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Bericht: Matthias Steinberg Fotos: Bernd Enke (Livebilder) Pressefotos (Textillustration)
Leben wir wirklich in so einer fantastischen Welt? Gerade noch unterwegs mit der LIEBESBANDE in Berlin und Dresden, am nächsten Tag bereits wieder in Halle, löste sich eines der vier Paare für einen Tag aus der Bande heraus und stach nach Borgsdorf ab, wo Dunja Averdung und Jörg Nassler als Duo LIAISONG mit ihrem neuen Programm "Draußen auf dem Meer" auftraten, einem Programm bestehend aus fast ausschließlich eigenen Titeln. Komponiert zum allergrößten Teil vom landauf landab überaus bekannten und geschätzten Gitarrenvirtuosen Jörg Nassler selbst, der in diesem Duo auch die Gelegenheit beim Schopfe ergriff, seine gesanglichen Qualitäten unter Beweis zu stellen. Und das mit, manchmal auch gegen die so alles bis tief unter die Haut durchdringende Stimme seiner musikalischen und Lebenspartnerin Dunja Averdung. Diejenigen, die sie erleben dürfen, fragten sich bereits oft, weshalb sie erst seit relativ kurzer Zeit als Sängerin bekannt geworden ist, da sie sich auch in dieser kurzen Zeit einen einem interessierten Publikum vielsagenden Namen gemacht hat. Wer weiß. Vermutlich hat sie sich zuvor um andere Dinge gekümmert. Immerhin ist sie ja auch eine Malerin. Vielleicht fehlte ihr auch nur ein so exzellent zu ihr passender musikalischer Partner wie es Jörg Nassler ist. Leider hatte ich an diesem Abend keine Gelegenheit, sie danach zu fragen. Vielleicht war es ja auch umgekehrt. Aber egal wie es kam und wie es war, es ist wunderbar, dass es dieses Duo nun schon seit einigen Jahren als sehr auserwählte Bereicherung der Musiklandschaft unseres schönen Landes gibt und dass sie nun auch seit einigen Monaten mit einem Programm aus eigenen Titeln und Stücken auftreten, welches immer noch stetig anwächst und demnächst auf einer CD zu finden sein wird, demnächst ebenfalls mit einer Band aufgeführt wird, welche dann schlicht und ergreifend LIAISONG XXL heißen wird. Das Duo wächst inhaltlich und personell weiter (woraufhin es dann wohl kein Duo mehr sein wird) und es ist spannend, dass man ihnen bei diesem Wachsen aus einem zarten Pflänzchen zusehen und zuhören darf. So wie in Borgsdorf.
"Leise zieht durch mein Gemüt", eine wunderschöne Epistel aus Heines nachgelassenen Liebesgedichten in der allseits bekannten Vertonung war der Auftakt. Und schon legte sich über diesen Abend eine Aura angenehmer Weihe. So kurz nach offiziellem kalendarischem Herbstanfang sang das Duo uns vom "Sommernachtstraum" und fragten in diesem Titel, ob wir wirklich in so einer fantastischen Welt leben, wobei sie uns hinterlistig und versonnen eine zutiefst romantische Stimmung mittels Text und Musik zauberten. Die Beschreibung einer sommerlichen Idylle. Das Leben kann tatsächlich so schön sein und wir müssen ihnen recht geben, ihre Frage positiv beantworten, wenn auch nur für bestimmte Momente. Aber genau darauf zielte der Text ja ab. Diese zu genießen und in angenehmer Erinnerung, auch gefühlter Erinnerung zu behalten. Und so ist es schön und gut, dass LIAISONG uns daran so kräftig erinnerten. "Die Liebe kommt, die Liebe geht, wie eine Feder, vom Winde verweht", eine zarte Beschreibung einer Verführung durch einen wohl eher scheinbar "Stillen Genießer", welche sich, wie mutig das gesanglich einzugestehen, frau sich gerne gefallen ließ. Das zu einem perlend fließenden Gitarrenspiel und umwerfend der Gesang Dunja Averdungs zu dieser frechen Geschichte. Die mit Jörg Nassler mittlerweile gemeinsam in Bodstedt lebende Sängerin entpuppte sich als Ur-Berlinerin, als sie ein sie prägendes Kindheitserlebnis erzählte. Die davon handelte, wie sie mit ihren Geschwistern heimlich lauschte, wenn ihre Eltern zusammen in ihrer Küche in Pankow am manchen Abenden musizierten. Besonders hängen geblieben war bei ihr ein Schlager "Der Nachtwind streift die Bäume", den LIAISONG etwas verjazzt zum Besten gaben. Jörg Nassler - wie in vielen anderen Titeln auch - als Gitarrist, Bassist und Percussionist in einer Person. Das ging nach vorne los und barg einige musikalische so gar nicht schlagertypische Überraschungen in sich. Danach erklärte Jörg Nassler dem an diesem Abend überwiegend älteren Publikum, wie Loops funktionieren und forderte es auf, ihn mit Zunge und Fingern perkussiv bei seinem ersten Solostück an diesem Abend zu unterstützen. Was auch tatsächlich gut gelang. Den nächsten Titel kann man auch auf youtube als Demoversion für die Bandvariante hören und genießen. Eine eigentlich kleine Geschichte von zwei Menschen, die sich plötzlich auf den ersten Blick ineinander verliebten und dann eines Tages von der Blickfläche verschwunden waren. Doch musikalisch und textlich in sich gebrochen entsteht aus dieser Banalität mit einem Mal eine große Ballade und aus der kleinen Geschichte eine Legende. LIAISONG ist sich nicht zu schade, bei aller auch gesellschaftskritischen und politisch gemeinten Ernsthaftigkeit, das Einfache und Schöne zu thematisieren und musikalisch auch bis ins eigene Gefühl hinein auf eine sehr schöne Weise wiederzugeben. Da gehen Musik und Text eine ganz eigene Symbiose ein. Aus dieser Sicherheit dieser Symbiose heraus, so erklärte es auch Dunja Averdung in einer ihrer Ansagen dem Publikum, konnten sie sich mit dem durch und durch gehenden Titel "Regentropfenplatzen" an das heikle Thema des Kindesmissbrauchs heranwagen ohne falsches Pathos, aber auch ganz ohne Scheu vor diesem Thema, dass - in diesem Fall auch musikalisch sehr beeindruckend gelöst - dringend immer wieder erzählt werden muss. Doch hier aus einer ganz ungewöhnlichen Sichtweise, aus der eines beobachtenden Kindes. Das geht tief! Und da brauchte es auch eine musikalische Pause zum Setzenlassen und sich wieder fassen. Das Duo, das ja bereits längere Zeit mit diesem Programm tourt, war auf diese Situation vorbereitet und so folgte der zweite Solopart von Jörg Nassler. Mit einer munteren Geschichte nach diesem fantasievollen Spiel lockte Dunja Averdung das wieder gefasste Publikum nach Spanien, wieder zu einer ihrer Kindheitserinnerungen. Zu jenen Momenten, die dazu beitrugen, dass sie Malerin wurde, trotz vieler Widerstände und vor allem Widersprüche. Doch eben auch gewillt, neues Land zu betreten, ein neues, ein anderes Leben. Wovon der nächste Titel, zu dem sie auf diese Weise überleitete, handelte. "Eismeer". Er ist ebenfalls in einer Demoversion für die Bandvariante auf youtube zu finden. Man spürt in ihm musikalisch sehr deutlich, wie aus einer festhaltenden festgefahrenen Schwere das Loslösen erst zögerlich dann immer stärker folgt, die Befreiung dann und das Neuentdecken von Möglichkeiten, Talenten, anderen Menschen, von sich selbst. Die Idee von einem Neuaufbruch, wenn gar nichts mehr geht. Oft gedacht von vielen. Schwer oder gar nicht vollbracht. Dieser Titel könnte eine nicht Druck ausübende Hilfe dafür sein in Situationen, die es notwendig machen, Entscheidungen zu treffen, eine langsame leichte auch sirenenartig verführende. Ein Fliegen eben... Vor der Pause wollte uns LIAISONG noch ein politisches Statement mit auf den Weg geben. "Auf Macht, Geld und Wahnsinn, auf Neid und auf Verrat können wir verzichten, solang die Liebe uns noch hat". Da rockt es richtig ab. Und es ist wohl tatsächlich die richtige Botschaft für diese irre Zeit. Das macht schon viel mehr als nur Spaß, diesem frechen Text und der ebenso vorlauten Musik zuzuhören.
Nach einer witzigen Geschichte von einem kleinen und einem großen Hasen, die sich gegenseitig zu übertrumpfen versuchten mit der Angabe der Reichweite ihrer großen Liebe zueinander "bis zum Himmel". Ein Jazztitel, von dem man gar nicht annehmen würde, dass er in solch einer Duo-Variante funktioniert ohne verkitscht zu wirken. Er klang eben nicht verkitscht und man ließ sich gerne bei der Vorstellung solch großer Liebe und dem Gitarrenspiel von Jörg Nassler in diesem Titel etwas treiben. Dass Jörg Nassler, der sehr lange (aber nicht nur) mit Gerhard Schöne unterwegs war, für diesen komponierte und arrangierte, in diesem Jahr sein 30-jähriges Bühnenjubiläum begeht, erfuhr man so nebenher. Von der Zeit her passend die Adaption des Titels "Daß ich eine Schneeflocke wär'" von Franz Bartzsch und Kurt Demmler, fulminant interpretiert. Eingängig und ergreifend. Immer noch. Ein Titel für die Ewigkeit gemacht. Auch der nächste Titel war eine Adaption. Die eines madagassischen Schlafliedes, welches die Mütter ihren Kindern vorsummen. Ein Lied ohne Text. Dennoch hat das Duo einen deutschen Text auf dieses Lied gesetzt, ein Text wie ein Gebet. "Lieber Gott". Noch einmal die Welt aus Kinderaugen beschrieben, die kleine Welt der Kinderherzen, ihrer Wünsche, Träume, Hoffnungen. Eine Botschaft vielleicht als Schlaflied von Kindern für ihre Eltern zu singen. Denn die Botschaft, die Bitte des Textes an einen imaginären Gott gerichtet, das wäre wohl ein recht einsames Lied. Aber eingeflüstert singend den Elternohren in den Traum als Wunschbild für die kommenden Tage, das wäre wohl etwas. Jörg Nassler ließ uns wieder Anteil nehmen an seinem unbeschreiblichen solistischen Gitarrenspiel. Immer eine Reise, jedes Stück. Und immer Schönheit fühlend und fühlen lassend. Klang für Klang, Ton für Ton. Da kann man schon geistig ab- und wegtreiben im besten Sinne. Mit dem temporeichen "Dein Kuss", einer sehr witzigen Variante des wohl sehr häufig in Liedern bearbeiteten Themas und der Reinhard Fissler-Komposition sowie Titelsong der angekündigten CD "Draußen auf dem Meer" verabschiedete sich das Duo LIAISONG offiziell vom Borgsdorfer Publikum. Nach einer spritzigen Danksagung von Hans Matern gab es natürlich auch noch Zugaben: "Niemand geht mehr zu Fuss", "Ich bei Du gewesen" und ein Gute-Nacht-Lied. Die Tourneedaten findet man (vollständig) auch auf www.liaisong.com. Es lohnt sich! Nächste Termine: 27.09. - Prerow, Seemannskirche 08.11. - Herford, JVA 09.11. - Hameln, JA 09.11. - Hameln, Martin Luther Gemeinde 10.11. - Trier, Tuchfabrik 11.11. - Oberotterbach, Musikantenbuckl 12.11. - Bad Salzungen, Jazzkeller Haunsche Höfe 17.11. - Wittenberg, Phönix Theaterwelt 18.11. - Wendelstein Casa de la Trova 19.11. - Chemnitz, Arthur Bitte beachtet auch: - off. Homepage vom Duo Liaisong: www.liaisong.com - off. Homepage von Jörg Nassler: www.nassler.com - Hompage des Kulturvereins: www.kulturkreis-hohenneuendorf.de - Homepage vom "Weißen Hirsch" in Borgsdorf: www.weisser-hirsch-borgsdorf.de
Live-Impressionen:
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