Tommy S. & André Hellwig live am
23. Mai 2010 im Kunsthof Sobrigau



Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann






Eigentlich wollte ich gestern mal daheim bleiben, aber dieser gute Vorsatz hielt bei mir nur bis kurz nach dem Mittag an. Unruhig streifte ich ins Nachbarhaus, um mich mit Lissi zu beraten. Mein Schwesterherz blieb aber diesmal eisern und entschied sich für die heimischen vier Wände. Also zog ich am Nachmittag alleine los, und ganz gemütlich rollte ich auf Landstraßen einem neuen musikalischen Abenteuer entgegen. Wobei "gemütlich" ist nicht so ganz richtig, denn es war ja Sonntag, und die berühmt-berüchtigten Sonntagsfahrer waren auch unterwegs und raubten mir den Nerv. Da half nur eine ordentliche Beschallung aus dem CD-Player zur Ablenkung, und eine Weile später hatte ich mich auch soweit beruhigt, dass ich mich über diese Zeitgenossen sogar amüsieren konnte. Auch das wegen eines Autotreffens herrschende Verkehrschaos in Dresden-Prohlis konnte mir nichts mehr anhaben.

Mein Ziel lag unweit von Dresden in der Gemeinde Kreischa. Ganz abgelegen von Autobahn und Fernverkehrsstraßen im kleinen Ortsteil Sobrigau gibt es dort seit vergangenem Herbst einen kleinen und feinen Kunsthof (www.kunsthof-sobrigau.de). Natürlich fuhr ich nicht auf blauen Dunst zu diesem Objekt der kulturellen Erbauung, sondern mich lockten mein alter Kumpel Tommy und seine Musik dorthin. Anlass seines Auftrittes hier war eigentlich eine Vernissage mit Bildern von Kathrin Vogel und Heike Lindemann, die im Rahmen des sachsenweiten 6. KUNST:offen stattfand, an dem sich der Kunsthof beteiligte. Jedes Jahr zu Pfingsten öffnen Künstler aller Genres sachsenweit ihre Häuser, Ateliers und Kunststätten und laden die Gäste ein zum Kennenlernen, Anschauen, Zuhören und Staunen. Malerei, Bildhauerei oder auch andere Kunstformen erschließen sich so einen neuen Kreis von Besuchern. Ich finde das eine tolle Sache und wenn dabei auch noch Musik erklingt, umso besser. Sobrigau empfing mich mit Stille und dörflicher Idylle. Kaum zu glauben, dass keine 10 Minuten Autofahrt entfernt die pulsierende Großstadt Dresden liegt.
Der Kunsthof machte einen einladenden Eindruck auf mich und ich sah mich nach den ersten Gesprächen etwas genauer um. In drei kleinen Räumen waren die Bilder der Malerinnen Kathrin Vogel und Heike Lindemann zu sehen. Ich bin ja auf dem Gebiet der Malerei wahrlich kein Experte, und ich erstürme auch nicht jede Woche irgendwelche Galerien oder Museen, aber wenn sich die Chance ergibt, schaue ich mir doch ganz gerne mal auch solche Werke an. Mit den hier gezeigten Bildern konnte ich auch etwas anfangen, das heißt sie haben mir als Betrachter gefallen. Zum Beispiel fand ich die Gemälde „Die Welle“ oder „Der Eisberg“ sehr ansprechend. In das Bild „Unterwasserwelle“ konnte man sich ganz besonders verlieren, denn die bunten Farben regten meine Phantasie wirklich an. Ob die Bilder letztendlich auch wirklich so heißen, wie ich sie bezeichnet habe, weiß ich nicht. Aber das spielt, glaube ich, auch keine Rolle. Übrigens kann man eine Auswahl von Kathrin Vogels Werken auch auf ihrer Internetseite www.vogel-dresden.de betrachten.

Tommy spielte später dann direkt auf dem Hof unter freien Himmel, und der alte Fuchs hatte mal wieder eine Überraschung parat. Nun kenne ich ihn ja lange genug und weiß vieles von seinen kulturellen Vorlieben und seinem Verständnis von einem guten Programm, aber dass er mit einen neuen Partner hier auftreten würde, wusste ich nicht. Es handelt sich hierbei um André Hellwig, und dieser trug Gedichte von Rainer Maria Rilke vor. Nun hatte ich mich bisher immer den Rilkes und Kafkas dieser Welt standhaft verweigert, aber André hat mir zumindest den Rainer Maria durch seine Rezitationen näher gebracht. Sieht so aus, als wenn aus dem Kulturbanausen Kundi doch noch was wird ;-)
Tommy S. mit seiner Gitarre spielte eigene Lieder, ein paar Gundi–Songs und auch ausgewählte Stücke der Magdeburger Liederrocker AufSturz. Aber er kupferte die Titel vom „singenden, klingenden Baggerfahrer aus der Lausitz“ und von Vize & Co. nicht einfach ab, sondern spielte sie auf seine eigene Weise. In seinen eigenen Liedern wie „Der Weg“ oder „Wie schwer muss 'ne Träne sein“ gab er viel von seinem eigenen Leben, seinen Gedanken und Gefühlen preis. Hervorheben möchte ich vom gestrigen Abend unbedingt den Titel „Der Alte“, den Tommy seinem verstorbenen Vater gewidmet hat. Er hatte jahrelang als Bergmann geschuftet. Der Text ging mir sehr nahe und Tommys Stimme erreichte gerade bei diesem Lied mein Innerstes auf das Heftigste. Mein Vater war zwar kein Bergmann, aber sein Tod im letzten Jahr war ein schwerer Schlag. Mein „Alter“ fehlt mir. Es tut weh und gut zu gleich sich in diesen Minuten besonders an ihn zu erinnern.

Von AufSturz hat sich Tommy „Mein Weg“ und „Hände weg“ ausgesucht. Das wunderte mich gar nicht, denn auch ich hätte diese Lieder ausgewählt. Die Texte von Uwe „Vize“ Reibold sind irgendwie wohl auf uns alle drei zugeschnitten. Schon komisch, da spielt einer meiner langjährigen Freunde Songs von unserem gemeinsamen Freund Vize. Mehr als 25 Jahre sind wir eng befreundet. Die Jahre gehen ins Land, aber solche Freundschaften sind das Salz in der Suppe des Lebens. Ganz ehrlich, wir haben uns zwar alle äußerlich ganz schön geändert, aber wir sind noch genauso „verrückt“ wie damals.
Dass wir alle auch auf Gerhard Rüdiger Gundermann stehen, ist eigentlich logisch. Tommy erfreute uns gestern im regulären Konzertteil unter anderem mit „Linda“ und „Einmal“. Die rund 20 Gäste lauschten dem Programm sehr aufmerksam und so was ist nicht nur für die Künstler angenehm. Tommy S. ließ sich auch nicht lange bitten und gab noch ein paar Zugaben. Mit „Brunhilde“ und „Nach Haus“ frönte er dabei wieder seiner und unserer Leidenschaft für Gundi.

Rund um das Konzert ging es auf dem Kunsthof Sorbigau angenehm entspannt und fast familiär zu. Man hatte vor und nach der Mugge viel Zeit für Gespräche mit Künstlern und Gästen. Überhaupt war das gestern irgendwie ein besonderer Abend mit für mich ungewöhnlichen Einblicken auch in andere Kunstformen, die ich keinesfalls missen möchte. Ich fühlte mich während meiner Stippvisite im Kunsthof Sorbigau die ganze Zeit wohl und geborgen. Mal sehen, was die Zukunft bringt, vielleicht treibt es mich ja irgendwann wieder dorthin.
Doch jetzt freue ich mich erstmal auf das von Tommy S. und Lutz Stein organisierte Festival „Für Demokratie und Toleranz“ am kommenden Sonnabend auf dem Sportplatz Dresden–Strehlen. Denn da gibt es ein Wiedersehen mit AufSturz, Akim Jensch & Tina’s Voice, der Stefan Lux Band, Thomas Koppe, den Lautmalern und natürlich mit Tommy S.




Fotoimpressionen: