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Die "Swing Legenden 2009" live in Hamburg am 23. Februar 2009 in der Musikhalle (mit den Kessler Zwillingen als Gästen) Bericht: Holger Stürenburg Fotos: PR ![]() Seit einigen Jahren begeistert ein hochinteressantes Unterfangen die Freunde gediegener Big-Band-Sounds. Dieses Projekt nennt sich "Swing Legenden" und fährt, sowohl auf CD, als auch (und besonders) im Livebereich, unglaubliche Erfolge ein. Und die "Swing Legenden" bestehen, wie gleichsam in den Vorjahren, auch 2009 wiederum aus drei hochkarätigen, wahrhaft legendären Könnern auf ihrem musikalischen Gebiet. Am vergangenen Montag (23.02.2009) gastierten niemand geringeres, als der grandiose Saxophonist MAX GREGER, Klarinetten-Ass HUGO STRASSER, sowie Schlagersänger und Jazz-Shouter BILL RAMSEY in der mit vielen Zuschauern mehr als nur gut gefüllten Hamburger Musikhalle. Alle drei genannte Koryphäen waren bereits in den 50er, 60er Jahren originäre Weltstars - und stehen selbst im neuen Jahrtausend noch so jung und frisch, wie eh und je auf der Bühne - wobei man nicht vergessen sollte, daß Greger kurz vor seinem 83. Geburtstag steht, Strasser im April stolze 87 (!) Jahre alt wird und Bill Ramsey zehn Tage später seinen 78. Ehrentag zelebrieren darf. Last, but not Least, dürfen natürlich auch die Ehrengäste der 2009er-"Swing Legenden"-Tour nicht unerwähnt bleiben. Dem plietschen Konzertveranstalter Dieter Semmelmann (SEMMEL Concerts) gelang es, zwei ebenso legendäre Damen für diese Konzertreise zu gewinnen: ALICE und ELLEN KESSLER: Laut Personalausweis knapp 73 Jahre "reif", aber künstlerisch, wie optisch, so jugendlich, wie damals in den 70ern, als mir mein Herr Papa erstmals Platten der "Kessler-Zwillinge" vorspielte.
Greger, durch eine Erkältung merklich beeinträchtigt, übernahm trotzdem mit Humor und Selbstironie die Rolle des Conferenciers des diesjährigen "Swing Legenden"-Spektakels. Es folgten nun die einst von Tommy Dorsey etablierte Nikolai-Korsakov-Komposition "Song of India", verstärkt durch ein super Solo des Posaunisten Marc Godfroid, sowie der Harry-James-Klassiker "Ciribiribin", der mit einem schleichenden, walzerähnlichen Intro begann, plötzlich zu einem fetzig-swingenden Big-Band-Stomper erwuchs und durch ein gepfeffertes Trompetensolo des heißblütigen Felice Civitareale verfeinert wurde. Nun war HUGO STRASSER an der Reihe. Einer der weltbesten Klarinettisten präsentierte den eigentlich jedem Genre-Freund geläufigen Swing-Standard "My Blue Heaven", das eher balladesk gehaltene, auf einem Irischen Volkslied basierende Traditional "Danny Boy", sowie das im Tempo zurückhaltende, aber trotzdem äußerst sonnige Chanson über "das Paris der 20er und 30er Jahre" (Zitat: H. Strasser), "Some of these Days". Der "King Porter Stomp", der eigentlich auch allen Jazzfreunden ein Begriff sein müßte, dargeboten von der "SWR Big Band", leitete über zu dem (ersten) Auftritt des knuffigen Wahlhamburgers BILL RAMSEY. Der studierte Soziologe und Ökonom kam 1952 als Wehrpflichtiger nach Deutschland, genau gesagt nach Frankfurt/Main, wurde dort schnell Chefredakteur des amerikanischen Soldatensenders AFN - sang aber nebenbei regelmäßig in Jazzclubs und auf genrerelevanten Festivals. 1957 begann er unter der Ägide des Starproduzenten Kurt Feltz seine Karriere als Schlagersänger - der Verfasser dieser Zeilen glaubt aber, als langjähriger Fan des sich durchwegs liebenswert und humorvoll gebenden Multitalents, daß dieser eigentlich immer konsequenter Jazzer war und seine heutzutage längst Evergreen-Status innehabenden Schlager in den 50ern und 60ern vermutlich nur aus kommerziellen Gründen eingesungen hatte. Bill startete sein Set mit der augenzwinkernden Hymne auf die hübsche "Satin Doll", einst fester Bestandteil im Repertoire von US-Bandleader "Sir Duke" Ellington. Daran anschließend, bekamen wir letztlich Allgemeingut des gehobenen Pop-Jazz zu hören: Frank Sinatras Gassenhauer "The Lady is a Tramp" (von Bill lächelnd angekündigt als "Die Dame ist ein Trampel"… hierzu könnte ich nun eine Anekdote aus dem Leben meiner Eltern vor meiner Geburt erzählen, aber, das würde echt zu weit führen…) und das edle Jazz-Chanson "I've got you under my Skin".
Ja, und dann kam ein spezieller Langzeit-Favorit meiner Wenigkeit zum Einsatz: Die knallige Ode auf die "Route 66", welche wir überwiegend in den Auslegungen von Nat "King" Cole (gleichfalls seiner Tochter Nathalie), der "Rolling Stones" oder von der britischen Pubrockband "Dr. Feelgood" kennen. M.E. einer der genialischsten Blues/Rock/Jazz/Swing-Titel aller Zeiten! Und dies alles intoniert von Bill Ramsey, einem Mann mit Blues im Blut. Diese Stimme… er ächzte, stöhnte, (im positivsten Sinne des Wortes) "quälte" sich durch diese Wahnsinnsnummern, setzte gar Scat-Einlagen ein - lieber Herr Semmelmann, wie wäre es mal mit einer Solotournee von Bill Ramsey? Zwei Stunden lang nur er und sein Blues… ich denke, dies hätte etwas : ))) Die gleichfalls von Nat "King" Cole zum Hit gemachte, romantisch-nächtliche Ballade "Stardust", dargeboten von Max Greger, und der höllisch heiße "One O'Clock Jump" (Count Basie), in der Interpretation der "SWR Big Band", inkl. eines unbeschreiblichen Trompetensolos - bei dem der hochbegabte Solist mit einem landläufig als "Klostopfer" bezeichneten "Klangverzerrer" agierte - beendeten Teil-01 der "Swing Legenden 2009". Nun durften wir 25 Minuten lang an die Frische Luft, uns einen Rotwein gönnen und/oder uns des Lasters des Rauchens hingeben. Gegen 21.35 Uhr begann der zweite Part der "Swing Legenden 2009"-Show mittels einer drastischen Inszenierung des "Andrew Sisters"-Klassikers "Sing, Sing, Sing" - teilweise Klarinette (Pierre Paquette) und Schlagzeug (Guido Jöris) geradezu gegeneinander/miteinander "kämpfend" -… ich muß eingestehen, vermutlich noch nie zuvor ein so umwerfendes Schlagsolo gehört zu haben, wie jenes am 23.02.09 in der Hamburger Musikhalle. Ja, und dann erschienen die beiden unvergleichlichen "Kessler-Zwillinge" auf der Bühne ebenjener Halle nahe Dammtor-Bahnhof und Gänsemarkt. Knapp 73 sollen die beiden Ladys also sein… na, wer's glaubt, wird selig... Stimmlich in Höchstform, tänzerisch sowieso, sangen und tanzten sich die zwei Immerjungen durch "Frankie-Boys" "New York, New York", DEN Italo-Pop-Klassiker schlechthin, "Volare", und ein großartig zusammengestelltes "Weltreise"-Medley, bestehend aus u.a. "Chicago" (Frank Sinatra), "Ich hab noch einen Koffer in Berlin" (Marlene Dietrich bis Udo Lindenberg) oder "I love Paris" (Catarine Valente). Eine Klasse Darbietung, voller Energie und Power - davon können sich so manche Jungspunde der Jetztzeit einiges abschneiden, was die zwei JUNGEN (!) Damen im Rahmen der "Swing Legenden 2009" abgeliefert haben! Glenn Miller... laut "Conferencier" Max Greger, der "beliebteste Bandleader aller Zeiten"… dem ist letztlich nichts hinzuzufügen. Es stand nun ein leckeres Medley aus den bekanntesten, seinerzeit von Glenn arrangierten Melodien auf dem Programm, welche z.B. den melancholisch-nächtlichen Blues "Moonlight Serenade" beinhaltete, wie gleichsam Glenns eigentlichen "Erkennungs-Hit" "In the Mood" - wahrscheinlich im Big-Band-Kontext genau das, was Paul McCartneys "Yesterday" oder "Satisfaction" von den "Stones" im Popspektrum darstellen: Zeitlose Ewigkeitskompositionen, die 2009 noch genauso frühlingsfrisch erklingen, wie in den 40er und 50er Jahren!! Daraufhin betrat Bill Ramsey erneut die "Bretter, die die Welt bedeuten": Nun waren seine Schlagerklassiker aus den 50er und 60er Jahren angesagt: "Zuckerpuppe", "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett", "Souvenirs, Souvenirs", "Pigalle"... ich konnte mich nicht zurückhalten und sang alle diese unverbrüchlichen Hymnen meiner Jugend lauthals mit : )) Nach dem "Creole Jazz" mit Klarinetten-Solo von Hugo Strasser und dem sehr an Bill Haley's "Shake, Rattle & Roll" gemahnenden "B.R. Boogie", mit Max Greger als Solisten, kündigte sich so langsam das Ende dieses monumentalen Swing-Abends an. Das irische Kirchenlied "Amazing Grace", von den Herren Greger und Strasser jeweils per ihres Instruments solistisch untermalt, leitete über zum "Grande Finale" jener unvergesslichen Show. Dieses bestand aus einer von allen Beteiligten interpretierten Version des 1927 entstandenen Spirituals "When the Saints go marching in", gefolgt von "Encore", jenem Mid-Tempo-Titel, mit dem sich anno dazumal das "Glenn Miller Orchestral" regelmäßig von seinen Fans verabschiedete. "Swing Legenden 2009" war ein äußerst faszinierendes Ereignis. Die drei reifen Herren und die beiden bildhübschen, ewigjungen Damen bewiesen, daß es selbst 2009, zu Zeiten von "Deutschland sucht den Superstar"-Kalauereien, dümmlichen "ECHO"-Verleihungen und der zunehmenden qualitätsbezogenen Entwürdigung des "Eurovision Song Contest" (vulgo: Grand Prix Eurovision de la Chanson), immer noch ECHTE Musiker gibt, die auf Begabung und Erfahrung bauen können, dabei niemals arrogant oder abgehoben wirken. Von einem Oliver Pocher oder "Alex swings, Oskar sings" wird in zwei, drei Jahren keine Rede mehr sein - Max Greger, Hugo Strasser, Bill Ramsey und die beiden "Kesslers" werden hingegen noch in 100 Jahren Topthema sein. Einziges Manko an den "Swing Legenden": Die Arrangements wirken zu sehr einstudiert, fast einwenig steril. Jazz, Swing und Blues leben im Allgemeinen von der Kunst des Improvisierens. Dazu sind die einzelnen Musiker der "SWR Big Band" hinsichtlich ihres Könnens zweifellos in der Lage - und hierzu sollten ihnen auch die Verantwortlichen genügend Raum zur instrumentalen Entfaltung bieten. Davon abgesehen aber, war "Swing Legenden 2009" eines der schönsten Konzerte, die ich die Ehre hatte, in der letzten Zeit besuchen zu dürfen! |