TRIXI G live am 27.03.2009
in Lutherstadt Wittenberg



Bericht: Petra Heinzel
Fotos: Petra Heinzel





Nach langer Zeit war es endlich wieder soweit: Ich konnte ein Konzert eines Duos besuchen, das ich sehr verehre. Ich liebe nicht nur die Musik von TRIXI G, sondern auch ihre persönliche Art. Die letzten Live-Termine waren für mich leider, auf Grund der örtlichen Entfernung (sie spielten in Bayern und Baden Württemberg), nicht erreichbar. Daher war es mir ein Vergnügen in die 150 Kilometer entfernte Lutherstadt Wittenberg zu fahren, zumal sie Interessantes zu bieten hat. Am riesigen Marktplatz reihen sich großzügige Bürgerhäuser aneinander, und rahmen das Renaissancerathaus sowie die Denkmäler Martin Luthers und Philipp Melanchthons ein. Direkt am Marktplatz, in der Schlossstrasse 1, befindet sich einer der schönsten Höfe: der Cranach-Hof. Die "Hofwirtschaft", in der das Duo an diesem Abend gastierte, befand sich im Cranach-Hof. Bereits durch ein Fenster konnten wir drei Gitarren entdecken, und wussten sofort: "Aha, hier sind wir genau richtig". Als wir den Hof betraten sahen wir am anderen Ende einen großen Herrn sitzen, den wir aber erst in den frühen Morgenstunden besuchten. In Vorfreude auf das bald beginnende Konzert betraten wir die Hofwirtschaft, ein sehr schöner Laden. Am Eingang, gar nicht zu übersehen, war ein riesiges Whiskyregal und eine sehr schöne alte Wage angebracht. Kurz um die Ecke geschaut, entdeckten wir auch schon Uwe und Trixi, als auch ihre Texterin Beate. Nach einer freudigen Begrüßung studierten wir die gut gefüllte Speise- und Getränkekarte. Ich glaube auf der Karte fehlte nicht eine Sorte Tee, die Whiskyauswahl war riesig und das Essen frisch zubereitet. Wir fühlten uns sehr wohl in diesem Ambiente.
Um 21:00 Uhr begrüßte Trixi alle Anwesenden: "Schönen guten Nabend...". Das Licht wurde gedämmt und das Duo nahm uns mit auf ihren "Lebenstrip": So auch der Titel ihrer ersten CD, in dem es heißt "lebe dein Leben bis unter die Haut...". Genau so war es auch, gleich der erste Titel ging unter die Haut. Im Songtext heißt es weiter "...spiel die Musik die dich berauscht, träume deine Träume endlich aus". Ich hörte die Musik, die mich berauscht, träumte daher und war froh, dass es nicht nur ein Traum war. Weiter ging es mit "Zeig mir den Weg" und "Das Paar". Gerne erzählt Trixi an dieser Stelle, dass sie bereits seit vielen Jahren ein glückliches Paar sind, und greift zum Saxophon. Hiermit lässt sie den Titel zart beginnen und Uwe zaubert ebenso zarte Töne mit seinem Gitarrenspiel hervor, ein Klangteppich sondergleichen. Dann tauchten wir in eine kleine Silly-Runde ab. Wieder fuhr ich aus der Haut, mit "Flieg", ich schwebte praktisch. Wenn Trixi und Uwe Sillysongs covern, fließen diese Titel wie purer Balsam in meine Gehörgänge und dringen in die Seele ein. Man hat das Gefühl sie geben alles für ihr Publikum, gesanglich und musikalisch sowie auch körperlich. So ist es keine Seltenheit, dass Trixi ihr Mikrofon am lang gestreckten Arm führt (z.B. beim Titel "Du"). Ihre Stimme ist einerseits sehr kraftvoll, aber andererseits auch wieder zerbrechlich, herzergreifend. Untermalt werden ihre Titel mit einigen Perkussionsinstrumenten. Für "Neider" (ein Sillysong) bedient sich Trixi einer Holzrassel und die Cabasa verschönert den Titel "Aus und vorbei". Nach neun Titeln verbrachten wir unsere Pause auf dem Cranach-Hof.
Ich freute mich auf den zweiten Teil des Abends. Denn nun wurde es Zeit für einige Titel vom noch nicht erschienenen zweiten Album. Es heißt daher sehr passend "Unsichtbar". Nach "Komm" und "Ich frag nicht mehr" zelebrierten sie ein Lied eines weiteren Musikers. In "Gras" von Gerhard Gundermann glänzten sie mit Satzgesang, alle Gäste klatschten begeistert. "Fliegender Fisch", auch ein Lied von Gundermann (gesungen von Gundermann und Silly), spielten Trixi und Uwe in ihrer eigens kreierten Version. Mit "So `ne kleine Frau" (Silly-CD "Liebeswalzer" 1985) schaffen die Beiden eine verführerische und psychedelische Klangästhetik. Im Text heißt es "So `ne kleine Frau und so `ne große Lust", ich hatte Lust, große Lust auf Gänsehaut und noch viel mehr schöne Musik von TRIXI G. Die Stimmen der beiden sind mal einzeln, mal übereinander gelegt, immer untermalt von wunderbaren Melodien. Uwe ist ein Perfektionist an seinen Akustikgitarren. Zwischen den einzelnen Titeln checkt er schnell die Stimmung seiner Saiten. Irgendwann fiel ihm zwischendurch ein Plektrum zu Boden. Dank eines aufmerksamen Gastes (er trug eine Brille), brauchte gar nicht erst mit einer Suche begonnen werden.
Mit einem frechen alten Song (stammend aus ihrer damaligen Rockband), in dem es um Schönheitsideale geht, ging es weiter. An einer ganz bestimmten Textpassage strich Trixi über das lichte Haar eines Herrn in der ersten Reihe. Dann wurde es spannend, denn Trixi erzählte von einem nigelnagelneuen Song. Den "Maskentanz", ein schwungvolles bzw. lebhaftes Lied, hat, wie auch viele andere TRIXI G Titel, Beate geschrieben. Sie hat verschiedene Menschen beobachtet. Er gefiel auf Anhieb. Bevor der Titel "Regentropfen" erklingt, wird jetzt immer vorher beim Veranstalter gefragt, ob denn das Dach dicht ist. Denn dieses Lied war im vorigen Jahr der Vorläufer eines Unwetters (ich berichtete). Mit "Es ist Zeit für mich zu gehn" und "Ein Lied" (Titel Nr. 21) wollten sich die Beiden doch tatsächlich schon verabschieden. Da meldete sich der `gestreichelte` Herr aus der ersten Reihe: "Ich bin extra wegen `Ladykiller` gekommen, und der wird jetzt nicht gespielt?" Spontan wurde entschieden: kurze Pause, und weiter geht's. Dem Herrn vielen Dank an dieser Stelle, es wurden weitere sieben (!!!) Titel gespielt. Ganz besonders hervorheben möchte ich noch den Silly-Titel "Abendstunden". Erneut war ich verzaubert, das ist ein absoluter Höhepunkt in ihrem Programm. Ich hatte "Pipi" in den Augen und war überwältigt. Ich kann mir keine bessere "Interpretation" vorstellen.
Beendet wurde der lange Konzertabend mit "Euch zu gefallen". Trixi betonte hier noch, dass man möglicht das sagen sollte was man denkt, nur beachten sollte man: "Der Ton macht die Musik. Man hat sicher schon vieles gemacht um anderen zu gefallen", und sie fügte hinzu: "Lasst euch nicht verbiegen!" und sang: "...meine Zunge ist gespalten, soll ich trotzdem wahre Lügen heulen... um euch zu gefallen".
Ein wunderbarer TRIXI G Abend ging zu Ende. Sie spielten ihre Titel mit Bravour. Und sie spielten sie nicht einfach nur... Nein, sie lebten ihre Lieder auf der Bühne! Mal gediegen mit ganz viel Feingefühl und dann auch wieder explodierend. TRIXI G ist und bleibt was ganz Besonderes, und man hört ihnen mehr als gerne zu. Jetzt aber noch einmal zu dem großen Herrn, den wir dann wirklich in den frühen Morgenstunden besuchten. Lucas Cranach, einer der bedeutendsten deutschen Maler und Grafiker, saß auf dem Hof. Wichtige Menschen werden gern ein bisschen größer dargestellt, und so war er, obwohl er malend saß, trotzdem größer als ich (Siehe letztes Foto unten). Das TRIXI G Konzert fand in den ältesten original erhaltenen Räumen Lucas Cranachs statt.





Foto Impressionen: