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Tom Twist live im "Steinhaus" zu Bautzen am 19. Februar 2011
Bericht: Gundolf Zimmermann Fotos: Gundolf Zimmermann
Deshalb begann die Mugge wohl auch erst gegen 22.30 Uhr, denn die jungen Leute sind, gestählt durch diverse Disko-Besuche, mittlerweile auf spätere Anfangszeiten festgelegt. Die Jungs von Tom Twist waren nicht das erste Mal in Bautzen und sie quatschten rund um die Mugge auch sehr ausgiebig mit den Leuten. Offenbar kannten sie einige der Einheimischen von ihren vorhergehenden Gastspielen in der Stadt und zusätzlich hatten sie auch ein paar ihrer auswärtigen Fans im Schlepptau. Ich war nun noch mehr gespannt, wie Band und Publikum gemeinsam das Konzert über die Bühne bringen würden. Tom Twist, die drei selbsternannten L.E.Rock'n'Roll Götter, rockten und rollten dann live wie der geölte Blitz. Viel Klimbim war für die Party nicht nötig. Ein Kontrabass, ein minimalistisches Schlagzeug, eine Gitarre aus dem Hause Gretsch und die drei leicht flippigen Typen mit ihren Gesangsstimmen reichten völlig aus. Die Aufwärmrunde war nach einem Instrumentalstück im Prinzip abgeschlossen. Von da an steppte nämlich der Bär auf und vor der Bühne. So einen Auftritt in Worte zu fassen, ist gar nicht so einfach, denn Rockabilly und Co. ist ja nicht gerade meine Spezialstrecke. Auf jeden Fall agierten die Jungs total spielfreudig, mit viel Witz und unheimlich viel Power. Musikalisch fand ich sie sogar höchst originell. Das hatte wirklich Pfiff, was die Band so alles aus dem Ärmel zauberte. Ich hätte nicht gedacht, dass man "Ballroom Blitz" von Sweet, die Titelmelodie der 80er Jahre-Serie "Knight Rider" oder Queen's "I Want to Break Free" in ein musikalisches 50er Jahre-Rockabilly-Gewand stecken kann. Tom Twist belehrte mich aber schnell eines Besseren. Angeführt von ihren omnipräsenten Frontmann "Preston" Stefan Klöbzig gaben die drei Herren auch ihrem Affen ordentlich Zucker. Da wurde wild gerockt, auch mal lustige Grimassen gezogen und natürlich gab es auch jede Menge flotte Sprüche. Preston besitzt zweifellos Entertainer-Qualitäten und er weiß genau, wie er sein Publikum anfüttern muss. Da darf es in ein bzw. zwei eigenen Liedern in unserer Muttersprache textlich ruhig auch mal unter die sprichwörtliche Gürtellinie gehen. Gerade bei dem jugendlichen Publikum kamen diese Songs besonders gut an. Auch seine stimmliche Walter Ulbricht-Parodie wurde schenkelklopfend aufgenommen. Doch ich möchte natürlich nicht unerwähnt lassen, dass die Band musikalisch wirklich saubere und hochprofessionelle Arbeit ablieferte. Die Musiker beherrschen ihr Metier und selbstverständlich auch ihre Instrumente. Prestons Gretsch war nicht nur optisch der Bringer, sondern auch vom Klang her war diese Gitarre genau richtig, um aktiv der Rock'n Roll-Zeit zu gedenken. Selbst Elvis, der King des Rock'n Roll himself, spielte damals zeitweise eine Gitarre dieser Firma. Natürlich nützt so ein Instrument nur etwas, wenn man es auch ordentlich spielen kann, und das tat der Herr Klöbzig höchst eindrucksvoll. Schlagzeuger Muz spielte die ganze Zeit übrigens im Stehen. So was kennt man sonst ja nur von Bela. B. von den Ärzten. Doch was der Trommler leistete, war durchaus präzise und deutlich hörbar. Olli, der Mann an der Oma, zupfte, klopfte oder streichelte die Saiten seines Instrumentes, dass es nur so eine Freude war. Rock'n Roll oder Rockabilly ist ja Tanzmusik im besten Sinne. Ein Teil des Publikums ließ sich dazu auch nicht lange bitten, was den Party-Charakter der Tom Twist-Mugge auch optisch deutlich unterstrich. Besonders von den Herren der Schöpfung wurde die "Ur-Krostitzer Hymne" begeistert begrüßt. Welcher Mann wird auch nicht beim edlen Gerstensaft schwach? Da kann man als Leipziger Band einem bekannten Brauereierzeugnis aus der Region ruhig auch mal ein Lied widmen. Zeitweise spielte ein Gast aus dem Publikum Mundharmonika. Den Kerl habe ich schon mal bei irgendeiner Mugge in Bautzen als Gast musizieren sehen. Langsam muss ich mich mal schlau machen, wer das ist ;-) Reichlich 2 Stunden dauerte der Tom Twist-Wahnsinn im Steinhaus, und zum Ende hin kam die ganz große Gesangsstunde von Schlagzeuger Muz. Er röhrte stilecht den Motörhead-Klassiker "Ace of Spades" ins Mikro. Die Instrumentalbegleitung war übrigens keine andere als bei den vorhergehenden Songs, nämlich Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug. Ich fand das Stück klang in dieser Interpretation nicht weniger großartig als das Original von Lemmy und Co. Nach der letzten Zugabe stolperte ich in die eiskalte Nacht hinaus. Doch die Kälte konnte mir nicht viel anhaben, denn ich hatte noch eine Menge Südstaaten-Sonne vom eben gehörten Rock'n Roll, oder von mir aus auch Rockabilly, im Herzen und meine Kalesche stand sowieso gleich um die Ecke. Meine Empfehlung für euch lautet: Schaut euch Tom Twist doch mal live an und urteilt danach selbst.
Fotoimpressionen:
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