe ich gedacht, das sei so ein fiktives Fernsehspiel. Irgendeine Fiktion, die sich jemand ausgedacht hat. So wie auch in dem Film von Orson Welles, der letztens noch mal im Fernsehen kam, wo irgendjemand in Amerika ein Radiohörspiel gemacht hat über die Landung der Marsmenschen auf der Erde, was ja auch wirklich passiert ist. Alle Menschen waren völlig aufgeregt, waren ganz aus dem Häuschen und hatten Angst ohne Ende. Und so dachte ich, wäre das auch bloße Fiktion. Am nächsten Tag sollten wir im Eichsfeld, ich glaube in Worbis, spielen. Da war uns aber schon bekannt und klar, dass die Grenze offen ist. Wir sind dahin gefahren, und vor Ort waren noch nicht einmal mehr die Kellner da. Da kam kein Mensch, und selbst der Veranstalter stand da und wollte nach Göttingen fahren. So sind wir ohne zu spielen wieder nach Hause nach Berlin gefahren.

Gab es nach der Wende für "Engerling" spürbare Veränderungen wie bei anderen - ich sage mal - populären Bands und Sängern, z.B. mit dem Rückgang der Auftrittsmöglichkeiten und des Zuschauerinteresses, oder hattet Ihr damit keine Probleme und Eure Zuschauer sind Euch treu geblieben?
Sicher gab es auch für uns Probleme. In manchen Clubs war's dann zuschauermäßig schon ein bisschen dünn. Aber so in den Stammclubs und den Studentenclubs ging das nach wie vor sehr gut. Ganz neu war, und da waren wir auch unheimlich beliebt, dass wir ab 1990 sehr häufig und viel in der Schweiz gespielt haben. Aber immer noch zu der Zeit, als es die DDR noch gab, also vor dem 3. Oktober 1990. Die Schweizer haben uns geliebt. Aber eben hauptsächlich als DDR-Band. Ich glaube, West-Bands konnten sie nicht so richtig leiden. Ich weiß aber nicht, ob es da irgendeine Aversion gab. Ich hatte zumindest das Gefühl. So wie die Bundesdeutschen über die Schweizer sagten: "Bei den Schweizern ist das alles so piekfein und die sind pingelig", genauso haben die Schweizer über die Bundesdeutschen geredet. So habe ich das damals erlebt.

Ja, das stimmt schon so. Mit den Österreichern und den Deutschen ist es genau das Gleiche...
Ja, genau! Aber uns haben die da unten sehr geliebt. Doch als die Wiedervereinigung kam, war das auch vorbei (lacht). Das hatte jedoch noch andere Gründe, denn der Mann, der uns damals gemanagt, und uns immer in die Schweiz geholt hatte, wurde schwer krank. Er hatte damals auch Rory Gallagher gemanagt. Jedenfalls ist er kurze Zeit später leider gestorben. Das war ein Experte für die englischen Blues-Bands und hatte "Engerling" dann noch als kleines "Schmankerl" ebenfalls vermittelt. Dadurch haben wir auch auf großen Festivals zusammen mit "Rare Earth" und wie sie alle hießen spielen können.

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Im Jahre 1992 erschien die erste Scheibe von Euch auf dem gesamtdeutschen Markt. Sie wurde mit "Egoland" betitelt. Wie ist die Platte entstanden, welche Unterschiede gab es bei der Produktion zu den anderen Alben?
Die Platte war geplant und ist erst 1992 erschienen. Eigentlich sollte sie schon 1990 erscheinen...

Ach, die war praktisch vorher schon fertig und war nur in der Warteschleife?
Ja, ja! Ich weiß aber gar nicht mehr, worum es da ging. Die ist - ich glaube - dann bei SPV veröffentlicht worden, oder?

Ja, stimmt!
Genau, bei diesem Hannoveranischen Label. Und das war eigentlich ganz gut für uns, denn wenn die wie vorgesehen 1990 erschienen wäre, wäre die untergegangen. Ich glaube, damals hätte sich dafür keiner interessiert. Da waren andere Dinge wichtiger. Aber 1992 war dann schon wieder ein Punkt, wo die Leute wieder DDR-Musik gekauft haben.

"Egoland"… Was wolltet Ihr mit dem Albumtitel sagen? Einen gleichnamigen Titel auf dem Album gibt es nicht.
Wir wollten es eigentlich "Legoland" nennen, denn auf dem Album gibt es einen Titel der so heißt. Das ist aber ein geschützter Name, und unser damaliger Trommler Frieda (Friedemann Schulz, Anm. d. Verf.) hat auch zur Firma Lego hingeschrieben und angefragt, ob wir das so nennen dürfen. Die haben mit "Nein" geantwortet, sie glaubten nicht, dass wir mit diesem Lied und dem Albumtitel ihre Interessen vertreten würden, und haben das abgelehnt. Darum haben wir das "L" einfach weggelassen, und so heißt das Album jetzt "Egoland".

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Seit 1994 seid Ihr die Begleitband von Mitch Ryder. Wie kam es zu dieser internationalen Zusammenarbeit? Wie habt Ihr Mitch kennen gelernt?
Das erste Mal habe ich Mitch bei seinem legendären Auftritt im Rockpalast am 7. Oktober 1979 im Fernsehen gesehen. Im Jahre 1988 trat Mitch dann im Palast der Republik in Berlin auf. Es gab damals im Winter, Januar und Februar, immer solche Serien von Veranstaltungen, "Jugend im Palast", und da war auch Mitch Ryder dabei. Da haben wir auch gespielt, aber nicht im großen Saal sondern im Foyer. Aber unser Manager bzw. organisatorischer Leiter, Gert Leiser, hat zumindest seinen Manager kennengelernt. Ich weiß das gar nicht mehr so genau, vielleicht musste Gert die sogar ein bisschen betreuen, weil er auch Englisch konnte. Jedenfalls kam Mitch Ryder dann Ende Mai des gleichen Jahres noch einmal in die DDR und hat ein Open Air in Dessau gespielt, und Gert hat für das Konzert als Tourleiter seitens der Künstleragentur gearbeitet. So kam der Kontakt zustande. Der war aber mehr zwischen Gert und Karsten Schölermann aus Hamburg, der Mitch Ryder hier in Europa vertreten hat.
Mitch fährt mit seinem Programm zwei Schienen. Wenn er zuhause in Amerika spielt, hat er seine amerikanische Band und spielt dort nur die alten Hits aus den 60er Jahren, während er hier in Europa ganz andere Lieder spielt und höchsten drei Lieder aus der damaligen Zeit vorträgt...

...und nach wie vor neue CDs produziert...
Richtig, und die hat er immer hier in Europa gemacht. Es war dann jedenfalls so, dass die Amis die europäischen Lieder nicht richtig spielen konnten und das zum Teil wohl grottenschlecht gewesen sein muss. Das war noch Anfang der 90er Jahre. Ich kann das nicht richtig einschätzen, aber es wurden immer weniger Leute bei seinen Konzerten. Irgendwann hat Karsten gesagt: "Das lohnt sich alles nicht mehr so richtig", bis irgendjemand auf die Idee kam: "Dann nehmen wir doch Engerling, denn die spielen doch auch Songs von Mitch Ryder." Das stimmte, denn wir haben auch immer welche gecovert. Wir spielen ja nicht nur eigene Songs, sondern covern auch immer wieder mal Lieder mit viel Inbrunst und Liebe.

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Gerade fiel der Name Gert Leiser. Das ist Euer Manager und ein ganz netter Typ, mit dem wir ja schon öfter zu tun hatten. Stets bemüht und immer aktiv. Seit wann ist er Euer - wie Du so schön sagst - "organisatorischer Leiter"?
Och, Gert haben wir im Gründungsjahr 1975 kennen gelernt. Er stammt eigentlich aus Wandersleben in Thüringen. Da gibt's eine Burg, die da direkt an der Autobahn liegt, wenn man Richtung Gotha fährt. Dort auf der Burg haben die damals so ein großes Rock-, Blues- und Jazz-Festival durchgeführt, und davon war er der Veranstalter. Dort haben wir ihn auch kennen gelernt. Später hat er dann in Berlin studiert, und irgendwann haben wir ihn gefragt, ob er nicht bei uns die Geschäfte machen will. Das war damals alles etwas schwierig, denn Telefon hatten wir noch nicht. Also musste man erstmal einen finden, der Telefon hat. Dann wurden Telefontage eingerichtet, also ist er einmal die Woche dahin gerannt (lacht). Das war alles nicht so leicht, aber seitdem ist er eigentlich unser Manager. Seit August 1978...

Nochmal zurück zu Mitch Ryder: Was ist das Besondere an dieser tollen Konstellation mit Mitch, Pitti und Euch? Gibt es Dinge, auf die man sich vor den Konzerten besonders freut?
Das ist schwer zu sagen... Manche Sachen kennt man inzwischen schon sehr gut. Mitch hat einen sehr hohen Anspruch. Er möchte, dass alles nicht unbedingt perfekt ist, aber dass alle Musiker wirklich alles von sich geben. Er merkt auch sofort, wenn einer ein bisschen schläft. Er sagt immer: "Männer, ich gebe da vorne mein Bestes, das verlange ich auch von allen anderen." Solche Ansprachen werden gehalten, und da ist irgendwie die Spannung dann sehr groß, bevor man auf die Bühne geht. Ich habe dann vorher auch immer schon feuchte Hände und denke: "Oh Gott, hoffentlich machst Du heute keinen Fehler." Sowas ist bei Engerling eigentlich völlig Wurscht, wenn man sich mal verspielt. Ansonsten gibt es Titel in Mitchs Programm, die ich sehr liebe, z.B. "Freezin' in Hell" oder die langen Balladen, wo er einem auch sehr viel Freiraum lässt, und wo jeder auch mal zeigen kann, was er drauf hat...

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Also ausreichend Platz für Soli der einzelnen Musiker?
Ja, genau! Das ist schon spannend. Er ist dann ganz der Bandleader, und gibt das Zeichen für ein Solo, aber auch dann, wenn Schluss sein muss. Das ist immer sehr spannend, wenn man selbst meint, jetzt müsste Schluss sein, denn mehr ist nicht drin, und er dann immer noch dreht und das Zeichen gibt "Spiel weiter, spiel weiter" (lacht). Mich betrifft es nicht ganz so sehr, aber dafür die Gitarristen. Die müssen dann ganz schön ackern.

Bevor ich die Frage vergesse, denn die steht hier nicht auf meinem Zettel: Ihr habt immer so ein paar… ja was ist das... Glücksbringer mit auf der Bühne. Ich glaube, bei Dir steht immer so ein Engel aus Pappe da...
Nicht immer (lacht). Das war eigentlich nur ein Gag. Wir haben mal in Dortmund in so einer Art altem Ballsaal gespielt. Das war da sehr schön, und hinter der Bühne lagen diese Sachen rum, die Kuh und der Engel. Das muss wohl eine Dekoration vom letzten Karneval gewesen sein. Das hat unser Techniker Lutz einfach eingepackt, und ich habe das als Gag dann beim nächsten Auftritt dahin gestellt.

Und ich dachte, das wären jetzt irgendwelche speziellen Glücksbringer.
Nein, das ist aus einem Scherz entstanden. Die Techniker haben es danach immer wieder mit eingepackt und beim nächsten Mal wieder hingestellt.

Ich hatte vorhin schon einmal die häufigen Musikerwechsel bei Euch angesprochen. Die aktuelle Besetzung hat mit Manne Pokrandt einen Basser, der inzwischen 23 Jahre dabei ist. Hat er Christian Liebig damals abgelöst?
Ja, Manne folgte direkt auf Christian.

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Wie und woher kam er zu Euch?
Ganz früher war er bei Scirocco und der Gaukler Rockband. Als ich 1986 meine gebrochene Hand hatte und aufhören wollte, haben wir beschlossen, mit Engerling doch weiter zu machen. Deshalb habe ich einen Bassisten gesucht, und Manne wohnte bei mir in der Straße. Vom Sehen kannte ich ihn, also bin ich hingegangen und hab ihn gefragt.

Am Schlagzeug sitzt seit vier Jahren Hannes Schulze, Dein Sohn. Wie kam es dazu, dass er in die Band seines Vaters einstieg und nicht mit einem eigenen Projekt loslegte?
Er hatte vorher auch eigene Projekte. U.a. war er vorher bei MIA. Die kennst Du ja, oder?

Klar, die waren im letzten Herbst einer unserer Stargäste.
Ja, und bei MIA. hat er bis vor fünf oder sechs Jahren getrommelt. Dann fing er ein Studium als Tonmeister an der Filmhochschule in Babelsberg an, und irgendwann bekam er dann Lust, mit uns zu spielen, weil er auch Mitch Ryder gut findet. So konnte er auch ein bisschen sein Studium finanzieren und so viel spielen wir auch nicht, hauptsächlich am Wochenende. Und da hat er den Posten gerne übernommen. Neben Engerling spielt er auch noch bei Sven van Thom, ist Dir das ein Begriff?

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Ja, aus Berlin. Der war auch beim letzten Bundesvision Song Contest.
Ja, genau. Mit dem spielt er auch zusammen, und damit war er - wie Du schon sagtest - bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest.

Heiner Witte und Du - wir hatten vorhin schon darüber gesprochen - sind seit der Gründung durchweg dabei...
Durchweg, ja! Wie so'n altes Ehepaar (lacht).

Inzwischen müsstet Ihr Euch doch aus dem Eff Eff kennen. Was ist das Geheimnis dieser langjährigen und gut funktionierenden Zusammenarbeit?
Wir gehen uns nicht auf die Nerven. Ich glaube, das ist es. Wir teilen uns ja meistens auch ein Hotelzimmer, und offensichtlich schnarcht keiner von uns stark, wir trinken auch nicht sonderlich viel, was auch eine wichtige Sache ist. Man ist nicht ständig belegt und im Suff. Sowas gibt's ja auch. Deshalb besteht Mitch Ryder in Hotels auch so auf Einzelzimmern, denn seine frühere Band hat sich regelmäßig nach dem Gig betrunken und geprügelt.

Also wie man sich eine typische Rockband vorstellt...
Ja, da ging richtig der Rock'n Roll ab. Und seitdem hat er gesagt: "Jeder bekommt ein Einzelzimmer, und dahin kann sich jeder dann auch zurückziehen."

Damit sind wir auch schon am Ende. Möchtest Du abschließend noch ein paar Worte an die Leser richten?
Ich grüße alle Leser von Deutsche Mugge recht herzlich, und ich verspreche den eingefleischten Engerling-Fans, bei der Stange zu bleiben, was die neue Platte angeht. Ganz wichtig...

 

Interview: Christian Reder
Bearbeitung: kf, cr
Fotos: Archiv Engerling

   
   
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