BERLUC

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Mit ihrem Song "Hallo Erde, hier ist Alpha", der fälschlicher Weise immer als Hommage an den Raumflug Sigmund Jähns bezeichnet wird (dazu im Interview mehr), gelang der Kapelle um Dietmar Ränker 1978 ein Nummer-Eins-Hit. Der Titel platzierte sich in nahezu allen Wertungssendungen ganz vorne. Insgesamt drei Studioalben hat Berluc bis heute veröffentlicht. Dazu kommen noch "Best Of"-Zusammenstellungen. Obwohl die letzte LP-Veröffentlichung (Studioalbum) fast 24 Jahre zurück liegt, ist die Band immer noch aktiv. Berluc spielen mehrere Konzerte im Jahr, so auch bei unserer Veranstaltung in Altenburg im Oktober 2008. Nach dem Konzert in den Räumen der Altenburger Brauerei fand sich ausreichend Zeit, mit Dietmar Ränker über die Band Berluc, ihre Geschichte, ihre Platten und ihre Zukunft zu sprechen...

 

Als wir in Vorbereitung des heutigen Abends mit anderen Leuten gesprochen haben und erwähnten, dass Berluc spielen werden, haben wir meist als Antwort „Ach die gibt’s noch?“ und überraschte Gesichter erhalten. Woran liegt es, dass ihr kaum noch wahrgenommen werdet?
Das liegt ganz einfach daran, dass sich die Zeiten geändert haben. In der Zwischenzeit ist ein anderes Publikum herangewachsen mit anderen Hörgewohnheiten, sprich Diskotheken, Techno, House, etc. Daran liegt das. Ist ganz einfach. Die Zeit der Sensationen ist vorbei und stellt mal das Radio an, was läuft da? Ganz selten Deutschrock.

Berluc setzt sich ja bekannterweise aus den Ortsnamen Berlin und Luckenwalde zusammen. Ihr habt aber den Beinamen „Rocker von der Küste“. Die Küste ist aber von Berlin und Luckenwalde ein ganzes Stück entfernt. Was hat euch denn aus dem Brandenburgischen an die Küste gezogen?
Ganz einfach: Ich bin da durch meine Frau hängen geblieben und es ist ja auch wirklich schön in Mecklenburg, da zieht es noch ganz andere Leute hin. Ganz zu Anfang waren die Leute aus Berlin und Luckenwalde, mehr aus Berlin. Das hat sich dann aber mit der Zeit erledigt gehabt und dann war zum Beispiel unser Sänger Manne aus Rostock und so kam Burkhard Lasch eben auf die Idee, ein Lied „Rocker von der Küste“ zu machen, und das wurde dann unser Markenzeichen.

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Auf wann datieren eigentlich die Anfänge von Berluc? Euer erster Hit „Hallo Erde, hier ist Alpha“ ist von 1978. Einige Quellen erwähnen die Band aber bereits in den 60ern als Jazzband...
Als Rockband fing’s 1975 an. Da ging das los mit der ersten Single „Hallo Erde hier ist Alpha“. Die schlug so gut ein, dass Amiga fragte, ob wir noch mehr davon hätten. Da uns das Thema interessierte, hatten wir schon Material für eine ganze Platte und so kam ganz schnell auch „Reise zu den Sternen“ heraus. War eine gute Zeit.

Was hat euch denn dazu bewogen in das Rocklager zu wechseln und wer waren eure Vorbilder?
Das hat sich einfach so ergeben. Das fing eigentlich 1962 mit den Beatles an und das hat mich fasziniert. Das isses, das war unglaublich. Die Lieder damals waren ja manchmal 10 oder 15 Minuten lang. Das hat sich dann so ergeben, wir haben nicht gesagt, "jetzt machen wir ne andere Musik", oder so. Die alten Kollegen aus Berlin und Luckenwalde sind dann allerdings ausgestiegen, das hat denen nicht mehr so gefallen als wir dann immer härter wurden.

Ihr ward ja auch Berufsmusiker. Wo habt ihr euer musikalisches Handwerkszeug gelernt?
Das war in der DDR ganz gut so. Da musste jeder, der Berufsmusiker werden wollte, eine Prüfung machen und das war bei allen Musikern unterschiedlich. Ich war zum Beispiel drei Jahre in Dessau am Theater und hab dort Unterricht gemacht. Aber ohne die so genannte „Pappe“ lief nichts, sonst musste man nebenbei arbeiten gehen. Viele haben sich mit einem Hausmeisterjob gerettet.

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Und ab wann wart ihr Berufsmusiker?
Kann ich auch nur für mich sagen. Bei mir war das ungefähr 1970.

Lass uns mal über „Hallo Erde, hier ist Alpha“ reden. Einige Quellen erwähnen euren ersten Hit als Soundtrack zum Weltraumflug Sigmund Jähns. Tatsächlich ist der Titel aber ein paar Wochen älter. Wie war dieser Zufall für euch und habt ihr davon profitiert?
Wir haben „Hallo Erde, hier ist Alpha“ bei Amiga schon produziert, da war Sigmund Jähn noch gar nicht aktuell. Dieses Intro hab ich mal auf einer Geräuschplatte erwischt und da dachten wir, das machen wir davor. Das war jedenfalls so: Die damalige Besetzung, also Axel Stehr am Keyboard, Manne Kähler als Sänger und ich, uns haben utopische Romane und Literatur wahnsinnig interessiert, und daraus hat sich das dann so ergeben. Deswegen ging das auch so schnell, dass nach dem Erfolg der Single „Hallo Erde, hier ist Alpha“ wenige Monate später ein Album kam, denn die Lieder waren schon fix und fertig. Das Thema hat uns eben fasziniert, und das war auch gut so, denn „Die Reise zu den Sternen“ war die LP, die von allen am besten gelaufen ist. Die wird heute auch noch aufgelegt und gibt es immer noch.

Also hatte Sigmund Jähn keinen Anteil daran, dass ihr ein Konzeptalbum zum Thema „Weltraum“ gemacht habt?
Nein, überhaupt nicht. Vor ein paar Wochen hatte sein Raumflug ja 30jähriges Jubiläum und da haben mich viele Fans angerufen und gesagt, dass unser Lied rauf und runter gespielt wird. Na gut, warum auch nicht?

Im Jahre 1982 ist in der BRD bei Teldec ein Album von euch erschienen. Wie kam es dazu?
Amiga hatte mit Teldec im Westen einen Partner, wo ja auch die Puhdys, Karat und andere übernommen wurden, und die zeigten auch an uns Interesse. Aber wir haben trotzdem keine Westkohle dafür bekommen. Das hat sich alles Amiga unter den Nagel gerissen (lacht).

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Die Besetzung der Band hat sich in dieser Zeit mehrfach geändert. Was waren die Gründe dafür und was hat das musikalisch für die Band bedeutet?
So richtig gut war das eigentlich nicht, aber es war eben so. Wir waren ja so etwas wie die „Band der Ausreisenden“. Immer wenn wir uns wieder ein bisschen rangearbeitet hatten und im Westen spielen sollten, hat einer die Ausreise beantragt. Insgesamt waren es vier Leute und so sind wir jedes Mal ins letzte Glied zurückgeschoben worden. Die Kollegen meinten eben, L.A. ruft.

Der Keyboarder Axel Stehr war ja in der Anfangszeit einer eurer Hauptsongschreiber. War er nach seinem Ausstieg weiterhin für euch aktiv oder habt ihr seinen Verlust anderweitig kompensieren müssen?
Leider hat er dann nichts mehr gemacht, denn er war ja eigentlich ein genialer und sehr guter Musiker. Er ist aber auch nicht in eine andere Band eingestiegen. Er macht so ein bisschen als Pianist und Komponist und das reicht ihm und fertig. Genauso wie Manne, der hat irgendwann den Bierhahn entdeckt und eine Kneipe eröffnet. Das hat ihm gefallen und das macht er heute noch. Ich wollte ihn wieder zurück holen, aber nichts zu machen. Manne bleibt beim Bierhahn und fertig. Dann soll das eben so sein!

Habt ihr zu den ehemaligen Musikern noch Kontakt?
Ja, ich habe gerade erst mit Axel telefoniert, und da haben wir auch über genau das Thema gesprochen. Ich hab ihn gefragt, ob nicht wieder mal ein Liedchen für uns machen könnte, aber er wollte nicht. Es ist aber doch auch so, dass wir ja alle nicht die jüngsten sind und manche werden wirklich so alt, wie sie sind. Das ist eben so, bei Axel und bei Manne auch. Mit Manne kann man sich unterhalten über seine zwei Schäferhunde oder seine Datsche, aber über Musik nicht. Das ist zwar traurig, aber so ist das nun mal.

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Im Jahre 1983 habt ihr mit „No bomb“ den Titel des Jahres geliefert. Was hat euch zu dem Titel bewogen und wie ist er entstanden?
Das war auch lustig. Manne kam an mit einem Reggae und da sagte ich, dass das nicht hinhaut, weil wir doch keine Reggaeband sind. Damit war’s erst mal ad acta gelegt. Irgendwann haben wir dann in einem Klub in Rostock Probe gemacht und dann mussten wir unterbrechen, weil Pankow gespielt haben. Die lagen damals auf der Neuen Deutschen Welle drauf. Das hat mir so richtig gut gefallen, und als wir dann anschließend wieder in den Proberaum sind, sagte ich: "Jungs, das war doch was!" Dann haben wir die Aufgaben verteilt. Ich sagte: „Axel, du machst jetzt ganz niveaulos Achtel aufm Keyboard, Gitarre, du machst Viertel, schwabb schwabb schwabb, ich mache zing bumm, was ich am besten kann, und Bassist, du machst mal auch Achtel und schwabb und dann geht’s ab.“ Manne daraufhin: „Ich weigere mich, das soll ein Reggae sein und basta.“ Unser Gitarrist Detlef Brauer meinte dann, er würde es singen, und dann sollte es so sein. Damals übrigens schon mit dem englischen Text „No Bomb“ und „Radioactivity“. Dann haben wir eine Demokassette gemacht und mit der bin ich dann zu unserem damaligen Texter Kurt Demmler gegangen, der den Song auch klasse fand. Der englische Refrain war zwar nur Arbeitstext, aber den wollte Kurt Demmler nicht verändern, sondern nur Deutschsprachiges ergänzen. Das Lied ist in einer Stunde entstanden und wurde Hit des Jahres. Da kann man mal sehen, so werden Hits gemacht. Das ist genial, nicht wenn man tagelang macht und rumfummelt und irgendwas an den Haaren herbeizieht. Wir haben „No Bomb“ dann live gespielt, bevor es irgendwo erschienen war oder im Rundfunk lief, und das kam da schon, so genial an. So was zeichnet Hits aus. Es gibt manchmal so einfache Lieder, die so sind, wie auch „Die Erde lebt“ oder „Hallo Erde, hier ist Alpha“. Und dann gibt es wieder Lieder, an denen man wochenlang rumbastelt... eigentlich sind das Musikleichen und man sollte es lassen. Ein Lied muss in kurzer Zeit sitzen und die Musik muss genial sein, der Rhythmus muss genial sein, es muss stimmen, es muss ehrlich sein, einfach passen. Und ganz wichtig, der Text muss gut sein. Das Einfache ist manchmal so schwer zu finden.

Dieser Titel war ja auch im Rahmenprogramm für „Rock für den Frieden“, also auch zwischen den Ansagen, vertreten. Was hat euch denn dieser Auftritt bedeutet?
Sehr viel, aber da kommt auch schon wieder ein Gag. Als wir „No Bomb“ produziert haben, wurde uns gesagt, dass es sich für „Rock für den Frieden“ überhaupt nicht eignet. Das wäre nicht der gewünschte Friedensgedanke und es wären zu viele Anglizismen drin und das geht überhaupt nicht. Aber in der Zwischenzeit war „No Bomb“ bei Beatkiste, Notenbude, Radiotipp und wie die ganzen Sendungen hießen auf Platz 1, und so musste man Berluc einfach holen.

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Bereits in den Vorjahren seid ihr schon bei Solibeat aufgetreten. Stand für euch der Benefizgedanke dieser Veranstaltung im Vordergrund oder waren das lediglich Auftritte von vielen?
Das war unsere Überzeugung. Es ist ja so, wenn man lange in der DDR gelebt hat, denkt man links. Das geb ich ehrlich zu. Ich bin trotzdem nicht in die Partei eingetreten, ich war auch nicht IM. Hinzu kommt, uns Musikern ging es doch gut, wir hatten doch gar nichts zu meckern!

Haben diese Auftritte bei Solibeat und „Rock für den Frieden“ Auswirkungen auf eure Karriere gehabt?
Nee, da hätten wir mehr machen müssen, so wie manche, die sich richtig verdingt haben. Soweit ging die Liebe dann doch nicht. Im Gegenteil, wir waren manchmal die ganz bösen Jungs und ich musste öfter zum Rapport zum Rat des Bezirkes in Rostock.

Im Jahre 1984 seid ihr auf ausgedehnte Tour durch die UdSSR gegangen. Kannst du uns etwas von dieser Tour erzählen?
Da kann ich so viel erzählen, da schlafen dir die Gesichtshälften ein. Die Tour war unheimlich geil. Kleine Randgeschichte vielleicht: In der UdSSR gab es ja kein Bier, nur Krimsekt, aber den ganz billig, so fünf Rubel für 'ne Flasche, und dann haben wir den wie Bier getrunken. Die Folgen waren natürlich verheerend. Wir mussten ja teilweise von Sowjetrepublik zu Sowjetrepublik, oftmals mit dem Flugzeug aber nicht immer und dann sind wir mit dem Zug gefahren, der so langsam fuhr wie bei uns ein Güterzug. Da ist man dann manchmal eine Woche lang gefahren, dadong, dadong, der Wagen wurde gesondert beheizt, aber man musste sich vorher mit Brot, Speck und eben Sekt eindecken und dann ging’s ab durch die Tundra. Das war Wahnsinn, ganz wunderbare und gastfreundliche Menschen. Ein wenig peinlich, wenn man bedenkt, was wir denen angetan haben. Ich weiß natürlich nicht, wie’s heute ist, bestimmt nicht mehr so, aber früher war das fantastisch. Hat viel Spaß gemacht, sehr viel. Und Städte gibt’s da, von denen hab ich nie was gehört. Vom feinsten, mit U- und S-Bahn, Millionenstädte, unglaublich! Da merkt man erst mal, was für ein Riesenland das ist. Als wir in Moskau angekommen sind, waren -4°, nicht viel, unten auf der Krim waren dann +4°, da haben wir gedacht, was geht denn hier los? Da waren Palmen und so, ja ja, das war schon was für einen DDR-Bürger.

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Ebenfalls 1984 seid ihr beim tschechoslowakischen Autorodeo beteiligt gewesen. Was muss man sich denn darunter vorstellen und wer war da noch dabei?
Da war glaube ich „Matko“ mit Prinzip dabei. Tino hatte so’n riesigen Wolgaschlitten, so ein Schiff; da hatte er so eine geile Idee. Wir haben uns alle aufs Dach gepackt und eine Stadionrunde gedreht. (lacht) Tino hat immer so verrückte Ideen! Das hat Spaß gemacht. Die FDJ hat schöne Veranstaltungen gemacht und teilweise professionell durchgeführt, da kann man nicht meckern. Sie war unser bester Brötchengeber.

Später, 1986 seid ihr eine von neun Bands gewesen, die im Westen auftreten durften. Habt ihr besondere Erinnerungen an die Zeit und wie seid ihr in der BRD angekommen?
War auch geil. In Hamburg hat’s angefangen, aufm Rathausplatz. Ich erinnere mich noch, als wenn’s heute wäre. Da waren noch mehr Bands, aber wir haben immer mehrere Zugaben gespielt, noch eine und noch eine, die anderen waren schon stinkig, aber der Veranstalter hat uns immer wieder hochgeschickt. Das liegt auch an unseren Liedern. Nimm mal „Die Erde lebt“. Da kannste nach dem ersten Vers mitsingen. Unsere Lieder sind nachvollziehbar, schnell nachsingbar, gehen ins Ohr. Und der Gag: So was wie Catering kannten wir ja nicht. Wir kamen ins Hotel und dann steht da eine Flasche Whisky und Cola im Kühlschrank. Die haben wir dann geköpft und auch in der Garderobe Essen und Trinken. Das gab’s doch bei uns alles nicht. Das war also alles richtig gut und wir sind auch gut angekommen.

Ende der 80er wart ihr in den Hitparaden ganz oben dabei mit anderen großen Namen wie Puhdys, City oder Silly. Dann kam die Wende und um euch wurde es im Gegensatz zu anderen Bands ziemlich ruhig. Woran lag es?
Naja, da muss man aber sagen, dass es erst mal um alle ruhig wurde, denn die Puhdys hatten sich ja auch erst mal aufgelöst. Keiner hat mehr gespielt, was daran lag, dass die Leute erst mal ganz andere Interessen hatten. Dann waren wir die Privilegierten, die Westautos gefahren haben und so, und das hat man uns ein bisschen krumm genommen. Da wollte man die Ostbands gar nicht hören. Dann haben die Puhdys wieder angefangen und auch bei uns da oben in Greifswald gespielt, da hab ich gedacht, trommelst du Berluc auch wieder zusammen. Da hatten dann die Leute auch schon wieder eine etwas andere Denkweise und hatten gemerkt, wo wir heute gerade in Altenburg sind, das Bier schmeckt ja auch nicht schlechter als das aus dem Westen und das Brot auch nicht und die aufgeblasenen Luftsemmeln schmecken ja auch gar nicht so gut wie unsere schönen knackigen und und und... und so war das auch mit der Musik. Dass heute nicht mehr so viele Zuschauer kommen, das sagte ich ja vorhin schon, liegt eben auch daran, dass eine ganz andere Generation herangewachsen ist, und jede Generation hat eben ihre eigene Musik und wir spielen noch, weil wir eine Band sind, die ein bisschen Tradition und Namen hat, aber jetzt noch mal einen Senkrechtstart zu machen ... das macht international Deep Purple ja auch nicht.

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Euer alter Sänger Manfred Kähler war nicht mehr dabei. Hatte er keine Lust oder woran lag es?
Das hab ich doch vorhin schon erzählt. Der hat den Bierhahn entdeckt und da hängt er dran und da bleibt er auch.

Also in der Wendezeit hat er die Kneipe schon für sich entdeckt?
Nein, der ist schon 1984 gegangen. Er meinte wohl, er kann als Sänger nicht mehr so und wollte sich unten ans Mischpult stellen. Ich sagte ihm, das könne er doch nicht machen, nachdem er jahrelang unser Sänger war. Dann hat er es weißgott für eine andere Band aus Rostock gemacht. Aber Manne war immer schon etwas merkwürdig, obwohl er ein geiler Sänger war, ich sage mal der Beste! Er hat die Band geprägt.

Und wer hat dann in der Zeit von 1984 bis zur Wende bei euch gesungen?
Verschiedene. Der bekannteste ist Ralf „Ralle“ Dohanetz. Der hat „Ganz nah“ eingesungen. Als Sänger nicht schlecht, aber als Mensch recht schwierig.

Was macht Berluc eigentlich heute? Arbeitet ihr an neuem Material? Spielt ihr bei Konzerten lediglich die alten Titel oder habt ihr auch was Neues im Gepäck?
Wir haben eine ganze Menge an Neuem gemacht, aber wenn sie nicht publik gemacht werden in den Medien, hat es doch keinen Zweck. Wie war das denn früher? Wir haben zweimal im Jahr produziert. Einmal im Frühjahr, einmal im Herbst, immer vier Titel. Schon bei der Produktion hab ich gemerkt, was evtl. ein Hit werden könnte und hab dann bei Notenbude, Beatkiste und so angerufen und darum gebeten, die ins Rennen zu nehmen. Das haben sie auch meist gemacht und ich hab meistens eine gute Hand gehabt und da liefen wir oft auf den ersten Plätzen, das war alles super und dann lief das wochenlang und wenn ein Titel ausgelaufen war, kam dann der nächste und so waren wir mit vier Titeln das ganze Jahr über vertreten. Mit den ganzen Sendungen, "rund", "bong" und wie sie alle hießen, war es doch auch eine ganz andere Basis. City oder Puhdys sind fleißig und produzieren sehr viel, aber einen aktuellen Hit haben sie auch nicht.

Dürfen sich die Fans denn Hoffnungen machen auf eine neue CD?
Die CD wäre so weit schon fertig, aber man muss ja Abnehmer haben. Wenn man zu einem Label geht, dann geht ja sofort die Rechenmaschine an, ob man’s vermarkten kann. Also ich weiß es nicht, vielleicht.

Dann wünsche ich alles Gute für die Zukunft, auch evtl. für die neue CD und bedanke ich mich für das Gespräch.
Danke auch und viele Grüße an unsere Fans.

 

Interview: Nadja Notzke

Bearbeitung: ws, kf, cr
Fotos: Archiv Berluc, www.ostbeat.de

 


   
   
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