Michy Reincke live am 11. Oktober 2009 in Hamburg


Bericht: Holger Stürenburg
Fotos: Pressefotos





Zu seinem 50. Geburtstag erfüllte sich der Hamburger Sänger/Liederschreiber & Nachwuchsförderer MICHY REINCKE einen lang gehegten Traum. In seiner Kindheit & Jugend verbrachte der musikalische Tausendsassa aus Hamburg-Barmbek immer wieder - darüber hinaus ziemlich langweilige - Sonntagnachmittage im Planetarium in mitten des hiesigen Stadtparks & lauschte den epischen Ausführungen des damaligen Leiters desselben, Prof. Dr. Erich Übelacker, dessen oft krudem Humor der damalige Pennäler allerdings alles andere als gewogen war, wie er augenzwinkernd berichtete. So erwuchs in ihm eines Tages der Wunsch, irgendwann einmal genau dort ein Konzert absolvieren zu können. Dieser wurde am vergangenen Sonntag, dem 11. Oktober 2009, acht Tage nach Michys rundem Ehrentag, nun endlich Wirklichkeit. Begleitet von Jörn Heilbut (git) & Martin Meyer (pi, key), hatte der einstige Frontmann der (inzwischen wiederum reformierten) 80er-Jahre-Deutschpoplegende "Felix de Luxe" rund 400 seiner treuesten Anhänger in ebenjenes Planetarium eingeladen, in dem er zu Jugendtagen von den weiten Welten des Universums träumte.
In einem überaus gemütlichen Ambiente, umrahmt bzw. untermalt von entsprechenden Animationen an der Decke der Kuppel des altehrwürdigen Gebäudes, übrigens einem ehemaligen Wasserturm, präsentierte ein so aufgeregter und dankbarer, wie lakonischer & gleichsam neckischer, spielfreudiger Michy Reincke, gemeinsam mit seinen beiden Unterstützern, ein speziell für diesen Abend ausgewähltes, exquisites Programm, bestehend aus allseits Bekanntem der letzten 25 Jahre & ein paar Liedern aus seinem kommenden Album "Jetzt ist schön", das am 23. Oktober 2009 das Licht des Musikmarktes erblicken wird. Das strahlende Geburtstagskind hatte sich vorgenommen, genau diejenigen Titel aus seinem Repertoire herauszusuchen, die sich - dem Veranstaltungsort entsprechend - mit "Sonne, Mond & Sternen" inhaltlich auseinandersetzen. Doch bald stellte Michy fest, daß sich die meisten seiner Songs auf irgendeine Weise um ebenjene Thematik drehen - so daß es ihm ganz & gar nicht schwer fiel, eine Klasse Songkollektion unter dem Motto "Taxi zum Mars" zu konzipieren, die seine anwesenden Fans - neun, zehnjähriger Nachwuchs befand sich genauso darunter, wie klassische 80er- & 90er-Kinder & sogar gesetztere Damen & Herren reiferen Alters - über zwei Stunden lang in schiere Faszination versetzte. Denn SO, wie am vergangenen Sonntag, hatten wir unseren Michy noch nie zuvor bei einem Konzert erlebt!
Los ging's mit "Niemand kommt so selten vor", Michys zweiter Solosingle, die 1989/90 zweifellos bewies, daß Michy auch ohne "Felix de Luxe" (FdL) in der Lage war, Klasse Lieder mit dem Gütesiegel "Perfect Popsong" zu schreiben. Von seinem ersten Soloalbum "Paris" (1991), so erzählte mir der Jubilar schon vor einiger Zeit mal, habe er weitaus mehr Einheiten verkauft, als von allen drei vorherigen FdL-Scheiben zusammengerechnet, so daß sich die Entscheidung, nach dem Ende von FdL als Solokünstler weiterzumachen eindeutig, rentiert hatte. Es folgte die sensible, grazile Ballade "Nach ganz oben" (1999), die über Träume & Sehnsüchte ihres Interpreten berichtet, die er empfand, als am 20. Juli 1969 mit dem US-Astronauten Neil Armstrong der erste Mensch überhaupt den Mond betrat. Zusammen mit seinem Freund Archie, sah er damals die ersten Fernsehbilder dieser geschichteschreibenden Sensation - & die beiden Schulkameraden wünschten sich von nun an nur noch, es eines schönen Tages ebenfalls mal "Nach ganz oben" zu schaffen. Was aus Archie geworden ist, weiß ich nicht - fest steht jedenfalls, daß es Michy Reincke mit Fleiß, Kreativität & Elan auf jeden Fall gelungen ist, anno 2009 im einheimischen Popgeschehen "ganz oben" zu stehen!
Nun waren erst mal zwei Titel aus Michys kommender, insgesamt achter Soloproduktion an der Reihe. Wir vernahmen die ironisch-philosophische Betrachtung der Erde als Planeten der Lust & Lebensfreude, "Zwischen Venus & Mars", sowie den hoch philosophischen Titelsong "Jetzt ist schön" - eine quergedachte Hymne für mehr Hoffnung & Realismus, für ein Bekenntnis zum Jetzt & Hier, ohne jedoch die positiven Dinge, die in der Vergangenheit vonstatten gingen, zu vergessen. Daran anschließend, rief Michy seine Entdeckung ANNA DEPENBUSCH auf die Bühne. Die bildhübsche brünette 32jährige setzte sich nun Solo ans Klavier & interpretierte die von ihr selbst ersonnene, latent jazzige Bluesballade "Engel", sowie den fragilen, ultraehrlichen Schleicher "Heimat", den erklärten Lieblingstitel ihres Mentors. Bereits vor Veröffentlichung von "Jetzt ist schön", scheint sich der darauf bedachte, sacht Gospel-angehauchte Titel "Halleluja" zu einem künftigen Fanfavoriten per Excellenze zu entwickeln. Michy duettierte sich hier mit dem souligen Organ von Anna - das Publikum war hellauf begeistert; ich denke, mit gerade diesem klingenden Meisterwerk hat der sympathische Singer/Songwriter ein mehr als nur kompaktes Lied kreiert, das mit einiger Sicherheit in Futuro Hamburger, wenn nicht gar bundesweit relevante Popgeschichte schreiben dürfte.
Vor genau 25 Jahren erschien das allererste, nach dem Bandnamen betitelte Album von Michys einstiger Truppe "Felix de Luxe". Darauf war ein Titel enthalten, der seinen Erschaffer frühzeitig zu einer DER Pop-Ikonen der Hansestadt hatte werden lassen: "Nächte übers Eis" nannte sich die gänsehauterzeugende Ballade, die 1984/85 das Hamburger Musikleben gehörig durcheinander wirbelte. Mit diesem phänomenalen Gefühlsausbruch beendeten Michy, Jörn & Martin den ersten Part ihrer grandiosen Show im hiesigen Planetarium.
Nach 15 Minuten Pause, war erst mal der heutige Direktor des Planetariums, der studierte Astronom Thomas W. Kraupe, dran. Dieser hielt nun einen überaus liebenswerten, kleinen Vortrag, im Rahmen dessen er den Sternenhimmel desjenigen Tages bzw. derjenigen Nacht von Michys Geburt, ergo vom 03.10.1959, an die Kuppel seines Hauses projizierte & detailliert & fachmännisch versiert erläuterte, wieso & weshalb der eine oder andere Himmelskörper an jenem historischen Tag genau dort stand, wo er seinerzeit - immerhin vor einem halben Jahrhundert - vorzufinden war.
Der von diesen Ausführungen enorm beeindruckte Jubilar lauschte den sehr interessanten Informationen des gewitzten Astronomen mit Hingabe, bevor er sich wiederum auf die kleine Bühne begab, & zunächst die unverbrüchlichen Ohrwürmer "Es ist alles Musik" (1999) - eher poppig, hymnisch - & "Um die Welt in einem Tag" (1992) - melancholisch, still, nachdenklich - intonierte. Aus "Jetzt ist schön" kam daraufhin das sehr philosophisch-abstrakt ausgefallene Pop-Melodram "Die Straße durch Dein Herz" zum Einsatz, gefolgt von "Jetzt & in Ewigkeit", dem Eröffner von Michys letztem Opus "Mach Dein Herz laut" (2004).
Erneut bat Michy nun seinen Nachwuchsstar Anna Depenbusch auf die Bretter, die die Welt bedeuten - ja, & kurz darauf gab es kein Halten mehr. Unter lautem Jubel & frenetischem Mitklatschen des Auditoriums, ertönten nun eben "Mach Dein Herz laut" & - wie kann es anders sein? - das legendäre "Taxi nach Paris" - immerhin am 23. Mai 2005 von den Hörern & Zuschauern des N3 zum "Größten Hit des Nordens" gewählt. Ein unverbrüchlicher Kultschlager, ein Fetenaufmischer bester Güteklasse - einfach nur hanseatische (Pop)Kultur in bester Ausprägung!
Glücklich & nervös gleichermaßen, kehrten Michy & die Seinen bald zum Zugabenpart auf die Bühne zurück. "Valerie, Valerie", Michys Solo-Debüt aus dem Herbst 1989, eines der trefflichsten, präzisesten Liebeslieder der davon abgesehen doch so uncoolen 90er; eine phantastische Melodie, gepaart mit einem betörend einfachen, aber einfach nur umwerfenden, berührenden Text voller traumhafter Formulierungen & prägnanter Textbilder, & DIE Abschiedsballade schlechthin, "Es wär' so schön" (1991), ließen, unter phonstarkem Chorgesang & stehenden Ovationen der hingerissenen Besucher diesen hier beschriebenen Top-Event - einen wahrhaftigen Konzertabend der Extraklasse - zu Ende gehen. Der begeisterte Verfasser dieser Zeilen warf sich um kurz nach Halbelf in ein Taxi - nein, NICHT nach Paris, NUR nach Hamburg-Stellingen ;) - um umgehend nach Ankunft in seinem Heimatstadtteil diese Hommage an eines seiner unübertrefflichen Jugendidole zu verfassen.
Michy Reincke gehört zu Hamburg, wie die Elbe, die Alster, der Hafen, wie Eppendorf, Pöseldorf, die Reeperbahn, der Jungfernstieg, die Mönckebergstraße, der Ringeltaubenweg, "Hagenbeck's Tierpark", wie Hans Albers, Heidi Kabel, Helmut Schmidt, Udo Lindenberg, Herbert Wehner, Ole von Beust & (sorry für die kleine Provokation g*) Dr. Walter Scheuerl & unsere derzeitige Volksinitiative "Wir wollen lernen". Michy Reincke ist ein Hanseat mit Leib & Seele. Ohne ihn sähe die Musikszene vor Ort ziemlich langweilig & nichts sagend aus. Michy selbst schreibt nicht nur tolle Songs für sich; er kümmert sich auch akribisch & mit viel, viel Herz um viele junge Hamburger, die vor Talent & Kreativität nur so übersprudeln - Michy ist DER Garant dafür, daß tatsächlich begabte Nachwuchsmusiker eine konstruktive Chance erhalten, ihr Können einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.
Wir alle, die wir Michys Musik & sein Engagement seit Jahren, Jahrzehnten, schätzen & lieben, wünschen ihm auf diesem Wege nochmals nachträglich alles Liebe & Gute zu seinem 50. Geburtstag - & freuen uns schon jetzt auf seine neue CD "Jetzt ist schön" (die ich in Bälde an dieser Stelle ausführlich vorstellen werde) & auf viele, viele weitere schöne, packende, gefühlvolle Lieder, die er uns in den nächsten Jahren, Jahrzehnten, garantiert schenken wird - einfach nur, um uns glücklich & zufrieden zu machen!