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Blitze, Balladen & Erinnerungen - Gaby Rückert und Ingo Koster live Manchmal gibt es Tage, an denen geschehen einem so klitzekleine Dinge, die sich dann hartnäckig im Hinterkopf halten, so dass man den ganzen Tag glattweg unter dieses eine Thema stellen könnte, obwohl natürlich völlig andere Ereignisse viel wichtiger waren. Es gibt Geburtstage, Hochzeitstage und Feiertage. Ich hatte gestern meinen Blitzlicht-Tag. Schon wenige Kilometer nach dem Start mit dem Auto in Richtung Wittenberg, wir durchfuhren gerade eine der schönen waldreichen Gegenden in unserer Umgebung, da kam plötzlich von rechts aus dem Waldrand so ein kleines, markant rotes Vögelchen geblitzt. Bei 120 km/h hab' ich natürlich nicht sofort an den neuen Bußgeldkatalog gedacht. Die Idee kam erst 50 Kilometer weiter. Zum Glück hatte ich meine persönliche Therapeutin neben mir sitzen und so wetterte ich mir erst mal den ganzen Frust um das teuer erfahrene Passfoto von der Seele. Nun gut, dieses Jahr werde ich wohl nicht mehr "beglückt" werden, sagt die Statistik. In der Lutherstadt Wittenberg gibt es mit dem CLACK-THEATER eine kleine aber feine Spielstätte, in der GABY RÜCKERT und INGO KOSTER sich als Gäste angekündigt hatten. Diese Duo-Variante einmal live erleben zu dürfen, hatte ich mir schon lange gewünscht und nun war es endlich an der Zeit, einen entspannten Musikabend mit Freunden zu verbringen. Doch so mancher Konzertbesuch ist nicht einfach nur ein angenehm verbrachter Abend, nein, manchmal wird daraus für Momente einer Tonfolge eine Reise in das eigene ICH, in eine frühe Gefühls- und Erlebniswelt. Das bleibt nicht aus, wenn man die alten Lieder hört und die Künstler trifft, die seit Jahrzehnten mit diesen Liedern unweigerlich in Verbindung gebracht werden.
Ganze zehn Jahre nach "Maja" sang GABY RÜCKERT mit "Berührung" eines der schönsten Liebeslieder, das noch heute in den Köpfen vieler Menschen hier fest eingebrannt ist und bei vielen noch immer für einen eigenartigen Glanz in den Augen sorgt. Deshalb, und in Erwartung neuer Lieder, waren wir nach Wittenberg gefahren. Wir hatten in dem kleinen Theaterraum einen schönen Platz direkt am Podium gefunden. INGO und GABY saßen etwas abseits, eine Gelegenheit, die beiden kurz zu begrüßen und höflich nachzufragen, ob denn Fotos gemacht werden dürften. Ein klares JA von Ingo und eine Bemerkung vom Veranstalter, doch bitte das Publikum mit Blitzlicht nicht zu stören. Da hätte ich stutzig werden sollen! In kurzen Abständen ertönt drei Mal ein Gong und mir ist, als würde ich nun tatsächlich in eine ältere Zeit zurück gebeamt, fast wie im Kino. Vor einem samtroten Vorhang im Hintergrund, beginnen GABY RÜCKERT & INGO KOSTER die musikalische Reise in eine Welt von Liebesliedern und Balladen: "Irgendwann willst du mal dort sein, wo du nie gewesen bist", singt Gaby in "Einmal hin und zurück" und ist schon mit ihrem ersten Lied mitten im neuen Album "Lebenswert" und gleichzeitig auch mitten im Hier und Heute. Die beiden singen erstaunlich offen und frei aus ihrem eigenen Leben, aus den letzten Jahren, in denen das neue Album entstand. Sie offenbaren dabei ihre Gefühle und ich kann Gedanken lesen, die ich auch als meine eigenen erkenne. "Von aller Heimat" ist ein solches emotionales Kleinod, von Kindheitserinnerungen aus anderen Zeiten, die untrennbar zu uns gehören. Wie man es von GABY gewöhnt ist, trägt sie die Songs mit der ihr eigenen Emotionalität in der Stimme vor, berührt die Herzen und weiß sich darüber zu freuen. INGO's Gitarrenspiel, mal dezent im Hintergrund, mal kräftig und rhythmisch, passt perfekt zu den Liedern und wenn er, meist die zweite Stimme, singt, dann klingt alles warm und aus einem Guss. Singen beide mal ganz leise, ist man gezwungen, sehr genau hinzuhören. Dann erschließen sich nicht nur die Schönheit der Kompositionen, die klangvollen Melodien, sondern auch die nachdenklichen Worte. Viele von Gaby selbst geschrieben und auch von Gisela Steineckert. Und dann erklingt nur seine Gitarre und sein Gesang. INGO KOSTER, dessen Stimme noch immer weich nach "Maja" klingt und in ihrer Intensität nichts, aber auch gar nichts, eingebüßt hat. Dann endlich sitzt er allein im Scheinwerferkegel, singt und zufrieden lächelnd genieße ich die Stimme, die einst einer "Maja" das klangvolle Gesicht gab. Mensch Ingo, davon solltest DU viel mehr schreiben und singen! Natürlich erwarten die Gäste vor dem Podium auch die großen Hits aus alten Zeiten, schließlich schrieb Ingo einst einen wichtigen Teil Rockgeschichte in deutscher Sprache, als er die "Mokka-Milch-Eisbar" besang und Gott sei Dank, hat der Song nichts von seinem Glanz verloren. Gleiches gilt für "Teil mit mir", jenem Glücksgriff von Thomas Natschinski, der die meisten Songs für Gaby schrieb. Im Laufe des Abends outen sich beide außerdem als Katzenliebhaber: "Wenn du eine Katze siehst, gewinne sie für dich und liebe mich." Diese Liebe haben sie mit Barbara Kellerbauer gemeinsam.
Endlich ist es Zeit für "Berührung", jenen tollen Song, mit dem wir alle unsere eigenen Erinnerungen und den Namen GABY RÜCKERT verbinden. Zu recht, denn das Lied ist unser aller Deja Vu in Sachen Jugendliebe und das alles ohne jeden Schmalz, schlicht und ehrlich. Mit "Eines Tages wirst du gehen" klingt der Abend langsam aus, sehr nachdenklich und beinahe zu gefühlsschwer. Eine berührende Melodie und Worte, die sehr nachdenklichen machen und ein weiteres Deja Vu verursachen, denn der diese Zeilen schrieb, erfand einst auch die Worte für die "Mokka-Milch-Eisbar", Hartmut König. Oups, er schreibt wieder! Ganz zum Schluß noch ein Lied zur "Gute Nacht", das uns mit einem Augenzwinkern sagt, dass ein schöner Liederabend zu Ende gegangen ist. Licht an, Spot aus und der rote Hintergrund hört auf zu leuchten. So eine Liedernacht lässt man noch langsam ausklingen, trinkt sein Glas in Ruhe aus, sucht und findet Gespräche, um seinen Gefühlen Raum und auch Zeit zu geben. Schön, zwei Weggefährten von einst wieder live erlebt zu haben und die Vorfreude auf weitere neue Lieder mitzunehmen. Natürlich möchte man von so einem Abend nicht nur klangliche Erinnerungen mit nach Hause nehmen. Ein paar Fotos sollten auch sein, zumal sie sich gut als Ergänzung zum geschriebenen Wort machen. Doch schon nach den ersten Blitzen meines Billigknipsers wurde ich nachhaltig darauf hin gewiesen, das Publikum nicht zu stören, ohne Blitz zu agieren und das bitte nur aus einer einzigen Richtung - das kam mir von der Straße her bekannt vor und dies wiederum tat meinem Blutdruck nicht gut! Es war wohl doch mein Blitzlicht-Tag, so oder so. Dieses Frust-Erlebnis hätten mir die beiden vom Clack-Theater ersparen sollen und können. Mit 60 und nüchtern ist Mann weit davon entfernt, den kreischenden Fan raushängen zu lassen! Nur dumm, dass wie aus Trotz von den wenigen Schnappschüssen noch weniger brauchbar geworden sind. Da hat mein blöder Knipsapparat auch noch geschmollt. Ein weiteres rotes und blitzendes Vögelchen vom Straßenrand ist mir auf der Heimfahrt erspart geblieben und so wird wohl der Landkreis mit nur einem Starfoto von mir Vorlieb nehmen müssen, trotz Blitzlicht-Tag. Bericht: Hartmut Helms
Fotos: Hartmut Helms
Fotoimpressionen:
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