![]()
Bericht: Hartmut Helms Fotos: Hartmut Helms
Vom Beat(les)-Virus angesteckt - The RoofTops Das Virus kam aus Liverpool, aus der Gegend um den Mersey-River, und es hat sich mit dem Geruch und Schmerz von den Baumwollfeldern sowie mit der schwülen Hitze der Sümpfe in Amerikas Süden eingelassen. Es hat die Sehnsucht aus Montanas Bergen inhaliert und sich mit dem Zauber der Kelten umgeben. In immer wieder wechselnden Verkleidungen geistert es seit den frühen 60ern durch unser Leben, peitscht es an oder taucht es auch wahlweise in bittersüße Tränen. Wie eine Krake hat es seine Tentakel überall dorthin gesteckt, wo es die Alten ärgern und die Jungen anstacheln kann. Rockmusik ist heute überall, sie hat sich angepasst, sich etabliert und trägt auch schon mal Krawatte, Fliege oder Reifrock. Nur der Großvater namens Beat, dieser alte Zausel, wehrt sich erfolgreich und vergnügt sich noch immer damit, junge Leute anzustecken. Beatmusik ist keine Massenepidemie mehr, aber wer das kleine freche Virus trifft, wird von ihm angesteckt. Immer noch und überall.
Wenn dann ein alter Beatnik die Zeilen "Roll up for the mystery tour" liest, weiß er auch ohne weitere Erklärungen, was damit gemeint ist. Er holt sich noch einmal die kleine Doppel-EP mit Booklet aus dem Regal, blättert durch die Fotos und Comics und lauscht selbstvergessen hinein in den Sound von "I Am The Walrus", ehe er sich auf die lange Fahrt nach Dresden und runter zur Elbe macht. Im Kunsthof Gohlis wird man(n) zum Wiederholungstäter. Nicht nur des Ambientes und der Katzen wegen, sondern vor allem, weil immer mal wieder außerhalb der Mauern von Dresden wenig bekannte Projekte wie eben die junge Band THE ROOFTOPS eine Chance bekommen.
Wer tanzen wollte, hätte dies bei "Lady Madonna" oder "Revolution" machen können. Der alte Beatles-Fan hingegen saß da und lauschte schelmisch, wie die vier da vorn "Good Morning" umsetzten, während er sich das Gackern und Kreischen des Bauernhofes selbst dazu dachte. Es macht wirklich Vergnügen, diese Songs live zu hören, sie zu genießen und sich ab und an auch zu wundern, warum man so manchen Text wie aus dem Nichts wieder drauf hat. Irgendwie kamen die Erinnerungen an jene Tanzabende, da die neuen Songs der Liverpooler immer brandaktuell von Theo Schumann, der Uve Schikora Combo oder Fred Herfter nachgespielt wurden.
Das legendäre Dachkonzert klang einst frostig und trocken mit "Get Back" aus und so machen es die vier ROOFTOPS auch. Danach waren die BEATLES am Ende und die vier "Dresdner vom Dach" vermutlich noch Fantasiegebilde ihrer späteren Eltern. Die Musik aber und das Lebensgefühl, das sie transportierte, wirken noch immer ansteckend und was schöneres kann ich mir für die heutige Generation auch kaum vorstellen. Zeit also, endlich mal wieder die "Abbey Road" oder das weiße Doppelalbum aufzulegen. Nur wer sich ab und an erinnert, weiß heute, wie er sich morgen gern fühlen möchte oder so ähnlich. Auf jeden Fall aber nicht alles so tierisch ernst nehmen, Leute. Wie sonst hätte ein Song wie "Hey Bulldog", der eigentlich "Hey Bullfrog" (Hey Ochsenfrosch) hätte heißen sollen und mit einem "Yellow Submarine" (Gelbes Unterseeboot) daher kam, ein genialer Geniestreich einer genialen Band werden können?!
Fotoimpressionen:
![]() ![]() ![]()
![]() ![]() ![]() |