SCORPIONS live am 30.05.2008 in Greifswald



Bericht: Dirk Schroeder
Fotos: Dirk Schroeder




Klaus Meine und Pawel Maciwoda in voller Aktion...
Verlässlich vital bei Krachern und Balladen
Greifswald... Luftgitarre spielt das Publikum bei Status Quo. Bei den Scorpions greift auch Sänger Klaus Meine gelegentlich zu diesem "Instrument". Zeitüberbrückung zwischen seinen Gesangsparts. Auch in Greifswald am vergangenen Freitagabend hat er sich dieses Stilmittels der Freunde harter Rockmusik bedient. Die Fans im Volksstadion der Hansestadt sind von überall aus der Region angereist zu dem Event, das die Sparkasse Ostvorpommern ermöglicht hat. Die Autokennzeichen verraten es. Sie wollen eine Band erleben, die vor allem Anfang der 1980er-Jahre eine Lücke füllten. Die Scorpions wurden damals zu einer Band, die mithalten konnte mit den ins Metal-Lager abgedrifteten Hardrockbands aus England und den USA. Nur Holland blieb - zunächst - auf der Strecke.
"Es ist schön, wieder in Deutschland zu spielen", ruft Klaus Meine ins Publikum. Vor Greifswald hatte die Band ausgedehnt im Baltikum und Russland getourt. Was hängen geblieben von der Sprache dort? Gitarrist Rudolf Schenker überrascht die Journalisten hinter der Bühne mit einem fließen russisch gesprochenen Statement zur Rockmusik. Gesungen wird dann auf Englisch.
"Bad Boys Running Wild", "Blackout", "Big City Nights" - die harten Sachen kommen mit voller Gitarrenpower von der Bühne. Dafür tun die Bandmitglieder alles. Rudolf Schenker hetzt sich aufs Schlagzeug-Podest, springt zurück auf die Bühne, wieder auf die Box. Eine Rampensau nennt man das wohl. Gitarrist Matthias Jabs schlingt sich derweil um sein Instrument, scheint mit ihm eins zu werden. Dabei vergisst er die Posen nicht, die Metal-Fans nun mal lieben. Gitarre senkrecht in die Höhe gereckt und gespielt, dann Rücken krumm gemacht, Gitarre vor Richtung Publikum. Schenker eilt hinzu, tut dasselbe. Klaus Meine und Bassist Pawel Maciwoda auf der anderen Seite der Bühne üben sich im Metal-Ballett, recken die Hände in Richtung Fans, den kleinen und den Zeigefinger herausgestellt. Stumme Zwiesprache mit denen, vor denen sie spielen.
Die Scorpions sind vital wie eh und je. Kaum eine Spur von Alterserscheinungen, obwohl Sänger Klaus Meine seit gut einer Woche 60 ist. Urgestein Rudolf Schenker zieht am 31. August nach. Dazu die Auffrischung durch die "jungen Wilden" wie Drummer James Kottak (45) und Pawel Maciwoda (41), das ergibt nach wie vor sichtbare Lebendigkeit. Rockig vital eben. Zwischendurch wird's immer wieder balladesk. "Holiday", "Send Me An Angel", "You And I"... Rockballaden haben halt auch 'ne Menge Kitsch-Potenzial. Auch "Wind Of Change", der Song, der innerhalb der Scorpions-Fans polarisiert, wo er ertönt. Geliebt oder gehasst - in Greifswald kommt die Teilung nicht zum Tragen. Er wird angenommen als Hymne des Wandels, auch mit Wunderkerzen - unvermeidlich und dennoch schön. Wandel hingegen ist nicht das Markenzeichen der Scorpions. Sie klingen heute wie vor 20, 25 Jahren. Keine Experimente. Auch optisch nicht. Lederhose eng ist angesagt bei Rudolf Schenker, Totenkopf-Baseballcap bei Matthias Jabs. Klaus Meine hat sein Alter Ego auch auf dem Kopf. Auch hier sind die 1980er-Jahre lebendig. Nur die Brille, die Rudolf Schenker trägt, gab es damals noch nicht. Es ist ein Feuerwerk der Scorpions-Hits, das die Fans in Greifswald an diesem Abend zurückbringt aus der Gegenwart in die Vergangenheit. Von "Still Loving You" zu "Rock You Like A Hurricane" - Best of sozusagen. Das aber auch zeigt, wie nachhaltig die Musik der Band ist. Nicht umsonst kennt man sie in der ganzen Welt. In der ganzen? Nun, es gibt noch Länder, in denen sie nicht gespielt hat. "Australien fehlt noch", erklärt Rudolf Schenker unserer Zeitung. Und in China würde er gern einmal auftreten, sagt er. Das blieb den Scorpions bislang verwehrt.
Für die Support-Band Stanfour ("For All Lovers") ist es nach wie vor eine Ehre, mit den Scorpions auf einer Bühne zu stehen. Ähnliches zu erreichen wie die Vorbilder ist ohnehin schwer geworden für den Nachwuchs, ist doch in der Rockmusik schon alles dagewesen - scheinbar zumindest. Doch langweilig wird's noch lange nicht. Das haben die Scorpions gezeigt - wieder einmal.




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