![]() Stadtwerke-FESTival am 3. Juli 2010 in Potsdam (mit Engerling, Puhdys, Billy Idol und Joe Cocker) Bericht: Petra Heinzel Fotos: Wieland Meier
Inzwischen ist der Sommer in Deutschland angekommen, optimal für Open Air Veranstaltungen. Der Wetterbericht vermeldete sehr hohe Temperaturen, es sollte ein heißer Tag werden. Am frühen Nachmittag, eigentlich untypische Zeiten für Musiker, marschierte ein Fanfarenzug über den riesigen Platz. Vorn, im Graben vor der Bühne angekommen, übernahm im gleichen Atemzug der Moderator das Kommando. Cherno Jobatey eröffnete um 15:00 Uhr das Festival, das am Samstag ganz im Zeichen des Blues und Rock stand. Die ENGERLINGe hatten die undankbare Aufgabe für einen furiosen Auftakt zu sorgen. Wegen des anstehenden Fußall WM-Spiels (Deutschland gegen Argentinien) war der Platz vor der Bühne noch recht übersichtlich. Auch wenn die ersten Reihen von den echten Fans bereits in Beschlag genommen wurden, trudelten viele Musikfans erst nach und nach ein. Nicht nur der Fußball war schuld, sondern auch die tropische Hitze. Die Engerlinge zeigten sich teilweise in für mich fast zu sommerlichen Outfits auf der Bühne und erfreuten die Leute mit ihrem zeitlosen Blues. So kennen wir sie die Engerlinge... schnörkellos. Sie gaben ihre Songs, wie z.B. "Engerling Blues", "Das Muschellied" und auch den "Narkose Blues", in dem sie den Johnny Cash-Klassiker "Ring of fire" integrierten, in ihrem eigenen markanten Stil zum besten. Erfahrene Musiker, seit 35 Jahren sind sie auf den Bühnen unterwegs, zeigten ihr Können an sämtlichen „Geräten“. Boddi Bodag, der nach einer Erkrankung zum Glück wieder bei Stimme ist, hatte vier Musikerkollegen zur Seite: An der Gitarre: Heiner Witte Am Bass: Manne Pokrandt Am Saxophon: Franz "Ufo" Albinger und am Schlagzeug: Friedemann „Frieda“ Schulz Frieda habe ich bisher noch nicht bei Engerling am Schlagzeug erlebt. Er ist u.a. mit „Boogie, Blues & Blattsalat“ unterwegs. Auch Ufo spielt in einer Zweitband, nämlich bei der Zydecoband „Bayou Alligators“. Nach fünfzig Minuten Spielzeit räumten die Engerlinge das Feld, sie überließen es dem Fußball.
Die PUHDYS legten Punkt 18:00 Uhr los, eine halbe Stunde eher als ursprünglich geplant. Das hatte etwas mit dem geänderten Programmablauf zu tun. Zwischen Engerling und den Puhdys war eigentlich City angedacht. Wegen der Fußball-WM haben Toni Krahl und seine Männer ihr Konzert im Lustgarten auf den nächsten Sommer verschoben. Inzwischen hatten sich mehr Musikfans im Lustgarten eingefunden. Sie wollten eine Band feiern die inzwischen schon über 40 Jahre auf Deutschlands Bühnen unterwegs ist. Nach einem bejubelten Start freute ich mich kurze Zeit später über: „Geh zu ihr und lass deinen Drachen steigen. Geh zu ihr, denn du lebst ja nicht vom Moos allein“, und die Fans sangen: „Hey, hey deinen Drachen. Hey, hey, hey geh zu ihr!“. Auch wenn der Drachen inzwischen schon seit 36 Jahren aufsteigt, ist es immer wieder ein Genuss diesen Titel live zu hören.
Mit einer Mischung aus älteren und neueren Liedern begeisterten sie ihre Fans. Ich dachte eigentlich, dass die Puhdys ein eigenes reichhaltiges Liedergut hätten. Warum musste aber Maschine ein Medley bestehend aus alt-bekannten Ostrockklassikern ankündigen? Von City, über Karat, Silly bin hin zum Keimzeit-Song „Kling Klang“ gab es eine bunte Mischung für die Volksfeststimmung. „Es ist keine Ente. Wir spielen bis zur Rockerrente... wir geben nicht auf den Rock'n Roll-Traum... wir sind zum Rock'n Roll gebor'n“, das zeigten sie anschließend wieder mit „Lebenszeit“ und den „Eisbären“. Kurz vor halb acht sagten die Puhdys „Bye bye“, und eine längere Umbauphase stand bevor.
Ich war überrascht... von wegen „mal sehen“. Die Rocklegende strotzte nur so vor Kraft und Dynamik. Der Kamerakran-Mann musste unter Hochdruck arbeiten. Billy Idol zeigte sich sehr lebendig und agil. „Ready steady go“ war der Startschuss. Sofort kam mir auch der Leadgitarrist bekannt vor. Es war kein anderer als Steve Stevens, er gehörte schon in den 80er Jahren zur Band. Ein rockiger Hit jagte den nächsten, mit druckvollem Sound untersetzt. Eigentlich müsste ich hier die gesamte Setlist runter rappeln, denn nahezu jede Nummer war ein Highlight, mit ständig neuen Details. Blitzschnell zog sich Billy Idol des Öfteren um (Shirt mit Weste, schwarzes Hemd, weißes Hemd...). „Dancing with myself“ machte Lust auf's Tanzen, für „Flesh for Fantasy“ zog Mr. Idol seine Jacke aus und bei „Sream“ war er plötzlich von der Bühne verschwunden. Er ging die Treppe hinab, suchte hautnahen Kontakt zu seinen Fans und sang im Graben mit ihnen gemeinsam. Nach einem schnellen Abklatsch der ersten Reihe, ging es wieder flott auf die Bühne um danach ruhigere Töne erklingen zu lassen. Mit einer Akustikgitarre ließ Billy Idol uns „Sweet Sixteen“ zu einem ganz besonderen Erlebnis werden. Gerockt wurde auch mit freiem Oberkörper, was er sich durchaus leisten kann, in seinem 84er Hit „Rebel Yell“ fragte er die Massen: „Do you feel alright?“, prompt antworteten diese: „I feel alright!“. Alles und jeder befand sich in Bewegung. Billy Idol nutze den Steg sehr intensiv (was bei den vorherigen Bands ausblieb).
Zwischendurch warfen Fans ab und zu Utensilien auf die Bühne. Diese und auch andere signierte Dinge (Pappteller) gingen postwendend an die Absender zurück. „Hey little sister what have you done. Hey little sister who`s the only one“ erklang zunächst akustisch, „White Wedding“ wurde später als es hieß „It`s a nice day to start agaiiiiin“ zur heißen Rocknummer umfunktioniert. Mit einem hervorragendem Schlagzeugsolo ging es dem Ende entgegen. Billy Idol scharrte die Band vorne am Steg um sich und stellte diese dem absolut begeisterten Publikum vor: An der Leadgitarre: Steve Stevens an der Gitarre: Billy Morrison an der Bassgitarre: Stephen McGrath am Keyboard: Derek Sherinian und am Schlagzeug: Jeremy Colson Unter frenetischem Beifall, der gar nicht hatte enden wollen, verschwanden die Musiker gegen 22:00 Uhr hinter der Bühne. Der Abend sollte aber noch lange nicht vorbei sein. Eine halbe Stunde später wurde die nächste Legende erwartet.
Nick Milo - keyboards Jack Bruno - drums Gene Black - lead guitar Mike Finnigan - hammond-orgel Oneida James-Rebeccu – bass Noberto Fimpel - sax, percussion Michelle Tillman - background vocals Vivian Sessoms- background vocals rechts In seiner großen Band konnte ich auch ein mir bekanntes Gesicht entdecken. Jack Bruno trommelte bereits bei Tina Turner Konzerten. Joe Cocker, gebürtiger Brite (lebt in Colorado), hatte sich auf der Potsdamer Bühne einen festen Platz in der Mitte gesucht. Viele bekannte Klassiker feuerte er mit seiner markanten, mal rauchigen aber auch leidenschaftlich gefühlvollen Stimme in die Massen. Cocker zeigte sich sehr wortkarg, abgesehen von der kurzen Bandvorstellung inmitten des Konzertes und einem Satz bei Beendigung des Konzertes. Seine Blues- und Soul-Röhre hingegen sehr bestimmend. „Summer in the city“, „When the night comes“, „You can leave your hat on“ (von Randy Newman geschrieben), „Unchain my heart“, „Feelin` alright“ und „Hard knocks“ waren nur einige der großen Welthits in deren Hörgenuss alle Fans vor Ort kamen. Nach fast jedem Song hatte Joe Cocker das Bedürfnis abzuheben. Zu recht, er darf das. Es machte Spaß seinen Luftsprung zu verfolgen. Auch die Backgroundsängerinnen hatten ein gutes Feeling. Nicht nur gesanglich, auch optisch sorgten sie für den nötigen Schwung, von den Schuhen, die optisch was her machten mal ganz abgesehen. Die Ballade "You Are So Beautiful" mit sparsamer Instrumentierung (die Tastenmänner waren aktiv) erzeugte im roten Licht ganz automatisch Gänsehautfeeling. So auch beim Duett "Up Where We Belong" (hierfür bekam Joe Cocker den Oscar) mit einer der beiden Backgroundsängerinnen. Sie transportierten viel Leidenschaft. Mit Eigeninterpretationen der Songs anderer Musiker wurde Joe Cocker berühmt. Er coverte u.a. „Come together“. Hier rückte die Dame am Bass mit ihrem fantastischen Spiel in den Vordergrund. Der Beatles-Klassiker „With a little help from my friends“ war im Jahr 1969 auf dem Woodstock-Festival DER Durchbruch. Mit diesem Song wurde er damals weltberühmt. „Mr. Joe Cocker Woodstock“ zelebrierte ihn mit seiner enormen Stimmgewalt und zuckte dabei einmal mehr mit seinen Händen, spielte beim Gitarrensolo die von ihm damals erschaffene Luftgitarre, linkshändig wohl bemerkt. Ich war so sehr beeindruckt, dass ich fast vergaß Luft zu holen, viele tausende erstarrten sicher auch. Das war ganz großes Kino! Um Mitternacht richtete Joe Cocker - bevor er die Bühne verließ - seine ersten und letzten Worte an seine noch in Trance befindlichen Fans: „Germany we love you, see you next time“.
Fotoimpressionen:
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Engerling: ![]() ![]()
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![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Ein stolzer Fan ist nun Eigentümer des Plektrums von Steve Stevens Joe Cocker: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]()
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