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Ruben Wittchow & Band im Kultur- haus Plessa am 16. September 2011
Bericht: Hartmut Helms Fotos: Hartmut Helms
Es hätte so weitergehen können, wenn neue Zeiten neben neuen Farben nicht auch neue Bürokratie gebracht und höhere Hürden aufgestellt hätten. Die zu überwinden, hat sich seit ein paar Jahren ein Verein zur Aufgabe gestellt und seither geht es Stück um Stück, entgegen dem Trend, wieder vorwärts mit der "alten Hütte". Teil dieser Bemühungen ist eine, wie man heute sagt, "Machbarkeitsstudie", die erst noch beweisen muss, dass man in einem alten Kulturhaus, das immer benutzt wurde, neue Kultur machen kann. Seit ein paar Tagen nun ist im großen Saal eine Menge Ton- und Lichttechnik aufgebaut. Der Potsdamer Musiker RUBEN WITTCHOW nimmt hier die Musik für sein neues Album auf und lotet dabei im Auftrag des Fördervereins und zur Realisierung der "Machbarkeitsstudie" aus, in wieweit sich das Kulturhaus auch heute für solche Projekte eignet. Das ist zwar wie graues Wasser in die nahe Schwarze Elster gießen, doch schließlich muss ja, damals wie heute, das Volk nicht jede wichtige Entscheidung auch gleich verstehen. Es reicht, wenn es sich den Anforderungen stellt. Drei Tage lang hatten RUBEN WITTCHOW & BAND die Möglichkeit genutzt, sich in den alten Mauern musikalisch auszutoben und neue Lieder einzuspielen. Kurzfristig konnte man organisieren, dass auch beinahe vollständig das Blasorchester zugegen war und mit fetten Bläsersätzen einige Passagen zur kommenden CD beisteuerte. Das waren drei arbeitsreiche und interessante Tage und zum Abschluss der Session gab die Band als Dankeschön ein Konzert inmitten der Studiotechnik. Zum ersten Mal, und quasi noch notenfrisch, erklingen die neuen Lieder in den 50 Jahre alten Mauern. Die Licht- und Tontechnik ist kreisrund mitten in den Saal gebaut. Ringsum Kabel, an denen abgeblendete Scheinwerfer und Spots ihren Platz haben. Wie bei einer Uhr sind an gegenüberstehenden Positionen die Instrumente aufgebaut, so dass sich die Musiker beim Spiel in die Augen sehen können. Um den Kreis herum befinden sich Stühle und jeder, der jetzt kommt, muss herausfinden, an welcher Stelle vom "Zifferblatt" er meint, dem Geschehen am besten folgen zu können. Als ich dort eintreffe, sitzt das Blasorchester auf der Bühne und schmettert mir Musik entgegen, die ich hier nicht erwartet hätte. Ein wenig skurril mutet das Bild von moderner Studiotechnik im Saal und einem Bergmannsorchester in Unform auf der Bühne schon an, wenn man nicht drauf vorbereitet ist. Zu meiner Überraschung spielen die Herren, der älteste ist um die 80 Lenze jung, eine berauschende Bearbeitung von Sinatra's "My Way" und der exzellente schneidende Klang einer Trompete übernimmt den Part der Gesangstimme. Oupsala, denke ich mir und nicke wohlwollend, da lassen die da oben mit ihren Bläsern doch tatsächlich noch "Smoke On The Water" vom Stapel! Herrn zu Guttenberg müssen in New York die Ohren vom musikalischen Plagiat geklingelt haben.
Eines der neuen Lieder, das am Anfang erklingt, heißt "Wenn du mich brauchst". Die Band klingt frisch und die Songs wie aus einem Guss. Ruben erzählt kleine Episoden aus dem Leben und von Typen, die ein klein wenig anders sind ("Ego-Schwein"). Dann klingt sind Stimme rau und ruppig, die Band stampft und groovt, überall wippen Füße, wiegen sich Köpfe im Takt. Der Poesiepop von Ruben Wittchow braucht zum Klingen nicht viel. Es genügen seine Gitarre, ein aufgeklappter Flügel für Dietmar "Diddi" Haupt, ein Bass, dem Christoph "Chris" Schwarz gekonnt warme Töne entlockt und Anne "Nica" Altenburg, die zierliche und singende Dame am Schlagzeug, der auch eine Rassel oder ein Tambourine genügt, um den Rhythmus zu erzeugen, auf dem sich die Lieder ausbreiten und entfalten können. Da darf man auch gespannt sein, wie das schlichte "Anders" später auf der CD mit einer Solo-Einlage des Trompeters klingen wird, der mit seinen schneidenden Tönen auf dem Reaggae-Rhythmus tänzelt. Ebenso gespannt werde ich auf die CD-Version von "Sei mein Sonnenschein" warten, denn hier wird die Bläsersektion des "bergmännischen Orchesters" swingen und grooven. Es macht Spaß, so ein Konzert mal nicht vor einer Bühne zu verfolgen und statt dessen um die Band herum zu gehen und die Musiker aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beim Spiel beobachten zu können. Irgendwie wird dadurch auch das Klangerlebnis intensiver und innerlich wundere ich mich, dass nicht schon andere auf die Idee gekommen sind. Der beste Platz wäre sicher in der Mitte gewesen, aber dort länger als für einen Schnappschuss zu verweilen, habe ich mich nicht getraut. Es ist schon beachtlich, wie vielschichtig die einzelnen Lieder wirken und wie geschlossen sie, trotz aller Vielfältigkeit, klingen. Die Zeit für insgesamt 14 ganz unterschiedliche Klangerlebnisse ist schnell vergangen und wenn sie auch nur so ähnlich auf der neuen CD "Bleib wenn du willst" klingen werden, dann ist in Plessa etwas entstanden, das den Zeitgeist einfängt und auch ein wenig vom Flair der "alten Hütte", wo die Lieder eingespielt wurden, für die Zukunft konservieren wird. Vielleicht ist dann auch irgendwo in der Fußnote zu lesen, dass alles inzwischen statt grau ein wenig "plesser geworden ist" und sich die Dinge zum Gutem für das alte Haus zu wenden scheinen. Fleißige Hände brauchen keinen Rettungsschirm, denn die Lausitzer, die aus dem kleinen "Plesse" inbegriffen, sind seit Ewigkeiten gewohnt, selbst in die Hände zu spucken und zuzupacken. Davon war auch eine Menge zu spüren, nachdem die Instrumente verklungen waren. Da hatte dann einer in Bergmannsuniform plötzliche die Gitarre vor dem Bauch und völlig ohne Mikrofon erklang "Heart Of Gold" im großen Saal. Bei "Blowing In The Wind" saß Ruben, der Liedersänger, Komponierer und Texteschreiber am Schlagzeug und ehe ich mich versah, fand ich mich inmitten einer Session von Leuten, die ihr Haus, ihr Leben und ihre Musik feierten - damals wie heute, ganz aus sich selbst heraus. Diese schönen Momente wird die offizielle Geschichtsschreibung später vergessen haben, die Menschen aber werden, so meine große Hoffnung, noch lange in ihrem Haus Freude und fröhliches Miteinander finden. Für solche Gelegenheiten haben auch Ruben Wittchow und seine Musikerkollegen wieder ihr Kommen zugesagt und dann werde ich auch wieder dabei sein und feiern. Bis dahin freue ich mich auf die neue CD "Bleib wenn du willst" im kommenden Jahr und tröste mich einstweilen mit der aktuellen Scheibe "Weites Land". Bitte beachtet auch: - off. Homepage von Ruben Wittchow: www.ruben-music.de - off. Homepage vom Orchester der Bergarbeiter Plessa e.V.: www.bergarbeiterorchester.de - Hompage des Kulturhaus Plesse: www.kulturhaus-plessa.de - Hartmuts Beitrag zu "50 Jahre Kulturhaus Plessa" (Rubrik "ZEITZEUGE"): HIER entlang
Fotoimpressionen:
Flyer vom Kulturverein Plessa
Vor dem Konzert: ![]() ![]() ![]() Vorprogramm: Orchester der Bergarbeiter ![]() ![]() Auftritt: Ruben Wittchow & Band ![]() ![]()
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![]() ![]() Nach dem Konzert (Jam-Session, Abbau): ![]() ![]() ![]() ![]() |