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Wastewater live im "IDEE01239 e.V." zu Dresden am 28. Januar 2011
Bericht: Gundolf Zimmermann Fotos: Gundolf Zimmermann
Da haben sich fünf gestandene Männer zwischen 43 und 60 Jahren jahrelang intensiv um Familie und Beruf gekümmert und plötzlich festgestellt, dass doch noch mehr zum Leben gehört. Sie besannen sich auf ihr altes Hobby und gründeten eine Band. In der Folgezeit wurde intensiv geprobt, und am Freitag ließen sie erstmals öffentlich die (Rock-)Sau raus. Das neue Baby der fünf Herren heißt WASTEWATER, und Rock'n Roll vom Feinsten haben sie sich auf die Fahnen geschrieben. Wobei Rock'n Roll hier als Bezeichnung für Rockmusik im weitesten Sinne zu sehen ist. Im Vorfeld der Mugge habe ich versucht, irgendwas über die Jungs in Erfahrung zu bringen. Aber selbst das fast allwissende google schwieg sich aus. Nichts, nitschewo, nada, nothing, niente - das Internet half mir diesmal nicht weiter. WASTEWATER hat weder eine eigene Internetseite noch ein Myspace-Profil oder ähnliche Bandvorstellungen im Netz. Also vertraute ich auf Organisator Lutz Stein und seine Truppe vom Verein "IDEE 01239e.V.", denn bisher hatten sie noch immer ordentliche Muggen auf die Beine gestellt. Ich bin ja sowieso sehr gerne in dieser Kulturoase in der Plattenbau-Wüste von Dresden-Prohlis zu Gast, weil ich es gut und sehr wichtig finde, was unter dem Dach von "IDEE01239e.V." alles kulturell passiert und das zu Preisen, die auch für die schmalen Geldbeutel der Arbeitslosen und HARTZ IV-Empfänger erschwinglich sind. Die Menschen sollen raus aus der Einsamkeit der Platte und rein in den Club unter Menschen. Neben Konzerten gibt es zum Beispiel auch Lesungen, Filmabende oder Kurse. Mir ist ein Teil dieser "verrückten" Vereinsleute, die nie aufgeben und immer wieder Großartiges auf die Beine stellen, mittlerweile echt ans Herz gewachsen und ich fühle mich unter ihnen wohl.
Da WASTEWATER sicher nicht nur für mich total neu ist, möchte ich hier zunächst erstmal die Band ganz kurz vorstellen. Der Name WASTEWATER (zu deutsch Abwasser) wurde nach den Aussagen von Sänger Eike Taesler an diesem Abend gewählt, weil die Herren in der Nähe eines Klärwerkes (oder war's eine Klärgrube?) proben, und weil sich (nicht nur) ihr konsumiertes Bier letztendlich irgendwann auch hier wieder findet. Etwas scherzhaft bezeichnen sie sich als älteste Newcomerband Dresdens wegen der die Rockgeschichte neu geschrieben werden muss. Ich mag ja diese Art von Humor, wo sich jemand selbst liebevoll auf die Schippe nimmt. Diese Sprüche lockerten das Ganze auch ordentlich auf. Das Publikum hatte noch mehr Spaß an der Mugge, spendete ordentlich Applaus und mancher Zwischenruf wurde von Taesler dankbar aufgenommen und entsprechend kommentiert. WASTEWATER spielt in folgender Besetzung: Mario Herde, Leadgitarre Kurt Eckert, Schlagzeug Eike Taesler, Gesang und Rhythmusgitarre Matthias Baumhauer, Bass Christian Gnoss, Mundharmonika. Doch fahren wir nun fort mit ein paar Ausschnitten aus dem Programm. Nicht jeder kann und soll ein Klon von Eric Clapton sein, und das ist auch gut so. Was die Band aber aus "Cocaine" machte, war schon klasse. Insbesondere das Solo von Mario Herde war stark. Der Typ mit seiner Sonnenbrille war sowieso an Coolness kaum zu überbieten, und sowohl seine Melodieführung als auch seine Soloeinlagen waren schon mal die halbe Miete für den Sound von WASTEWATER. Drummer Kurt Eckert und Basser Matthias Baumhauer zimmerten dazu ein erdiges, treibendes Rhythmus-Fundament, das keine Wünsche offen ließ. Beide konnten auch bei kurzen Soloparts ihr Können unter Beweis stellen. Es machte gar nichts, dass Eike Taesler's Gesangsstimme bei "The Jack" von AC/DC für meine Begriffe etwas angestrengt wirkte, denn bei Livemusik kommt es eben nicht auf einen astreinen Klang wie von einer Tonkonserve an, sondern auf das Gefühl, welches von der Bühne runter kommt. Im Großen und Ganzen passte das schon, was der Sänger leistete, und bis auf diese klitzekleine Anmerkung zu "The Jack" habe ich an dem Mann auch wirklich nix zu mäkeln. Ganz im Gegenteil, bei anderen Liedern wie zum Beispiel Neil Youngs "Powderfinger" fand ich Taesler sogar großartig, weil er mit seiner Stimme diesen Liedern seinen eigenen Stempel aufdrückte.
WASTEWATER hatten durchaus auch ein paar musikalische Überraschungen auf Lager. Die Poison-Ballade "Every Rose Has It's Thorn" oder Westernhagens "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" hätte ich nämlich so nicht unbedingt erwartet. Auch "Call Me The Breeze" von J.J. Cale durfte man eigentlich nicht erwarten, obwohl der Song derzeit in der Fernsehwerbung beim Werbeclip eines namhaften französischen Autobauers gerade sein Comeback feiert. Die Band hat den ganzen Abend über, in drei Konzertblöcken aufgeteilt, über 30 Lieder gespielt. Dabei waren auch ein paar Momente, wo mir echt vor Staunen die Kinnlade runter fiel. "Rock 'n Roll" von Led Zeppelin war so ein Moment, da hat die Band wirklich ganz erstaunlich gerockt und mit "Paranoid" von Black Sabbath hat sie einen Klassiker gleichen Kalibers gleich hinterher geschoben. Das Publikum tobte vor Begeisterung, den Musikern stand ein zufriedenes Lächeln in die Gesichter geschrieben, und trotzdem ging es langsam dem Ende zu. Das großartige "Down By The River" von Neil Young brachte alle gemeinsam zwar in ruhigeres Fahrwasser, doch Feierabend bedeutete das für die Band immer noch nicht. "Thouger Than The Rest" vom Boss setzte dann endgültig den Schlusspunkt unter ein Konzert, das (nicht nur) mir wirklich großen Spaß gemacht hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Band in Zukunft beispielsweise auf Biker-Partys oder Stadtfesten hier in der Gegend große Erfolge feiern kann. Der Grundstein ist gelegt und die erste Feuertaufe haben sie im "IDEE01239e.V." wirklich bravourös bestanden.
Fotoimpressionen:
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