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Bericht: Hartmut Helms Fotos: Hartmut Helms
Gretchen Peters live - mehr als nur ein "Circus Girl" So eine kleine heimliche Liebe hat wohl jeder, so eine Zuneigung, der man sich ab und an gern hingibt, um zu versinken, zu schwelgen und einfach nur zu genießen. Meine heißt Country und Folk und dahinter verstecken sich viele Namen und mancher Wunsch, den einen oder die eine doch noch mal live erleben zu können. Allen voran Emmylou Harris und die wiederum am liebsten im Gespann mit Linda Ronstadt. Das hat bei mir seine Wurzeln in den 60ern, bei Bands wie den Byrds und den Flying Burrito Brothers und damit bei Gram Parsons. Wenn sich also für mich so eine Gelegenheit ergibt, in dieses Musik-Gefühl einzutauchen, kann ich auch nicht lange zögern, dachte ich mir, und deshalb gab es mal wieder kein Halten. Endlich steht mal eine aus dieser Gilde in meiner Nähe auf einer Bühne. Meist fühlt man sich angeregt, wenn jemand seine Abschieds- oder letzte Tour ankündigt. Sie hingegen ist zum ersten Mal in deutschen Landen auf Club-Tour und es ist sogar ein Termin außerhalb westlicher Gefilde dabei.
Aus dem Bühnenhintergrund leuchtet mich so ein typisches Western-Gitarrenmodel an, während Mikrofon und ein kleines Instrumentarium davor noch im Dunkel warten. Von irgendwo her höre ich ein fragendes "Ready?" und dann steht sie plötzlich da oben vor mir, hängt sich dieses Schmuckstück von Gitarre um und beginnt zu singen. Sie singt davon "just for a moment" wie ein "Circus Girl" zu sein und von einer Freitagnacht in "Germantown", und ich bin plötzlich mittendrin in einem Gefühl von Melancholie und dezenter Heiterkeit, von Leben und Träumerei. Das Auftauen so etwas verloren vor der großen Bühne dauert auch bei mir etwas länger. Doch spätestens mit dem sparsam inszenierten "Guadalupe", einer neuen Komposition von Tom Russell, ist das alles vergessen. Eigentlich an den Tasten sitzend, legt sich Ehemann BARRY WALSH ein Akkordeon auf die Knie und singt mit Gretchen - Wie kommt man in den USA auf so einen Vornamen? - gemeinsam diese gefühlvolle Uptempo-Nummer. Einfach nur zum Schwelgen schön und ich lausche den sparsamen Xylophon-Tönen hinterher. BARRY ist seit mehr als 20 Jahren ihr musikalischer Begleiter auf den Bühnen. Er ist einer der schon mit Waylon Jennings musizierte und davor als Bandmitglied bei den legendären BOX TOPS spielte. Erst seit dem vergangenen Jahr sind beide auch privat ein Paar, will sagen, die Harmonie ist auch auf der Bühne bei jedem Ton oder bei dem Solo-Stück "Paradiso", das BARRY in die Tasten zaubert, zu spüren. Es ist beinahe eine kleine Flitterwochen-Tournee. Auf Wunsch spielen beide ihren großen Hit "Independece Day", die Geschichte einer missbrauchten Frau, die auf Rache aus ist und schwubs, sind wir auch in der deutschen Realität angekommen. Oftmals sind in den süßen Klängen bissige Botschaften versteckt, die auch so mancher in den USA und Deutschland gern überhört. Die beiden erzählen kleine Geschichten, die ihnen im wirklichen Leben tatsächlich begegneten - "Sunday Morning (Up And Down My Street)" - oder die sie irgendwo im Lande beobachtet haben ("Secrets Of Life"). Mit "Woman On The Wheel" stellen sie gar einen neuen Song vor, der auf die kommende CD kommen soll.
GRETCHEN PETERS singt sich beinahe durch das Repertoire ihrer Solo-LP's und spart dabei auch jene Songs nicht aus, die sie von anderen für sich entdeckte. So spielt sie eine hinreißende Version von Dylan's "Billy 4" oder "If I Had A Gun" von Diana Jones. Am meisten fasziniert mich, dass der ganze Abend ausschließlich mit Akustik-Gitarre und Piano gestaltet wird und die Songs auf diese sparsame Weise eher noch nachhaltiger auf mich wirken. So sind die Lieder sehr intim und die Worte sehr persönlich, weil sie plötzlich, wie bei "The Aviator's Song", nicht nur vom Tod ihres Vaters erzählen, sondern mich auch an meinen denken lassen: "How does it feel when you're so far away?" So versteht man sich auch ohne Worte. Dieses Erlebnis wirkt auf mich durch seine Nähe und die darin aufkommende intime Stimmung, in der Erinnerungen wach werden und die "coole" Schutzhülle bröckelt. Mir ist, als hätte ich diese Musik schon immer gekannt und die beiden da oben auch. Nach dem Konzert steht man beinahe "wie in Familie" beieinander, tauscht Gedanken und freut sich, mit Gram Parsons und den Byrds gemeinsame Erinnerungen sowie den gleichen Namen im Vornamen zu haben. Sachen gibt's! Im nächsten Jahr will sie wieder kommen und dann mit der neuen CD im Gepäck. Sie hat versprochen, dann wieder in Dresden zu sein und ich, sie dann wieder zu besuchen. Wer jetzt Lust bekommen hat, sollte mich dann vielleicht an diesem Abend begleiten und eine äußerst sympathische, herzliche und natürliche Künstlerin treffen. See you next year with Gretchen Peters and Barry Walsh.
Fotoimpressionen:
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