Bericht:
Hanni Möller

Bilder:
Hanni Möller (Livefotos)
Zeche Bochum (Logo im Text)





Langsam aber bereits voller Hochstimmung im Publikum baut sich das Konzert auf: die Bühne wird beleuchtet, der Saal gedunkelt, das Hamburger Heimatlied vom Hamburger Jung wird von Band eingespielt, danach die Fußball-Hymne „It's coming home“. Im Publikum ist sofort Dampf, Hände strecken gen Himmel, Tanz, Erwartung, Mitgesang. Die 8-Mann-Kapelle kommt einzeln zelebriert und umjubelt auf die Bühne: es beginnt mit dem Keyboarder und einem Soundelement aus seinem Instrument, dann Saxophon, die Ladies vom Gesang, Schlagzeug, Bass, Gitarre ... Lotto „der King“ betritt als Letzter das Feld und startet direkt in den ersten Song („... zu alt um jung zu sterben ...“), der auch der Opener der neuen CD ist.


Die aktuelle CD "Was
ist eigentlich mit Frank?"

Das Publikum füllt den gesamten Saal: ich hätte nicht gedacht, daß der Ruhrpott in dieser Fülle einem Hamburger Original folgt. Und es ist schon lange vor Beginn gut drauf, von den Rängen grölt es ab und an („Wir sind alle Hamburger Jungs“), und gefühlte 100% sind mit Lotto-Artikeln (T-Shirts und sogar Schals) bekleidet. Das Konzert ist megalaut, die Fans kennen jede Zeile der Songs. Es wird getanzt und gesprungen. Lotto und seine Kapelle müssen ihre Leute da im Saal nicht erst in Stimmung versetzen: sie ist quasi als Grundausstattung dabei, und das Konzert verläuft von Beginn an auf Hochtouren. Ein Stück reiht sich ans andere („Seitenwechsel“ als zweiter Song und danach „Was ist eigentlich mit Frank“ und „Du bist ohne Worte“ - eine Ballade - vom 2011er Album; „Ikarus“ – der Klassiker - folgt bereits sehr früh und auch „Bis der Arzt kommt“). Die Zwiesprache mit dem Publikum zwischen den Songs ist kurz und knapp. Die netten Versuche verlaufen sofort in Aufsingen der Fans (wiederholt „Wir sind alle Hamburger Jungs“); also folgt schlicht das nächste Stück. Und auch die Mädels vom Chor heizen dem Publikum zusätzlich ein, stehen sie doch nicht nur im Hintergrund sondern rocken sich nach vorn und sind im Blickkontakt mit den Leuten vor der Bühne.

Lotto hat seine Leute im Griff sozusagen, die Stimmung muß nicht weiter aufgebaut werden, aber vielleicht ist das auch ein Problem (für mich): ein Selbstläuferkonzert, das auch funktioniert, wenn die Musik vom Band käme. Es geht den Fans um Party, gute Stimmung, Bier. Was auch sein darf – aber in der Form war es für mich zu überdreht. Ausschlaggebend dabei sicher, daß es schlicht zu laut war und dabei auch schlecht gemischt; die Gitarre war unter allem nicht zu hören (wenn sie nicht gerade in einer Art Solo nach vorne gesteckt wurde). Es war eines dieser Konzerte, die live ausschließlich von einer gewissen Atmosphäre leben und weniger vom Sound, und wo die Musik von CD einfach besser daher kommt.


Fanartikel gab's in der Zeche genug...

Lotto ist eigentlich ein richtig netter Kerl, hat Rhythmus im Blut, ist mental bunt gemischt, offen, im besten Sinne cool und einfach ein Hamburger Jung. Aber .... ich komm' auch nicht drumherum, mich nicht an seine Stimme zu gewöhnen, die einfach keine Singstimme ist, die auch nicht spielt mit ein paar Möglichkeiten, wie es zum Beispiel Jan Delay tut, der auch nur näselt, aber trotzdem was daraus macht.

1996 zog ich nach Hamburg – da kam gerade Lottos erstes Werk raus. Ich wohnte auch noch in Barmbek, Lotto war von Beginn an Thema in Hamburg. Man las und hörte hier und da von ihm, er schuf sich über die Jahre ein stetes Werk und blieb sich treu. Die Fußball-Liebe zum HSV (Hamburger Sportverein) sei auch erwähnt für all die, die es nicht wissen, und daß es dazu auch ein entsprechendes Album zum Verein gibt. Schaut man sich als Gast auf seinen Konzerten um, so kommt man daran eh nicht vorbei.

Ich hab mich an diesem Abend aber schrittweise vom Konzert entfernt, sodaß die Lautstärke nicht mehr hämmerte: im Übergang vom Konzert- zum Barraum sah ich noch live, fühlte aber weniger Bedröhnung ... und dann war da noch das TV-Gerät (!): irgendwann saß ich auf dem Barhocker, nur an der Theke noch zwei, drei Mann in diesem Raum, und sah mir das Live-Konzert auf dieser Mattscheibe an, das hinter der Trennwand gerade ablief. Seltsam aber ok. Irgendwie wollte ich nicht schon so früh gehen, aber Schall und Rauch waren zu hart für meinen Kopf, daß ich das Treiben lieber mit einem kleinen Abstand betrachtete.

Daß ich zwischendurch mal Sehnsucht nach einem Wolf Maahn bekam, hätte ich auch nicht gedacht, aber Lottos Version von dessen „Ich wart auf Dich“ ist für alle, die den Song kennen, schon etwas heftig in der Wahrnehmung. Es fehlt der Zauber. Im gesamten Potpourri des Konzertabends kam er aber gut daher und lenkte die Stimmung. Es war ok da gewesen zu sein, zumal mich kleine Erinnerungen an Hamburg in Bochum immer wieder erfreuen und man auch gerne verfolgt, was so aus dem ein oder anderen Künstler wird. Daß die Perle Hamburg und all das aber auch in Bochum solch ein Zulauf hat, hätte ich zuvor auch nicht gedacht. Eine interessante Erfahrung.

Der nächste Termin ist in Frankfurt am 12. November 2011. Für alle, die auf richtige Stimmung wie im Fußballstadion oder an Silvester stehen und dabei aber nicht die alten Schlagerkamellen und Schlagerdeppen ertragen können, ist es eine runde Sache, mal zu Lotto und seinen DreamBoys hin zu gehen. Auf dem aktuellen Album „Was ist eigentlich mit Frank“ gibt es übrigens eine Live-Aufnahme vom Klassiker „Hamburg meine Perle“ aus dem Jahre 2010.



Die nächsten Termine:
12.11.2011 - Frankfurt - Badschkapp
13.11.2011 - Stuttgart - LKA-Longhorn
14.11.2011 - München - Ampere
18.11.2011 - Osnabrück - Alando Palais
19.11.2011 - Flensburg - MAX
24.11.2011 - Kiel - Sophienhof
29.12.2011 - Bremen - Schlachthof
07.01.2012 - Kiel - Sparkassenarena
27.01.2012 - Hannover - Capitol
28.01.2012 - Hamburg - Rieckhof
nähere Infos und weitere Termine auf der Homepage des Künstlers...


Bitte beachtet auch:
- off. Homepage von Lotto King Karl: www.lottokingkarl.de
- Homepage der "Zeche" in Bochum: www.zeche.com
- Homepage der Agentur Karsten Jahnke: www.karsten-jahnke.de






Live-Impressionen: