RAINER OLEAK

 

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Rainer Oleak, geboren 1953, ist Musiker, Komponist und Produzent mit einem eigenen Studio vor den Toren von Berlin. Er absolvierte eine Ausbildung an der Musikhochschule "Hanns Eisler" Berlin, studierte Klavier, Komposition und Tonsatz, und an der Technischen Universität Dresden außerdem Elektronik und Raumakustik.
Seine ersten musikalischen Sporen verdiente er sich als Mitglied der Gruppe NEUE GENERATION, die er 1979 in Richtung NEUMIS ROCK CIRCUS verließ. In der Band war er bis 1984 Keyboarder, und verantwortlich für die Klangteppiche sämtlicher Titel von NRC. Nachdem Neumi, der Kopf der Gruppe, im Jahre 1984 einen Ausreiseantrag stellte (er wollte die DDR verlassen), bedeutete das gleichzeitig auch das Aus für die Kapelle. Nur knapp ein Jahr später gründete er die Gruppe DATZU, die neben einer Vielzahl schöner Songs auch einige neue Künstler hervorbrachte. DATZU war sehr erfolgreich, und so spielte die Band gut besuchte Tourneen im eigenen Land, Russland, Kuba, Österreich und Frankreich. Mit dem Ende der DDR löste sich auch DATZU auf, und Oleak konzentrierte sich fortan auf seine Arbeit als Filmkomponist. Bei über 300 Fernseh- und Filmmusiken wirke er als Komponist und Produzent mit. Zu erwähnen sind hier wohl seine Arbeit an "Wolffs Revier", "Cobra 11-Die Autobahnpolizei", "Die Eisprinzessin" und "Der Himmel kann warten". In den letzten beiden Jahren war Rainer Oleak mit der Produktion der Titel für die Ostrock in Klassik-Aktion beschäftigt. Die CD und die DVD sind inzwischen ein richtiger Verkaufsschlager geworden, und die Tour geht in diesem Jahr bekanntlich in die zweite Runde.
Das alles sind nackte Fakten und Zahlen. Doch wer ist der Mensch Rainer Oleak? Wie kam er zur Musik und wie hat er seine Karriere bis heute erlebt? Fragen, auf die wir in einem Gespräch mit ihm umfangreiche und ausführliche Antworten bekommen haben...

 

Hallo Rainer, danke, dass du zwischen deiner Arbeit Zeit für uns gefunden hast. Zurzeit steckst du ja mitten in den Vorbereitungen für das diesjährige Ostrock in Klassik, wie geht es voran?
Ja, es geht gut voran. Ich habe mich mittlerweile mit den beiden neuen Mitgliedern getroffen, die dort mitmachen. Das sind Dirk Zöllner und IC Falkenberg. Sie haben beide ihre Songs hier im Studio bei mir eingespielt, und jetzt werde ich das Orchester dazu arrangieren. Ende Mai werden wir ein paar Proben dazu machen, und dann suchen wir noch ein Stück, was wir gemeinsam singen können, sozusagen was dann vom Orchester und den einzelnen Solisten aufgeführt werden soll.

Fangen wir mal am Anfang an: du hast an der Musikschule "Hanns Eisler" Klavier, Komposition und Tonsatz studiert, später dann an der TU Dresden Elektronik und Raumakkustik...
Das ist nicht ganz richtig, andersrum: Ich habe erst Messtechnik und Raumakkustik studiert und dann an der Musikhochschule Musik.

...hat es dich damals schon mehr in Richtung Produktion gezogen?
Ne, eigentlich nicht. Ich hab' ja auch Komposition studiert, wollte immer in die Richtung Komposition. Ich hatte dann ja auch eigene Bands und habe mit denen eigene Kompositionen aufgeführt. Das mit der Produktion hat sich dann dadurch ergeben, dass ich angefangen habe, auch für andere Leute zu arbeiten, habe Arrangements gemacht und andere Gruppen geführt, die als Begleitbands unterwegs waren. Dadurch hat sich das dann fließend ergeben. Ich habe mich dann immer mehr für Studiotechnik interessiert, und für das Produzieren über das Arrangement eigentlich. Dadurch hat sich das dann in diese Richtung entwickelt.

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1977 bist du als Keyboarder bei der Gruppe "Neue Generation" eingestiegen, war das deine erste Band?
Ja, das war meine erste Band, weil ich ja bis 1978 noch an der Technischen Universität in Dresden studiert habe.

Im Jahre 1979 hat die Amiga eine LP von "Neue Generation" herausgebracht, warst du damals schon an der Produktion beteiligt?
Ja, da war ich schon mit dabei, und da habe ich sogar ein Stück mit drauf, "Sie ist wie Wind", der ist von mir.

Im gleichen Jahr, 1979, löste sich die Gruppe auf, und du hast dich mit einigen Mitgliedern und Hans-Joachim Neumann zusammengeschlossen, um die Gruppe "Neumis Rock Circus" zu gründen. Kann die Band als Nachfolgegruppe von "Neue Generation" angesehen werden?
Im weitesten Sinne schon, weil die gesamte Band am Anfang Neumi als Sänger dazu nahm, aber das ging eben nur drei Monate gut, dann hat sich die Band eigentlich neu formiert.

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"Neumis Rock Circus" hat 1981 die erste und einzige Langspielplatte veröffentlicht, produziert von dir. Das war ja nicht üblich, dass Bandmitglieder die Produktion übernahmen, wie kam es dazu?
Das ist jetzt nicht ganz richtig formuliert, denn eigentlich haben wir alle zusammen die Platte produziert. Und den Begriff "Produktion" gab es im Osten ja gar nicht. Man hat damals Arrangements gemacht... man hat sich sozusagen überlegt, wie das Ding klingen sollte. Der von der Amiga bestellte Produzent hatte inhaltlich eigentlich wenig zu sagen und wenig Anteil daran, was dann auf Platte kam. Der suchte nur die Stücke aus und ließ die Bands mehr oder weniger ihre Arrangements machen. Insofern waren das immer Kollektivprodukte von allen Beteiligten. Jeder dachte sich was zum jeweiligen Lied aus, jeder probierte etwas, und so entstanden diese Produktionen in gemeinschaftlicher Arbeit der Bands. Das war damals eigentlich allgemein üblich, bei fast allen Bands. Dennoch gab es auch Ausnahmen, wie z.B. Karat, wo das künstlerische fest in der Hand von Ed Swillms lag.

Wie waren die Produktionsbedingungen zu der Zeit?
Die Bedingungen waren damals für uns denkbar schlecht. Die Platte von Neumis Rock Circus war z.B. ein Sammelsurium von Titeln, die an unterschiedlichen Plätzen aufgenommen wurden. Einerseits im Berliner Rundfunk, und einen Titel hatten wir sogar privat in einem kleinen Privatstudio beim damaligen Schlagzeuger der Puhdys aufgenommen. Diese Nummer haben wir dann noch mal gemacht,... das war der Clown, die bekannteste Nummer von Neumis Rock Circus. Und so kam auf die Platte dann ein Sammelsurium von an unterschiedlichsten Produktionsstätten hergestellten Liedern. Wir hatten eigentlich nicht die Möglichkeit, alle Titel in einem inhaltlichen Guss bei Amiga aufzunehmen, sondern wir waren da in mehreren Studios zu Gange, und das im Verlauf von knapp drei Jahren.

Neumi hatte einen Ausreiseantrag gestellt und verließ 1983 die DDR, was das Ende der Band bedeutete.
Wir haben uns 1984 aufgelöst und Neumi hat dann 1986 das Land verlassen. Er hat den Ausreiseantrag 1984 gestellt und daraufhin lösten wir uns dann auf.

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Ihr habt als Band also vorher davon gewusst?
Ja klar.

Hast du dich selbst mit diesem Gedanken getragen?
Ich hatte nie den Gedanken, ins Ausland zu gehen, weil ich ja schon von allen wusste, die ins Ausland gingen, denn ich kannte ja Kollegen, die ins Ausland gegangen sind, dass die ja letztlich ihre Heimat verloren haben, ihre Freunde und Familie und eigentlich niemals so richtig die Möglichkeit hatten, zurückzukehren. Und da hatte ich große Angst vor, weil ich hier ja schon sehr basiert war, ich schon einen Sohn und eine Familie hatte. Ich wollte einfach nicht sämtliche Türen hinter mir zuschlagen. Ich wäre wahrscheinlich im Westen völlig vereinsamt, und dazu hatte ich keinen Bock.

Das ist verständlich...
Ich sag's mal so: viele haben mich ja gefragt, warum wir damals nicht in den Westen gegangen sind. Aber wenn man den Gedanken mal konsequent bis zu Ende denkt, dann würde in Sibirien kein Mensch mehr wohnen.

Ein Jahr später hast du dann deine eigene Band gegründet: "Datzu". "Neumis Rock Circus" war ja eher humoristisch ausgelegt, welche musikalische Richtung wolltest du mit "Datzu" einschlagen?
Naja, da gab es eigentlich zwei Sachen. Zum einen war Neumi ja ein unglaublicher Frontmann, der sehr stark war. Zur damaligen Zeit war das natürlich ein Ausnahmetalent. Jetzt hatte ich danach natürlich das Problem, eine Band zu gründen, für die man wieder so einen starken Frontmann bekommt. Die guten Leute waren natürlich an andere Bands gebunden. Eine neue Band mit einem guten Frontmann anzufangen war sehr schwierig. Und dann hatten wir bei Rockpalast mal 'ne Band gesehen, die hieß "Kid Creole and the Coconuts". Da dachten wir, dass das vielleicht ne Richtung wäre,... bisschen funkige Musik zu machen mit zwei Frontleuten, einer Frau und einem Mann, die eigentlich vorne so showmäßig ein bisschen einen Unterhaltungscharakter haben. Meine Überlegung war, so eine Art Show-Funk-Band zu machen, das war die Absicht. Das hat sich mehr oder weniger realisiert, da kann man heute drüber streiten, ob sich das so realisiert hat, wie wir uns das vorgestellt haben, aber zumindest war das die Absicht.

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"Datzu" hatte ja drei Sängerinnen, Ines Paulke, Anke Schenker und Anett Kölpin, die ersten beiden haben nach "Datzu" eine erfolgreiche Solokarriere begonnen. War die Band quasi das Sprungbrett dazu?
Das kann ich so nicht beurteilen. Ich glaube, dass die beiden Sängerinnen sehr talentiert waren, und dass wir sie vielleicht ein Stück bei der Ausarbeitung ihres Talents begleitet haben. Das heißt, in der Zeit, wo sie bei Datzu waren, konnten sie natürlich reifen und hatten die Möglichkeit, dann nach der Datzu-Band als gereifte Künstlerinnen solo Karriere zu machen. Ob das jetzt das Sprungbrett war...?! Es passte einfach zeitlich gut zusammen.

Unter dem Namen "Nanu" seit ihr als Begleitband für Frank Schöbel aufgetreten, wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Das hing damit zusammen, dass ich ja Frank Schöbel schon sehr früh kennengelernt habe, und zwar genau 1983 mit Neumis Rock Circus, als wir beim Schlager-Festival in Dresden teilgenommen haben, wo wir damals auch alle Preise gewonnen haben. Ich hab ihn da kennen gelernt, wir haben uns angefreundet, und ich fing an, für ihn zu produzieren, zu arrangieren und auch Titel zu schreiben. Irgendwann kam dann der Gedanke auf, man sollte doch eine neue Band machen. Er hatte damals keine Band und wollte nur mit einer neuen Band auf Tour gehen. Ich habe gesagt, ich würde es gerne machen, aber ich kann nicht gleichzeitig in zwei Bands spielen, sondern man müsste dazu irgendwie eine Band haben, weil das sonst nicht zu organisieren ist. So entstand dann, dass man das Management teilt - das war der Rolf Henning damals -, dass man beide Bands gemeinsam managt und dass man unter einem anderen Namen diese Band zur Begleitband von Frank Schöbel macht. Und so ist das entstanden. Eigentlich aus einem ganz praktischen Hintergrund.

Handelte es sich dabei um die gleiche Besetzung, also auch mit Sängerin?
Nein, die Sängerin war da nicht mit dabei. Wir wollten nicht, dass es da zu einer Vermischung kommt, und die Solisten von Datzu nur im Background stehen. Deshalb haben wir das getrennt.

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Im Jahre 1985 hast du für Frank Schöbel sein Weihnachtsalbum "Weihnachten in Familie" produziert, wahrscheinlich einer der Weihnachtsklassiker der DDR überhaupt. War das ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit?
Diese Information ist so nicht richtig, denn das hat Uli Mann gemacht. Das habe ich nicht produziert. Ich hab das damals blöderweise abgelehnt, es zu machen. Das war ja auch vor meinem Musikstudium, und ich fühlte mich damals noch nicht inhaltlich dazu in der Lage, diese Aufgabe zu stemmen, weil ich dachte, das Ganze sollte sehr klassisch und auf eine sehr weihnachtliche Art produziert werden. Ich fühlte mich damals noch nicht reif genug, solch eine Produktion durchzuführen. Letztlich hab ich aber als Musiker auf der Platte viel eingespielt, und dann habe ich es doch ein wenig bereut, es nicht gemacht zu haben.

Hat diese Parallelband Deine eigentliche Band "Datzu" weiter gebracht?
Nein! Wenn man das aus heutiger Sicht sieht, hat es uns wirklich nicht weiter gebracht.

Nach dem Weggang von Ines Paulke hat sich die sonstige Besetzung auch geändert. Unter anderem kam Ingo Politz dazu, der auch schon bei "Neumis Rock Circus" gespielt hat, und heute ebenfalls ein erfolgreicher Produzent ist. Habt ihr euch gegenseitig beeinflusst im Hinblick auf eure heutige Produzententätigkeit?
Also ich denke schon. Ganz sicher, weil wir haben ja sehr viel Zeit und musikalisch gesehen unsere wilden Jahre, unsere Jugendjahre, miteinander verbracht, und haben musikalisch einen sehr ähnlichen Geschmack aufgebaut. Wir haben ja vier oder fünf Jahre in einer Band zusammen gespielt und dann auch bei Datzu. Ich denke schon, dass wir uns gegenseitig sehr beeinflusst haben, wobei Ingo natürlich ein völlig anderer Mensch ist und jetzt im Laufe der Jahre eine andere Richtung eingeschlagen hat. Aber wir sind gut befreundet und ich akzeptiere, was er da tut.

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1989 ist von "Datzu" die LP "Bist du noch wach" erschienen, hatten sich die Produktionsbedingungen in der Zwischenzeit geändert?

Ja, die haben sich massiv geändert. Wir hatten z.B. zu dieser Produktion von "Bist du noch wach" die Möglichkeit, alles in einem Zuge, mit einem künstlerischen Bogen, zu produzieren; und wir haben damals auch die Möglichkeit gehabt, ein paar Stücke in einem Privatstudio aufzunehmen, was für die ehemalige DDR ein Novum war, dass man in Privatstudios produzieren konnte. Das war damals bei Klaus Schmidt, der ein eigenes Privatstudio hatte (siehe auch unsere Rubrik "Zeitzeuge", Anm. d. Red.), und da hatten wir sehr viel Zeit und sehr viele Möglichkeiten, uns kreativ auszuprobieren und ohne Zeitdruck kreativ zu produzieren. Zeitdruck, der ja damals im Osten herrschte, da man ja eine Studiozeit gebucht hatte. In der Zeit konnte man arbeiten, und im Privatstudio konnte man eben viel länger an bestimmten Sachen fummeln. Wir mussten ja auch erstmal unsere Erfahrungen sammeln.

Ebenfalls 1989 hat sich "Datzu" aufgelöst. Ist das in Folge des Wendegeschehens passiert oder hatte es andere Gründe?
Ich habe ja schon ein Jahr vorher die Band verlassen, weil ich mich eigentlich mehr der Filmmusik und Produktionen widmen wollte, und das Bandgeschehen als solches nicht mehr mein Interesse war. Ich wollte mehr mich selbst künstlerisch weiter entwickeln, weiter verwirklichen... und da hat mich dann das Interesse an der Band verlassen. Die Band existierte dann noch ein Jahr weiter, Ingo Politz hatte dann die künstlerische Leitung übernommen und ich glaube, während der Wende hat dann alle irgendwie die Lust verlassen, oder sie haben sich dann aufgrund der Wende aufgelöst, das weiß ich nicht mehr ganz genau, weil ich da selbst schon weg war.

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Seitdem bist du erfolgreich als Produzent tätig. Wann kam für dich der Punkt, an dem du das Musikerdasein an den Nagel gehängt hast und nur noch als Produzent tätig sein wolltest?
Das ist nicht ganz richtig, weil ich eigentlich mehr Filmkomponist als Produzent bin. Ich arbeite seit 1992 hauptsächlich in der Filmmusikindustrie, produziere und komponiere seitdem Filmmusik und bin da natürlich massiv als Musiker unterwegs, weil ich ja viele Sachen in meinem eigenen Studio auch aufnehme, einspiele, produziere und hier zusammenbaue. Als Produzent bin ich eigentlich ganz selten unterwegs, eigentlich jetzt erst wieder bei Ostrock in Klassik und bei den beiden Puhdys-Platten. Einmal die Weihnachtsplatte und die "40 Jahre Puhdys", die jetzt erscheinen wird. Die produziere ich beide. Aber meine Haupttätigkeit ist eigentlich die des Filmkomponisten. Ich war auch Mitte der 90er Jahre im Trio mit Angelika Weiz und René Decker als Musiker unterwegs. Wir haben viele Konzerte gemacht, und jetzt bin ich eben mit Ostrock in Klassik als Musiker unterwegs, und mit den Puhdys und auch mit Günther Fischer. Insofern ist meine Produzententätigkeit nicht meine Haupttätigkeit.

Was war für dich der Grund, hauptsächlich Filmmusiken zu machen?
Ich habe ja 1979 schon mal Filmmusik gemacht, und ich fühlte mich zur dramaturgischen Musik immer hingezogen. Mir hat das schon immer großen Spaß gemacht. Ich habe - wie gesagt - 1979 meine erste Filmmusik gemacht, das hat sich dann über die Jahre immer mehr entwickelt und verdichtet und 1989/1990 konnte ich dann davon leben. Da wurden die Aufträge immer mehr und ich fing dann 1991 an, hauptsächlich davon zu leben. Dann habe ich 1994 noch die zweite Weihnachtsplatte von Frank Schöbel produziert, die hieß "Fröhliche Weihnachten in Familie", 1994 habe ich die Kürmusik für Katharina Witt für die Olympiade in Lillehammer komponiert und produziert. So hat sich das dann entwickelt.

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Wie schwer war es, in der Nachwendezeit Fuß zu fassen, und wie hast du damals Aufträge für Produktionen und Kompositionen bekommen?
Ich hab sehr viel Glück gehabt, muss ich sagen. Ich habe damals schon viele Verbindungen und Freundschaften gehabt, auch zu Regisseuren, und diese haben im Westen relativ schnell Fuß gefasst, haben sehr schnell Aufträge bekommen und haben mich dann mitgezerrt und mich den Leuten vorgestellt. Ich hatte dann schon gleich die Möglichkeit, Filmmusiken zu machen. Dadurch habe ich die Wende eigentlich im positiven Sinne für mich bemerkt. Ich hatte also nicht so ein tiefes Loch oder Ausfall, sondern ich hatte unheimliches Glück, dass ich gleich arbeiten und auch gleich als Filmkomponist weiterarbeiten konnte.

Hast du aus der Zeit, als du noch in Bands gespielt hast, noch Kontakte zu anderen Musikern und Produzenten, mit denen du heute noch zusammenarbeitest?
Ja natürlich. Also erstmal ist es ja so, dass wir uns im Osten fast alle irgendwie gegenseitig kennen und viel miteinander zu tun haben. Für die Produktion Ostrock in Klassik hatte ich ja auch wieder mit allen zu tun. Ich habe mit Ed Swillms, mit Karat, mit allen Leuten hier gesessen und produziert. Ich hatte auch 2000 nochmal mit Karat zu tun, als sie ihre Glocke 2000 produziert hatten; ich hatte 1999 mit den Puhdys zu tun, als sie ihre Best Of gemacht haben, da habe ich einen Titel produziert, hatte bis 1997 viel mit Frank Schöbel zu tun, habe noch bis heute mit dem Wolfgang Lippert zu tun, denn ich komponiere schon seit 2000 für die Störtebecker-Festspiele in Ralswiek, wo ich jedes Jahr fünf Lieder schreibe; ich habe mit Ingo Politz zu tun, für den arbeite ich manchmal, und ich habe ein paar Orchester Arrangements für Silbermond gemacht. Ich habe mit vielen Musikern noch Kontakt. Irgendwie ist es ja so, dass wir uns alle untereinander kennen und auf die ein oder andere Art miteinander zu tun haben.

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Wenn du die Musik zu einem Kino- oder Fernsehfilm produzierst und komponierst, wie läuft das ab? Kennst du zu dem Zeitpunkt den Film schon oder nur das Script?
Das ist nicht so einfach zu sagen, denn das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Filme, da muss man mit dem Script arbeiten, da bekommt man ein Drehbuch und erfindet Musik, die schon zum Dreh mit verwendet wird. Und dann gibt es eben Filme, da fängt man erst an zu arbeiten, wenn der Film fertig ist. Meistens ist es so, dass man unter Zeitdruck arbeitet, weil die Fertigstellung des Filmes für den Produzenten eine wichtige Angelegenheit ist, weil die von der Finanzierung abhängig ist. Aber meistens ist es schon so, dass wenn ich für's Fernsehen arbeite, ich einen Film bekomme, wenn er schon fertig ist, und ich dann darauf meine Musik montiere.

Kommt der Auftraggeber da schon mit konkreten Vorstellungen oder kannst du dich da austoben?
Auch das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Auftraggeber, die haben sehr konkrete Vorstellungen. Da liegt dann meist auch schon eine Template-Musik bei. Die nenne ich so, weil da dann eben Musik aus anderen großen Filmen hingelegt, und dann als Ausgangsbasis benutzt wird. Oder es gibt auch Regisseure, die sagen "Schlag mal was vor", "Mach mal was", und dann kann ich völlig frei was vorschlagen. Das ist mir natürlich die liebste Variante.

Wie entstehen solche Filmmusiken? Arbeitest du mit Samples oder mit echten Musikern?
Bei mir ist das so, dass ich so viel wie möglich versuche, echte Musik zu machen, da das mit den Samples immer schwierig ist. Die sind einfach doch ein bisschen tot. Ich selber spiele hier viel Klavier, Gitarre und nehme sehr viel Percussion selbst auf, und hol mir dann auch noch andere Musiker dazu, die die Instrumente spielen, die ich nicht spielen kann. Vieles mache ich auch mit Orchester. Ich habe gerade eine große VW-Werbung gemacht, wo ich dann natürlich erstmal mit Samples was herstelle, was ich dem Auftraggeber vorstellen kann, damit er sozusagen eine Vorstellung davon bekommt, was ich da komponiert habe. Und wenn das dann inhaltlich abgenommen ist, werden dazu Partituren erstellt und mit dem Filmorchester - oder welchem Orchester auch immer - aufgenommen. Dann erst wird das richtig produziert. Das ist natürlich auch immer eine Geld-Frage, weil diese Produktion natürlich sehr teuer ist.

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Wenn du so viele verschiedene Musiker produzierst, dann gibt es doch sicher auch Differenzen zwischen den Musikern und dir als Produzenten. Wie gehst du damit um? Oder haben die Musiker bei dir nichts zu meckern?
Natürlich ist das so, denn Musiker sind Individualisten. Individualisten heißt natürlich immer auch, dass sie eine sehr spezielle Meinung haben und immer versuchen, sich von anderen Musikern und Künstlern abzusetzen. Die Kunst des Produzenten besteht nun darin, diese Eigenarten rauszuarbeiten und sozusagen rauszuschälen. Wenn man das gut hinkriegt, dann ist der Künstler auch zufrieden. Wenn der Künstler sich allgemein behandelt fühlt, also sich nicht irgendwie speziell auf seine Stärken hin gefördert fühlt, dann kommt es natürlich zu Differenzen, dass ist ganz klar. Und manchmal ist es eben so, dass Künstler sehr offen sind, oder manchmal eben nicht so sehr offen sind. Ich muss sagen, dass ich bis jetzt mit den Künstlern immer ganz gut klar gekommen bin, weil ich eben selber Musiker bin und mich ganz gut in die Stärken, die sie haben, einfühlen kann. Mit Musikern, mit denen man nicht so gut klar kommt, macht man dann eben das Projekt fertig und dann sieht man sie nie wieder.

Du produzierst ja auch deine Frau Carmen, die für Kinder auch als Carmen Hatschi auftritt. Wie ist das, wenn man mit seiner Frau so eng zusammen arbeitet? Geht man sich da nicht irgendwann auf die Nerven?
Oh, das ist schwer (lacht)... Das ist wahrlich schwer! Ich kenn' eigentlich keinen, der mit seinem Partner arbeitet und sagt: "das ist leicht". Natürlich ist das sehr schwierig, weil eben das Private und die Arbeit sehr schwer zu trennen sind. Das heißt, man muss da sehr sensibel mit umgehen, teilweise nimmt man dann noch einen Assistenten dazu, oder jemanden, der einfach mit dabei ist, um einfach bestimmte Spannungen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Aber was soll man tun, wenn man was Gutes zusammen machen will? Das ist ja das Wollen von beiden, dann muss man sich halt zusammenreißen für so was.

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Was waren deine letzten Projekte, und was steht als nächstes an?
Mein letztes Projekt war eben Ostrock in Klassik, das ist ja sicherlich bekannt. Dazu ist eine CD und eine DVD erschienen. Die DVD haben wir zu Weihnachten veröffentlicht; momentan sitze ich seit Januar mit Maschine und den Puhdys zusammen, um die CD zu produzieren, die zu 40 Jahre Puhdys erscheinen wird. Dann sind wir jetzt in den Vorbereitungen für Ostrock in Klassik, ganz klar,... außerdem bin ich in den Vorbereitungen für eine Tournee mit Günther Fischer. Auch so eine Sache, denn wir haben ja Filmmusiken gemeinsam gemacht. Jetzt bereiten wir Filmmusiken gemeinsam vor, die wir dann zur Aufführung bringen wollen. Dann bin ich gerade dabei, für die Störtebecker Festspiele im Sommer vier neue Lieder zu schreiben, die über den Sommer dann dort laufen werden. Außerdem habe ich gerade einen Kinofilm fertig gestellt, der heißt "Schattenwelt", eine RAF-Geschichte, sozusagen eine RAF-Aufbereitung. Regie macht Connie Walther. Einen weiteren Film ich gerade fertig gestellt, "Die Blücherbande". Einen Fernsehfilm. Das ist eine, ich will mal sagen, Krimikomödie über drei Gauner. Morgen fahre ich nach Gera zum Kinderfilmfestival, weil ich da einen Film gemacht habe: "Frau Holle". Also ein ganz klassisches Märchen, womit wir im Wettbewerb sind, und was ich sehr schön finde. Ja, und dann läuft gerade im Fernsehen von mir die Serie "Tierärztin Dr. Mertens". Im Sommer wird noch eine andere Serie laufen, "Die Stein", das ist eine Lehrerin-Serie. Und zum Jahresende kommt dann auch wieder "Robbie", das ist eine Serie beim ZDF, die auf Rügen spielt. Das ist erstmal das, was mir so einfällt.

Du scheinst ja ganz schön in Arbeit zu stecken!
Ja, ich hab ne Menge zu tun, so ist es nicht. Langeweile hab ich keine!

Letztes Jahr gab es ja, wie schon erwähnt, Ostrock in Klassik. Dazu hattest du die Arrangements geschrieben und die CD und DVD produziert. Aber von wem kam eigentlich die Idee zu solch einem Projekt?
Die Idee dazu kam letztendlich vom Management der Puhdys, das war der Auslöser. Wir haben ja im Jahr vorher schon mal einen Testballon steigen lassen, und zwar gab es auf dem Gendarmenmarkt eine Veranstaltung, die hieß schon "Classic Open Air". Die gibt es jedes Jahr, und dort kam die Idee: "Okay, lass uns mal die Rockbands zusammen fahren und gucken, wie die Leute reagieren". Ich hab damals schon die Arrangements für die Puhdys gemacht, vier oder fünf Lieder, das war ein sehr großes Experiment. Ich weiß noch, dass damals die Eisbären auf große Ablehnung stießen, als man vorschlug, den Titel mit Orchester zu machen. Die Veranstalter haben sich vehement dagegen gewehrt. Ich hab gesagt, "wartet doch erstmal ab, bis das Arrangement fertig ist und hört es euch doch erstmal an!". Zum Schluss kam es dann sehr gut an, und diese Veranstaltung lief so erfolgreich, dass wir uns überlegt haben, im darauf folgenden Jahr mit ein paar Bands und einigen Einzelkünstlern ein Einzelprojekt auf die Beine zu stellen. Wir wussten natürlich nicht, dass das so erfolgreich wird, aber die Gendarmenmarkt-Veranstaltung hat uns einfach großen Mut gemacht, und letztendlich sind wir dann hingegangen und haben es gemacht. Dazu sollte dann auch eine CD kommen. Die war natürlich auch ein Risiko, ist aber sehr erfolgreich gelaufen.

In der Vergangenheit haben sich schon mehrere Künstler an solch einem Crossover-Projekt mit Orchester versucht, z.B. die Scorpions mit den Berliner Philharmonikern, die aber auch schon mit dem Babelsberger Filmorchester zusammen aufgetreten sind. Hast du dich von solchen Projekten inspirieren lassen?
Ne, eigentlich nicht. Was mich sehr beeindruckt hat, und was ich ganz toll fand, war eine Doppel-DVD von Metallica und dem San Francisco Symphony Orchestra unter Michael Nyman. Das war aber schon, bevor ich die Sache auf dem Gendarmenmarkt gemacht hatte. Die haben eine Sache gemacht, die mich schwer beeindruckt hat und die ich ganz toll fand. Und dann hab ich aber trotzdem gedacht, dass man das nicht klassisch machen sollte, sondern dass man sich die Stücke vornimmt, anguckt und dann versuchen sollte, aus den Stücken das Beste herauszuholen. Und dazu dann versuchen, ein Orchesterarrangement zu bauen.

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Wie Eingangs erwähnt gibt es dieses Jahr eine Neuauflage von Ostrock in Klassik mit leicht veränderter Besetzung. Wird es das gleiche Programm wie letztes Jahr sein, mal abgesehen von IC Falkenberg und Dirk Zöllner?
Da kann ich noch gar nichts zu sagen, das ist noch in der Diskussion. Das ist noch nicht richtig durch. Wir sind gerade dabei, das Programm zusammen zu bauen, und da sind wir noch am Überlegen.

Wird es Veränderungen in den Arrangements geben, die sich im Nachhinein z.B. als praktischer erwiesen haben?
Nein, das glaube ich nicht. Die Arrangements zu den einzelnen Stücken werden bleiben, weil das ja auch sehr aufwändig ist, da noch was zu verändern. Das sind ja 70 Musiker, die das spielen. Wenn man die Arrangements ändert, muss man die von 70 Musikern ändern, und das ist wahnsinnig aufwändig. Wir haben die Arrangements ja auf der CD, und ich glaube, dass die Leute auch gerne das hören wollen, was sie von der CD kennen. Also, wir werden da doch sehr stark dabei bleiben.

Für all diejenigen, die auf eine neue CD zu diesem Projekt warten: Wird es da was Neues geben?
Dieses Jahr leider nicht. Ich habe ja vorhin mein Arbeitspensum mal kurz aufgezählt. Das heißt, das wäre nicht zu schaffen, da es ja auch die "40 Jahre Puhdys" gibt, und die Sache sehr viel Zeit beansprucht. Deshalb haben wir von vornherein gesagt, dass wir dieses Jahr keine neue CD machen werden. Es ist angedacht, wenn wir mal mehr Material haben, neue Stücke und vielleicht auch eine neue Band mit reinnehmen, dass man dann wieder eine CD macht mit neuen Stücken, mit anderen Künstlern, und dass man dann daran anknüpft. Dann, wenn man 70% neues Material hat. Aber frühestens nächstes Jahr, dieses Jahr ist das nicht geplant.

Damit sind wir jetzt am Ende, möchtest du noch irgendetwas an unsere Leser loswerden?
Na ich hoffe, dass ich die ganzen Leser irgendwie alle bei Ostrock in Klassik sehe!

Dann danke ich dir auch im Namen unserer Leser für deine Zeit und wünsche alles Gute für Ostrock in Klassik und deine anderen Projekte.
Vielen Dank, und bis spätestens irgendwann.

 

Interview: Nadja Notzke
Bearbeitung: cr, nn
Fotos: Archiv Rainer Oleak, Ingolf Rötsch, Knechtel Family

 


 

Ostrock in Klassik CDs und DVDs kaufen:

 


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CD "Ostrock in Klassik"

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DVD "Ostrock in Klassik"

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