Jan Josef Liefers am 18.10.2007
im Druckhaus "Freie Presse" in Chemnitz



Bericht: Jana Löwe
Fotos: ./.




Tatort Druckhaus "Freie Presse", Donnerstag, den 18. Oktober 2007, 18.30 Uhr: mehrere hundert Menschen verschiedener Gesellschaftsschichten strömen in eine Halle, wo normalerweise Sachsen's größte Tageszeitung hergestellt wird. Doch heute Abend stehen die Bänder still.
Vor der Bühne sind eine Unmenge Stuhlreihen für sogenannte "V.I.P."-Gäste aufgebaut. Mitarbeiter der Hauszeitung, Wirtschafts-, Kultur- und Stadtvertreter dürfen dort ihren Platz einnehmen. Inwieweit dieses Klientel überhaupt am Geschehen interessiert ist, bleibt ungewiss und verborgen. Der Bereich wird u. a. durch Security und blau-weiß-gestreifte Klebebänder großzügig abgesperrt. Die Folge: das eigentliche Konzert-Fan-Publikum hat zum großen Teil nur aus fernen Gefilden eine Sicht auf die Veranstaltung. Die Mitnahme einer Leiter und eines Fernglases wäre also angebracht gewesen.
Ich bin geschockt. Hilfesuchend schaue ich in Richtung Foyer und warte auf meine Freundin Sandra und deren Mann. Wenig später sind wir endlich vollzählig.
19.00 Uhr: Nach einer kurzen Begrüßung des Chefredakteurs durfte endlich der eigentliche Protagonist des Abends mit seiner Band die Bühne betreten. Jan Josef Liefers, Ausnahmeschauspieler (u. a. "Das Wunder von Lengede" und als Gerichtsmediziner Boerne für den WDR-Tatort), Regisseur und Beherrscher von vier Fremdsprachen nennt diese Tourreihe liebevoll "Soundtrack meiner Kindheit".
Mit einer erstaunlich charismatischen Stimme präsentierte der gebürtige Dresdner im rockigen Gewand Lieder von Bands, die ihn in der Zeit sehr beeinflusst haben wie er sagt. Renft, Silly, Lift, Pankow oder die Puhdys sind nur einige davon. Mittlerweile freue ich mich und kann sagen, dass ich zu 99 % des Konzertes einen super Blick auf die Bühne hatte, wenn auch leider ziemlich weit weg, was ich normalerweise nicht gewöhnt bin, sondern immer soweit wie möglich vorn stehe. Doch man versucht das beste daraus zu machen...
Natürlich blieben dem Mann die Zustände im Konzertsaal von Anfang an nicht verborgen. Mit leicht bissigem Humor sprach er der stehenden Konzertmenge aus dem Herzen, was Jubel, tosenden Applaus und sogar Bravorufe nach sich zog. Er käme sich vor wie bei der Echoverleihung, meinte er. Vorn säßen die mit der Kohle und hinten die Fans. Wer sich schon immer gefragt hat, warum für Musiker stehts weiße Handtücher und nicht andersfarbige zum Abtrocknen auf der Bühne bereitgelegt werden, Jan Josef klärte auch diese Frage mit eindrucksvoll witzigem Charme.
"Leute, ich möchte Euch wahnsinnig gern sehen!!" Diese Worte hat er nach dem Konzert in die Tat umgesetzt und natürlich wurde dieses Angebot von vielerlei Besuchern liebend gern angenommen und vornehmlich die holde Weiblichkeit belagerte den Künstler regelrecht, der aber wahnsinnig professionell ruhig blieb und für jeden der mochte, noch Autogramme gab und Zeit für einen Wortwechsel hatte.
Vielleicht darf man mal auf ein Duett mit seiner Frau Anna Loos (ihres Zeichens jetzige Sängerin bei Silly) hoffen. Die Zeit wird es zeigen...

Setlist (Zugaben inklusive):
1. Türen öffnen sich zur Stadt
2. Wenn ein Mensch lebt
3. Als ich wie ein Vogel war
4. Mein Herz soll ein Wasser sein
5. Ich liebe Dich
6. Verdammt
7. Leb Deinen Traum
8. Anna Maria
9. Marilyn
10. Schlohweißer Tag
11. Ferne
12. Traumpaar
13. SOS
14. Kleine Kreise