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PANKOW live am 30. Januar 2009 in Potsdam Bericht: Andreas Hähle Fotos: Patricia Heidrich
BEHERZT NACH VORNE ROCKEN - PANKOW WAR IN POTSDAM "Komm Karlineken, komm Karlineken, komm. Lass uns zu Pankow gehen, da ist es wunderschön." - Alle Jubeljahre wieder ertönt dieser Killekille-Ruf, und dass es nicht "nach Pankow", sondern "zu Pankow" heißt, ist kein sprachlicher Fauxpax irgendeiner Dialektik, sondern pure Absicht. "Gib mir ein Zeichen" eröffneten PANKOW ihr Konzert zur Tournee 2009 im "Waschhaus" zu Potsdam und mussten nicht lange auf ein solches von Seiten des Publikums warten. "PANKOW"-Rufe, überlaut, schon nach diesem ersten Song. Geradlinig und nach wie vor unverfälscht, choreographiert als wäre nie so etwas Belangloses wie Zeit vergangen, voller Spielfreude in jeder Hinsicht: "Ich bin ich". Bläsersätze aus Richie Bartons Keyboard. Eine kleine Pause zwischen diesem und dem nächsten Titel. In reinstem Ursächsisch ertönt da aus dem Brandenburger Publikum der Satz: "Pausen waren wir früher nicht gewohnt." Doch da kam der Regen. "Es regnet" mit André Herzberg auch an der Gitarre so wie beim nächsten Song, der so wunderschön balladesk daherkam, dass die bereits erwähnte sächsische Stimme aus dem Publikum sich entschuldigte: "Das war nur Žn Spaß.", woraufhin die Band konterte: "Ich bin lieb, ich bin immer lieb", ein sarkastisch gemeinter Text von Kurt Demmler, der aufgrund der jüngsten Ereignisse (vor und nach dem Konzert) eine merkwürdige Bedeutung in sich trägt. Erwartungsgemäß, in meinem Denken, fuhr das Publikum auf die "alten" Songs zwar nicht mehr, aber intensiver ab. Ja, unsere Jugendzeit. Die haben viele von uns und mehr als gern mit PANKOW geteilt. Zum Beispiel mit dem Halbrap "Er will anders sein". Schließlich wollten ja alle von uns damals, alle Ers und alle Sies, ganz anders sein als all die anderen Ers und Sies, die feine leise Ironie dieses Liedes geflissentlich dabei übertönend oder gar idenditätsstiftend in sich infiltrierend. Es sind ja nur wenige anders geblieben oder geworden. Wobei man natürlich konstatieren muss, dass die, die nicht anders sind auf jeden Fall wiederum anders sind als die, die anders sind. Ja, mit PANKOW sind wir - also meine Generation aus dem Osten - zum Teil das geworden, was wir geworden sind oder eher geworden, wie wir geworden sind. Irgendwie anders, glaube ich... Mit seinem unnachahmlichen Bass peitschte Jäcki Reznicek beherzt den Song nach vorne rockend, unterstützt von Andrés Mundharmonika und selbst dem Publikum wurde dabei ganz anders. Es nahm diesen Rhythmus auf und schenkte ihn der Band begeistert wieder. "Ich hab Zeit" (aus der 2006er CD "Nur aus Spaß", wie viele andere Songs auch), und die wünschten sich alle an diesem Abend mit ihrer Band zu verbringen. "Bleib mir mit Politik vom Leib" (ebenfalls "Nur aus Spaß"), ein warmherziger Blues (von dem ich ja bekanntlich keine Ahnung habe, von Politik übrigens auch nicht). Zum Glück hat es keiner bemerkt. "Wir sind hiergeblieben / HaŽm Žne Menge durch / Hat Kerben hinterlassen / Doch wir leben noch". "Du hast es nicht bemerkt", botschaftete PANKOW auch gleich darauf und ich überlegte, wie gut das manchmal im Nachhinein war, dass die eine oder andere Dame nicht gleich oder überhaupt nie bemerkte, dass ich in sie verliebt war. Und ich ahne, dass es den Jungs jener Band, die einstmals dem Namen "Doris" eine ganz eigene Bedeutung gab, genauso gehen könnte. Aus heutiger Sicht natürlich. Außerdem haben wir ja selber bei den Damen, manchmal auch mit Absicht, gelegentlich nichts bemerkt. Und gar nicht wissen will ich, wie viele Frauen heute froh sind, dass ich vor langer langer Zeit nicht bemerkte, dass sie in mich verliebt waren. André Herzberg griff wieder zur Gitarre und ließ sie fliegen, die "Gabi" mit ihrer wundersamen Geschichte. Ich sah, wie sowohl junge Mädchen als auch ältere Damen ausgeflippt zu diesem Lied tanzten. Irgendwie ist es vermutlich ein Frauenlied. Und ich weiß nicht, warum. Ich war nie ein Mädchen. Aber ich weiß, wie man damals Mädchen zum Fliegen bringen konnte. Indem man einfach diesen Song auflegte. Mittlerweile hat er sich zu einem gediegenen RockŽn Roll gewandelt, aber Effekt bleibt Effekt. "Langeweile" folgte. Ein ganz ganz ganz ganz aktueller Titel und ich habe die Befürchtung, dass er es noch sehr lange bleiben wird. Dem Publikum war allerdings ganz und gar nicht langweilig, der Band sowieso nicht. Denn die Menschen im Saal wollten gar nicht mehr damit aufhören, ihre Band zu feiern. "Du kriegst mich nicht", mit einem gewohnt diesen Titel singenden Jürgen Ehle. Ich fand immer und fand es auch diesmal, dass dieser Song eine sehr mitreißende Verbrüderung von Rock, Blues und Punk ist. Wenn man überhaupt in der Lage ist, stilistische Einordnungen vorzunehmen. Schnell sind sie ja, Titel dieser Art, und hammerstark. Dass André Herzberg als Sänger dieses Statement mit der lasziv swingend daher treibenden spätpubertären "Doris" kontern würde, ahnte ich schon, bevor der Song angespielt wurde. Ganz ehrlich. Ich hatte also, ebenso wie alle anderen auch, viel Spaß bei diesem Konzert. Aus den gleichen Gründen. "Inge Pawelczik" gab es wirklich. Eine Frau mit diesem Namen war Direktorin einer EOS in Berlin. Aus diesem Grunde durfte dieser Titel in Berlin nicht öffentlich gespielt werden. Das wussten die von PANKOW angeblich nicht, als sie diesen Titel herausbrachten. Aber jetzt ist sie wieder da, die Inge, live aufführbar wohl allerorten. Was aus der in ihrer Autorität sich behindert fühlenden Direktorin geworden ist, weiß ich nicht. Früher fand ich sie wilder, die besungene Inge natürlich, nicht die Direktorin. Mir kam der Titel bei diesem Konzert ein wenig zu erwachsen vor, verhältnismäßig gesehen. PANKOW ahnte das wohl und fragte gleich danach "Kommste runter?" und brachten mich damit zum Glück gleich wieder hoch. Der "RockŽn Roll im Stadtpark" war gar nicht erwachsen und ließ mich demzufolge wieder erwachsen. Sogar "Wetten du Willst", ein echter PANKOW-Reißer und -Hit, welchen ich aus mir unerfindlichen Gründen nie wirklich gut fand, gefiel mir plötzlich. Und plötzlich fiel mir endlich ein, was mich daran früher störte. Es war die Zeile "Ich warte schon lange". Also ehrlich. Ich habe nie lange gewartet. Das geht ja auch schlecht, wenn man ständig unterwegs ist. Mit den Gedanken, den Verkehrsmitteln, dem Herzen und anderen Körperteilen. Die Musiker André Herzberg, Jürgen Ehle, Jäcki Reznicek, Stephan Dohanetz und Richie Barton wollten wohl aber tatsächlich auf alle Fälle. Denn es folgte die Vorstellung der mitwirkenden Musiker. Wenn PANKOW ein geiles Konzert wollte, dann haben sie eines gemacht. Wenn sie ihr Publikum mit grandiosem Rock begeistern wollten, dann haben sie das gemacht. Wenn sie einen unvergesslichen Abend im Potsdamer "Waschhaus" bescheren wollten, dann haben sie das gemacht. Wenn sie sich, ihr Publikum und beides mit diesem feiern wollten, dann haben sie das gemacht. Das "Waschhaus" kochte an diesem Abend bei weit über 90°, also so kurz vorm Siedepunkt (sonst hätte ja keiner das Konzert überlebt). "Gut Nacht" musste an dieser Stelle fast zwangsläufig kommen und damit nun wieder ein Titel, den ich wiederum neben vielen anderen PANKOW-Songs besonders mag. Wegen der Geschwindigkeit und des schrägen Textes in Verbindung mit dem ureigenen PANKOW-Sound. Herzberg war ganz in seinem Element, jedenfalls in dem, was ich dafür halte. Eine Mischung aus Rockstar und Clown. Auch optisch. Die Lichter gingen aus (im Lied). Das Konzert war es dann auch. Jedenfalls was den "offiziellen" Teil betrifft. Denn... Der nächste Song hieß "Kille Kille Pankow" und wurde - ohne Band auf der Bühne - vom Publikum alleine gesungen, bis die Band wieder auf die Bühne kam und die Zugaben spielte, die singend herbei gebeten wurden: "Ilse Bilse", "Das Lied von der SeeŽnsucht" (ich bezeichnete ihn mal gegenüber dem in Frankfurt/Main lebenden amerikanischen ehemaligen Manager von Czeslaw Niemen als längsten und einzigen gelungenen DDR-Rock-Schlager, was zwar ein Scherz war, aber geglaubt wurde), "Kille Kille Pankow" (also "Komm Karlineken", gesungen und gespielt von der Band). Wenn sie nicht hätten aufgehört und wenn es nach dem Publikum gegangen wäre, sie spielten wohl noch heute und für alle Zeiten im Potsdamer "Waschhaus". Ja, und eigentlich sollte es ja eine Tournee werden mit der Wiederaufführung von "Hans im Glück", meinte nach dem Konzert ein trotzdem mehr als zufriedener PANKOW-Fan draußen vor der Tür beim Rauchen. Nun, er wird sicherlich wie viele viele andere noch zufriedener sein, wohl gar mehr als das, wenn er erfährt, dass das Rock-Märchen am 15. Märu 2009 in der Inszenierung von Frank Castorf und natürlich mit der Band PANKOW um André Herzberg im Berliner Filmtheater "Babylon" (anstelle der in Sanierung befindlichen "Volksbühne") Premiere haben wird. Weitere Aufführungstermine sind: 23.3. und 24.3. 2009, alle Vorstellungen beginnen um 20.00 Uhr. Foto Impressionen: ![]() ![]()
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