50 Jahre "Melodie & Rhythmus" -
Jubiläumsfeier am 02.10.2007 in Berlin

(mit Keimzeit, Sandow, Dirk Michaelis, Knorkator, Rockhaus und Rainald Grebe)

Bericht: Fred Heiduk
Fotos: Melodie & Rhythmus




Jubiläum? Na toll! Höflichkeiten tauschen, Buffet stürmen und dann schnell wieder verschwinden. Möglichst nur kurz mal von allen möglichen Menschen gesehen werden, nicht in Gespräche verwickeln lassen und dann nichts wie weg! Hier war das ein klein wenig anders!!!
Vor etwa einem Monat (Mitte September) flatterte eine Einladung ins Haus, die uns sehr stolz machte. Eine der bedeutensten Musikzeitschriften Deutschlands läd zur Geburtstagsfeier ein... und wir sind geladen! Ich empfinde das als wirklich große Anerkennung dessen, was Michael Rösch und Manuela Schwarz begonnen haben, und was wir heute fortführen.... Ich darf es vorweg nehmen: es war eine tolle Geburtstagsparty.
Der Reihe nach: Im Lokalradio "radio 1" (warum gibt es in Sachsen nichts wirklich vergleichbar Gutes im öffentlichen Rundfunk?) gab es kurz vor Beginn der Party ein Spezial zu "Melodie & Rhythmus". Ganz nebenbei wurde verraten, dass Knorkator der Überraschungsgast des Abends sein wird.
Das Interview verdeutlichte was für eine Rolle das Geburtstagskind in der Musikszene spielt. Der Moderator erfragte Wissenswertes und Neues. Die meisten besprochenen Fakten zu diesem Magazin sind sicher auf der hauseigenen M&R-Webseite nachzulesen, und sind außerdem jedem treuen Leser bekannt. Und doch hat der Moderator es geschafft, höchstes Interesse zu wecken. Sei es mit dem Hinweis auf Katie Melua oder auf die Vita von Christian Hentschel. Wenige Meter hinter dem Friedrichstadtpalast waren schon gegen 19:00 Menschen zu sehen, die Einlass in die "Kalkscheune" begehrten, und offensichtlich sehr gut gelaunt waren. Spätestens am Eingang wurde klar, es wird eine richtig bunte Party. Zumal Joro Gogow in bekannter Begleitung gemeinsam mit mir Einlass begehrte. Im Innenhof empfingen die Macher der Zeitschrift ihre Gäste. Eigentlich fehlte nur noch der rote Teppich, dann hätte man sich in eine Galaveranstaltung versetzt fühlen können, denn nach und nach erschienen die Prominenten aus Kunst und Kultur, und wurden, so sie mochten, vor laufender Kamera begrüßt. Die Zeit bis zum Beginn des Geburtstagsständchens hab ich mir sehr kurzweilig mit "Ostmusik"-Peter vertreiben können. Sowohl die kurzen Gesprächen mit dem Manager OMEGA's oder mit Christian Hentschel (Mr. M&R himself), alles stimmte und brachte neue Kenntnisse und Ideen. Dazu füllte sich der Innenhof der Kalkscheune sichtlich mit erwartungsfrohen Menschen aller Altersklassen. Ganz viele Gesichter kamen Peter und mir sehr bekannt vor. Leider konnten wir nur wenige Namen diesen Gesichtern sicher zuordnen.
Als sehr angenehm empfand ich, dass die Prominenten einen sehr entspannten Abend verleben konnten. Keine Aufdringlichkeit, kein Getuschel ("schau mal, das ist doch ..."), selbst die bekanntesten Musiker waren einfach Gast und erwarteten die Auftritte der angekündigten Bands.
Schade war in diesem Zusammenhang das der Ton nicht in den Innenhof übertragen wurde, so dass ein Punkt der Geburtstagsfeier, die Vorstellung des Buches "Als ich fortging" (Hentschel / Matzke) wohl mit Gesangseinlage von Dirk Michaelis, an vielen Besuchern vorbeiging.
Als es dann deutlich lauter im Bühnenraum wurde, war klar: die Geburtstagsständchen werden jetzt gesungen. Den Reigen eröffnete zu meiner Überraschung "Rockhaus". Belustigt habe ich festgestellt, dass sich die Herren zum positiven weiterentwickelt haben, war doch an einer Wand ein M&R Heftcover zu sehen, mit Rockhaus im Popstil der 80er Jahre. Musikalisch war das, was da geboten wurde, in jeder Art ein kleines Feuerwerk. Die Herren waren bestens aufgelegt und ließen sich von den kleinen Problemen mit der Technik nicht abhalten, eine grandiose Vorstellung zu geben. Beeindruckend die Stimmgewalt Mike Kilians ebenso wie die Virtuosität der Musiker der Urbesetzung mit Herrn Petereit und Beethoven Mohren. Spätestens beim Titel "Mich zu lieben" habe ich verstanden, warum Micha Rockhaus zu den besten Gruppen zählte, die es im Osten gab. Natürlich gab es zum Abschluss "I.L.D" und das Publikum war entgültig auf Touren.
Die kurze Umbaupause tat der Stimmung keinen Abbruch. Als zweite Band ging "Knorkator" auf die Bühne. Was geboten wurde machte klar, warum die Band von einigen geliebt, von anderen gehasst wird. Stumpen (Gero Ivers) kam, sah und siegte, indem er das Publikum in gewohnter Manier ins Konzert einbezog. Dazu die gigantische Stimme. Einfach eine rundum gelungene Überraschung.
Rainald Grebe war als Nächster an der Reihe. Zu meiner Schande muss ich gestehen, den Herren nicht gekannt zu haben. Und der Herr polarisierte auch das Publikum. Vielleicht beschreibt man ihn am besten als kabarettistischen Liedermachen. Jemand verglich ihn mit Helge Schneider. Nicht ganz zu Unrecht wie ich finde. So gab es wohl auch Stimmen im Publikum, die seinen Auftritt unmittelbar nach den Ostrockklassikern von Rockhaus und Knorkator nicht recht mochten. Mit Abstand betrachtet, zu Unrecht. In der "Kalkscheune" erfüllte Grebe die Rolle des Eulenspiegels, der dem Publikum gewissermaßen den Spiegel vor's Gesicht hielt. Grebe hat bitterböse Texte, die es durchweg wert sind genau gehört zu werden. Die Klamaukverpackung wirkt noch verstärkend. Sollte es Mitmenschen geben, denen es wie mir geht, die Grebe nicht kennen, denen sei ein Besuch bei YouTube empfohlen. Die Titel "30 jährige Päärchen", "Massenkompatibel" und die "Brandenburghymne", die Grebe als Geburtstagsständchen zum Besten gab, sind dort zu sehen. Auch bei myspace kann man sich ein paar Titel anhören. Doch Vorsicht, das Lachen kann einem im Halse stecken bleiben, wenn man die Texte zu ernst nimmt...
Ganz andere Töne schlug Norbert Leisegang an. Mir hat, was der Keimzeitfrontmann mit Freunden bot, sehr gefallen. Leise, besinnlich und als Kontrast zu Gebes gallebitteren Titeln. Das obligate "Kling Klang" musste es wohl zum Abschluss geben - schon des Geburtstages wegen - hätte es für mich aber nicht gebraucht. Keimzeit hat auch andere sehr schöne Titel im Repertoire, wie an diesem Abend nachhaltig gezeigt wurde.
Danach wurde es laut in der "Kalkscheune". Ob das so gewollt war? Keine Ahnung! Mir war die Anlage für den Auftritt der Gruppe "Sandow" zu laut eingestellt. Stellenweise war nicht zu verstehen was gesungen wurde. Dazu die Musik die mich an Punk erinnert. Ein echter Kontrast zu dem, was da zuvor geboten wurde. So leerte sich die Scheune auch merklich, zumal vorab angekündigt worden war, das es danach mit der Party im Backstage-Bereich, einer Kellerbar an der Kalkscheune, weitergehen würde.
Wie gesagt: Sandow machte ein interessantes Programm, das zwischen Punk und Rammstein (Industrial) angesiedelt ist. Mir schien, dass die Musik nicht jedermanns Sache war. Schade war, das Bobo nicht auftrat. Warum wurde nicht erklärt. Möglicherweise hab ich das auch nur verpasst.
So bleibt mir das Fazit: Eine sehr gelungene Veranstaltung mit einem enorm breiten Musikprogramm ganz der Vielfalt der M&R entsprechend. Ein Abend mit interessanten Gästen vor und auf der Bühne, ganz wie es dem Jubilar gebührte. Ich sage Danke für die Einladung und den schönen Abend... und HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zum 50., M&R.




Impressionen:
(vielen Dank an "Melodie & Rhythmus" für die Pix!)