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Bericht: Rüdiger Lübeck Fotos: Rüdiger Lübeck
Zehn ganze Jahre nun schon gibt es das Rilke-Projekt des Künstler-Duos Richard Schönherz und Angelica Fleer. Die gemeine Affinität für einen der bedeutendsten Lyriker deutscher Sprache sollte sie nicht nur privat miteinander verbinden, sondern zugleich ihr künstlerisches Lebenswerk ausmachen. "Wenn ich Menschen sprechen höre, sind Melodien in meinem Kopf", so Schönherz. Und da lag es nahe, diese Musik, die in den wunderbaren Zeilen Rilkes mitklingt, auch in Formen zu gießen. Es wurde jedoch keinesfalls - obwohl naheliegend - nur schlicht vertont. Schließlich sollte das Ursprüngliche der Poesie, deren Substanz, unberührt bleiben. Der musikalische Rahmen kommt demnach quasi als Teppich erst im Anschluss hinzu. Das mag im ersten Moment etwas eigenwillig erscheinen, ist aber eine konsequent durchdachte Konzeption und im Ergebnis damit letztlich einzigartig.
Nun muss man sich das ganze als eine interessante Mischung aus Lesung und verschiedensten Musikeinspielungen vorstellen, letztere auch stilistisch durchaus breit gefächert und bunt. Wenn beispielsweise die an Markanz wohl kaum zu überbietende Stimme eines Ben Becker Rilkes "Der Panther" zeitgleich mit dezenter Instrumentalbegleitung intoniert, erscheint der Gedichttext leichter zugänglich, greifbarer: "Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht."
Ein Vergleich mit dem aktuellen Rilke-Programm des CLUBS DER TOTEN DICHTER verbietet sich indes - zu verschieden sind die jeweiligen Ansätze, zu speziell die dahinterstehenden Konzepte. Allerdings dürfte derjenige, der einen Einstieg in das Werk Rilkes - über den "Umweg" der Musik - sucht, hier besser aufgehoben sein. Fotografiert werden durfte im übrigen lediglich die Schlusssequenz, was als vernünftige Entscheidung bezeichnet werden darf. Alles andere hätte die tragende Stille, die mitunter im voluminösen Innenraum des Tempodrom-Zeltes herrschte, nur unnötig zerschnitten. Passend zur Jahreszeit denn auch zum Abschluss der wunderbare "Herbsttag", rezitiert von Ben Becker: Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren lass die Winde los. Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein; gib ihnen noch zwei südlichere Tage, dränge sie zur Vollendung hin, und jage die letzte Süße in den schweren Wein. Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben und wird in den Alleen hin und her unruhig wandern, wenn die Blätter treiben. Bitte beachtet auch: - off. Homepage vom Rilke Projekt: www.rilke-projekt.de
Live-Impressionen:
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