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Helge Schneiders "Wullewupp Kartoffelsupp" live am 02.03.2009 im Berliner Admiralspalast Bericht: Petra Heinzel Fotos: Petra Heinzel
Kurz vor 20:00 Uhr bestieg ich eine größere Wendeltreppe und gelang schließlich durch Tür 3 auf den mittleren Balkon. Von dort aus hatte ich einen wunderbaren Blick auf das gesamte Theater, verschwand aber trotzdem im Verlaufe des Abends nach unten, denn ich wollte auch ein paar Bühnenbilder mitbringen. Nach dem berühmten dreimal Klingeln teilte sich um 20:05 Uhr der große weinrote Vorhang in zwei Hälften, sie fuhren nach rechts und links. Helge's Musiker eröffneten den Abend vor ausverkauftem Haus. Erst mit Beginn des zweiten Liedes betrat Helge, wenn man es denn als Betreten bezeichnen kann, mit großen und kleinen Schritten und Kopfbedeckung, in Form einer Mütze, die Bühne. Das Publikum begrüßte ihn jubelnd und Helge grüßte mit seinem verschnitzten Lächeln zurück: "Äh... guten N'abend". Er wunderte sich kurz über zwei frei gebliebene Plätze in den vordersten Reihen, reagierte natürlich mit entsprechendem Witz und fuhr fort: "...einer der schönsten Montäger... auf jeden Fall hab' ich `ne Band dabei". Mit gezogener Mütze stellte er diese vor: Sandro Giampietro an der Gitarre, Jochen Bosak am Klavier, Reinhard Glöder am Bass, den Engländer Pete York am Schlagzeug, Sergej Gleithman an Saxophon und Percussion und seinen Teekoch Bodo Österling. Bodo, der angeblich schon 16 Jahre bei Helge in Ausbildung ist (günstig, kostet nichts), erschien mit einem Tablett und reichte Helge eine weiße Tasse und füllte diese mit Tee, der sogar laut Helge gut riecht, nicht auf pflanzlicher Basis zu sein scheint, also vielleicht tierisch? Im weiteren Verlauf des Abends genoss Helge des Öfteren seinen Tee, holte aber zuvor einen Kamm aus seiner Tasche und korrigierte seine Frisur. Für mich hatte er schon gewonnen, er hätte an diesem Abend nichts Großes mehr leisten müssen. Wenige Worte und seine Gestik genügen, schon könnte ich mich kaputtlachen. Er nahm vieles auf die Schippe, aber eben nicht irgendwie, sondern mit seinem einzigartigen Charme. So betonte er: "Die Finanzkrise ist erst am Mittelstand... noch nicht in Berlin" oder auch "Meine Band... da sind hervorragende Plastinaten dabei... für Körperwelten", und sucht auf Knien den klein bleibenden Peter Maffay, will sich aber natürlich nicht über Kollegen lustig machen. So fragte er u. a.: "Kennt ihr Milva? Nö? Ich kenn` die auch nicht". Der Helge, das ist schon ein "Schlitzohr": Plötzlich begutachtete ein großer brauner glänzender hübscher Hund die Bühne. Helge äußerte: "Hab` ich denn jetzt schon Kotelett bestellt? Keine Angst wir haben Sicherheitsstufe 32." Dann sang er sein erstes Lied "Text vergessen... scheiß egal... ich bin der Telefonmann...", in dem Sandro mit einem Gitarrensolo glänzte und Helge mit Schellenkranz vibrierte. Die Zuschauer brauchten sich aber nicht nur mit dem alten Text vergnügen, nein! Helge sang auch vom Arzt, dem er 10 Euro fürs Quartal gibt. So ganz nebenbei erwähnt Helge: "Wir arbeiten... ihr habt frei" oder erzählt auch interessantes über "Germanies (spricht dieses Wort ganz langsam, in einzelnen Buchstaben lesend) next Topfmoppel" und irgendwann waren zwei Hunde auf der Bühne zu finden. Der hübsche Braune hatte einen kleinen niedlichen schwarzen mitgebracht. Helge erklärte auch, dass die Mehrzahl von (Indi)viduum Vidii sei und die Mutter der wichtigste Mann bei der Geburt. Bevor Helge sang "Hast du eine Mutter, dann hast du immer Butter", setzte er seine Brille auf, da er auch nicht mehr der "Klarsichteste" ist. Er wollte schließlich nicht den falschen Knopf seiner Trompete bedienen, denn diese würde sich mit einem falschen Ton rächen. Das Publikum wurde mit einem Gesangspart beglückt, so sangen alle im Saal "Die Trompeeeeeten von Mexiko" und Sergej huschte kurz mit einem Mexikanerhut über die Bühne. Bevor Helge dem Saxophon richtig gute Töne entlockte, griff er zu Basecap und Sonnenbrille und nacheinander spielten Reinhard, Sergej, Bodo und Pete ihre Solis. Sergej war der sportlichste Typ von allen. Er hatte, wie Helge so schön sagte, die Haare von Udo Walz nach unten legen lassen (sein langer Bart), und präsentierte in seinen schwarzen Leggings nebst Ballerinas einige Turnübungen. Später mimte er noch unterschiedliche Tiere, den Meisenmann und eine Katze. Nach einer ca. 20-minütigen Pause verzauberte Sandro für einen Moment den Admiralspalast mit seinem Gitarrensound. Und Helge kann sogar englisch sprechen: "We reading english - Wir reden englisch". Das Publikum warf "Chicken" ein und Helge erwiderte sofort: "Ich muss mal wieder einen Brief verhühnern". Er zeigte auch sein Können als Flötist, benötige hierfür nur F-Dur, so dass man am Ende, wer wollte, "Drei Chinesen mit'm Kontrabass" erkennen konnte. Klavier spielte er an diesem Abend nicht, denn Jochen übernahm mit Bravour diesen Job. Mit seinem riesigen Vibraphon kam Helge, rein zufällig natürlich, auf die Tatortmelodie und erzählte dazu eine passende Geschichte. Er wirbelte wie wild auf seinem Vibraphon, verstand sein Handwerk, auch beim "Tekkno". Für ein Schlagzeugsolo ließ die Band Pete alleine auf der Bühne zurück, er begeisterte die Zuschauer mit seinem Solo. Mr. Katzeklo sang natürlich auch sein berühmt berüchtigtes Lied. Bodo übernahm den Refrain und Helge die Strophen. Erst wollte sich Helge verabschieden: "Schon nach halb elf, mein Bus kommt gleich", entschied sich dann aber doch für das Akkordeon, mit "hopp, hopp, hopp" forderte er eine schnellere Übergabe durch Bodo, mit der Drohung: "Mein getreuer Diener Bodo... morgen wirst du verkauft an Grönemeyer". Helge spielte einen Tango, den gefährlichsten Tanz der Welt, er ließ dabei seinen Kopf zackig nach links und rechts fliegen. Er beherrscht nicht nur die englische Sprache, sondern auch französisch, wie Wasch-Beton, Schoschone und Pari Pari Pari, beim harten "P" wurde es in der ersten Reihe etwas feucht. Am Ende stellte Helge noch einmal seine Band vor. Die beiden Vorhänge bildeten wieder eine Einheit, öffneten sich aber aufgrund des begeisterten Publikums noch zwei Mal für einen kurzen Moment. Die gesamte Band verabschiedete sich dann an der vorderen Bühnenkante. Sogar Reinhard schaffte den Weg nach vorne. Er saß den ganzen Abend fast bewegungslos zur rechten des Drummers, Helge sagte über ihn: "Der Tropf wurde heute etwas zu schnell gestellt". Mit einer Mini-Zugabe ging dann gegen 22:50 Uhr ein schöner Abend zu Ende. Ich kann nur jedem empfehlen: schaut euch Helges Show an. Er ist ein Multitalent, er kann singen, viele Instrumente spielen, schauspielern, witzeln, und und und... er ist einmalig. Es war einer meiner schönsten "Montäge" und ich möchte daher dem gesamten Team herzlich für die Einladung danken! Helge, wir sehen uns wieder! Foto Impressionen: ![]() ![]()
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