Subway To Sally live mit "Nackt II"
im "Huxleys" zu Berlin am 15. April 2010



Bericht: Petra Heinzel
Fotos: André Serfas, Petra Heinzel






Unbedingt ansehen: Subway To
Sally auf Akustik-Tour "Nackt II"

Zwischen Stille und Jubel, mit Ansteckungsgefahr?!
Sollte man das Wort „nackt“ wörtlich nehmen? Welche Bedeutung kann es haben? Es handelt sich nicht um Nacktheit an sich, um keine nackten Menschen, keine Musiker und auch keine Fans. Subway to Sally (folgend „Subways“ genannt) hat einige CDs mit unglaublich vielen Titeln auf Lager, und einige wenige davon galt es neu zu arrangieren. Ingo Hampf hat (Zitat Eric Fish:) „die Songs neu eingekleidet, nämlich nackt...“.

Sehr gespannt war ich auf die Live-Umsetzung der altbekannten Songs im akustischen Gewand. Und noch neugieriger wurde ich als ich hörte, dass sie sogar zwei nigelnagelneue Songs präsentieren würden. Die Fans verlassen sich auf ihre Subways. Das merkt man insbesondere daran, dass sie (fast) immer vor ausverkauftem Haus spielen. Und genauso verlassen sich die Subways auch auf ihre Fans, denn sie befragten diese nach ihren Songwünschen, und bezogen sie damit direkt in ihre „Nackt“-Planung mit ein. Es sollte aber möglichst keine Wiederholung zur 2006er „Nackt“-Tour geben.
Die Subways gehen „Nackt“ auf bundesweite Tour. In den drei Wochen spielen sie in ganz unterschiedlichen Locations auf:: in Hallen, Kirchen und Theatern. Am 15. April war ich beim Tourauftakt in Berlin dabei. Die Tickets für den Berliner Postbahnhof waren wegen großer Nachfrage innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Um allen Fans einen Konzertbesuch zu ermöglichen wurde das Konzert vom Postbahnhof kurzerhand ins Huxleys verlegt.

Als ich im Bezirk Neukölln ankam befand sich vor der Halle bereits eine große Menschentraube. Sie waren schon in bester Konzertlaune, sangen Subway-Lieder. Als sich kurz darauf das Huxleys allmählich füllte, begannen auch schon bald die typischen Gesänge der Fans: "Blut, Blut, Räuber saufen Blut. Raub und Mord und Überfall sind gut. Hoch vom Galgen klingt es, hoch vom Galgen klingt es. Raub und Mord und Überfall sind gut". So äußert man in Subway-Kreisen, dass die Band mit Freude erwartet wird.
Um 20:30 Uhr war es dann so weit. Nora Thiele (als Gast bei den Subways, mir bis Dato nicht bekannt) eröffnete als Percussionistin den musikalischen Reigen. Ich bewunderte das neue Bühnenbild (Gestaltung: Bühnenbauerin Alexandra Hahn), und hinzu kamen die sieben Subways:

Eric Fish – der blonde Sänger mit dem Stirnband, und Flöten und Bagpipe,
Bodenski – der Drehleier und Akustikgitarre spielende Mann mit dem blonden Zopf,
Simon – der Akustikgitarrenspieler mit der aalglatten polierten Frisur,
Frau Schmitt – die Hut tragende Violinistin,
Ingo Hampf – der Laute und Mandoline spielende Musiker mit kurzen blonden Haaren,
Sugar Ray – der Basser mit den langen schwarzen Haaren,
Simon Michael – der blonde Schlagzeuger und Percussionist,
sowie ein weiterer Gast, ein alter Bekannter der Subways: B.Deutung mit seinem Cello.


Gast: B. Deutung

Im lila Licht begannen sie „Die Schlacht“. Nach diesem ersten Titel begrüßte Eric Fish seine Fans und rief: „Ich wünsche euch das nackte Vergnügen mit“... die Fans riefen ihm entgegen: „Subway to Sally“. Bereits in diesem Moment war das Eis gebrochen, der Graben zwischen Bühne und Publikum nicht mehr zu spüren. Weiterhin betonte Eric: „Wir haben die letzten Monate Spaß empfunden. Jetzt fordern wir euch heraus.“ Die Herausforderung gelang, denn sie steckten ihre Fans an, infizierten sie förmlich mit ihrer Energie. Bei manchen Titeln herrschte absolute Stille, jeder Ton wollte genossen werden. Bei anderen Titeln hingegen herrschte im Huxleys Volksfeststimmung, d.h. es wurde gejubelt, mit voller Inbrunst gesungen und getanzt. Hierfür erklangen die unterschiedlichsten akustischen Instrumente. Manch einer hätte mit deren Anzahl ein Minilädchen eröffnen können. Ich staunte über die perfekte Umsetzung. Sicher gar nicht so einfach, neun (!) Musiker gemeinsam musizieren zu lassen. Das klappte beim Beginn der Songs, inmitten waren die Töne aufeinander abgestimmt, und der Genuss blieb bis zum letzten Ton eines jeden Titels erhalten. Die Musiker hatten sichtlich Spaß daran die neuen Arrangements von Ingo zu spielen. Veränderte Akustik bringt erneute Frische in die guten alten Songs. Für die „Henkersbraut“ griff Eric zu einer seiner Flöten, Bodenski kurbelte seine Drehleier und Simon M. sorgte für die richtigen akustischen Anschläge am Schlagzeug.

Erics dominante kräftige Stimme ließ „Die Rose im Wasser“ und den „Krähenkönig“ erklingen, und das Publikum zeigte Textsicherheit bei den „Eisblumen“. Als sich vier Musiker „versteckten“ wurde es still auf der Bühne. Eric, Ingo, Frau Schmitt, Sugar Ray und B.Deutung zelebrierten Bodenski`s Titel „Versteckt“, in dem es um ein Tier geht; genauer um einen toten Fisch. Frau Schmitt und B.Deutung zogen ihren Bogen ganz seicht über die Saiten, und Eric erhob sich beim Gesang um dem Titel mehr Ausdrucksstärke zu geben. Das war das richtige Geschmeide für meine Ohren.
Eric sorgte auch für Aufklärung: „Wir spielen kein Mittelalterrock. Journalisten bezeichnen unsere Musik oftmals so. Die Lieder sind zwar anmutend als wären sie aus dem Mittelalter, aber jede einzelne Note ist nicht älter als 12 oder auch 8 Jahre. Was gemeint ist: Es ist alles von uns!“ „Accingite vos“, in dem Simon mit zweiter Stimme brillierte, erklang teilweise acappella der Neunermannschaft. An der Stelle bekam ich meinen Mund vor Staunen nicht zu. Anschließend deutete Eric auf die Songauswahl hin: „Lieder, die sicher erwartet werden, haben wir dabei. Und auch Lieder, die ihr nicht erwartet hättet“. Er stolzierte am vorderen Bühnenrand von links nach rechts und zurück, sprang freudig umher (ich nannte es in diesem Augenblick "Beton verdichten"). Mit kräftiger Unterstützung des Publikums sangen alle das „Halleluja“ vom „Falschen Heiland“ im roten Licht, vom flotten coolen akustischen Sound umgeben.


Beeindruckende Live-Show

Auf der Bühnendekoration, dem Baum, waren auch Tiere zu finden. Auf einem Ast saßen zwei Krähen, die dann mit einem der ältesten deutschen Subway-Lieder, „Krähenfrass“, eine Adaption eines deutschen Volksliedes, besungen wurden. Mit „Bruder“, ein angebliches Abfallprodukt der Subway-Probentechnik, stellten sie den ersten neuen Titel vor. Auch wenn es im Text hieß: „Bruder, mein Becher ist leer“, durfte Nora mit ihrem Cajon in die vorderste Reihe. „Die Ratten“ hielten das eingeläutete Subway-Fest in Wallung, das Publikum klatschte energisch. Nach stimmungsgeladenen Titeln wie „Auf Kiel“, „Tanz auf dem Vulkan“ und „Veitstanz“ verschwanden die Subways von der Bühne. Im Huxleys wusste man aber genau was zu tun ist, wenn die Band zurückkehren soll. Viele sangen: „Blut, Blut, Räuber saufen Blut...“.

Mit dem zweiten neuen Titel meldeten sie sich zurück. Auch „Spielmann“, mit eingängiger Melodie, begeisterte die Massen. Und anschließend folgte dann doch ein kleiner Bruch. „Ohne Liebe“ und „Sieben“ haben sich die Fans im Vorhinein so sehr gewünscht, dass die Band nicht widerstehen konnte. Bruch deshalb, weil sie bei der ersten Akustiktour bereits gespielt wurden. Die Band verschwand erneut... wieder sangen alle die berühmten Zeilen, die schon vor Beginn des Konzertes und vor dem ersten Zugabeteil angestimmt wurden... Zurück kamen sie ein weiteres Mal. Diesmal mit dem „Kalten Herz“, ein Titel der noch nie live auf einer Bühne erklungen ist. Eric sang u.a. die Zeilen: „Das Herz, das sich zusammenkrampft von Lust und Leid bestimmt, das Sehnsucht und Barmherzigkeit sich sehr zu Herzen nimmt“. Bodenski hat den Titel geschrieben und B.Deutung unterstrich die Ruhe in dem Lied mit seinem Cello. Bei mir blieb nichts kalt, der Song kam bei mir an, mittendrin, im Herzen.
„Die Jagd“ beendete Eric mit seinem Dudelsack, und am Ende, nach zweieinhalb Stunden sangen alle gemeinsam die Subway-Hymne „Julia und die Räuber“ im Chor.

Das Publikum erlebte im Huxleys einen würdigen Auftakt der „Nackt“-Tour. Mit einer gelungenen Uraufführung können die Subways gelassen den weiteren Konzerten entgegen sehen. Ich wollte den Saal nicht verlassen. Per Nebenfahrstuhl wurde bereits das Bühnenbild weggekarrt, um anschließend für die nächste Stadt verladen zu werden. Wer noch ein Konzert erleben möchte sollte sich beeilen. Das letzte Konzert findet am 8. Mai in Regensburg statt. Ein Konzertmitschnitt erfolgt in Stuttgart, es wird für die Ewigkeit festgehalten. Um allen Fans, denen noch ein Konzert bevorsteht, nicht sämtliche Spannungen zu nehmen, wird die gescannte Setliste - sie umfasst 26 (!!!) Titel - erst mit Beendigung der Tour hier eingestellt. Mit einer gewissen Hoffnung verbunden, es wird sicherlich einige Jährchen dauern, warte ich auf „Nackt III“.

Vielen Dank an Subway to Sally für die Einladung, für die gesonderte Sitzmöglichkeit (ich hätte sonst die „Nackt II“-Tour verpassen müssen), und natürlich auch für das wunderbare Konzert! Am Ende möchte ich noch einmal auf das Wort „Ansteckungsgefahr“ zurück kommen. Ich dachte bisher dass Fußverletzungen nicht ansteckend sind... hmmm... gleiche Symptome. Liebe Nora, gerade deshalb gehen hier die besten Genesungswünsche auf den Weg zu dir!

Bitte beachtet auch:
- Portrait über SUBWAY TO SALLY: HIER klicken





Die Setlist vom 15.4.2010:





Fotoimpressionen:


Fotos von André Serfas:




















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