Roger Whittaker live am
15. März 2009 in Hamburg



Bericht: Holger Stürenburg
Foto: PR




Genau 25 Jahre ist es her, daß der Verfasser dieser Zeilen - damals soeben 13 geworden - sein allererstes Konzert von ROGER WHITTAKER erlebte. Gleichfalls ein Vierteljahrhundert zurück liegt meine so genannte "Erste Liebe", die ebenjener edle Weltstar, geboren in Kenia, seit langem in Irland residierend, mit seinem wundervollen Romantikschlager "Eloisa" gekonnt und trefflich untermalte. Seitdem ist viel Wasser die Elbe herabgeflossen. Doch ROGER WHITTAKER ist immer noch da und ich bin und bleibe weiterhin ein Riesenfan von ihm.
Rund 3000 Ebensolche fanden sich am vergangenen Sonntag (15.03.2009) um 18.00 Uhr im Saal I des CCH zu Hamburg ein, um den eineinhalbstündigen Auftritt des studierten Zoologen und Meeresbiologen in der Hansestadt genießen zu können. Der 73jährige Gentleman-Entertainer hatte Anfang 2008 seine aktuelle Studioproduktion "Liebe endet nie" (Ariola/SONY) vorgelegt, und unter diesem Motto begab sich Roger dieser Tage auf ausgedehnte Deutschland-Tournee und machte letzten Sonntag in der Hansestadt Station.
Mit seinem locker-fröhlichen "Erkennungshymnus" "Alles Roger" startete der seit 45 Jahren glücklich mit ein und derselben Frau verheiratete, achtfache Großvater seinen Ritt durch seine größten Erfolge, aktuelle Titel und ein paar Geheimtips. Im ersten Part seiner Show präsentierte Roger aus seinem letzten Album z.B. den perfekten, übrigens von Genrekollege Andreas Martin verfassten Ohrwurm "Du bist ein Engel", die folkloristisch-balladeske Ode an ein bildschönes "Irish Girl" oder das liebenswert philosophische "Mit kleinen Schritten fängt alles an". Der jung gebliebene Alleskönner pfiff sich durch den legendären "Mexican Whistler", intonierte, gemeinsam mit dem Publikum, das unverwüstliche, Kenianische Traditional "Chengalip". Auf Englisch gesungen, vernahmen wir das spritzige, irisch-folkloristische Schmankerl "Uncle Benny", sowie den von Roger selbst komponierten, mit feurigen afrikanischen Rhythmen ausgestatteten Muntermacher "Sawa, Sawa" (den der Großmeister des gehobenen Popschlagers im übrigen auf "Liebe endet nie" auf Deutsch interpretiert). Von den allseits bekannten Evergreens, kamen im ersten Teil des Konzerts das Gospelangehauchte "Sieben Jahre, Sieben Meere" (1990), der melancholische "River Baion" (1982) und der schier traumhafte, regentrübe 1987er-Radiohit "Laß mich bei Dir sein" zum Einsatz - ähnlich, wie "Eloisa", ein unverbrüchlicher "Hit des Lebens" für den Verfasser dieser Zeilen.
Nach einer rund 20minütigen Pause, begann Roger den Part-02 seiner konzertären Aufwartung in Hamburg mit der grazilen Ballade "Dafür lieb ich Dich", entnommen seiner o.g. letzten Silberscheibe, woraufhin er nun ein fundamentales Hit-Feuerwerk entbrannte. "Das Lied von Aragon" (1988) - sicherlich einer der dämlichsten Texte, den Roger jemals gesungen hat, aber trotzdem DER Live-Favorit seiner Beinhart-Anhänger schlechthin -, der göttliche Mid-Tempo-Popper "Leben mit Dir" (1985), der traurig-hoffnungsvolle Schleicher "Ein schöner Tag" (im Duett mit seiner langjährigen Chordame Kirstin Campbell), das verspätete Friedenslied "Die schneeweißen Tauben" (1999) oder der hypereingängige, seinerzeit von Dieter Bohlen produzierte Mega-Ohrwurm "Wir sind jung (Oh Maria)" - all diese Titel haben zweifellos teutonische Schlagergeschichte geschrieben und erklingen 2009 noch genauso frisch und mitreißend, wie zu ihrem jeweiligen Erstehungsdatum.
Ja, und dann ging es los mit denjenigen Gassenhauern aus dem unerschöpflichen Repertoire von Roger Whittaker, die für uns überzeugte 80er-Jahre-Kinder letztlich äußerst wichtige Beiträge zu unserer Kindheit und Jugend darstellten: "Wenn es Dich noch gibt" (1982), selbstverständlich "Albany" (1981) und - wie kann es anders sein? - die unzerstörbare "Eloisa", jener Lobgesang auf eine heißblütige spanische Schönheit, der vor 25 Jahren, im September Nineteeneightyfour, einen nicht unbedeutenden "Soundtrack" zu meinen allerersten, verschüchterten Gefühlen einem (mich natürlich NICHT mögenden) Mädel gegenüber darbot. Vielleicht sollte ich diesen Titel einwenig umschreiben und selbst aufnehmen… "Ja, sie hieß Editha / und kam mir gleich etwas PANISCH vor"... (Die Eingeweihten wissen Bescheid… ;)))
Der gemütlich vor sich hin plätschernde Top-10-Hit "Abschied ist ein scharfes Schwert" (1984), eine rührige, im Tempo arg gedrosselte Balladenfassung von "Du - Du bist nicht allein" (1988) und das walzerhafte "Dankeschön", Rogers Danksagung an sein treues Publikum zu seinem 70. Geburtstag vor drei Jahren, leiteten über in das obligatorische "Grande Finale". Dieses bestand - kurz nach "Was ist dabei, wenn wir zwei uns lieben?" (1991) - selbstverständlich aus dem phänomenalen Spaßhit "Ein bisschen Aroma" - einem bis heute tanzflächen-füllenden Ewigkeitsreißer aus dem Herbst 1986, der seit zig Jahren regelmäßig Konzerte von Roger Whittaker ausklingen lässt und stets extrem "hardrockig" arrangiert ist, wobei diesmal, zusätzlich zur gewohnten "Status Quo"-Boogierockgitarre, noch eine fette Hammondorgel hinzukam, der diesem Klasse Ohrwurm eine tolle, neue Facette hinzufügte.
Roger Whittaker ist - trotz seiner inzwischen 73 Jahre - weiterhin ein hinreißender Entertainer, Sänger und "Pfeifer", dem es ein ums andere Mal gelingt, seine - überwiegend weiblichen - Fans aller Generationen mit seinen einmaligen Liedern in seinen Bann zu ziehen. Gut, diesmal fehlten leider Rogers englische Evergreens "The Last Farewell" bzw. "River Lady" - aber, man kann nicht alles haben. Zudem ist davon auszugehen, daß dieser unvergleichliche Künstler aus Kenia in ein, zwei Jahren bestimmt wieder zwecks konzertärer Darbietungen in die BR Deutschland einreisen wird.
Schlußendlich: Aus Anlaß hier beschriebener Tournee veröffentlichte die Ariola kürzlich eine "Premium Edition" von "Liebe endet nie", die zum einen zwei Bonustracks - ein über fünfminütiges "Hitmedley" sowie einen knalligen "Discomix" von "Du bist ein Engel", und zum anderen eine ca. 20minütige DVD mit Videoclips und einem kleinen "Hinter den Kulissen"-Film, der bei Rogers 2007er-Tournee mitgeschnitten wurde, beinhaltet. Eine spannende Neuauflage von "Liebe endet nie", die ich Euch allen gerne ans Herz legen möchte. Wer mehr über Rogers Leben, seine Erfolge aus den 80ern bis frühen 90ern erfahren möchte, dem empfehle ich "Dieter Thomas Heck präsentiert: Hautnah - Die Geschichten meiner Stars - Roger Whittaker (Ariola/SONY), ein profundes Doppelalbum mit Rogers großen Hits und einem 23minütigen Hörbuch, für welches ich hinsichtlich Konzeption, Zusammenstellung und journalistischer Recherche verantwortlich zeichne!
Last, but not Least: Dem Tourneeveranstalter SEMMEL (www.semmel.de) ist es hoch anzurechnen, daß er Rogers Stelldichein an einem Vorfrühlings-Sonntagabend bereits um 18.00 Uhr beginnen ließ. Für ein eher "reiferes" Publikum, wie auch etwa für Schwerbehinderte o.ä., ist es als enorm positiv anzusehen, wenn man sich nicht erst gegen 23.00/23.30 Uhr durch die dunkle Großstadt nach Hause bewegen muß, sondern eben schon gegen Halbneun/Neun. Ich finde, dieses Beispiel sollte Schule machen!