Bericht:
Gundolf Zimmermann

Fotos:
Gundolf Zimmermann






Es gehört mittlerweile zum guten Ton, dass fast jede mehr oder weniger erfolgreiche Rockband sich irgendwann mal akustisch versucht. Da werden CDs aufgenommen und ganze Akustik-Touren veranstaltet. Oft holen sich diese Bands für diese Projekte noch zusätzliche Musiker oder ganze Orchester mit ins Boot. Manche dieser Sachen gefallen mir und bei einigen fällt mir nur ein, "dass die Welt gerade darauf gewartet hat". Nein ich schreib jetzt nicht, dass ich Pur mit und ohne Strom schlichtweg grottig und Die Toten Hosen dagegen ganz großartig finde ;-)

Der Bedarf für akustische Musik ist also da, und es gibt da durchaus auch Hörenswertes zu entdecken. Das wissen wir nicht erst seit die Mega-Acts diese musikalisch ruhigen Fahrwasser zeitweise für sich entdeckt haben. Fast unbemerkt vom Rest der Welt und abseits vom Mainstream segeln Künstler wie Eric Fish oder Trixi G nämlich schon jahrelang konsequent und ideenreich unter der Flagge Akustik-Rock durch die Lande. Leider ignorieren die namhaften TV- und Rundfunksender diese nahezu völlig. Umso wichtiger ist die Mund- und Schriftpropaganda der Fans. Das ist auch einer der Gründe warum ich solche Berichte schreibe. Es gibt Leute, die dadurch schon neugierig geworden sind und den Weg zu einem Konzert dieser Künstler fanden. Da weiß man als Hobby-Schreiberling wieder, warum man das tut und freut sich über jeden neuen Fan. Ich möchte aber jetzt nicht noch mehr von den neuen Leiden des jungen Kundi erzählen, sondern euch über meinen gestrigen Konzertbesuch berichten, und die Mugge hatte natürlich was mit Akustik-Rock zu tun.

Ort des Geschehens war wieder einmal der "PlattenSpieler im IDEE01239 e.V.", die kulturelle Oase in der Beton- und Plattenbauwüste von Dresden-Prohlis. Ich glaube, die unermüdliche Arbeit der Leute vom Verein trägt jetzt langsam Früchte. Die Besucherzahlen bei den Kulturveranstaltungen entwickeln sich meinem persönlichen Eindruck nach zum Positiven und auch am Freitag fanden einige neue Besucher den Weg dorthin. Für mich selbst war der Konzertbesuch eine Reise zu neuen Ufern, denn das erstmals hier gastierende Duo Raw Acoustic hatte ich auch bisher noch nie live erlebt. Dank eines Berichtes von Hartmut und des allwissenden Internets hatte ich mir in der Vergangenheit schon einmal einen kurzen Überblick über Raw Acoustic und ihr musikalisches Werk verschafft. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb war ich sehr gespannt, ob ich an diesem Abend auf brennend heißer Spur oder eher auf ausgefahrenen und lauen musikalischen Pfaden wandeln würde.

Zwei Mann, zwei Stimmen, zwei Gitarren, und zwei Stühle - aber eine Meinung, was die Musik betrifft.... so könnte man das Konzert von Raw Acoustic ganz kurz und schlicht charakterisieren. So eine Handvoll in die Tastatur gehämmerte Schlagworte sagen bekanntlich alles und gar nichts zugleich aus, sehen aber unheimlich gut aus *g* Ich versuche jetzt mal den Auftritt etwas ausführlicher zu beschreiben. Auf der Bühne saß vom Publikum aus gesehen links Gregor Arndt. Der langhaarige Typ ist der Gesangssolist von Raw Acoustic. Schon beim ersten Titel "The Brightside" fiel mir auf, dass sein Gesang angenehm rauh ist.

Raw Acoustic für zu Hause:
CD "retrofastforward"

Ich kann das nicht anders als so ausdrücken, dass seine Stimme wie eine Mischung aus James Hetfield (Metallica), Chad Kroeger (Nickelback) und Kurt Cobain (Nirvana) klingt. Scheinbar scheinen solche rauen Gesangsorgane ja nicht zu Akustik-Rock zu passen, aber Raw Acoustic strafen alle eventuell möglichen Bedenkenträger und engstirnigen Musikanhänger von vornherein Lügen. Diese Stimme passt sehr wohl zu dieser Art Musik und sie verleiht dem Ganzen sogar einen Hauch von Alternativsound. Bei den Refrains griff dann auch sein musikalischer Partner Alexander Müller aktiv ins Gesangsgeschehen ein. Das hatte zur Folge, dass auf Grund der Zweistimmigkeit ein sehr deutlicher und schöner Kontrast zu den Strophen entstand, da Gregors raue Stimme dabei etwas in den Hintergrund rückte.

Raw Acoustic bestach auch durch exzellente und ungewöhnliche Gitarrenarbeit. Auch da gingen die Jungs eher untypische Wege. Alexander verzerrte seine akustische Klampfe zeitweise wie eine E-Gitarre und einige Solos klangen dadurch wirklich verdammt gut. An irgendeiner Stelle waren da auch mal die bekanntesten Akkorde der Rockmusik zu vernehmen. Ich meine die Introklänge von "Smoke on the Water". Überraschungen und Abwechslung werden bei dem Duo wirklich groß geschrieben. Als Zuhörer konnte man diesen tollen Sound wirklich nur genießen. Mit kreativen Ideen scheinen Gregor und Alexander überdurchschnittlich gesegnet zu sein. Obwohl sie erst Ende letzten Jahres ihr Album "retrofastforward" veröffentlich hatten und diese Songs (unter anderem "Silence", "Who I am", "Rain") auch schwerpunktmäßig im Programm spielten, präsentierten sie der Hörgemeinde auch ein paar neue Lieder ("Stalker", "Break it down"). Um die Sache abzurunden spielten sie zusätzlich mit "The Letter" und "Knocking on heavens door" (als Zugabe) zwei Klassiker der Rockgeschichte. Das Publikum war die ganze Zeit sehr aufmerksam und das ist für mich so ein Zeichen, dass Raw Acoustic mit ihrer Musik wirklich bei den Leuten ankommt. Auch die geforderten Zugaben machten das deutlich. Übrigens ist nach Bekunden der beiden Acoustiker das neue Modegetränk des modernen Rockstars Mineralwasser. Jedenfalls konsumierten sie diese Flüssigkeit auch während des Gigs.

Das war wirklich ein bärenstarkes Konzert und auch im Nachhinein machten Alexander und Gregor einen offenen und sympathischen Eindruck. Den Jungs wünsche ich Erfolg und die Aufmerksamkeit der Medien, denn musikalischen Müll gibt es ja schon überreichlich auf der Welt. Wann denken die Verantwortlichen der ganzen Sender endlich mal um und spielen so was Gehaltvolles wie Raw Acoustic im Tagesprogramm?





Fotoimpressionen: