Bericht: Christian Reder
Fotos: Petra Schäfer






Der Name Glenn Miller ist auch fast 67 Jahren nach dem Tod des Orchester-Leiters vielen Leuten ein Begriff. Der 1904 in Clarinda/Ohio (USA) geborene Jazz-Posaunist, Komponist und Bandleader verunglückte im Dezember 1944 bei einem Flugzeugabsturz - zumindest wird das so "vermutet". Die Geschichte Millers und seines Orchesters war damit aber längst nicht beendet. Sein Leben wurde verfilmt, kein Geringerer als der großartige James Stewart spielte die Hauptrolle, und sein Orchester spielte ohne ihren Chef später weiter.


Das Glenn Miller Orchestra
(Foto: www.glenn-miller.de)

Die Geschichte dazu ist sehr lang und es gab viele personelle Wechsel. Nach der 2-jährigen Pause durch Millers Tod führte Tex Beneke ab 1946 das Orchester als Bandleader weiter. Ihm folgte 1950 Ray McKinley. Es gab weitere Wechsel von Bandleadern und einzelnen Musikern, bis am 16. März 1990 Wil Salden die Orchesterleitung direkt von der Glenn Miller Productions, Inc. übertragen wurde. Und dieser Wil Salden bekleidet den Posten bis heute, und somit ist ein direkter Bezug zur legendären Besetzung mit dem großartigen Glenn Miller gegeben! Der gebürtige Niederländer ist Jahrgang 1950, hat die große Zeit des Glenn Miller Orchestras mit Glenn Miller als Bandleader selbst gar nicht miterlebt. Trotzdem ist er seit seinen frühen Jahren ein Anhänger der Swing-Musik. Salden studierte zwischen 1967 und 1972 Klavier an der Musikhochschule in Maastricht und trat schon während seines Studiums mit diversen Musikgruppen auf. Dass das Glenn Miller Orchestra heute noch die Musik spielt, wie sie früher schon erfolgreich vorgetragen wurde, ist ein großer Verdienst des Bandleaders. Er hat lange recherchiert, gebastelt und geprobt, bis das Orchester den Sound spielen konnte, den es früher spielte und heute noch spielt. Die Musik des großen Glenn Miller lebt durch ihn weiter und sie wird in der Originalbesetzung (aber mit anderen Musikern) weltweit präsentiert. Davon konnten sich die Menschen aus und um Dortmund am gestrigen Dienstag überzeugen, denn das Glenn Miller Orchestra machte Station im Konzerthaus Dortmund.

Schon am Eingang wurden wir von Huub Salden, dem Bruder des Bandchefs, empfangen und bekamen ein Programmheft überreicht. Das Konzerthaus in Dortmund ist nach dem Vorbild des Wiener Musikvereins in der Grundform als einfaches Rechteck erbaut worden. Es gehört zweifelsohne zu den besten Konzertsälen der Welt, was nicht zuletzt auch an der erstklassigen Akustik des Gebäudes liegt. Unsere Plätze fanden wir im ersten Rang auf dem Balkon und wir hatten zusätzlich zum eben erwähnten tollen Sound einen hervorragenden Blick auf die Bühne. Dort waren schon die Aufbauten für das Orchester zu sehen. Ansonsten war die Bühne menschenleer und wartete darauf, durch Musiker und Musik belebt zu werden. Das Glenn Miller Orchestra besteht heute - neben dem Bandleader Will Salden - aus den Posaunisten Uli Plettendorff, Hans Jörg Fink, André Pet, Jenke de Vries, den Trompeten-Spielern Erik Veldkamp, Marcel Reus, Pascal Haverkate, Roeland Cleijne, den Saxophonisten und Klarinettisten Piet Keizer, Wil Jasper, Frank Jacobi, Daniel Daemen, Frank Meuwissen, dem Bassisten Ingo Senst, dem Schlagzeuger Haye Jellema und der Sängerin Roos Jonker. Am Piano sollte der Bandchef später selbst tätig werden. Pünktlich um 20:00 Uhr nahm der Swing-Express Fahrt auf und nahm uns mit auf eine über 2-stündige, rasante Fahrt. Ich mag den Einsatz von Bläsern besonders in der populären Musik sehr gerne, darum zählen diverse Produktionen von Dirk Zöllner und seinen "Zöllnern", einige Phil Collins-Scheiben und auch das '96er Silly-Album "Paradies" zu meinen Favoriten. Am gestrigen Dienstag bekam ich nun die volle Ladung, denn es waren - wenn ich richtig gezählt habe - insgesamt dreizehn Musiker mit Posaunen, Trompeten und Saxophonen auf der Bühne aktiv. Klassiker wie "Moolight Serenade", "Take The 'A' Train", "Chattanooga Choo Choo" und "Pennsylvania 6-5000" gehörten zum Set der ersten Hälfte des Programms. Aber auch Titel anderer Komponisten gab es zu hören, wie z.B. den von Herman Hupfeld geschriebenen Song "As Time Goes By", dem weltbekannten Musical-Titel aus dem Jahre 1931. Wer dachte, es gäbe ausschließlich Instrumental-Musik, der irrte. Sowohl der Bandchef Will Salden, als auch Musiker seines Orchesters und die einzige Dame im Line Up, Roos Jonker, übernahmen gelegentlich Gesangsparts bei einigen der vorgetragenen Songs. Der einst von Marylin Monroe und Doris Day gleichermaßen gesungene Titel "Diamonds Are A Girls Best Friend" war einer dieser Lieder, bei denen die Gesangsleistung einzelner Mitglieder gefragt waren. Um 21:10 Uhr wurden wir dann in eine 20-minütige Pause geschickt.


Die akutelle CD: "Evergreens in Swing"

Die Pause zog sich wie Kaugummi. Aufgeheizt durch die mitreißenden Melodien und der wirklich exzellenten Spielweise des Glenn Miller Orchesters hätte es ohne Murren ruhig nahtlos mit dem 2. Programm-Block weitergehen können. Die Pause war den Musikern aber trotzdem gegönnt. Um 21:30 Uhr ging's weiter, und auch wenn man der Meinung war, nach dem ersten Teil sei eine Steigerung nicht möglich, wurde man schon bei den ersten Songs eines Besseren belehrt. Mit "A String Of Pearls" und "Sing Sing Sing" zog das Glenn Miller Orchestra das Publikum in seinen Bann. Wieder wechselten sich Instrumentalstücke und Lieder mit Vokaleinsatz ab. Die Sängerin Roos Jonker bewarb sich z.B. mit dem Titel "Oh Johnny, oh Johnny" sehr nachhaltig für Standing Ovations. Aber es war auch Platz für einzelne Musiker, ihr Können an ihrem jeweiligen Instrument zu zeigen. So spielte Haye Jellema in der Mitte des 2. Programmteils ein dermaßen gutes Schlagzeugsolo, dass nicht nur mir stellenweise der Atem stockte. Gefühlte 10 Minuten trommelte der Mann was sein Instrument hergab. Sagenhaft! Der zweite Teil des Abends hatte es wirklich in sich und man muss das einfach erlebt haben um zu begreifen, was den Reiz und die Magie des Glenn Miller Orchestras ausmacht. Der Abend begann mit dem Titel "Moonlight Serenade", und er sollte mit diesem Titel auch wieder enden, denn er schloss den regulären Teil des Konzerts ab. Will Salden und seine Musiker ließen sich aber gar nicht lange bitten und brachten mit "Woodpecker's Song", einer 1939 von Eldo Di Lazzaro komponierten und bereits von Glenn Miller selbst gespielten Nummer, sowie "In The Mood" noch zwei weitere Lieder zum Vortrag. Danach war der Konzertabend nach über 2 Stunden Nettospielzeit beendet.

Es fällt mir wirklich nicht leicht, den gestern erlebten Konzertabend so in Worte zu fassen, dass ich nichts vergesse. Es waren dermaßen viele Eindrücke, die man sammeln konnte, dass man gar nicht alles wiedergeben kann ohne den Rahmen eines Konzertberichts zu sprengen. Als Fazit kann ich eigentlich nur jedem empfehlen, sich ein Konzert des Glenn Miller Orchestras anzuschauen, wenn es in seiner Nähe Station macht. Die Kapelle ist weltweit unterwegs und macht demnächst in folgenden Städten Station:

Februar '11:
09.02. - 20:00 Uhr D-20355 Hamburg, Laeisz-Halle
10.02. - 20:00 Uhr D-30159 Hannover, Theater am Aegi
11.02. - 20:00 Uhr D-37081 Göttingen Stadthalle
12.02. - 20:00 Uhr D-28195 Bremen, Die Glocke
13.02. - 18:00 Uhr D-25335 Elmshorn, Stadttheater
14.02. - 14:30 Uhr B-2018 Antwerpen, Elisabethzaal
20.02. - 15:00 Uhr B-9000 Gent, Capitole Gent

hingehen und mitreißen lassen. Der Swing und somit auch Glenn Miller leben, und begeistern noch heute das Publikum.





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