Bericht:
Rüdiger Lübeck

Fotos:
Petra Heinzel,
Rüdiger Lübeck






Wo einst die Städtische Gasanstalt den Prenzlauer Berg mit Stadtgas versorgte, entstand in den achtziger Jahren ein neues Kulturareal. 1981 wurde das Gaswerk stillgelegt, das Industriedenkmal daraufhin trotz Protesten gesprengt. Aus den rudimentären Überbleibseln entstand das "Kulturhaus im Ernst-Thälmann-Park", 1986 ergänzt um einen Neubau, dessen ungewöhnliche Form - ein Oktogon - dem Haus seinen Namen gab: WABE.

Inzwischen hat sich die WABE als größte kommunale Kultureinrichtung in Pankow etabliert und ist weit über den Bezirk hinaus bekannt. Nahezu fünfzigtausend Besucher jährlich sprechen wahrlich Bände. Das Programmangebot erstreckt sich von Rockmusik über Jazz bis hin zur klassischen Musik, von der Kinderveranstaltung bis zum Seniorentanz, von der Lesung bis zur Theaterinszenierung, vom Folk bis zur Tanzperformance. Zum Stadtquartier gehören außerdem die Galerie Parterre, das Theater unterm Dach, künstlerische Werkstätten und die Kinder- und Jugendetage ZwiET.
Mehr Gründe als genug also, das Jubiläum würdig zu begehen. Geplant dafür waren drei tolle Tage - und bereits zur Auftaktveranstaltung am Freitag-Abend, die damit taggenau auf die Übergabe des Areals an die Öffentlichkeit vor 25 Jahren fiel, sollten sich die Gratulanten regelrecht die Klinke in die Hand geben. Ein bunter Konzertreigen also, und alle Künstlern konnten auf einen besonderen Bezug zum Haus WABE verweisen.


Jazzvocals (Foto: Jazzvocals)

Bereits der Außenbereich des Areals bot zu Beginn vielerlei Leckerbissen, so etwa Sambapercussion a la Rakatak und Frieddrums oder etwa die sog. Stabfigurencompany. Allen dreien war leider gemein, dass ich sie verpasste (Dass wir trotzdem Fotos davon anbieten können, verdanken wir unserer Freundin Petra, Anm. d. Red.). Und auch der Saal war zu diesem Zeitpunkt - es war gerade einmal kurz nach 18.00 Uhr - bereits knüppeldickevoll. Mit DT64-Urgestein Petra Schwarz lag die Moderation des Abends in professioneller Hand. Zur Eröffnung wurden dann zunächst - wie bei Veranstaltungen dieser Art offenbar üblich - allerlei Grußadressen verlesen. Aber was dann folgte, ließ einen bereits die ersten Schauer der Begeisterung über den Rücken laufen: die Jazzvocals, ein etwa 20 Mitstreiter umfassender A-Capella-Chor aus Berlin, der es auf Anhieb vermochte, eine akustische Atmosphäre wie in einer Kirche herbeizuzaubern, und dessen vielschichtiges Repertoire wahrlich jeden Geschmack zu bedienen vermochte. Interessante Randnotiz: die Truppe tut offenkundig einiges zur Erhaltung ihrer Art - Kinder aller Altersklassen umsäumten ihre sangesfreudigen Eltern während der Darbietung.

Nachdem dann der Kulturmensch vom Bezirksamt endlich die bei derlei Anlässen unvermeidliche Rede beendet hatte, gaben Carmen und Mike von SWiM eine kurze Kostprobe ihres Könnens. Nach gerade einmal zwei Songs verabschiedeten sich die beiden Akustik-Rocker dann aber auch schon wieder, um sich zu einem weiteren Auftritt, der an diesem Abend anstand, zu begeben. Meinetwegen...
Das große Pfund des Irish-Folk ist bekanntlich die Live-Performance. Als absoluten Geheimtipp dieses Genres darf man die Inciders, ein amerikanisch-deutsch-russisches Quartett um die charismatische Frontfrau McKinley Black bezeichnen. Da lässt sich niemand die Butter vom Brot nehmen, wird der kalte Krieg noch gelebt. Uneingeschränkt empfehlenswert!
PAM Wischofsky indes hatte sich Verstärkung mitgebracht: André Gensicke begleitete die Songwriterin an den Tasten, Nora Böse auf der Violine. Bleibt nur zu hoffen, dass man diese Zusammenstellung künftig häufiger auf der Bühne zu sehen bekommt.
Von Bolschewistischen Kurkapellen gib es inzwischen offenbar mehrere - die Version 2.0 scheint nur ein Teil des Ensembles zu sein, das ich noch im letzten Jahr auf gleicher Bühne grübelnd bewundern durfte. Dennoch (mindestens) genauso schräg, wie das Gesamtportfolio des Blasorchesters, bot es den partiellen Wahnsinn, den man nicht beschreiben kann, den man einfach erlebt haben muss. Und man wird unweigerlich feststellen, dass selbst bei Gaga richtig die Post abgehen kann. Oder wie sonst sollte man blasorchestrale Adaptionen von "Paint it black" oder "Macht kaputt was Euch kaputt macht" bezeichnen?


Transsylvanians (Foto: Band)

Nach einer etwa 20-minütigen Pause beehrte uns dann ein junger Mann, der sich zugleich als neuer Poet ausgab. Ein ziemlich verkrampft und gekünstelt wirkender, zudem nicht enden wollender Versuch, die Generation Apple in literarische Formen zu gießen. Da wirkte es schon tragikomisch, dass sich ausgerechnet die begleitende Powerpoint-Präsentation als technisch unausgereift erwies.
Wohltuend kontrastreich dann glücklicherweise der Auftritt von Wenzel, der an das auf gleicher Bühne im Jahre 2000 gefeierte Record-Release-Konzert zum Erfolgsalbum "Schöner Lügen" erinnerte. Aktuelles Material von "Kamille und Mohn" war natürlich ebenso im Gepäck wie die obligatorische Zugabe "Heringsdorfer Promenade".
Und so ging es munter weiter, insgesamt mehr als 7 (in Worten: Sieben!) Stunden Programm sollten es werden. Ich brauchte derweil etwas Frischluft und vergaß mich draußen in Gesprächen mit Lüül, Detlef Seidel oder eben auch Wenzel. So entging mir der Auftritt von Dirk Michaelis in Gänze (auch hier lieferte uns Petra die Bilder. Danke schön! Anm. d. Red.), und vom hoch umjubelten Programm der Meister des a-capella-Gesangs muSix blieb mir nur deren Rausschmeißer, Lifts "Nach Süden", umrahmt übrigens von einer fantastischen Lasershow.
Es gab dann noch die eine oder andere spontane gemeinsame Live-Performance verschiedener Musiker des Abends, und dann durfte endlich auch getanzt werden. Der Platz vor der Bühne wurde dazu von Tischen und Stühlen beräumt, und es brauchte nur wenige Minuten, bis dieser bestimmungsgemäß in Beschlag genommen wurde, zum "Hungarian Speedfolk" der Transsylvanians. Einmal mehr übrigens eine Band, die man unbedingt einmal live gesehen haben sollte. Teufelsgeiger András Tiborcz beendet seine Soli übrigens auch gern auf den Händen des Publikums (siehe Foto in den Foto-Impressionen).

Sie haben sich alle empfohlen an diesem Abend. Und nicht nur das. Sie haben der WABE ein würdiges Geburtstagsprogramm gestaltet. Herzlichen Glückwunsch auch von uns, liebe WABE!





Fotoimpressionen:
Alle Fotos - falls nicht anders angegeben - von Rüdiger Lübeck



Der Ablaufplan des Jubiläumskonzerts... (Foto: Petra Heinzel)


Gruppe "Rakatak" (Foto: Petra Heinzel)


Die "Stabfigurencompany" (Foto: Petra Heinzel)


Begrüßung durch Mode-
ratorin Petra Schwarz

Stadtrat für Kultur
Dr. Michail Nelken


Die "Jazzvocals"


Die "Jazzvocals"


Gruppe "SWIM"

Gruppe "SWIM"


Inciders


Inciders


Inciders

Inciders


Inciders


Inciders


Inciders


PAM & André Gensicke


PAM & André Gensicke


PAM & André Gensicke


PAM & André Gensicke


Nora Böse spielte die Violine bei PAM


Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot 2.0


Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot 2.0


Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot 2.0


Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot 2.0


Die Jungen Poeten


Wenzel


Wenzel


Wenzel

Wenzel


Dirk Michaelis (Foto: Petra Heinzel)


MuSix


MuSix


MuSix

Transsylvanians


Transsylvanians

Transsylvanians


Transsylvanians


Transsylvanians