KARUSSELL

 

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Wir sind im Jahr 2008. Zunehmend mehr Mitmenschen sagen auf Ostrock angesprochen: "Mann, das ist doch Schnee von gestern, das will keiner mehr hören!", oder fragen ganz einfach: "Was soll denn das sein?" In diesem Jahr traut sich eine der bekanntesten Bands dieses Musikstils nach mehr als einem Jahrzehnt zurück auf die Bühne: Karussell - umjubelte Rockband der späten 70er und 80er, die mit Texten wie "Ehrlich will ich bleiben", oder dem Streit zwischen Pfarrer und Lehrer um einen Jugendlichen geradezu Botschaften sandte, die deutlich wie kaum eine zweite Band Befindlichkeiten der DDR Bürger formulierte und in überaus eingängige Melodien packte. Jene Band, die mit dem Lied "Als ich fortging" einen der meistgespielten Hits des Ostrock überhaupt geschaffen hat, der ob seiner passenden Textzeilen zu DEM Wendehit schlechthin wurde, obgleich er weit vorher als Liebeslied geschrieben worden war. Karussell ist wieder da. So klang es von der Bühne. Und tatsächlich wurde die alte Gruppe Karussell Dank der charismatischen Stimme ihres alten Sängers Reinhard "Oschek" Huth spätestens beim Titel "Fischlein unterm Eis" so auf die Bühne gezaubert, als wäre sie nie weg gewesen. Dazu der vielversprechende Auftritt des neuen Frontmanns und Sängers Joe Raschke, Sohn des Bandgründers Wolf Rüdiger, der zu großen Hoffnungen Anlass gibt. Dann die Titel, die trotz ihres Alters vielfach nicht an Brisanz verloren haben. Das alles war Grund genug, dass wir uns um ein Gespräch mit der Band unmittelbar nach dem Konzert bemühten. Wir erhielten die Möglichkeit, uns ausführlich über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der alten, neuen Gruppe Karussell zu unterhalten. Das unmittelbar nach dem Konzert entstandene Interview lest Ihr hier...

 

 
Vor ein paar Stunden ging Euer erstes großes Konzert mit frenetischen Beifallsstürmen zu Ende. Wie habt Ihr es von der Bühne selbst erlebt?
Joe: Ich war sehr aufgeregt vor dem Konzert, war es doch das erste Mal, dass ich vor so einem großen Publikum aufgetreten bin. Und dann vor einem Publikum, das zu einem guten Teil auch aus Kelly Fans bestand (Karussell war an diesem Abend special guest von John Kelly und Maite Itoiz – Anm. d. Verf.), die die ersten Reihen vor der Bühne besetzt hatten, und mit dem Namen Karussell im Gepäck. Aber jetzt kann ich sagen, ich hab mich auf der Bühne selten so wohl gefühlt wie heute. Weil von Beginn an auch aus den ersten Reihen ein tolles Feedback kam. Da standen Leute zum Teil und staunten mit großen Augen und offenem Mund und haben jedes Lied geradezu aufgesogen. Sogar die jungen Leute. Es gab Momente, da hatte ich über den Augenkontakt zum Publikum die Bestätigung – das ist in Ordnung was du da singst und spielst. Das hat geradezu Wohlbehagen ausgelöst. So konnte ich immer mehr aus mir herausgehen und fand noch näher zum Publikum. Das Publikum und seine Reaktionen waren für mich wie ein Beschleuniger. War schön... (Die zwei Worte sagt Joe so ehrlich und einfach, dass man seine Freude über den Erfolg noch jetzt spüren kann).
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Jan, wie sieht das ein junger Alter? Du hast ja bereits bei Karussell in deren letzter Besetzung gespielt und die Zeiten mit dem Superhit "Als ich fortging" direkt miterlebt.
Jan: Stimmt. Ich habe zuvor bei der Band Graf gespielt und bin 1988 für Claus Winter zu Karussell gekommen. Heut wieder in dieser Band zu stehen, die in vielem, nicht nur personell, anders ist, als in der letzten Besetzung, war schon etwas ganz Besonderes. Ich freu mich über die riesige Resonanz, die unser Wiedereinstieg hervorgerufen hat. Das ist einfach alles toll. Was das heutige Konzert angeht, bin ich fast etwas überrascht, wie gut das Zusammenspiel bereits klappte. Natürlich haben wir dafür viele Stunden geprobt. Aber ein Konzert, besonders dieses, ist schon etwas anderes. Das Zusammenspiel mit Frank Endrik Moll am Schlagzeug klappt bestens und das kann der ganzen Band Rückhalt geben. Klar, dass das dann auch richtig Spaß macht.

Du standest heute fast da, von wo aus früher Wolf Rüdiger Raschke die Band leitete. Etwas unauffälliger im Hintergrund neben dem Schlagzeug. Hat die Rhythmusgruppe in der Band eine neue Rolle?
Jan: Es hat sich eben viel geändert (lacht). Unsere Musik ist wieder rockiger als zuletzt mit Dirk Michaelis. Da kommt dem Rhythmus schon eine etwas andere Rolle zu. Aber dass ich jetzt die Rolle von Wolf habe, soweit würde ich dann doch nicht gehen. (Lacht. Auch Oschek und Joe lachen und rufen flapsige Sprüche ins Protokoll, die hier nicht wiedergegeben werden müssen. Die Musiker werden zunehmend lockerer und strahlen das auch aus. Allmählich realisieren sie wohl auch, was für ein tolles Konzert sie da am Abend abgeliefert haben.) Bass und Schlagzeug sind in jeder Rockband wichtig. Und wenn das wie bei uns gut klappt, kann das nur gut sein für die Band.

Oschek, wie hast Du als Urgestein, als gestandener Musiker, der vor riesiger Kulisse auf der halben Welt schon gespielt habt, das heute empfunden?
Oschek: Natürlich war ich auch aufgeregt. Gerade weil es die Wiederkehr Karussells auf die Bühne war. Als Gründungsmitglied war ich 8 Jahre bei der Band und hab einiges erlebt. (lacht) Diese Aufregung vor dem ersten Konzert, das hört wohl nie auf, glaube ich. Bei mir kamen noch ein paar Probleme mit der Stimme dazu (man hört so zu sagen die Erkältung, ist also nicht understatement – Anm. d. Verf.). Aber schon nach den ersten Tönen hab ich gemerkt, dass ich das Problem in den Griff bekomme. Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Das Konzert hatte schon was Ergreifendes für mich. Nicht nur, weil es das Erste nach so vielen Jahren mit den alten Titeln war, auch weil es eben die tolle Stimmung gab, von der Joe sprach.

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Wenn ich Dir sage, dass es im Publikum ganz viele gab, die nach Deinen ersten Tönen sagten: "Wow! Der singt, als wäre er nie weg gewesen und hätte nie was anderes gemacht." Oder:" Das klingt wie auf den Platten." Oder: "Ja! Das ist das Original …" Einige hatten wohl auch eine Träne im Auge...
Oschek: ...dann freu ich mich sehr darüber. Aber dazu hab ich nichts getan, außer alles zu geben, damit das Konzert gut wird. Die Stimme hab ich. Sie ist eine Gabe, über die ich froh bin.
Joe: Das geht einem ja selbst auf der Bühne so. Trotz allem was man im Kopf hat – wenn Oschek das Fischlein oder andere Titel singt, und die Töne trifft (lacht), dann bekomme ich Gänsehaut. Heute nun besonders, da er die Töne wie fast immer getroffen hat (lacht), vor allem aber durch das Zusammenspiel mit Licht, Ton und Publikum. Ich hätte wohl genauso empfunden, wie die, die da staunten.

Joe, Du sprachst die Lichtshow und die Technik an. Das war grandios. Wird das so bleiben, oder war das Sache der Konzertveranstalter um die Agentur Pro Entertainment?
Joe: Die Agentur Pro Entertainment hat eine tolle Vorarbeit geleistet. Unsere Premiere mit dem Auftakt der Europatour John Kellys und Maite Itoiz zu verbinden, war eine tolle Idee und etwas ganz Besonderes. Pro Entertainment hat alles so vorbereitet, dass wir optimal loslegen konnten. Die gesamte Umsetzung in der Halle war aber unsere Sache. Was die Technik angeht, da hat Karussell ja immer gute Leute gehabt. Ich denke besonders an "Keule" Dietmar Staffe, der zu den besten in der Musikszene gehörte, was man so aus alten Tagen hört. Heute ist André Müller, genannt "Locke", dafür verantwortlich. Er war schon bei Reinhards Band "BeatClub" für die Technik zuständig. Ich hab in verschiedenen Bands Schlagzeug gespielt und war regional unterwegs. Vor allem rockige Nummern. Auch da hatte ich schon mal mit "Locke" zu tun und wusste von daher, wie gut der Mann ist. Der bekam selbst schwierige Dinge wie die Tonne der Moritzbastei oder Steinfußboden und Glaswände in den Griff. Die Lichtshow soll nach Möglichkeit so bleiben oder etwas ausgebaut werden. Ich darf mal gegen fragen: Wie kam denn der Sound im Publikum an? Hat man die Instrumente und Stimmen hören können?

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Ich fand das alles sehr gut. Die riesige Halle war so beschallt, dass man überall jedes Instrument gut hören konnte. Es kam Rockfeeling auf, ohne dass einem die Ohren vor Krach abgefallen wären. Vor dem Mischpult war der Sound aus meiner Sicht perfekt. Jede Stimme kam von da, wo sie sich auf der Bühne befand. Was will man mehr. Allerdings hab ich mich bei einigen Titeln, die ursprünglich Cäsar bei Karussell sang, gefragt: Warum ist Reinhards Stimme so dominant? War das Absicht?
Oschek: Nein ganz und gar nicht. Das muss die Technik ändern. Da Joe eine Stimmfärbung hat, die an einigen Stellen der von Cäsar ähnelt, soll eigentlich er die "Cäsartitel" tragen. Ich unterstütze nur. Wenn das anders ankam, war das nicht ganz so, wie wir das beabsichtigt hatten. Ich weiss, dass meine Stimmlage nicht so toll zu diesen Titeln passt. Zumal die eben ganz stark mit Cäsars Bluesröhre verbunden werden. Das wird ganz sicher Joes Part werden.

Oschek, Du sagst: "...wird werden.". Das heißt, es geht mit Karussell weiter. Welche Pläne gibt es?
Oschek: Zunächst werden wir einige Konzerte mit dem jetzigen, kurzen Programm hier in der Region um Leipzig spielen. Dann folgt die Tour nach Syrien. Auch danach soll es wieder auf die Bühne gehen. Deshalb arbeiten wir daran, ein volles Zwei-Stunden-Programm auf die Bühne bringen zu können. Wir erarbeiten uns also gerade noch einige Titel aus den alten Tagen. Die wollen wir auch etwas "modernisieren", eine neue Farbe rein bringen, ohne sie völlig zu verändern.
Joe: Das ist sicher auch in Ordnung, zumal es heute ja andere Möglichkeiten gibt, als damals, als die Titel zum ersten Mal eingespielt wurden. Die technischen Möglichkeiten bis zu den heutigen Instrumenten bieten da sicher Platz für Veränderungen. Für die erste kurze Zeit, es ging mit der heutigen Premiere ja Schlag auf Schlag, bleiben wir aber bei dem, was heute zu hören war. Für die Zeit nach der Tour haben wir weitere Auftritte geplant und es kommen erfreulicherweise laufend weitere Dinge noch für dieses Jahr dazu. Wir haben auch schon mal überlegt, neue Songs zu schreiben. Je nachdem wie die Resonanz ist, können wir uns vorstellen, möglicherweise auch ein neues Karussell-Album einzuspielen. Karussell ist zwar ein altbekannter Name mit erfolgreichen, bekannten Titeln. Karussell soll aber keine Nostalgieshow werden. Diese Titel sind wichtig und werden die Programme tragen, schließen Neues aber nicht aus. Doch zunächst geht es erst mal mit den alten Sachen auf Tour. Live zu spielen hat im Augenblick Vorrang. Präsenz zeigen, Erinnerungen wachrufen und dann, wenn wir uns unser Publikum wieder erarbeitet haben, wollen wir auch Neues bringen. Oschek: Wenn wir etwas Neues bringen, muss das auch Substanz haben. Karusselltitel haben immer Anspruch gehabt und an dem werden wir uns messen lassen. Ein neuer Karusselltitel muss kräftig und originell sein. Ein Titel nicht nur um einen neuen zu haben, sondern etwas mit hohem Niveau.

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Einige der bekanntesten Titel Karussells hat Kurt Demmler getextet. Stellt sich die Frage, gibt es zu ihm noch Kontakt? Wer nach so langer Zeit so wie Ihr zurück auf die Bühne stürmt, hat vielleicht auch da eine Überraschung parat?
Oschek: Demmler war schon eine wichtige Person für Karussell. Einige seiner bekanntesten Texte hat er tatsächlich für Karussell geschrieben. Mit McDonald sogar einen seiner persönlichen. Lieder von dem Niveau, das wir uns für mögliche, neue Titel wünschen. Was eine Zusammenarbeit angeht, ist es wohl viel zu früh, hier etwas zu sagen.
Joe: Sagen wir es mal so. Wir haben einen recht guten Draht zu Demmler. Eine erneute Zusammenarbeit kann für beide Seiten sehr interessant sein. Aber es gibt, außer dass man mal vor längerer Zeit mehr im Scherz als ernsthaft über dieses Thema gesprochen hat, nichts Verbindliches. Sicher gab und gibt es auch andere gute Texter, doch Karussell und Demmler war schon etwas Besonderes, hat in einigen Songs vielleicht sogar Maßstäbe gesetzt. Die Band würde sich freuen, wieder auf diesem Niveau mit ihm arbeiten zu können. Aber ob und wann es soweit ist, das ist völlig unbestimmt.

Es klang mehrfach an: Die bevorstehende Tournee nach Syrien. Wie kommt die Band dazu und was erwartet Euch?
Oschek: Das kam über Kontakte zu Syrern, die in der DDR studiert haben und heute wieder in Syrien leben. Einige sind in führenden Positionen in ihrem Heimatland und haben gute Kontakte nach Deutschland. Aber das weiss Joe vermutlich etwas besser als ich. Joe: Freunde von Wolf Rüdiger haben ein Büro für Deutsch–Syrische Kommunikation. Die haben ihn immer wieder gedrängt, über eine Tour in Syrien nachzudenken. Denn in Syrien gibt es nach deren Aussage geradezu eine Fan Szene für Ostrock. Das sind Leute, die in der DDR studiert haben und ein Stück Kultur in ihre Heimat mitgenommen haben. Dazu einige Deutsche, die dort leben. Jedenfalls haben uns unsere Freunde davon überzeugt, dass eine Tour einer Ostrockband dort gut ankommen würde. Dann haben sie die Tour, unterstützt vom syrischen Kultusministerium, für uns organisiert. Dazu kommt, dass wir gebeten wurden, als Kulturrepräsentanten zu fungieren. Das alles ist fast so unglaublich, wie die Reunion in so kurzer Zeit selbst. Aber natürlich freuen wir uns darauf. Und wir zweifeln nicht daran, dass die Tour erfolgreich wird. Schon weil es in Syrien diese Art von Bandkultur wie in Europa nicht gibt. Und Europäer sind dort auch nicht so häufig. Schon gar nicht auf der Bühne.

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Ein sehr erfolgreiches und großes Projekt des Ostrock sind die Classics. Hat sich Karussell mit dem Thema schon mal ernsthaft beschäftigt?
Joe: Nein, eigentlich nicht. Wir haben mit dem Neustart und der Tour alle Hände voll zu tun. Da war das kein Thema. Natürlich haben wir verfolgt, dass die Konzerte ein voller Erfolg waren. Aber für uns ist das zumindest in diesem Jahr kein Thema. Sollte es die Tour auch 2009 wieder geben, muss man sehen, ob wir in das Konzept passen und neben den anderen Bands mit auf Tour gehen dürfen. Konkrete Pläne oder gar Kontakte gibt es nicht. Aber vorstellen könnte ich mir das schon.

Jetzt haben wir über den Tourauftakt, Syrien und die Zukunftspläne der Band gesprochen. Fehlt eine ganz wichtige Frage. Ist Oschek schuld, dass es Karussell jetzt wieder live zu erleben gibt?
(herzliches Lachen)...
Joe: Oschek ist doch immer an allem schuld... Und dass wir wieder zusammenspielen … und wie er daran schuld ist (lachen)!
Oschek: Ich bekenne mich schuldig. (lacht)

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Wie hat Oschek das geschafft? Wolf Rüdiger Raschke ist sicher nicht so leicht zu überzeugen und irgendwie hatte man nicht den Eindruck, dass ihm ohne Band etwas fehlt.
Joe: Ganz ohne Musik - das gab es bei ihm eigentlich nie. Mein Vater hat hier im Hotel eigentlich immer irgendwas mit Musik gemacht. Irgendwann hab ich dann ja auch selbst mitgemacht. Es gab immer Auftritte vor Gesellschaften. Und im Studio hat er auch gearbeitet. Ok, das wurde weniger und beschränkte sich schließlich auf private Dinge. Und was es immer wieder gab, waren die Bluesabende hier im Haus. Da war alles was Rang und Namen hatte irgendwann mal dabei. Und kaum ein solcher Abend ging ohne gemeinsames Spielen zu Ende. In soweit gab es immer Berührungspunkte mit Musik und der Szene. Allerdings hat Vater immer wieder abgewunken, wenn es um eine neue Band Karussell ging.
Oschek: Stimmt! Als ich im vergangenen Jahr in einem Telefonat auf das Thema kam, hatte ich wohl genau den richtigen Zeitpunkt erwischt. Ob die großen und sehr erfolgreichen Tourneen der großen internationalen Bands, der Erfolg von Ostrock in classic oder das Interesse des MDR an der Bandgeschichte letztlich den Ausschlag gaben, weiß ich nicht. Auf jeden Fall merkte man, da bewegt sich was in Wolf. Joe hat auch noch ein bisschen gearbeitet (lacht) und dann stand der Entschluss fest.
Joe: Das kann ich bestätigen. Wenn man bedenkt dass es fast 15 Jahre kaum Kontakt zwischen den Bandmitgliedern gab, weil jeder seine eigenen Sachen hatte, war es wohl das richtige Wort zur rechten Zeit, das Oschek da fand. Außerdem hat mein Vater Freude daran, mit mir Musik zu machen. Wie er sagt, ist die Entscheidung, die Band wieder zu beleben, auch gefallen, weil er mich hat musikalisch wachsen sehen. Dann spielt da ein geplanter Auftritt in der Moritzbastei eine Rolle. Dort sollten wir zu zweit auftreten. 14 Tage zuvor war der bewusste Anruf Oscheks, in dem über alte Zeiten geplaudert wurde und ein Treffen verabredet worden war. So wurde aus dem Duett ein Trio. Zwei Keyboards, Mundharmonika und Gesang, dazu Oscheks Gitarre, das kam super an. Das Konzert wurde von irgendwem als Comeback verkauft. Und nachdem das durch die Welt ging, obwohl es eigentlich ja falsch war, gab es kein Zurück mehr.

Demzufolge ist die Theorie falsch, dass der Auftritt des Ein-Mann-Karussells bei Ostrock in Classic eine Rolle gespielt hat?
Oschek: Ja. Dirk hatte doch seinen Auftritt als "deutlich geschrumpfte Gruppe Karussell" angekündigt. Dazu hat er ja die Titel bei Karussell wirklich gesungen und das ist schon ok.
Joe: Genau so ist es. Viele identifizieren gerade sein Lied "Als ich fortging" mit Karussell. Er war sehr wichtig für die Band, auch wenn sein Einstieg einen deutlichen Stilwechsel mit sich brachte.

War Dirk Michaelis ein Thema als Sänger beim Neustart?
Joe: Nein. Er hat seine Karriere als Solist so entwickelt, dass er kaum noch in eine Band passen dürfte. Er ist vollkommen Solist. Mir ist auf den Samplern, die es so zu kaufen gibt, aufgefallen, dass da neuerdings öfter Dirk Michaelis und Karussell zu lesen ist, wenn "Als ich fortging" drauf ist. Ob er in die Band gewollt hätte, ich glaub es nicht. Er hat unverändert eine tolle Stimme die in jeder Band gut klingen würde, aber er war kein Thema. Zumal wir wieder back to the roots rockig auftreten wollten.
Oschek: Ich hab ihn vor drei Wochen bei seinem Konzert in Naunhof gesehen. Es hat mir sehr gefallen, aber er geht doch stärker in Richtung Chanson und das passte nun überhaupt nicht in das Konzept für die neue Band Karussell.

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Wenn wir schon bei diesem großen Hit sind, wie singt man so etwas Oschek, wenn jeder das "Original" kennt?
Oschek: Auf keinen Fall werde ich versuchen, das Original zu kopieren. Ich hab das Lied, das ja vom Publikum erwartet wurde, einfach so gesungen, wie ich es empfinde. Als Liebeslied. Die Latte, die Dirk Michaelis mit seiner Interpretation hingehangen hat, ist natürlich mächtig hoch. Aber da ich nicht Michaelis bin, konnte ich die auch nicht reißen. Natürlich gibt es Vergleichsmöglichkeiten. Es ist ja das gleiche Lied, aber kopieren will und kann ich Michaelis nicht. Ich freu mich natürlich über die Aussagen, das meine Interpretation gut ankam. Und dazu kommt, dass die Band sich nicht auf diesen einen Titel reduzieren lässt. Wir haben so viele tolle Sachen gehabt, dass dieses Lied nur eines, wenn auch mächtig bekanntes, von vielen ist. Einige stehen ihm nicht nach, sind vielleicht sogar tiefgründiger.

Da hab ich sofort die Frage, welches sind für Euch die wichtigsten Lieder Karussells?
Oschek: Zunächst muss man mal vorweg schicken, dass ich nur 8 Jahre bei der Band war. Zu den Liedern dieser Zeit hab ich eine besonders enge Beziehung. Viele hab ich ja gesungen. Die Hits, die danach kamen, sind mir etwas fremder. Wenn ich nun meine Zeit betrachte, dann spielt "Ehrlich will ich bleiben" eine besondere Rolle. Das Lied ist schlicht und einfach "ehrlich". Ein anderes wichtiges Lied ist "Zweifel". Da war ich mir mit Joe sofort einig, das muss ins Programm. Und der Dritte … Da wird’s schon schwer. Vielleicht "Halte durch". Auf jeden Fall gab es eine Reihe von Titeln mit ganz tollen, zum Teil auch frechen Aussagen.
Joe: Ein sehr schönes Lied mit einer zeitlosen Aussage ist auch "Wenn die Hähne krähn". Mir zumindest gefällt es riesig. Na und das Fischlein ist ja nun Gänsehaut pur, wenn Oschek das singt.

Jan, Du hast ja in einer Zeit bei Karussell gespielt, als die Band für viele gar nicht mehr wirklich Karussell war, weil der Rock etwas verloren ging. Wie sieht Deine Hitparade aus?
Jan: Ich hab Karussell mit Cäsar und Oschek als Schüler gehört und live gesehen. Ich war Fan. Schon von daher gefallen mir die alten Sachen besonders gut. Mir gefallen die Songs der frühen Phase heute sogar in gewisser Weise besser als das, was ich bei Karussell mit Dirk gespielt habe.

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Warum wurde eigentlich nach Cäsar der sehr erfolgreiche Stil der Band schrittweise verändert?
Oschek: Das hatte mehrere Gründe, denke ich. Nach dem Weggang Cäsars, der stärker seinen eigenen Stil in einer eigenen Band umsetzen wollte, brauchte Karussell einen adäquaten Ersatz. Schon, weil ich eine ganz andere Stimmlage als Cäsar habe und daher viele der damaligen Titel nicht wirklich glaubhaft singen konnte. Zum anderen wollten wir als Band eh etwas rockigere Titel machen. Dem kamen schon Dünnebeils Kompositionen durchaus entgegen. Er hat maßgeblich Anteil an den zweistimmigen Gitarrensätzen Karussells (McDonald, Das einzige Leben – d. Verf.). Tom Leonardt trieb den Weg in seiner kreativen Art weiter und Lutz Salzwedel war zunächst anscheinend durchaus der gesuchte Cäsarersatz. Als die beiden dann im Westen blieben, hab ich am meisten darüber gestaunt, dass Wolf überhaupt weiter machte.
Joe: Mit Dirk Michaelis kam dann ein ganz anderer Typ als die bisherigen Sänger in die Band. Er brachte zudem in hohem Maße eigene Stilvorstellungen ein und setzte sie um. Überdies waren die Stiländerungen wohl auch eine Frage des jeweiligen Zeitgeschmacks, der jeweiligen technischen Möglichkeiten und der musikalischen Entwicklung in der Band. Als Michaelis in die Band kam, war seine Art zu singen und zu spielen eben durchaus angesagt. Damit erschloss er der Band auch neue Publikumsbereiche. Dass einige, die Karussell nur als Rockband mochten, die Neuorientierung nicht tolerierten und sich abwandten, ist allerdings auch richtig.

Gibt es zu Leonhardt und Salzwedel noch Kontakt?
Joe: Nein. Das liegt vielleicht auch an der menschlichen Enttäuschung trotz aller musikalischer Qualitäten. Die Band wäre ja fast zerbrochen nach dem Weggang der beiden. Dann waren beide wohl eine ganze Weile nicht in Deutschland und haben heute ihre eigenen Sachen.

Wenn Ihr es heute seht, bedauert Ihr die Auflösung der Band?
Jan: Ich war ja direkt betroffen. Aber ich glaube schon, dass die Entscheidung richtig war. Die Ostmusik war einfach nicht mehr gefragt und von irgendwas musste man ja leben. Unsere Platte zur Wende ist wie so vieles fast untergegangen. Und die Konzerte in der Zeit waren, wenn denn irgendwer eins veranstaltete, auch nicht mehr so gefüllt, wie sie es noch bis kurz vor der Wende waren. Dazu verfolgte Dirk zunehmend Solopläne. So hat jeder zusehen müssen, dass und wie er irgendwas macht, das Geld bringt. Allerdings wurde die Band nicht sofort aufgelöst, sondern existierte lose weiter. Karussell schlief so nach und nach ein. Irgendwann haben wir das Karussell dann vorübergehend ganz angehalten. Für ‘ne recht lange Zeit, wie sich zeigen sollte.

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Zwischenzeitlich, so hab ich gelesen, hat es noch einmal einen Versuch zum Comeback gegeben. Irgendwo war sogar die Rede davon, dass Cäsar daran beteiligt gewesen wäre. Was ist an der Geschichte dran?
Joe: Stimmt und stimmt wieder nicht. Es stimmt, dass es 1994 die CD "Sonnenfeuer" gab, eine Studio CD, die mein Vater selbst produziert hat. Allerdings hat Cäsar damit nichts zu tun. Er hatte seine Band und neben gelegentlichen losen Kontakten gab‘s da nichts. Auf der CD ist mit McDonald ein Cäsartitel, aber das ist schon alles. Die CD entstand mit neuer Besetzung. Von der Vorgeschichte hat Jan ja schon erzählt. Eigene Projekte hatten die alte Besetzung quasi aufgelöst. Karussell war länger auch nicht mehr getourt. Man könnte auch darüber philosophieren, ob der CD eine klare Handschrift fehlte. Wenn die CD super gelaufen wäre, hätte man über weitere Dinge vielleicht nachdenken können, aber der Erfolg war eher bescheiden. So lag es geradezu nahe, die Band vorerst ganz aufzulösen.

Joe sprach gerade lose Kontakte zu Cäsar an. Bestehen die noch?
Joe: Ja und ob. Dass Cäsar für Karussell ganz wichtig war, steht ja nun fest. Dass ich irgendwie doch ganz schön von ihm und seiner Art zu musizieren und vor allem zu singen beeinflusst wurde, ist ein anderer Punkt. Die Kontakte sind gerade zuletzt eher besser und enger geworden. Zum Beispiel stand Cäsar bei unserem Auftritt in der Moritzbastei ganz unerwartet vor der Bühne. Es gab auch Überlegungen, Cäsar für ein paar seiner Titel heute mit auf die Bühne zu holen. Leider hat Cäsars Erkrankung durch alle Pläne vorerst einen Strich gemacht. Jetzt hoffen wir, dass er schnell wieder auf die Bühne gehen kann und dann, so denke ich, werden wir mal sehen, ob und was man gemeinsam machen kann.
Oschek: Wir können uns durchaus vorstellen, mit ehemaligen Karussellmusikern und anderen Gastmusikern gemeinsam auf die Bühne zu gehen. Doch das ist Zukunftsmusik. Wir hatten im Vorfeld des heutigen Konzerts zwar Kontakt zu vielen gestandenen und bekannten Musikern, aber gemeinsame Sachen waren da in der Regel nicht im Gespräch. Vielmehr wünschte man uns einen guten Start. Überhaupt haben wir viel Zuspruch im Vorfeld erfahren.

Joe, Du sprachst von Einflüssen auf Dich. Welche Rolle spielt Musik überhaupt für Dich?
Joe: Ich bin mit Musik aufgewachsen, kann mir eigentlich mein Leben ohne Musik gar nicht recht vorstellen. Das alles begann schon, bevor ich geboren wurde. Man sagt, ich wäre fast auf einem Karussellkonzert zur Welt gekommen (lacht). Und von klein auf hab ich zu Hause Musik und Musiker erlebt. Irgendwann hab ich selbst angefangen, Instrumente zu spielen und in verschiedenen Bands zum Spaß mitzumachen. Dazu kam, dass ich oft mit meinem Vater hier im Hotel spielte. Das ist so zu sagen meine Lehre gewesen. Obwohl ich ja gelernter Hotelkaufmann, so richtig mit Abschluss und allem, bin. Liegt ja bei dem Umfeld auch irgendwie nahe. Ja und was soll ich sonst noch sagen? Ich freu mich ganz doll auf die Gruppe Karussell und alles, was da jetzt kommt. Ich finde die Musik der Band, die es so gibt, ganz toll. Vor allem die Aussagen in den Texten. Nun freu mich riesig, dass ich sie jetzt singen und spielen darf. Noch dazu an der Seite einer solchen Stimme wie der Oscheks. Irgendwie kann ich das alles noch gar nicht glauben.
Oschek: Was Dich auch beeinflusst hat, sind die Feten, die mit Kind und Kegel in der Band gefeiert wurden (lacht)

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Und jetzt bist Du Bandleader...
Joe: Nun ja. So sehe ich mich nicht. Mir ist schon klar, dass ich ein anderes Publikum anspreche, als Oschek es tut. Allerdings muss ich die alten Fans auch erreichen. Dieser Mix aus alt und jung ist aber auch sehr reizvoll. Junge Leute anzusprechen, die Karussell so vielleicht nicht mal kannten, das ist schon eine Herausforderung. Ansonsten bin ich ein Teil der Band. Nicht mehr und nicht weniger. Dass ich ein paar Titel singe, hebt mich da nicht besonders hervor. Allerdings hatte ich schon den Eindruck, dass auch das, was ich gemacht habe, gut ankam. Bei Jung und Alt, hoffe ich. Und aus der Geschichte der Band will ich auch nur Teil der Band sein. Einen Frontmann mit Band gab‘s eigentlich nur zu Zeiten von Dirk Michaelis. Vorher war immer die Band der Star.

In der Vergangenheit war die Band nicht nur der Star, sondern sie galt einigen schon bei der Gründung als Kult. Andere lehnten sie genauso energisch ab. Dietmar weiß um eine Begebenheit, wo Claus Winter in Boltenhagen beim Renft-Titel "Besinnung" von einem Steinwurf getroffen wurde. Kannst Du Dich daran erinnern Oschek?
Oschek: Nein. Das sagt mir nichts.

Bleibt die Frage, wie hat sich die Band selbst gesehen?
Oschek: Mit Cäsar, Hohl und dazu Demmler als Texter kann ich die verstehen, die gerade anfangs Parallelen zu Renft zogen. Und unsere ersten Titel, speziell "Ehrlich will ich bleiben", taten ein übriges, meine ich. Da Cäsar und Jochen Hohl auch Lieder komponiert haben, lagen diese Vergleiche irgendwie auch nahe. Andererseits kann ich auch die verstehen, die sagten, ohne Kunert, Pannach und Klaus Renft darf man die beiden Bands keinesfalls vergleichen. Fakt ist: Wir haben zur gleichen Zeit mit ähnlicher Besetzung rockige Musik gemacht. Die Texte sprachen die gleichen Themen im gleichen Umfeld an. Die Zuhörer waren die gleichen. In beiden Bands waren Cäsars Stimme und seine Gitarre markante Merkmale. Demmlers Texte taten das ihrige zu diesen Vergleichen. Aber was wir machten, war immer etwas Eigenes, war eben Karussell und nicht Renft oder deren Fortsetzung oder Kopie. Speziell für Cäsar kann man sagen, Karussell war ein Teil seiner musikalischen Entwicklung. Und zwar ein eigenständiger, der natürlich auch auf seiner Renftzeit basierte. Dass Cäsar Karussell markant beeinflusste, ist auch richtig. Trotz dieser Parallelen halte ich wenig von den Vergleichen zwischen den Bands. Das gilt für die späteren Formationen noch viel stärker, als für die erste Formation. Karussell hat aus meiner Sicht von Beginn an, und durchaus erfolgreich, eine eigene Handschrift entwickelt. In der Band haben wir diese Vergleiche nicht gezogen, sondern immer an unserer eigenen Musik gearbeitet.

Womit wir in der Chronologie nun ganz am Anfang angekommen sind. Oschek, Du bist ja Gründungsmitglied und jemand, der noch aus der Amateurband "Fusion" stammt. Wie wurde aus den Amateuren in so kurzer Zeit die erfolgreiche Berufsformation?
Oschek: "Fusion" war regional durchaus bekannt. Als auch die Frage stand, wie geht es mit der Band weiter, kam der Zufall zu Hilfe. Cäsar und Hohl suchten eine neue Band, um überhaupt wieder spielen zu können. Viele trauten sich nicht, dauerhaft mit ihnen zu spielen, befürchteten vielleicht Probleme mit den Behörden. Uns gab’s, Rockmusik machten wir auch, Wolf traute sich und irgendwie kam man schließlich zusammen. Zwei gestandene Musiker, noch dazu von der Klasse, das konnte uns eigentlich als Band nur vorwärts bringen. Die ersten gemeinsamen Proben liefen, als wären die beiden schon immer dabei gewesen. Die ersten Auftritte waren Erfolge, so dass wir uns entschlossen, künftig gemeinsam professionell Musik zu machen. Dann ging alles sehr schnell. Die erste Single, die erste LP, erste Touren. Volle Säle und ein begeistertes Publikum. Allerdings hab ich die Berufspappe erst später erhalten, da ich zur Gründung keine abgeschlossene Musikausbildung hatte und auch nicht dazu kam, mich auf die Schulbank zu setzen.

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Karussell hat einige spektakuläre Tourneen gemacht. So habt ihr in 50 Tagen 47 Konzerte in der damaligen UdSSR gegeben, wart auf Kuba und für mich das Spektakulärste – die Uruguay Tournee. Wie klappt so etwas? Wer hat sich um die Organisation, um das Equipment und all die anderen Dinge gekümmert?
Oschek: Die Tourneen waren schon besondere Situationen. Zum Teil auch richtig anstrengend. Wenn man sich überlegt, welche Strecken zum Beispiel bei der Tour in der UdSSR zurückgelegt wurden… Die Programme standen zwar, so dass musikalisch eine gewisse Routine da war, aber jeden Tag zum Teil zwei Konzerte, das war nicht nur Vergnügen. Die Organisation war allerdings spektakulär. Immerhin hatten wir 'ne recht große Anlage, die mit uns da durchs Land zog. Es grenzte schon an kleine Wunder, dass die Anlage immer pünktlich auf der Bühne war. Organisiert war das von den hiesigen Behörden wie der KGD und umgesetzt wurde alles von den "Freunden". Die Auftrittsorte standen vorab fest. Es war nur immer die Frage, wie kommt alles von einem Ort zum anderen? Was mich immer noch erstaunt, ist, in den fast zwei Monaten unter dem Stress herrschte eine tolle Atmosphäre unter den Kollegen. Kein Streit, kein böses Wort. Es sollen Bands während so langer Touren zerfallen sein. Uns brachte das enger zusammen.

Haben da die Bandfeten eine Rolle gespielt? Karussell war ja berühmt dafür.
Oschek: (lacht) Wer weiß, zumindest wurde da auch ordentlich gefeiert. Die Leute dort wären ja sauer gewesen, wenn man sich nicht dafür Zeit genommen hätte (lacht). So kamen wir gar nicht umhin. Mir ist da zum Beispiel Ivanovo in Erinnerung geblieben. (lacht) Wir machten in unserem Quartier eine Fete. Zum einen erinnere ich mich daran, weil die, die da mit uns feierten, fast nur Frauen waren (Ivanovo hatte als Textilarbeiterstadt ein Männer/Frauenverhältnis von 1/10 – Anm. d. Verf.). Zum anderen, weil es auf dieser Fete keine Musik gab. Dafür einen Walkman mit einem Kopfhörer. Dazu wurde dann getanzt. Den einen Kopfhörer hatte er am Ohr, den anderen sie. Die drum herum waren, bekamen von der Musik fast nichts mit, aber die zwei tanzten. Wo immer gefeiert wurde, ‘nen ordentlichen Samogon gab’s überall. Den konnten wir aber nicht so richtig genießen, weil wir ja meist wenige Stunden später schon wieder ein Konzert hatten. Und in Kuba wurden wir wie zu Hause gefeiert. Sicher kannten uns da einige. Das waren open air Konzerte mit so etwa 2000 Zuhörern je Konzert. Verrückterweise kannten dort die Leute sogar unsere Texte. Ob sie sie verstanden haben, weiss ich nicht. Aber die Stimmung war jedenfalls toll. Die ganze Abwicklung lief jedenfalls reibungslos. Urugay hab ich nicht mehr miterlebt.

Ich glaube, jetzt haben wir die Bandgeschichte von gestern über heute bis morgen ziemlich ausführlich beleuchtet. Ich möchte zum Abschluss noch einmal nachfragen – was war mit dem Abstand einiger Stunden Euer persönliches highlight während des Konzerts?
Joe: Das ganze Konzert war einfach überwältigend. Das mitgehende Publikum, die Wunderkerzen und, und, und … Etwas ganz Besonderes war für mich auch das Finale mit John und Maite. Dieser bombastische Titel hat schon was. Das werden wir nicht jeden Tag in der Form auf der Bühne machen. Das hat Spaß gemacht, genau wie die Gespräche nach dem Konzert oder auch die ausgiebige Autogrammstunde.
Oschek: Das Konzert an sich war wirklich ergreifend. Nach so vielen Jahren … Und dann hat mich besonders gefreut, dass man das Gefühl hatte, das Publikum akzeptiert uns als normale Menschen, die eine Geschichte zu erzählen haben. Natürlich habe ich mich über den Überraschungssbesuch meines "privaten Fanclubs" auf der Bühne sehr gefreut. Der kleine Blumengruß für jeden Musiker auf der Bühne von meiner Kolleginen, die dazu das ganze Konzert auch noch richtig mitgegangen sind, das hat mich schon sehr berührt.

Für mich hat sich der Kreis geschlossen. Meine Fragen habt Ihr geduldig beantwortet. Dafür danke ich Euch. Ich wünsche Euch eine ganz tolle Tour hier in der Region in den nächsten Wochen und dann in Syrien. Für die nähere Zukunft wünschen wir uns ein großes Konzertprogramm in dem gern auch ein paar neue Titel sein dürfen. Euren Weg werden wir aufmerksam verfolgen und so es etwas neues gibt, auch gern wieder darüber berichten

 

Interview: Fred Heiduk
Vorbereitung: Dietmar Meixner & Fred Heiduk
Bearbeitung: kf, cr
Fotos: Dietmar Meixner, Patricia Heidrich, Karussell

 


 

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