Bericht: Matthias Ziegert
Fotos: Sebastian & Matthias Ziegert


"Ungerecht wie die Liebe"
Nachdem wir am vergangenen Wochenende noch ins benachbarte Thüringen nach Gera reisen mussten, um ein musikalisches Highlight zu genießen, gab es dieses Wochenende dafür mal wieder ein lang erwartetes Heimspiel in unserer Heimatstadt Naunhof. Im Bürgersaal des Naunhofer Stadtgutes gab sich Ulla Meinecke, verstärkt durch Gitarrist Ingo York, die Ehre.

Im restlos ausverkauften Saal hatten sich vor allem Besucher oberhalb der 30 versammelt, um die musikalisch umrahmte Buchlesung der Künstlerin zu erleben. Frau Meinecke stellte dem interessiert lauschenden Publikum an diesem Abend ihr mittlerweile drittes Buch mit dem Titel "Ungerecht wie die Liebe" vor. Ein Buch mit sechs voneinander unabhängigen Geschichten über das Thema Liebe und deren Unkalkulierbarkeit. Die Autorin begann ihre Lesung mit der Geschichte "Mausloff und die Anderen". Diese handelt von einem Steuerberater, der neben seiner Ehefrau noch eine Geliebte hat, und der von beiden Damen am selben Abend abserviert wird, so dass er sein Leben nun komplett neu organisieren muss. Nach etwa vierzig Minuten Lesung wurden die Zuhörer noch mit drei live vorgetragenen Liedern von Ulla Meinecke belohnt, für deren Vortrag Ingo York auf die Bühne kam und seine Gitarre ergriff. Von den Songs kam besonders das wohl etwas selbstironisch gemeinte Lied über die auftretenden Probleme beim Älterwerden gut beim Publikum an, und sorgte für einige Lacher.

Nach einer kurzen Pause folgte der zweite Teil des Programms. Dieser wurde wiederum durch eine vorgelesene Geschichte aus dem bereits oben erwähnten Buch eröffnet. In "Perfect Match", so lautet der Name dieser Story, geht es um Menschen, die über's Internet einen Partner suchen und sich in ihrer Selbstbeschreibung weit von der Wahrheit entfernen. Dennoch gab es in diesem Fall ein Happy End. Nun folgte zur großen Freude der Zuhörer ein etwas längerer Musikblock mit Songs aus verschiedenen Schaffensperioden der Wahlberlinerin. Natürlich durfte dabei "Die Tänzerin" nicht fehlen, die in einer von Ingo York neu arrangierten Version dargeboten wurde. Besonderen Applaus des Publikums gab es zu der Coverversion des Carly Simon Klassikers "You`re so vain", zu dessen Entstehung und Bedeutung vorher eine kurze Einleitung erfolgte. Zwischen den Liedern erzählte Meinecke über ein aktuelles Theaterprojekt in Berlin, in dem sie zusammen mit Ingo York spielt. Sie erzählte über ihre Studien, die sie dafür betreiben musste, sowie von der Musik, mit der sie sich dafür beschäftigen musste. In diesem Stück geht es nämlich um Schlager. Höhepunkt dabei ist ihre Verwandlung am Ende der Aufführung in Howard Carpendale. Sie präsentierte die dafür einstudierten Posen, was sehr zur Erheiterung des Publikums beitrug.

Grosse Verwunderung zeigte sie über den wohlgefüllten Saal trotz des Finals vom "Dschungelcamp", welches doch laut Medien ganz Deutschland voll beschäftigen sollte. Angereist waren die beiden Musiker übrigens an diesem Abend mit dem "Kommando Mehdorn", ihr Synonym für die Bahn. Dabei fand sie lobende Worte für die schnelle Verbindung zwischen Berlin und Leipzig, aber auch nachdenkliche bezüglich des Erbes was dieser Herr der Bahn und damit uns allen überlassen hat. Traurigerweise bewahrheiteten sich diese Worte schon an diesem Abend in Sachsen-Anhalt. Mit "Black Bird", der Zugabe, sollten die Besucher dann in die kalte schwarze Nacht geschickt werden, was das Publikum mit heftigem Applaus nach dem Beatles-Titel zu verhindern suchte. Doch leider wurde es nicht von den beiden Künstlern erhört und so endete der Abend mit dem Programm von Meinecke und York nach reichlich zwei Stunden reiner Spielzeit.





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