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Sachsendreier am 29.03.2008 im Bürgersaal in Naunhof Bericht: Fred Heiduk Fotos: Matthias Ziegert, Antje Lippert
Begonnen hat es vor 10 Jahren. Da fanden sich Größen des Ostrock zusammen, um miteinander Musik zu machen, gemeinsam an alte Zeiten und Erfolge zu erinnern, und so den ‚Art Rock', diese spezielle Spielart ostdeutscher Musik, in Erinnerung zu bringen, und ihm damit, sicher eher ungewollt, eine Art Denkmal zu setzen. Die Stern Combo Meißen, Electra und Lift, die drei sächsischen Bands, die in der DDR zu den Bekanntesten überhaupt zählten, treten zur Freude der Fans seit 1998 regelmäßig mit einem gemeinsamen Programm auf, in dem sie einige ihrer großen Hits im Wechsel darbieten. Möglicherweise ist die Verbindung zum "Sachsendreier", so der Name des Gemeinschaftsprojektes, auch davon beeinflusst, dass einzelne Musiker, insbesondere die Sänger in mehreren der Bands aktiv waren, und von daher eh Berührungspunkte bestanden. Neben der "großen Besetzung" gab es seit geraumer Zeit den Sachsendreier auch im Kleinen. Dort traten die großen Stimmen und Frontmänner der Sachsenbands, Werther Lohse, Stefan Trepte und, bis zu seinem krankheitsbedingten Ausscheiden, Reinhardt Fissler sowie der electra Keyborder Andreas Leuschner miteinander auf. In dieser Runde sind die "Geschichten vom Sachsendreier" dem Buch von Jürgen Balizki zu den drei Bands, das Bindeglied zwischen der Musik. Am 29.03. traten nun Werther Lohse, Stefan Trepte und Andreas Leuschner als Sachsendreier im voll besetzten Bürgersaal in Naunhof auf. Und man kann mit Fug und Recht sagen, es wurde ein wunderbarer Abend. Das Publikum war buntgemischt. Alle vereinte die Frage, wie geht das, der Sachsendreier zu zweit und ohne großes Orchester? Wie gesag: das wurde von Andreas Leuschner am Flügel ersetzt. Erstaunlich, was er zauberte, wenn er Leadgitarre, Rhythmusgruppe, Tasteninstrumente und gar die Bläser ersetzen muss. Wenn man das Instrument wie Leuschner spielen kann, geht das erstaunlich gut. Was der Flügel nicht schaffte wurde durch ausgefeilten Stimmeinsatz Treptes und Lohses kompensiert. Natürlich waren die Darbietungen nicht der Art, wie man sie von den Platten oder aus den Konzerten der Bands kennt. Bei einigen Titeln waren sogar ein paar schiefe Töne zu hören. Doch tat das der Stimmung keinen Abbruch. Das gesamte Programm strotze vor guter Laune, Spielfreude und Witz. Gekonnt schoben sich die drei Musiker die Einsätze zu und brillierten mit dem was sie darboten. Insgesamt wurden fast 20 Titel gespielt, die das Groß des Publikums sicher alle hätte mitsingen können. Sie einzeln aufzuzählen wäre müßig. Die Auswahl reichte von "Wasser und Wein", mit dem das Programm eröffnet wurde, über "Das Bild" bis zum "Kampf um den Südpol", bei dem Lohse noch einmal auf Fissler zurück kam. Das Konzert hätte noch eine ganze Weile weiter gehen können, ohne das es langweilig geworden wäre. Es wunderte am Ende eigentlich nur, dass mit der "Tagesreise" und "Tritt ein in den Dom" zwei der bekanntesten Titel nicht im Programm waren. Aber vielleicht sind die für Klavier und zwei Stimmen wirklich zu mächtig? Wie gewaltig auch ohne große Anlage die beiden klingen können, deuteten sie in einigen Titeln an. Für mich ragten in der Beziehung "Ach du falsche Schöne" und "Mein Herz soll ein Wasser sein" heraus. Worauf ich unbedingt hinweisen möchte, ist die Freude, mit der die drei Musiker nicht nur beim Musizieren bei der Sache waren. Vielmehr stellte sich schon kurz nach Beginn heraus, dass Stefan Trepte über ein erhebliches komödiantisches Talent verfügt und dieses zu aller Freude auch einsetzt. Als er einen Stasibericht über die Beat-, Tramper- und Fanszene in der DDR vorlas, hatte er dank prononcierter Sprache und einiger köstlicher Kommentare, die ersten Lacher auf seiner Seite. Sein Kommentar: "Damit wart Ihr gemeint...", nach einer Litanei von Abfälligkeiten und Geringschätzung für Musiker und Fans aus dem Stasibericht ans Publikum gerichtet. Es hatte schauspielerische Klasse und deutete an, dass der ganze Abend zu einer vergnüglichen Angelegenheit werden würde. Trepte und Lohse zitierten aus dem Buch "Sachsendreier" und erzählten frisch und frei alte, noch ältere aber auch neuere Begebenheiten aus ihrem Musikerleben. Ganz offensichtlich hatten sie Vergnügen dabei, wie auch an den kleinen Spitzen und Kommentaren zu den Geschichten des jeweils Anderen. Das Publikum wurde in dem Abend nicht nur durch ihr Zuhören einbezogen. Zur Überraschung der Musiker wurde das Angebot Fragen zu stellen, auch genutzt. So erfuhr man auf Nachfrage, was Bürkholz damit zu tun hat, dass Werther Lohse fast bei Renft gelandet wäre, warum Stefan Trepte früher kein Konzert mit Olaf Beyer spielen wollte und wie die DDR Fernsehgewaltigen sicherstellten, dass es bei den Livesendungen nicht zu ungeahnten Zwischenfällen kommen konnte. Dazu kamen Episoden aus dem Buch, Geschichten um die einzelnen Titel und eben viele kleine Gedanken, die aufs Köstlichste ins Programm eingebracht wurden. Da wurde erklärt, was Mocca Edel mit der Karriere Treptes zu tun hat, es wurde das Verhältnis Treptes zu Peter Sandkaulen und Holger Biege beleuchtet, und warum Jürgen Balizki "Zwei gute Freunde" vor der Vorstellung des Buchs "Geschichten vom Sachsendreier" sang. Wozu Treptes Aussöhnung mit Springburgen führte, war zu hören und brachte nicht nur das Publikum, sondern auch Werther Lohse zum Lachen. Mehrfach hatte Lohse das Publikum aufgefordert, Musikwünsche per Zettel auf die Bühne zu reichen. Als dem Wunsch zum Ende des Konzerts nachgekommen wurde und plötzlich wirklich ein Zettel auf der Bühne lag, gab es den bissigen Kommentar: "Du hast doch mit dem Scheiß angefangen! Jetzt mach mal!" Nach gut 2 ½ Stunden Musik und Geschichten, die von einer kurzen Pause unterbrochen waren, gab es reichlich Beifall, der in einer Zugaberunde ausklang. Dass die Musiker danach völlig unkompliziert für Autogramme und kurze Gespräche zur Verfügung standen, rundete den Abend gewissermaßen ab. Kurzum - wer die Gelegenheit hat, die Geschichten vom Sachsendreier live zu erleben, sollte sich diese Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen. Wo und wann man das Programm erleben kann, erfährt man auf den Bandseiten. Foto Impressionen:
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