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Bericht: Hartmut Helms Fotos: Hartmut Helms
90 Jahre Pop und Rock im Doppelpack - Veronika Fischer und die Stern-Combo Meißen in Dresden "Ich bin die Fischer und das ist die Band - und wer bist du?" So tönt es von der ersten Amiga-Single der blonden Rock-Lady. Das ist jetzt 37 Jahre her. Inzwischen weiß jeder zwischen Fichtelberg und Kap Arkona, wer die Fischer ist und die "Altbürger" zwischen Fehmarn und den Alpen hatten auch ihre Chance. Vor kurzem hat "unsere Vroni" ihre sechste Lebensdekade erfolgreich abgeschlossen und vier davon hat sie rockender und singender Weise verbracht - bei der FRED HERFTER COMBO zum Jugendtanz, ich hörte sie Soul-Standards bei der STERN-COMBO MEISSEN singen und natürlich die ersten eigenen Sachen bei PANTA RHEI. Zwischen damals und heute liegen Jahrzehnte des Suchens, Findens und Wiederkehrens. Nun sind wir inzwischen alle reifer an Jahren sowie reicher an Erfahrungen geworden, wir haben politische Strömungen kommen und gehen sehen, und wenn man einiges heute mit etwas Abstand betrachtet, werden die Grenzen im Leben sowie in der Musik fließend. Manches ist schnell vergessen, doch es gibt Lieder und Musikstücke, von denen kann ich nicht genug bekommen, weil sie inzwischen ein Teil meiner eigenen Erfahrungen geworden sind.
Die Sonne meint es nach all dem Mistwetter endlich mal wieder gut an diesem Wochenende und der Theaterplatz ist voller Menschen. Zwischen Semperoper, Schloss und haufenweise Ständen und Buden drängen sich zig-tausende, und eigentlich ist mir diese Enge unangenehm. Als ich ankomme, sind die Sitzplätze und Sitzmöglichkeiten vor der hohen Bühne, auf der noch der Sound gecheckt wird, schon vergeben. Will man jedoch den Musikern in die Gesichter sehen, muss man ohnehin mit langem Hals vor der Rampe stehen, während die Füße die Unebenheiten des Pflasters davor abtasten. Die folgenden sechs Stunden könnten es also in jeder Hinsicht in sich haben. Für mich ist VERONIKA FISCHER die Sängerin der großen "Gefühle" (1991), von Liedern, die ihr maßgeschneidert angefertigt wurden und so beginnt das Konzert auch mit "Sehnsucht nach dir" und "Verlorenes Herz", beides Songs, die schon in der "Neuzeit" entstanden. Sie erzählt kleine Geschichten aus dem Leben, sie singt von der Liebe und von der Sehnsucht. So auch die wunderschöne Melodie von "Madame", die ihr Manfred Maurenbrecher als "Weit übers Meer" schrieb. Wenn ich das Lied höre, denke ich stets an Scott Walker's Version von Brel's "Amsterdam", das die gleiche Melancholie und tiefe Sehnsucht ausstrahlt. Doch leider geht bei diesen "Riesen-Muggen" die Schönheit der Lyrik in Hitze, Schweiß und Nebengeräuschen ein wenig unter. Auch, dass sich eine neue CD von ihr auf dem Weg befindet und sie daraus vorab schon mal etwas zu Gehör bringt, war nur nebenbei zu verstehen. Die meisten hörten wohl erst richtig hin, als sie vom "Klavier im Fluß" und von der Wiese sang, auf der wir, und wer weiß noch, "gelegen und Gras gekaut" hatten. Es sind wohl auch diese Klassiker der Fischer, auf die sie alle warten und natürlich bekommen wir die "Lieder unserer Jugend", wie einer neben mir bemerkte. Für viele ist es ein Wiedersehen und Hören nach langer Zeit und für manche ein besonderer Tag. So auch für den Gitarristen von Vroni, der an diesem Tag seinen Geburtstag feiert. Von tausenden Menschen einen Geburtstagsapplaus zu bekommen, erlebt sicher auch Udo Weidemüller nicht ganz so oft. Dann erklingt mitten im Sommer "Wenn ich eine Schneeflocke wär", das ihr, wie viele andere auch, Franz Bartzsch schrieb und das "einfach zu mir gehört". Sie sagt es und man spürt noch immer den Kloß im Hals und in ihrer Stimme. Neben "Guten Tag" und auch "Sommernachtsball" gefiel mir persönlich deshalb auch wieder das Duett "In jener Nacht" am besten, dass sie eigentlich mit Franz Bartzsch hätte singen müssen. Diese Rolle übernimmt in der Gegenwart ANDREAS GUNDLACH, einer der beiden Männer an den Tasten, und auch so büßt dieser Song nichts von seiner Schönheit ein. Vroni stellt sich zu ihm auf das Podium und von dieser Position erstrahlen beide Stimmen weit über das Menschenmeer auf dem Theaterplatz, der inzwischen brechend voll ist. Von da oben muss das eine gigantische Kulisse sein. Viel zu schnell sind die 90 Minuten im gleißenden Sonnenlicht vergangen. Es gibt noch eine Zugabe und dann verabschieden sich VERONIKA FISCHER & BAND. Jetzt haben die Bierstände, ganz im Gegensatz zur Weltwirtschaft, Hochkonjunktur. Andere wiederum zieht es zum Seiteneingang, um dort auf die Künstlerin, in der Hoffnung auf ein Autogramm, zu warten. Selbst Bernd "Benno" Fiedler, der einstige Bassist der Stern-Combo Meißen, steht in der Schlange. Wer mich kennt, der weiß, dass ich diese Chance nicht ungenutzt vergehen lasse und so muss Vroni Minuten später ihr Autogramm neben den Schriftzug von Benno auf eine dieser uralten Autogrammkarten aus den frühen 70ern schreiben. Was interessieren mich die Weltwirtschaft und die Konjunktur, wenn ich meine Sammelleidenschaft ausleben kann! Letzteres habe ich wenigstens durch Eigeninitiative auch selbst im Griff.
Die sechs Herren, die gegen 19.00 Uhr froh gelaunt die Bühne neben der Semperoper betreten, kennen keine Aufwärmphase. Nach einem kurzen Instrumental-Intro beginnt mit wuchtigen Klängen aus den Tasten "Der weite Weg" und spätestens mit der markanten Melodieschleife der "Sage" waren Publikum und Band zu einem Ganzen verschmolzen. Larry B., der Mann am Gesangsmikrofon, hatte wenig Mühe und brauchte nur wenige Worte, um den verbliebenen leeren Platz direkt vor der Bühne zu füllen. Als er dann auch noch "den größten Welterfolg seiner Band in der DDR" ankündigte und die Adaption von Vivaldi's "Der Frühling" erklang, waren die vielleicht knapp 10.000 Sachsen und deren Gäste vor der Bühne glücklich. Es ist immer wieder ein Genuss, die beiden Keyboarder THOMAS KURZHALS und MAREK ARNOLD beim Spiel mit den Tasten zu erleben. Dennoch fiel einigen auf, dass ein Platz auf der Bühne leer geblieben war. Das Fehlen von NORBERT JÄGER zu erklären, fand Larry ebenfalls die richtigen Worte. Einer, der beinahe 50 Jahre das Bild und den Sound der Band mit geprägt hatte, musste sich entscheiden und seiner Gesundheit Priorität einzuräumen, was ihm ganz sicher nicht leicht gefallen ist. Einer hinter mir sprach aus, was viele andere sicher auch dachten: Die Band und der Musiker mögen die Zeit und den Ort für einen angemessenen Abschied von seinen vielen Fans finden. Erst dann, so glaube ich, wird das alte Blech mit seinem Namenszug darauf den eigenen Klang auf der Bühne entfalten können, der den Sound von "Südpol" bis "Sage" komplett macht. "Der Alte auf der Müllkippe" hat ohne Zweifel an diesem besonderen Abend in Dresden gefehlt und alte Fans werden "den Alten" auch noch eine Weile länger vermissen, doch auch viele unausgesprochene Wünsche werden ihn auf seinem Weg begleiten. DANKE NORBERT und alles Gute für dich! Der Blick der Band war schon immer und ist auch in dieser Sommernacht nach vorn gerichtet. Es werden immer mehr Lieder live gesungen, die Fan nun auch aus den heimischen Boxen hören möchte. "Ein Tag, ein Jahr, ein Leben" ebenso wie "Das kurze Leben des Raimund S.", die inzwischen zum Standardprogramm der Band gehören und ebenso gefeiert werden, wie etwa die kompakte Konzertversion "Weisses Gold", die auch in Dresden erklang. Seitdem THOMAS KURZHALS mit seinem innovativen Tastenspiel wieder den Sound der Combo bestimmt, sind einige neue Stücke entstanden, hat auch die Experimentierfreudigkeit wieder zugenommen. Wer, wie viele in Dresden, die Band seit langer Zeit wieder einmal live gehört hat, wird vielleicht voller Staunen so ein Stück wie "Lebensuhr" vernommen und staunend den rauen Klang eines Saxophons gehört haben. Der Titelsong der kommenden neuen CD überzeugt eben auch dadurch, dass er scheinbar anders ist, als die alten. Doch diesen Effekt hatten wir vor Jahren bei "Wir sind die Sonne" auch schon erlebt und in Dresden wurde er von der Menge begeistert mitgesungen, während zwei Rocker auf der Bühne versuchten, dazu ihre Tanzbeine zu schwingen. Hörgewohnheiten ändern sich auch mit der Zeit und so verwundert es auch nicht, dass zum Ende des Konzertabends mit der STERN-COMBO MEISSEN schon viele in der Menge "Die gelbe Elbe" begeistert mitsingen, während etliche Reihen weiter hinten über den süffisanten Text spontan gelacht wird. Es kann also durchaus sein, dass es nicht nur bei den Tausenden Hörern vor der Bühne kleine Überraschungseffekte gegeben hat, sondern dass die kommende CD gar noch mehr solcherlei überraschendes Liedgutes für die heimische Anlage und die neugierigen Ohren bereit hält. Einfach nur leichtes Konsumgut darf man von der Combo jedenfalls nicht erwarten und das ist gut so! Die Herren um MARTIN SCHREIER, der anno 1964 die Band in MEISSEN gründete, sind also noch immer auf einem "weiten Weg" und ihre einzige Konstanten sind, wie man inzwischen weiß, die Veränderung und der Bandchef. So ein Konzert vor tausendfacher und historischer Kulisse macht nicht nur den Fans Freude, es gibt sicher auch Energie, noch möglichst lange musizierend zu unserer Freude unterwegs zu sein, damit immer wieder mal, wie in Dresden vor dem Konzert geschehen, von unten eine kleine Lady rufen kann: "Hallo, Opa Martin, hier bin ich!". Das allein war den Wartenden einen Riesenbeifall wert. In diesem Sinne, Gratulation, meine Herren, zum tollen Konzert beim Stadtfest 2011 in Dresden und bis zum nächsten Höhepunkt in der Bandgeschichte, wann und wo auch immer das Event stattfinden wird!
Fotoimpressionen:
Beobachtungen am Rande: ![]() ![]()
Auftritt: Veronika Fischer ![]()
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![]() ![]() ![]() ![]() Auftritt: Stern-Combo Meißen ![]()
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