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John Mayall live im C-Club zu Berlin am 11. Juli 2011
Bericht: Torsten Meyer Fotos: Torsten Meyer
"Der Blues sei Sache der Schwarzen,
ihn zu spielen gehört ein schwarzes Gesicht..." (Stefan Diestelmann "Bluesgeschichte", 1980) Ursprünglich war es tatsächlich der schwarzen Bevölkerung Amerikas vorbehalten, den Blues bekannt zu machen und unter das Volk zu bringen. Wikipedia sagt dazu: "Blues ist eine vokale und instrumentale Musikform, die sich in der afroamerikanischen Gesellschaft in den USA Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt hat." Und weiter: "Der Blues ist eine eigenständige Form schwarzer US-amerikanischer Folklore...".
Am gestrigen Montag ergab sich die Gelegenheit, diesen Godfather des weißen Blues live zu erleben. Im Rahmen seiner Europatournee standen nur 2 Deutschland-Konzerte auf dem Plan, nämlich Hamburg und einen Tag später Berlin. Als Location wurde der C-Club ausgewählt, was eine wunderbare Entscheidung darstellte. Ich liebe diesen Club, er ist angenehm übersichtlich, bietet eine super Akkustik, und vor allem ist er gut erreichbar. Obwohl es ein Montag, also Arbeitstag war, sammelten sich schon 90 Minuten vorher enorm viele Bluesfans mittleren Alters (und stellenweise noch viel älter) vor der Halle. Starten sollte die Party um 20:00 Uhr, aber natürlich war das Illusion. Ich muss sagen, dass mich dieses künstliche Hinauszögern eines Konzertbeginns mittlerweile tierisch nervt. Ich bin ein eifriger Konzertgänger, kann mich aber wirklich an kein einziges Konzert der letzten zwei Jahre erinnern, welches tatsächlich pünktlich begann. Man kann es natürlich hin und wieder damit begründen, dass es am Einlass noch ein paar Wartende gibt. Okay, dann muss ich eben die Türen ein paar Minuten früher öffnen, denn ich weiß als Veranstalter vorher, mit wie viel Besuchern ich zu rechnen habe. Gestern passte diese Ausrede allerdings nicht. Also was soll diese Zeitschinderei?
Nicht jeder Titel, der auf die Bühne gebracht wurde, war mir bekannt. Muss es ja auch nicht. Dabei waren aber definitiv folgende: - Nothing to do with love - The sum of something - So many roads - Chicago line - Help me baby - Room to move
Bei einem Mayall spielen halt nur die Besten. Qualifiziert hat sich dafür auch Bassist Greg Rzab, der zwar äußerlich sehr ruhig und eher schüchtern wirkt, aber dessen Fingerfertigkeit am Bass grenzenlos zu sein scheint. Mein lieber Schwan, was da an Soloeinlagen zu hören war, dürften nur ganz wenige drauf haben. Ich hatte nur immer das Gefühl, John Mayall musste ihn förmlich drängen, sich mal gehen zu lassen und die eine oder andere Soloeinlage hinzuschmettern. Beim letzten Song des offiziellen Teils, dem allseits bekannten "Room to move" forderte Mayall seinen Bassisten zu einem minutenlangen Duell heraus, in dem er die unmöglichsten "Scrabadabdidudascrabidadudideiscrabidibidu"-Laute intonierte und Greg Rzab diese an seinem Bass versuchte nachzuspielen. Ich denke mal, diese Einlage wird Standard sein, aber die Auswahl der Laute wird schon spontan erfolgen. Rzab hatte sichtlich Spaß an der Herausforderung, das Publikum ebenfalls. Überhaupt wurde die "Room to move"-Nummer zu einem absoluten Highlight des Abends, weil alle Musiker noch mal voll in die Eisen stiegen und powerten, was das Zeug hielt. Selbst Drummer Jay Davenport kam während des Songs zu seinem Solo, und Mayall quälte vor allem seine Harp ein letztes Mal ausdauernd und voller Hingabe. Nach zwei Zugaben entließ das begeisterte und regelrecht tobende Publikum John Mayall und seine Bandkollegen dann in den Feierabend, schließlich braucht der alte Mann seinen Schlaf.
Mir wird das Konzert dieser Blueslegende in ewiger Erinnerung bleiben. Was da geboten wurde, war nicht 1. Liga, nicht Champions League - nein, das war Weltklasse. Ebenso großartig fand ich die Berliner Zuschauer, die John Mayall wirklich feierten und grenzenlos bejubelten. Es blieb einem auch gar nichts anderes übrig. Passend zu dem einmaligen Bluesfeeling war wahrscheinlich jeder einzelne Besucher nach dem Konzert total durchgeschwitzt, denn die Luft stand regelrecht in dem kleinen Club. Genau so stelle ich mir einen Besuch in einer Blueskneipe im Chicago oder New Orleans der 60er Jahre vor: es ist eng und stickig, man schwitzt sich halb zu Tode, merkt aber nichts davon, weil einem der Blues alle trüben Gedanken aus dem Hirn pustet. Leider kann ich meine Eindrücke diesmal nicht durch Fotos ergänzen, da ich für diese Veranstaltung keine Foto-Akkreditierung hatte, und die Security der Columbiahalle absolut humorlos reagiert, wenn es um die Mitnahme von Kameras in den Hallenbereich geht. Vielleicht sollte ich mir für solche Fälle auch mal eine kleine Knipse anschaffen, denn die waren komischerweise vielfach im Einsatz. Leider fotografiere ich nur mit Spiegelreflex, habe damit also null Chancen, an der Security vorbei zu kommen. Sehr schade. |