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STAMPING FEET & DIE ROCKYS live in Pirna am 17. Juni 2011
Bericht: Gundolf Zimmermann Fotos: Gundolf Zimmermann
Wir zottelten also mit meiner Blechkutsche in die Stadt an der Elbe. Ganz Pirna schien auf den Beinen und in der Altstadt unterwegs zu sein. Das herrliche Wetter, das Festprogramm, die Aussicht nette, fröhliche Menschen zu treffen sowie die Erwartung auf Speis und Trank lockten das Volk wohl in das Festgebiet. Während am Rathaus noch ein Theaterstück aufgeführt wurde, bei dem sogar Pferde zum Einsatz kamen, postierten wir uns schon an der Hauptbühne. Zwei Radiomoderatoren strapazierten meine armen Nerven mit dem, was wohl gute Laune verbreiten sollte, und mit Hirnlos-Musik aus der Konserve. Ich war heilfroh als Stamping Feet das Drama endlich mit ihrem munteren Auftritt unterbrachen. Eine dreiviertel Stunde gab es das typische Trommelgewitter des Trios aus Berlin. Sven Hertrampf und Basti Reznicek heizten den Pirnaern von Anfang an ordentlich ein. Der dritte Mann im Bunde der stampfenden Füße war Robin Gehlhar am Schlagzeug. Es gab Zeiten, da konnte ich den "Lärm" dieser Kapelle nicht mehr hören. Nach der Jahrtausendwende war Stamping Feet nämlich ein paar Jahre lang sehr oft im Vorprogramm der PUHDYS zu sehen. Diese Auftritte bei den "alten Herren" haben Stamping Feet letztendlich aber nicht geschadet, sondern die Trommelshow wurde so noch bekannter.
Die notwendige Umbaupause zog sich etwas hin und inzwischen konnte man auf dem Platz auch kaum noch treten. Doch die Leute harrten gut gelaunt und geduldig aus. Die Rockys wollten sie nicht verpassen. Wer die Band bisher nicht kannte, ließ sich sicher von der Werbung anlocken, dass in dieser Truppe der sehr bekannte Comedian Olaf Schubert mitwirkt, und den kennen viele aus dem Fernsehen. Der komische Olaf, der mit angeklatschten Haaren und gestricktem Pullunder mit Rautenmuster im breitesten sächsischen Dialekt allen die Welt erklärt und dabei manchmal aberwitzige Gedankensprünge vollzieht, ist längst mehr als ein Geheimtipp. Schubert ist zwar sicher ein Zugpferd für die Rockys, aber er ist nicht der schillernde Mittelpunkt einer Show, sondern er ist Teil der Band. Er sitzt auf der Bühne nämlich als Michael Rock ganz hinten am Schlagzeug und trommelt.
Wenn die Herren als Rockys auf der Bühne stehen, heißen sie alle der Einfachheit halber mit Familiennamen Rock. Nur die Vornamen sind unterschiedlich. Hinter dem Leiter, Sänger und zeitweise Begleitgitarristen Bert Rock verbirgt sich Bert Stephan. Stephan ist sonst auch mit Olaf Schubert und DEKAdance auf Tour. Außerdem hat er auch schon eigene Solo-CDs und Bücher herausgegeben. Harald Rock spielt Gitarre, und als Jochen Barkas ist er auch bei bzw. mit Olaf Schubert unterwegs. Bassist Tom Rock heißt eigentlich Tom Vogel und ihn kennt man von der Rockband Crazy Birds. Das trommelnde Ungeheuer Micha Rock der Rockys ist natürlich der unter dem Namen Olaf Schubert bekannte Betroffenheitslyriker und Wortspielphilosoph höchstselbst. Die Rockys boten in Pirna einen Querschnitt ihres bisherigen künstlerischen Schaffens. Sie covern ja internationale Hits aus den siebziger bis neunziger Jahren. Bisher sind von ihnen 4 Tonträger erschienen. Das Besondere daran ist, dass sie die Texte dieser Lieder ziemlich frei in unsere Muttersprache übersetzt haben, zum Teil aber auch wortwörtlich. Als Ergebnis entstanden wirklich komische Songs bei denen die Musiker die Sau rauslassen. Live kann man dazu herrlich abfeiern. Aus "The Roof is on Fire" von der Bloodhound Gang wurde bei den Rockys "Der Ruf ist im Eimer". Den Pink Floyd-Klassiker "Another Brick in the Wall" verwursteten sie zu "Der Lehrer".
Musikalisch fuhren die Rockys ein ungehobeltes, raues Brett. Sie schafften es so, selbst den schlimmsten Disko-Schlaftabletten neues Leben einzuhauchen. Beste Beispiele hierfür waren "Spielfilmstern" (Harpo's "Movie Star") und "Ja Herr, ich kann Boogie" ("Yes Sir, I can Boogie" von Baccara). Übrigens traten die Herren alle bei verschiedenen Liedern als Hauptsänger in Erscheinung. Gruppenleiter Bert Rock war an diesem Abend nichts und niemand heilig. Sogar die Sponsoren des Stadtfestes bekamen ihr Fett weg. So nannte er das Radeberger Bier mehrmals Freiberger, und er sinnierte auch schamlos über neue Verwendungsmöglichkeiten von Feuerwerksprodukten. Zum Ende hin spielten sie dann sogar "Ich bin gemacht um zu lieben" ("I was made for loving You" von der amerikanischen Gruppe "KUSS" / KISS). Wer wissen wollte, was die Rockys für ihren Auftritt so finanziell einsackten, bekam die nichts sagende Antwort mehrmals als kurzes Liedchen dargeboten: "Die Rockys kriegen doppelt so viel". Micha Rock (alias Olaf Schubert) hat getrommelt wie der Teufel und hatte daran sichtlich Spaß. Bert Rock fotografierte von der Bühne aus auch mal in CITY-Manier das Publikum. Die Rockys spielten bis weit nach Mitternacht auf dem Marktplatz in Pirna und niemanden hat es gestört. In anderen Städten wären um diese Zeit schon lange die Stecker gezogen und die Bürgersteige hochgeklappt gewesen. Wer seine Alltagssorgen mal ein paar Stunden vergessen möchte und stattdessen Spaß mit einer abgefahrenen, frechen Kapelle haben möchte, dem lege ich die Rockys dringend ans Herz. Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen sie anschließend bitte wen sie wollen :-)
Fotoimpressionen:
Stamping Feet: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Die Rockys
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