Bericht:
Matthias Ziegert

Fotos:
Matthias Ziegert





Bridges to Classics
Am Samstag, den 11. Juni 2011, zog es uns wieder einmal nach Halle, und zwar in die sogenannte Galgenbergschlucht. Diese grandiose Kulisse für ein Musik-Event liegt gut versteckt in einem Wäldchen in der Nähe des Hallenser Zoos. Die Veranstaltung "Bridges to Classics" fand im Rahmen der Händelfestspiele statt und ist inzwischen zu einer guten Tradition im Rahmen des alljährlich wiederkehrenden Festivals geworden. Wie der Name schon verrät, wird bei "Bridges to Classics" versucht - ähnlich wie bei der jährlichen "Night of the Proms"-Konzertreihe eines finnischen Handy-Herstellers - eine Brücke zwischen verschiedenen modernen Musikrichtungen und der Klassik zu bauen. Dabei gab es diesmal unter anderem Gospel, Jazz, Pop, Symphonic Rock und natürlich auch Händel pur zu hören. Als musikalische Baumeister wurden die Staatskapelle Halle unter der Leitung von BERND RUF, die Sängerin ANKE SIELOFF, die GermanPops Band und der Star des Abends MAGGIE REILLY verpflichtet.


Anke Sieloff

Und wenn ich im Zusammenhang mit MAGGIE REILLY von einem Star spreche, ist dies absolut gerechtfertigt. Seit einigen Jahren wird mit diesem Begriff ja mehr als inflationär umgegangen. Die 1956 in Glasgow geborene Sängerin aber ist ein ebensolcher, und inzwischen seit über 30 Jahren im Geschäft. Manche "Superstars" von heute schaffen davon nicht einmal ein Zehntel. Als Tochter des schottischen Sängers DANNY REILLY wurde ihr das Talent zum Singen bereits in die Wiege gelegt. Schon in jungen Jahren begleitete sie ihren Vater zu seinen Konzerten und wurde dabei inspiriert, es ihm gleich zu tun. Ihre erste musikalische Station war die Glasgower Band JOE COOL, die sich wenig später in CADO BELLE umbenannte und 1976 ihr erstes und einziges Album veröffentlichte. Ihr Durchbruch als Sängerin gelang ihr aber erst später. Über den Toningenieur (und ihren späteren Ehemann) CHRYS LINDOP lernte REILLY 1980 den britischen Musiker MIKE OLDFIELD kennen. Dieser engagierte sie als Sängerin für seine musikalischen Projekte und die erste gemeinsame Arbeit war das 1980 veröffentlichte Album "QE2". Waren Platz 27 in den englischen Albumcharts und der 12. in den deutschen für das eben genannte Album doch noch eher eine bescheidene Ausbeute, wurden die beiden folgenden Alben "Five Miles Out" (DE und UK Platz 7) und "Crises" (DE Platz 1 und UK Platz 6) zu europaweiten Erfolgen. Oldfield's Kompositionen wie z.B. "Family Man", "Moonlight Shadow" oder "To France" gab REILLY durch ihre Stimme eine Seele. Egal welchen von ihr gesungenen Song man aus dieser Zeit hernimmt: Ohne MAGGIE REILLY würde er nicht richtig funktionieren. Ihr glasklarer Sopran drückte den Liedern den eigenen Stempel und eine große Wiedererkennbarkeit auf - natürlich haben da auch die musikalischen und handwerklichen Meisterleistungen eines Herrn OLDFIELD einen großen Anteil. In den Jahren während und nach MIKE OLDFIELD arbeitete die Sängerin mit weiteren namhaften Größen der Musikszene zusammen, u.a. mit MIKE BATT, ART GARFUNKEL, JULIAN LENNON, CLIFF RICHARD und nicht zuletzt mit Ex-Beatle GEORGE HARRISON. Auch eine "deutsche Kooperation" hat es gegeben, nämlich mit JULIANE WERDING. WERDING sang einst die deutsche Version von "Moonlight Shadow" (leider nicht einmal ansatzweise so gut und berührend wie REILLY) und holte sich die Schottin 1994 für ihre Single "Engel wie Du" (zusammen mit VIKTOR LAZLO) ins Studio.
Neben vielen Joint Ventures und Mitarbeiten bei Projekten anderer Künstler, machte sich die REILLY Anfang der 90er erstmals selbstständig. Im Jahre 1991 erblickte das Album "Echoes" mit den großartigen Singles "Everytime We Touch" und "What About Tomorrows Children" das Licht der Welt. Knapp 2 Jahre später arbeitete sie mit HUBERT KEMMLER (Hubert Kah) zusammen und veröffentlichte ihr zweites Album "Midnight Sun". Bis heute hat sie 10 Solo-Scheiben auf den Markt gebracht und beim Hören ihrer Stimme und Lieder wünscht man sich unweigerlich, dass noch viele weitere folgen mögen...

Über 30 Jahre im Musikgeschäft kann man natürlich nicht in einen Konzert-Abend packen... Einen Hauch all dessen konnten wir am vergangenen Samstag aber spüren. Nach einer kurzen Begrüßung eröffnete Dirigent BERND RUF mit der Staatskapelle Halle pünktlich um 21:00 Uhr den Konzertabend. RUF zählt zu den führenden Dirigenten im musikalischen Grenzbereich von Klassik, Rock und Jazz, und ist somit selbst schon fast ein Star. Sein Können stellte er bereits bei seiner Zusammenarbeit u.a. mit ROGER HODGSON (Supertramp), CHRIS de BURGH, JON LORD (Deep Purple), IAN ANDERSON (Jethro Tull) und PAQUITO D'RIVERA unter Beweis. Desweiteren ist er an der Musikhochschule Lübeck als Professor für Popmusik, Jazz und Weltmusik tätig. Mit einem eigens für diesen Abend kreierten Medley aus Stücken von MIKE OLDFIELD und Georg Friedrich Händel verzauberte er das Publikum. Dieses Medley begann mit dem Intro von "Tubular Bells" und endete mit einem Anspiel der Melodie von "To France". Dem wiederum folgte nun in bunter Mischung Händels "Halleluja", "Boat on the River" von STYX, zwei Arien von Händel, eine verkürzte Version von OLDFIELD'S "Taurus II", ein Gospelsong, ERIC CARMEN's "When I was young" und als Abschluss ein etwas längerer Part mit einer Komposition für elektrisch verstärkte Geige.


Maggie Reilly

Nun aber war es endlich soweit. Von Sangeskollegin ANKE SIELOFF angesagt, betrat MAGGIE REILLY die Bühne und begrüsste das jubelnde Puplikum mit den Worten: "Hi, how exciting!" Es folgten Schlag auf Schlag Hits, die allesamt auf der CD "Looking Back Moving Forward" wiederzufinden sind und als Medley zusammengefasst wurden. Das viel zu kurze Set enthielt unter anderem "To France", "Old folk song" und "Stones throw from nowhere". Begleitet wurde Frau REILLY während ihres Auftritts nicht nur vom Orchester, sondern zusätzlich von der GermanPops Band, die zur ersten Riege der deutschen Studio-, Rock- und Popszene gehört und schon für viele Pop- und Rockstars gearbeitet hat. An den Keyboards dieser "Begleitband" saß BENJAMIN KÖTHE, der schon seit vielen Jahren Orchesterarrangements für "Bridges to Classics" schreibt und sich auch schon einen Namen als Studiomusiker, Komponist, Arrangeur und Produzent für verschiedene Fernsehsender, Musicalproduktionen und Sinfonieorchester gemacht hat. Seit April 2006 ist er als Professor an der Musikhochschule Rostock im Studienbereich Pop/World Music tätig.

Das gegen ca 22.00 Uhr beginnende Höhenfeuerwerk wurde vom Orchester mit Musik aus dem Film "Fluch der Karibik" untermalt. Es konnte sich aber keinesfalls mit dem an diesem Abend auf der Bühne stattfindenden musikalischen Feuerwerk messen. Als nur noch der Mond am Himmel zu sehen war, klangen plötzlich die ersten Takte von Supertramps "Dreamer" durch die Sommernacht und zogen die Aufmerksamkeit des Publikums wieder hin zur Bühne. Nach diesem von einem der männlichen Solisten des Abends (leider gab es zu dem Konzert kein Programmheft o.ä., so dass mir der Name des Sängers nicht bekannt ist) dargebotenen Song folgte der sehnsüchtig erwartete zweite Teil des Auftritts von MAGGIE REILLY. Sie präsentierte dem sich inzwischen vor der Bühne versammelten begeisterten Publikum ihre Hits "Every Time we Touch" und natürlich auch "Moonlight Shadow". Bei "Family Man", dem leider letzten Song des Programms, den MAGGIE mit dem eben erwähnten männlichen Kollegen sang, stellte die gesamte musikalische Mannschaft auf der Bühne nochmal ihr Können unter Beweis. Das Publikum dankte mit minutenlangem Applaus und Rufen nach Zugabe, die natürlich erhört wurden. Als Highlight des Abends folgte nun ein mir leider bisher unbekannter Song, von der Machart her ähnlich dem Titel "Belfast Child" von den SIMPLE MINDS, den MAGGIE REILLY den über 3000 Besuchern dieses ganz besonderen Abends a cappella mit ihrer unverwechselbaren, klaren und absolut eindrucksvollen Stimme darbrachte. Da kann man BERND RUF, dem musikalischen Leiter des Abends, nur Recht geben, der über sie sagte: "Maggie Reilly ist einzigartig und ihre Songs klingen wie singende, wirbelnde, tanzende Noten in einem angenehmen Rhythmus."






26. Juni 2011 - Tychy (PL): MAGGIE REILLY & BAND
02. Juli 2011 - Zeitz: Biba & die Nacht der Stars mit Chris Thompson & Maggie Reilly
22. Juli 2011 - Hötensleben: MAGGIE REILLY & BAND







Fotoimpressionen:








































Maggie Reilly und Dirigent Bernd Ruf