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J. W. D. - was so viel heißt wie "Jott Wie Deh" oder auch "Janz weit draußen". Kein Problem für mich, denn sonst nehme ich auch weitere Anfahrtswege in Kauf. Also nichts wie hin in die "a10 eventarena". Nachdem ich so ca. zehn, gefühlte zwanzig Dörfer links liegen ließ, traf ich gegen 19:20 Uhr in Wildau ein und wurde bereits von meinem Kollegen erwartet. Kurz darauf sprach mich ein Herr an und fragte, ob ich Frau Hartmann sei. Rückt man eigentlich in solchen Momenten sofort mit der Wahrheit heraus, oder hinterfragt man lieber "Ja, warum?". Ich verneinte sofort und fragte aber anschließend wer er denn sei und warum diese Frage. Vor mir stand der zuständige Pressevertreter der Eventarena und suchte nach Frau Hartmann, die Gewinnerin eines Preisausschreibens. Ich habe zwar noch nie an einem Preisausschreiben teilgenommen, hatte aber auch ohne Teilnahme eine Freikarte erhalten. Aber mit Ehrlichkeit kommt man besser durchs Leben, und Frau Hartmann erschien doch bestimmt noch vor Ort. Außerdem war "Deutsche Mugge" eingeladen. Michael Friedrich Wilhelm Krüger, alias Mike Krüger, alias Supernase, hat uns zu seiner diesjährigen Tour "ZWEIOHRNASE" eingeladen. Er ist nicht nur ein Komiker und Sänger, sondern auch Moderator und Schauspieler.
Viele Fans waren gekommen um ihn nach einigen Jahren endlich mal wieder auf der Bühne erleben zu können. Der Saal, der in einem sehr angenehmen schönen Licht erstrahlte, war schon recht voll. Nur hier und da waren vereinzelt freie Plätze zu finden. Plätze? Ich sollte doch lieber "Plätzchen" schreiben, denn die Stühle standen recht nah beieinander. Nach freundlicher Begrüßung der beiden bzw. vier (wir waren ja zu zweit) fremdem Sitznachbarn, erhob sich dann doch noch die halbe Reihe und es wurden zwei Plätze nebeneinander frei geräumt. Drei Plätze rechts neben mir saß ein kleiner, er selbst würde sicherlich sagen großer, Kerl. Ich dachte nur so bei mir "na, ob er denn auch alles verstehen wird?" Später musste ich mich eines Besseren belehren lassen.
Um 20:00 Uhr, also ganz pünktlich, wurde das Licht gelöscht und wir hörten aus den Lautsprechern eine überaus charmante Ansage einer jungen Dame. Mit überaus charmant meine ich, damit es jeder versteht: sie klang sehr erregt und sprach mit lasziver Stimme: "Er ist schöner als er aussieht... hier ist Mike Krüger!" Er betrat über die linke Treppe im Scheinwerferlicht die Bühne. Gut gelaunt begrüßte Mike Krüger sein Publikum: "Nabend! Vielen Dank für den warmen Applaus. Ich weiß das zu schätzen, weil..." und lässt sofort, Dank seiner ersten flotten Sprüche, das Publikum in Lachsalven ausarten und führt fort: "Das erste Lied, das ich heute singen werde ist 30 Jahre alt. Wer es noch kennt kann ruhig mitsingen". Mike sang die Strophen und aus dem Saal hallte ihm der Refrain vom "Nippel" entgegen. Worauf Mike einwarf: "Hey, ihr kennt den Text ja ganz!" Ganz genau kannte ihn der kleine Kerl (drei Plätze rechts neben mir). Der "Kleene" war wirklich fast den ganzen Abend textsicher, ein echter Fan eben. Die Lachmuskeln wurden an diesem Abend natürlich über die Maßen beansprucht. So erzählte Mike Geschichten aus seiner Kindheit, von Arztbesuchen (singt hierzu u. a. von der Praxisgebühr zu Musik von James Blunt) und auch von einer Musterung als Bundeswehrsoldat. Bei der Musterung wurde er gefragt "Er könne doch so viele tolle Gags, lass mal einen los".
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Mike machte die Tür auf und sagte zu den anderen zur Musterung geladenen jungen Männern: "Jungs, ihr könnt alle nach Hause gehen- ich hab den Job". Wertvolle Tipps hinterließ er beim Publikum: "Alkohol ist keine Lösung, sondern ein Destillat" oder auch "Wenn betrunken, dann sollte man die Hände vom Gaspedal lassen". In dem Fall darf dann auch mal seine Frau fahren. Obwohl sie immer sagt "Die Straßenverkehrsordnung hindert sie an ihrem Fahrstil". Nach seiner siebten Gesangseinlage "Du sollst nicht immer Schatzi sagen" zog Mike sein dunkles Jacket aus und wurde dann politisch. Denn er lebte schließlich seit über zwanzig Jahren "Tür an Tür mit Schröder" (nicht mit Ellies), und vor über dreißig Jahren haben die Stones schon ein Lied über "Angie" gesungen. Später hieß es "Guten Tag Sie haben Post", Mike widmete sich auch seinem Laptop, bevor er sich dann mit seiner roten Kappe nach Frankreich begab. Er sang "Marie France". Und ich verstand ihn, ich verstand "französisch", das erste Mal in meinem Leben (eingedeutschtes Französisch versteht doch jeder, oder?!). Nach einer Stunde wurden wir mit einem Lied, in dem es heißt "Willst du Frischluft- dann geh in ein Lokal", in die Pause geschickt. In dieser erkundigte ich mich bei der Technik nach einer Setlist. Der freundliche Techniker erklärte mir, dass Mike keine hätte, somit durfte ich mir die Technikerliste ausborgen. Total enttäuscht sah ich auf diese Liste: "Wo ist er denn, der Titel auf den ich den ganzen Abend gewartet habe? Hmmm... das verstehe ich nicht".
Den zweiten Teil des Abends eröffnete eine Männerstimme (vergleichbar mit Loriot): "Warum sitzen Sie hier? Dabei gibt es im Fernsehen auf RTL `Bauer sucht Frau`, mit Heinrich dem Schäfer." Mike kam als Bauer verkleidet, mit Hut, Jacke und Stock und sang "Sexy" (in Westernhagener Art). Der Schäfer soll auch mal interviewt worden sein "Du lebst seit zwanzig Jahren bei den Schafen. Hat dich das irgendwie beeinflusst?" Die Antwort hierauf erfolgte mit einem "Näääh"-Gestotter, was so viel wie "Neee" heißen sollte. Mike mimte auch mit seiner Mundharmonika den Michael Hirte, sowie Xavier Naidoo (mit Mütze und Brille), und auch Herbert Grönemeyers "Männer" als "Hunde". Ausschweifungen gab es bis hin zur Formel Eins mit "Im Wagen vor mir `sitzt` der..." oder auch "Verdammt ich `schieb` dich`". Danach schnappte er sich eine Lederjacke, am Kragen mit Nieten besetzt, schwang sich die E-Gitarre (auf deren Funktion ich schon sehr gespannt war) über, setzte sich eine Sonnenbrille auf und mimte den Rocker. Die Fans forderten natürlich eine Zugabe und bekamen diese auch. Ein Liebeslied hat Mike auch geschrieben. In diesem heißt es sehr liebevoll "Baby, ich halt das nicht mehr aus. Baby, wann ziehst du endlich aus." Gerade noch mit Hut ein Countrylied gesungen, schon stand Mike mit einem gelben Helm und gelben Perkussionelementen auf der Bühne und die Fans sangen lauthals: "Das ist Bodo mit dem Bagger, und der baggert noch". Inzwischen hatte ich gemerkt, dass doch nicht jeder einzelne Titel auf der Setlist erwähnt wurde. Als Mike sagte: "Gut, ihr habt es so gewollt. Jetzt kommt ein 35 Jahre altes Lied." In dem Moment wusste ich, jetzt kommt der Titel auf den ich dann doch nicht vergebens warten musste: "Mein Gott Walther". Dieses Lied ist eine wunderbare Erinnerung an alte Zeiten. Ich hatte ihn ewig nicht gehört und... er gefiel mir noch immer! Der ist eben Kult!
Allmählich ging der Konzertabend dem Ende entgegen. Im lila Licht stand Mike auf der Bühne und sang: "Aber ich steh nur hier oben (alias "Ich & Ich") weil's unten zieht... ich weiß, dass ich in Wildau bin, Leute ihr seid echt Klasse!" Mit Standing Ovations wurde Mike belohnt, er sagte: "Danke, danke setzt euch" und singt: "Habt Dank für den Applaus, die Show ist aus, ich fahr jetzt heimwärts". Was ja eigentlich gar nicht stimmt, denn seine Tour hatte gerade erst begonnen. Mit "Mai weh" und ausgebreiteten Armen, so dass er das gesamte Publikum hätte umarmen können, schickte er seine Fans nach Hause. Kam aber nach dem Konzert sofort in den Saal zurück und erfüllte geduldig sämtliche Autogrammwünsche. Auch der "Kleene", sein kleinster und gleichzeitig größter Fan, bekam seine Widmung, und zwar auf dem Bauch seines Shirts (siehe Foto).
Eine interessante Textzeile habe ich ganz vergessen, Mike sang auch: "Kalorien sind kleine Tiere, die nachts meine Kleidung enger nähen". Ich glaube diese possierlichen Tierchen hatte fast jeder von uns schon einmal des Nachts zu Besuch, oder?! Vielen Dank für die Einladung und weiterhin viel Erfolg bei der weiteren Tour!
Foto Impressionen: