Rockfest Neustadt in der Kulturscheune
Langburkersdorf am 2. und 3. Juli 2010
(Teil 1)

(Mit Fed Zeppelin und BERLUC)


Bericht: Hartmut Helms
Fotos: Hartmut Helms





Fed Zeppelin & Berluc vs. Fußballfieber - 4:0 ohne Verlierer
Die Fahrt nach Langburkersdorf über Großenhain, Radeberg und Stolpen war eine der schönsten, die ich je hatte. Wunderschönes Wetter und menschleere Straßen, kein Hund, keine Katze und kein Schwein zu sehen. Irgendwo auf diesem Globus, so habe ich mir sagen lassen, hätte eine deutsche Fußball-Elf einen ganz guten Ball gespielt. Da freuen sich die Deutschen natürlich, wenn endlich mal eine gute Nachricht zu hören und gute Unterhaltung zu sehen ist. Man(n) sitzt vor der Glotze oder fliegt zum Cup an das Kap. Eine Merkeline soll diese Chance auch genutzt haben. Sport ist eben doch Politik und auch Spiel um Macht und wer Macht hat, sollte auch etwas machen (siehe unten).

Mir war nicht so sehr nach Volkssport Nummer EINS. Mir stand der Sinn einfach nur nach dem Klang einer rotzigen Gitarre, nach einer Rhythmusgruppe aus Heavy'n'Blues und einer Stimme, die meinen Frust der vergangenen Tagen wegbrüllen und herausschreien konnte: FED ZEPPELIN.
Das Original LED ZEP um Page und Plant ist nicht mehr zu haben und PHYSICAL GRAFFITI hatten mich im März dieses Jahres mal wieder auf den Geschmack gebracht. Nun war ich dabei, mir bei FED ZEPPELIN Nachschlag zu holen, während mir auf der Straße Fahrzeuge entgegen kamen, aus denen wild gestikulierende Männer heraus schauten, laut schreiend und Fahnen schwenkend: 4 : 0 = Sieg!
Dann endlich die Kulturscheune, ein großer Innenrum mit einer Bühne an der Kopfseite. Als dann endlich dieser PLANT, FELIX mit Namen und einer blonden Lockenpracht, die mich neidisch werden ließ, vor mir da oben stand, da wusste ich, jetzt gibt's auf die Ohren. An der Gitarre war nicht PAGE, aber SLAVE (u.a. ex-Merlin und Rapunzel) ist sein kurzhaariges Ebenbild, der den "Rock'n'Roll" zwischen die Balken der alten Scheune kloppte und trieb. Es gibt noch Rocker, die sich mit ihrer Musik noch selbst Freude machen können, den "Imigrant Song" zum Bersten bringen und "Heartbreaker" stampfen lassen. Es krachte bei "Dazed And Confused" und an diesem Ort, "Over The Hills And Far Away", sind mir sogar wieder ein paar "Tanzschritte" von damals gelungen. Die Jungs von FED ZEPPELIN gaben richtig Gas, das Schlagzeug von NAFTA krachte und der Mann am Bass schien mit seinen vier dicken Saiten über weite Strecken verschmolzen zu sein. In diesen Momenten sind mir die originalen Grunzlaute und Balz-Schreie vom alten Zeppelin noch immer lieber, als mit einem "Schwanenkönig" seicht dahin zu plätschern: "Way down inside honey, you need it, I'm gonna give you my love". Volle Pulle bei "Whole Lotta Love" und das war auch die Stelle, wo ich mir vielleicht noch den "Lemon Song" gewünscht hätte, um noch so eine "anrüchige" Textzeile mitsingen zu können.

LED ZEPPELIN habe ich nie erleben können, leider! Bei PHYSICAL GRAFFITI hab' ich eine leise Ahnung davon bekommen, wie es hätte sein können - einfach nur gigantisch. Was gestern Abend FED ZEPPELIN an purer Energie und herzerfrischender Spielfreude von der Rampe schleuderten, hat mich begeistert und von wegen "Communication Breakdown". So ein offenes aufeinander Eingehen während der Show und so angenehme Gespräche danach, Kompliment FELIX, SLAVE, HB und NAFTY. Ihr wart meinem Ideal von einem "Muschkanten" verdammt nah, und die beiden Sticks bekommen bei mir einen Ehrenplatz. Versprochen!

Danach hatten es BERLUC nicht gerade eben leicht, aber für viele besteht ihr Vorteil darin, dass sich deutsche Texte leichter mitsingen lassen. Das wissen die Herren um olle Ränker natürlich auch und deshalb tun sie das seit Jahrzehnten.
Von der Band erwartet man natürlich die eigenen Songs und da vor allem die Klassiker. Also singen BERLUC von "100.000 Urgewalten", von "Alpha", die die "Erde ruft", vom "Glauben" an sich selbst oder davon, im Leben "Geradaus" zu agieren. Die Show der Band ist zwar über die Jahre eingespielt, aber die offene Spielweise der Küstenrocker kommt vom Herzen und Botschaften wie "No Bomb" und die der Uralt-Hymne "Die Erde lebt" nehme ich ihnen deshalb gern ab. Man(n) nimmt sich nicht zu ernst und das was die neuen (!!) Songs zu sagen haben, könnte durchaus auch mein Lebensmotto sein. Man(n) pfeift noch lange nicht aus dem letzten Loch, auch wenn's mal eng wird oder die Bandscheiben knarren, für ein eigenes Liedchen "auf'm Kamm" reicht's allemal! Diese "Achterbahn" des Lebens ist mir bestens bekannt und die neuen Song richtige Live-Knaller. Schade ist eigentlich nur, dass manchmal die Umstände dazu führen, dass das Licht und der Klang dieser seltenen Sternstunden heimischer Rock'n'Roll-Kultur gegen Bullenhitze, Abgeschiedenheit der Landschaft und ein internationales Fußballfest keine Chance hat. Ein geiler Abend war es dennoch und die Fahrt nach Hause zog sich diesmal noch länger. Die letzten Fußballtrinker sind schon ein gefährliches Fußvolk...

Das kleine Langburkersdorf/Neustadt in Sachsen leistete sich in diesem Jahr zum zweiten Mal ein ROCKFEST, obwohl diese Formulierung ja so nicht stimmt. Das Risiko und der Mut, so etwas auf die Beine zu stellen, ist das Verdienst einiger weniger, die rein zufällig Bürger dieser Stadt sind und sich diese Arbeit auch anderen Ortes machen würden. Ein Kompliment also den vielen kleinen Heinzelmännern- und Frauen, die in der Kulturscheune dafür wirkten, dass alles perfekt ablief. Selbst wenn man, wie ich, nur einen Abend des Spektakels erlebt hat, kann man aus der Ferne eigentlich nur den Hut ziehen, hätte ich wie "Rumpelstilzchen" am Rande des Geschehens einen auf dem Kopf gehabt.
Im nächsten Jahr, so viel sei schon mal verraten, gibt's keine Fußball-WM, aber vielleicht steht in irgend so einem Kalender, welche Großereignisse geplant sind. Sollte es eine dritte Auflage des Rockfestes geben, dann wünsche ich den Machern um Axel ein sonniges Wochenende mit angenehmen 25° im Schatten, keine Widrigkeiten höherer Gewalt und vor allem den Zuspruch, den ein solches Event verdient hat.

Hoffentlich liest das hier jemand, der zwischen Sebnitz, Bischofswerda und Neustadt Verantwortung trägt (siehe oben) und zusätzlich noch ein Herz für Kultur und Lust auf Engagement hat. Man kann selbst in einem privatwirtschaftlichen System nicht alles privater Initiative überlassen, wenn man vom Staat (sprich Steuerzahler) Geld dafür bekommt, einen kommunalen und öffentlichen Job mit Inhalten auszufüllen. Initiative ist etwas, was man gerade von "Staatsbediensteten" erwarten sollte, statt die Rufe nach Kultur und guter Unterhaltung zwischen den Hügeln der Sächsischen Schweiz einem "Communication Breakdown" zu opfern und verhallen zu lassen.





Fotoimpressionen:

Fed Zeppelin:



















Berluc: